Das ist der Tenor einer Untersuchung, die die Thüringische Landesmedienanstalt bei den Ilmenauer Professoren Gerhard Vowe und Andreas Will in Auftrag gegeben
hat.Die Studie unter dem Titel “Die Prognosen zum Digitalradio auf dem Prüfstand - Waren die Probleme bei der DAB-Einführung vorauszusehen?” wurde Ende März auf einer Expertentagung in Erfurt der Öffentlichkeit
vorgestellt und ist als als Band 15 der TLM-Schriftenreihe im KoPäd Verlag München erschienen, (128 Seiten, Euro15,- ISBN 3-935686-45-5)
Die Wissenschaftler gehen darin der Frage nach, ob, und wenn ja, warum die
Probleme bei der Einführung des Digitalradios (DAB) in den zahlreichen Akzeptanz- und Nutzungsuntersuchungen durchweg unterschätzt wurden. Sie kommen u.a. zu folgenden Ergebnissen:
“Indessen fallen die Studien
insgesamt im Vergleich zur tatsächlichen Entwicklung immer noch zu optimistisch aus. Das liegt an der Überschätzung des Nachfragepotenzials, an der Unterschätzung der Probleme, die Anbieter zu koordinieren und an der
Vernachlässigung möglicher konkurrierender Technologien. Hinzu kommt, dass die Aussagen der Studien in ihrer Aufbereitung und Verbreitung eher noch "optimiert" wurden. Die Solidität der Prognosen hätte erhöht
werden können, wenn die Untersuchungen insbesondere in der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie stärker verankert gewesen wären, wenn durch methodische Transparenz die Kontrolle der Befunde stärker gesichert gewesen
wäre und wenn die Distanz zur Politik größer ausgefallen wäre.
Deutlich wird, dass in der Begleitforschung zu den Pilotprojekten die Prognosen zur Durchsetzung von DAB insgesamt eher skeptisch ausfallen, weil dort
die Akzeptanz ins Auge gefasst wird und nicht die technische Lösung selbst. Deutlich wird aber auch, dass in die Analyse und Prognose von Innovationen neben Technik und Akzeptanz auch die Koordinationsprobleme
einbezogen werden müssen, um die z. T. gegenläufigen Interessen zu verknüpfen.”
Die Wissenschaftler zeigen in ihrem Gutachten einerseits, dass die Prognosen zu den Entwicklungsaussichten des Digitalradios insgesamt
sehr viel heterogener waren, als auf den ersten Blick zu vermuten war. Sie stellen aber fest, dass die Akzeptanz- und Nutzungsuntersuchungen der Begleitforschung zu den DAB-Pilotprojekten Ende der 90er Jahre in Anlage,
Wahrnehmung und Rezeption bereits auf die Markteinführung eines neuen, technisch für überlegen gehaltenen Systems ausgerichtet waren. Die Überprüfung der ins Blickfeld genommenen Untersuchungen ergab zudem theoretische
Defizite und (in einigen Fällen) auch methodische Mängel. Das hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Prognosen nicht eindeutiger und realistischer ausgefallen sind. Aus ihrer Überprüfung ziehen die Gutachter das
Fazit, dass derzeit weder eine Marktlösung noch eine politisch-administrative Lösung in der Lage ist, den DAB-Stillstand aufzuheben.
Im Rahmen der wissenschaftlichen Fachdiskussion auf dem Erfurter Symposiums sahen
die Teilnehmer ein besonderes Manko der Prognosen zur Einführung des Digitalradios darin, dass die Komplexität der wirtschaftlichen und politischen Strukturen sowie deren Einfluss und Erwartungshaltung erheblich
unterschätzt oder ganz ausgeklammert wurde. Bei allen methodisch-wissenschaftlichen Anforderungen an ein Prognosegutachten spiele aber auch der "gesunde Expertenverstand" (so ein Teilnehmer) eine Rolle.
Ach nee! Vielleicht hilft es ab und zu, dass sich die “Experten” einfach einmal in Ihre Rolle als Verbraucher reinversetzen.
(Der umfangreiche Text der Presseerklärung der TLM ist