Die 3 Tornados

Pershings Zapfenstreich (Audio)

(parlando:)
Kampflied des 3. Tornadogeschwaders der Ludendorff-Kaserne zu Schwäbisch-Gmünd - 2, 3, 4!*

Wenn die schlanken Pershings fliegen, 
freut sich unser ganzes Heer**
Woll'n wir alle Russen kriegen, 
fällt der Abschuß uns nicht schwer.

Tickt die Elektrik, zischelt der Zünder, 
fliegt die Rakete wer weiß wohin.

Wenn die Bomben eingeschlagen, 
sagt der Russe garnichts mehr
Seine Pappmaché-Raketen 
sind kaputt und geh'n nicht mehr.***

Vor uns liegt Moskau, hinter uns Stalingrad
Dann schreib' ich Karten vom Schwarzen Meer.

Wenn wir dann nach Hause kommen,
ist die Disco völlig leer
Alle sind im Feld geblieben****
Und mich kennt hier Keiner mehr.

Frieda, die Süße, hat beide Beine ab
Sie macht beim Tanzen ziemlich schnell schlapp.

Doch wir woll'n nicht lange klagen
Rheinstahl hat uns stark gemacht
Uns're Mittelstreckentypen
rauschen wieder durch die Nacht.

Die Kameraden bilden ein schönes Heer
Wenn wir versinken im Bombenmeer.

(parlando:)
2, 3, 4 - Lied aus!


*So viel Unsinn in einer einzigen Zeile! Ein "3. Tornadogeschwader" gab und gibt es nicht. Das 33. Jagdbomber-Geschwader war zwar mit dem "Tornado" (zuvor mit dem berüchtigten "Starfighter", im Bw-Jargon: "Witwenmacher") ausgestattet; aber es hatte natürlich keine Pershings, denn das waren große Boden-Boden-Raketen. Es gab und gibt zwar auch kleinere Luft-Boden-Raketen, die vom Flugzeug aus abgeschossen werden, aber die waren ungleich harmloser, da nicht mit Atomsprengköpfen bestückt. (Sie werden wohl in naher Zukunft durch unbemannte, ferngesteuerte "Drohnen" ersetzt werden.) Das JaBoG 33 war auch nicht in Schwäbisch-Gmünd stationiert, sondern in Büchel. Das 32. JaBoG - ebenfalls mit "Tornados" ausgestattet - übte zwar auf dem Lechfeld, also in unmittelbarer Nähe des FKG 1; aber letzteres übte seine Pershing-Abschüsse nicht auf dem Lechfeld, sondern in White Sands, also in unmittelbarer Nähe von Ft. Bliss, Texas. (Über die dortige RakSLw schreibe ich hier etwas mehr, bei "Over in the glory land") In Schwäbisch-Gmünd saß vielmehr eines der 3 Bataillone des US-Feld-Artillerie-Regiments 56 (später 9), die mit der Pershing II ausgerüstet waren (die wir Deutschen trotz des NATO-Doppelbeschlusses zur "Nachrüstung" nie bekamen - wir behielten die veraltete Pershing I). Dies aber nicht in der Ludendorff-Kaserne (eine nach dem alten General benannte Kaserne hat es zu Bw-Zeiten nie gegeben), sondern in der Bismarck-Kaserne. (Ein weiteres dieser 3 Bataillone saß allerdings in Neu-Ulm in der Wiley-Kaserne, und die war bis 1945 tatsächlich nach Ludendorff benannt gewesen.)
**Das ging das Heer gleich garnichts an, denn die Pershings waren - wie schon im 2. Weltkrieg die V1-Flugbomben - der Luftwaffe unterstellt.
***Ein leichtfertiger Irrglaube. Richtig war wohl eher das Gegenteil: Die vergleichbaren sowjetischen Raketen (die alles andere als von Pappe waren, geschweige denn aus Pappmaché - dennoch demonstrierte oder protestierte gegen sie keine "Friedens"-Bewegung, weder in Ost noch West) waren auf mobile Abschußrampen montiert, die ständig hin- und hergefahren wurden; sie verlagerten ihren Standort schneller, als eine vom Westen abgeschossene Pershing ihr Ziel erreichen konnte, d.h. wir hätten wohl keine einzige "erwischt". Dagegen lagen unsere beiden Flugkörpergeschwader wie auf dem Präsentierteller - unsere Pershings wären uns selber wohl gefährlicher gewesen als den Sowjets. Der französische Oberstleutnant i.G. Guy Doli ließ 1978 in seinen unter dem Pseudonym "François" erschienenen 3.-Weltkriegs-Roman "Si les Russes attaquaient" [Wenn die Russen angreifen] die Sowjets Nürnberg und Aachen mit ABC-Waffen ausradieren.***** Aber warum hätten die das tun sollen? Sie hätten ihre Bomben natürlich ein paar Kilometer weiter abgeworfen, nämlich auf Landsberg am Lech und Geilenkirchen-Teveren, wo die FKG der Bw stationiert waren. Aber vielleicht hätten sie selbst das garnicht gebraucht, denn die waren völlig unzureichend geschützt, von einem Zug Schlipssoldaten, die zwar angeblich den Finger "immer am Abzug", aber keine besondere Ausrüstung oder Ausbildung hatten. (Zu meiner Zeit gewann keiner von denen bei den Geschwadermeisterschaften im Schießen jemals einen Blumentopf; und die einwöchige ABC-Se-Ausbildung - die man übrigens allen im Geschwader angedeihen ließ - war einfach lächerlich.) Jeder gute Sabotagetrupp hätte sie spielend überwältigen können. Die Pershings waren zwar theoretisch "immer in Sofortbereitschaft"; aber in der Praxis sah das ganz anders aus: Da kein Deutscher den Befehl zum Abschuß geben durfte (obwohl beide Geschwader direkt der NATO unterstellt waren, in der es ja auch deutsche Offiziere gab), mußte, bevor auf den Knopf gedrückt wurde, immer erst der US-amerikanische Offizier geweckt werden, der nebenan in einem Bunker pennte in Bereitschaft lag; und der war so gut gesichert, daß es, bevor man bis zu ihm vordringen konnte - ein telephonischer Befehl hätte selbstverständlich nicht ausgereicht -, wohl schon zu spät gewesen wäre.
****Noch so ein Irrglaube. Bereits in der Endphase des 2. Weltkriegs war die Gefahr, bei einem Bombenangriff an der "Heimatfront" draufzugehen, größer als "im Feld" zu bleiben, d.h. an der Front zu fallen. Für alle folgenden Kriege galt und gilt das erst recht.


*****Ich habe das Buch nach 30 Jahren noch einmal gelesen und konnte nur den Kopf schütteln - auch über mich, der ich das damals selber glaubte. F. nannte seinen Science-Fiction-Roman zwar einen "roman sans fiction", aber eigentlich ist alles nicht nur anders gekommen, als er es vorausgesagt hatte, sondern geradezu entgegengesetzt: Nicht die Russen haben ein Bündnis mit China geschlossen, sondern die USA - ein Wirtschaftsabkommen, das für beide Seiten desaströse Folgen gezeitigt hat, ohne das sie aber wohl beide nicht mehr [über]leben könnten. Nicht die Russen haben nach Titos Tod Jugoslavien überfallen und zerstört, sondern die USA und ihre NATO-Verbündeten. Rußland, weit davon entfernt, Westeuropa zu erobern, ist auf das Territorium der 1660er Jahre zurückgeworfen, d.h. auf weit weniger, als ihm der vielgeschmähte Vertrag von Brest-Litowsk 1918 gelassen hätte, denn da wären ihm wenigstens noch die rohstoffreichen Turkrepubliken geblieben. Paradoxerweise ist der russische Rumpfstaat inzwischen kapitalistisch geworden - und es ist ein knallharter Manchester-Kapitalismus, ungemildert durch "soziale Marktwirtschaft" o.ä., während Frankreich auch ohne Krieg kommunistisch geworden ist. (Und nicht nur Frankreich. Ich war ja nicht als einziger so naiv, sondern viele meiner Kameraden auch. Keinen Augenblick glaubten wir daran, daß die NATO einem Angriff der Truppen des Warschauer Pakts auch nur 48 Stunden hätte standhalten können; vielmehr hofften wir, irgendwie entwischen und uns nach Spanien durchschlagen zu können, und von dort weiter nach Südamerika. In unseren schlimmsten Alpträumen hätten wir uns nicht ausgemalt, daß praktisch alle südamerikanischen Staaten zu kommunistischen "Shitholes" werden und daß einige von uns - mit entsprechendem Stammbaum - ernsthaft die Möglichkeit prüfen würden, IM Erikas Verbrecherregime zu entfliehen und Asyl in Polen oder Ungarn zu beantragen. Meine Frau und ich bereuen schon bitter, daß unsere Mütter ihren Kindern kein Wort Polnisch bzw. Ungarisch beigebracht haben - in unserem Alter dürfte es sehr schwierig sein, diese Sprachen noch zu erlernen; und für unsere Französisch- und Spanischkenntnisse werden wir uns am Ende nichts kaufen können.) Der einzige Satz von "François", der noch immer - und mehr denn je - aktuell ist, ist die Frage, die der Präsident der Republik im 3. Kapitel angesichts der beginnenden Invasion seinen Ministern stellt: "Soll Westeuropa auf den Kampf verzichten und den Eindringlingen zum erstenmal in seiner Geschichte widerstandslos die Grenzen öffnen?" Allerdings ist die Gefahr heute weit größer und geht nicht von russischen Soldaten aus, sondern von 'zig Millionen militanten Moslems, die bei uns eingedrungen sind und besonders seit dem Sommer 2015 verstärkt weiter eindringen, wahrscheinlich durch direkten Druck aus Washington auf Berlin, oder aber indirekt durch die Kriege, welche die USA in Nordafrika und Nahost angezettelt haben. Lediglich die einst zum Sowjet-Imperium gehörenden osteuropäischen Staaten haben sich dieser tödlichen Invasion erfolgreich erwehrt. Aber wer das musikalisch thematisieren wollte, bekäme wahrscheinlich nicht nur Auftrittsverbot und Knast, sondern würde von der Stasi 2.0 liquidiert.

Hansis Schlagerseiten