Johanna von Koczian

Das bißchen Haushalt (Video) (Audio)

Das bißchen Haushalt macht sich von allein - sagt mein Mann
Das bißchen Haushalt kann so schlimm nicht sein - sagt mein Mann
Wie eine Frau sich überhaupt beklagen kann
Ist unbegreiflich - sagt mein Mann.

Das bißchen Kochen ist doch halb so wild - sagt mein Mann -,
was für den Abwasch ganz genauso gilt - sagt mein Mann
Wie eine Frau von heut' darüber stöhnen kann
ist ihm ein Rätsel - sagt mein Mann.

(Brücke:)
Und was mein Mann sagt stimmt haargenau
Ich muß das wissen, ich bin ja seine Frau.*

Das bißchen Wäsche ist doch kein Problem - sagt mein Mann
Und auch das Bügeln schafft man ganz bequem - sagt mein Mann
Wie eine Frau von heut' da gleich verzweifeln kann
Ist nicht zu fassen - sagt mein Mann.

Brücke

Das bißchen Garten, oh wie wohl das tut - sagt mein Mann
Das Rasenschneiden ist für den Kreislauf gut - sagt mein Mann
Wie eine Frau von heut' das nicht begreifen kann
ist unverständlich, sagt mein Mann.

Er muß zur Firma geh'n tagein tagaus - sagt mein Mann
Die Frau Gemahlin ruht sich aus zuhaus' - sagt mein Mann
|: Daß ich auf Knien meinem Schöpfer danken kann
Wie gut ich's habe, sagt mein Mann :|


*Ja, aber offenbar keine Hausfrau, sonst hätte sie gewußt, daß das anno 1977, als sie es sang, längst überholt war. Wenn sie das in den 1950er Jahren gesungen hätte... aber zu einer Zeit, da in praktisch jedem Haushalt schon eine Waschmaschine, ein Geschirrspülautomat, ein Gas- oder Elektroherd, ein elektrischer Staubsauger und ein elektrisches Bügeleisen vorhanden war, wirkte das nur noch lächerlich. Und wer sich den Luxus leisten konnte, im Garten statt etwas Eßbarem einen Rasen anzupflanzen, konnte sich wohl auch einen elektrischen Rasenmäher leisten. Nein, die Zeit der Tiefkühltruhen und Mikrowellen war noch nicht gekommen; aber Kochen war nun wirklich keine Mühe mehr.
Meine Oma mußte noch Wasser aus dem Brunnen im Hof holen, mein Opa Holz aus dem Wald - das dann erstmal kleingehackt wurde -, damit wurde der Ofen in der Küche angeheizt, bis das Wasser kochte; in der Zwischenzeit wurde das Gemüse geputzt und kleingeschnitten und kam dann mit den übrigen Zutaten in den [Ein-]Topf; Kochen und Abwaschen dauerte - je nachdem wie zäh das Fleisch war, wenn man sich denn welches leisten konnte - zwei-drei Stunden; und abends mußten die Reste - wenn welche übrigblieben - ja auch erst wieder aufgewärmt werden. Noch länger dauerte Waschen und - vor allem bei schlechtem Wetter - Wäschetrocknen; meine Mutter brachte die größeren Wäschestücke, die sie nicht selber schaffte - per Hand am "Rubbelbrett" in der Küche - zähneknirschend in die Wäscherei um die Ecke; aber auch sie bekam Mitte der 1970er Jahre eine Waschmaschine und einen Wäschetrockner. Den Geschirrspülautomaten, den sie später bekam, benutzte sie dagegen kaum, nach dem Tode meines Vaters garnicht mehr. Sie meinte, es sei Zeit- und Geldverschwendung, wegen ein paar Teller und Tassen eine Stunde lang die Maschine laufen zu lassen und dabeizubleiben, um aufzupassen, daß nichts passierte - sie mißtraute Maschinen zeitlebens -; in der Zeit erledige sie den Abwasch von Hand dreimal.
Erst in unserer Generation schwanden solche Skrupel. Meine Frau und ich hatten von Anfang an Arbeitsteilung: Ich war für's Kochen zuständig, sie für den Abwasch; und sie quengelte so lange, bis sie auch einen Geschirrspüler bekam, den sie ungeachtet der Stromrechnung jeden Tag laufen ließ, ebenso wie all die anderen elektrischen Geräte, die man frau unbedingt braucht.

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