TOTSCHWEIGEN HILFT NICHT!

Was denkt die Wirtschaft über Migration?

von Peter Holzer (Die Achse des Guten, 31.8.2025)

Anmerkungen und Links: Nikolas Dikigoros

Beim Wahlkampf in Köln haben sich die Parteien - alle außer der AfD - darauf verständigt, das Thema Migration im Wahlkampf nicht anzusprechen. Man könnte auch sagen: Sie wollen es totschweigen. Doch Probleme verschwinden nicht, wenn man sie verschweigt. Sie wachsen.

Und die Menschen spüren das. Laut ARD-DeutschlandTrend vom Januar 2025 - kurz vor der Bundestagswahl - glaubte nur noch jeder Zehnte, der Staat habe die Zuwanderung im Griff. Fünf von sechs Deutschen waren überzeugt: Die Politik hat die Kontrolle verloren.

Ein halbes Jahr später, im Juli, hat Migration in der öffentlichen Wahrnehmung zwar leicht an Gewicht verloren. Aber noch immer nennen 33 Prozent der Bürger sie als das wichtigste Problem des Landes - mit großem Abstand vor allen anderen Themen.

Auch die internationale Ipsos-Studie "What Worries the World" aus Juli 2025 zeigt: Nur in Irland, Chile und Großbritannien sehen noch mehr Menschen als in Deutschland die Kontrolle der Einwanderung als drängendes nationales Problem.

Trotz solcher Zahlen wollen viele Politiker das Thema meiden. Aus den Sorgen der Bürger werden mantraartig Belehrungen formuliert: Wir müssen alle dankbar sein für die Migration. Warum? Die Begründung ist immer dieselbe: weil wir dem Arbeitsmarkt nur durch die Aufnahme von Flüchtlingen dringend benötigte neue Fachkräfte zuführen könnten.

So entsteht eine gefährliche Kluft: zwischen den Sorgen der Bevölkerung und dem, was Parteien im Wahlkampf ansprechen. Genau das schwächt Vertrauen und öffnet den Raum für Populismus. Wir müssen reden - offen, ehrlich und mit klaren Prinzipien. Wie blicken Unternehmen und ihre Leistungsträger auf dieses Thema?

Nicht mehr mein Land

"Dieses Land ist nicht mehr mein Land, ich fühle mich unwohl. Die Geschäfte hier im Zentrum sind fast alle verschwunden. Gegenüber wohnen Kurden oder was weiß ich was. Sonntag morgens zertrümmern sie mit Wodka in der Hand irgendwelche Möbel und machen auf dem Gehweg ein Feuer, um zu grillen. Und wenn ich das in der Öffentlichkeit sage, werde ich, obwohl ich selbst Einwanderer bin, noch als Nazi beschimpft."

Das erzählt mir der Geschäftsführer eines Mittelständlers. Seit vielen Jahren begleite ich ihn. Er selbst ist ein Paradebeispiel für gelungene Integration: Vor vielen Jahren nach Deutschland eingewandert, hat er sein Unternehmen zu einem florierenden Geschäft ausgebaut.

Und viele der Leistungsträger in Unternehmern, mit denen ich spreche, stehen - wenn auch nur hinter vorgehaltener Hand - der Massenmigration in Deutschland ebenfalls skeptisch bis ablehnend gegenübe. Trotz des immer wieder behaupteten Potenzials für den Arbeitsmarkt.

59 Prozent ohne Job

Kein Wunder, denn die Praxis zeigt, dass das mit dem Potenzial so eine Sache ist. Die Bundeszentrale für politische Bildung berichtet über eine Statistik unter dem Titel "Erwerbstätigkeit der Geflüchteten nach Geschlecht und Aufenthaltsdauer": Demnach waren vier Jahre nach dem Zuzug 41% der erwachsenen "Geflüchteten" erwerbstätig; 59% waren immer noch ohne Job. Als erwerbstätig gilt in dieser Statistik auch jemand, der nur als Praktikant oder geringfügig Beschäftigter arbeitet. Doch mit solchen Jobs kann niemand würdevoll seinen Lebensunterhalt in Deutschland finanzieren.

Die Zahlen überraschen nicht, denn ein Großteil der Einwanderung erfolgt irregulär, ist also keine kontrollierte Anwerbung von ausländischen Fachkräften. Viele Flüchtlinge besitzen keinen Schulabschluss, manche sind Analphabeten. Damit lässt sich der Fachkräftemangel in unserem Land nicht kurzfristig beheben. Und lukrative Jobs können diese Menschen ebenso wenig erwarten.

Durch die aktuelle Art und Weise unserer Migrationspolitik helfen wir nicht dem Arbeitsmarkt. Sondern wir helfen Menschen aus humanitären Gründen. Das finde ich an sich gut und moralisch richtig. Doch dann müssten wir auch bereit (Anm. Dikigoros: und in der Lage) sein, die hohen Kosten für die Integration und Ausbildung zu bezahlen.

Regeln hinterfragen

Wir müssten bestehende Regeln hinterfragen und es den Menschen, die zu uns kommen, leichter machen, einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Die Realität: In den ersten drei Monaten gilt Arbeitsverbot. Danach dürfen Geflüchtete nur eingeschränkt arbeiten. Erst nach vier Jahren haben sie vollen Zugang zum Arbeitsmarkt. Vier Jahre - eine verlorene Zeit für Integration, Wirtschaft und Gesellschaft.

Mit solchen Regeln lösen wir unseren Arbeitskräftemangel nicht. Und fördern außerdem ein schlechtes Gefühl bei denjenigen, die wir zwar ins Land lassen, aber von der Arbeit fernhalten.

Wozu das führt, wenn sich der Geist vor Langeweile nicht mehr zu beschäftigen weiß, können Sie ja mal ausprobieren, indem Sie sich für ein paar Monate in eine Turnhalle oder Containersiedlung einpferchen. Die Regeln sorgen für Frust bei den Flüchtlingen, entgangene Arbeitskraft für die Wirtschaft und verlorene Zeit für die Integration - und müssen sicherlich von Grund auf neu gedacht und formuliert werden.

Rosarote Migrationswelt

Nur selten lösen sich Probleme, indem man sie ignoriert. Wir werden nicht drumherum kommen, uns auch den kritischen und unangenehmen Fragen rund um das Thema Migration zu stellen.

Wenn ich mir die Aussagen von manchen Bundespolitikern anhöre, scheinen sie jedoch in einer rosaroten Migrationswelt zu leben, in der es nur friedliche, top ausgebildete und leistungswillige Fachkräfte gibt, die auf dem Weg zur Arbeit in Deutschland voller Tatendrang singen: "Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Wir steigern das Bruttosozialprodukt..."

Doch in unserer Gesellschaft läuft die Einwanderung nicht reibungslos. Wenn Menschen einwandern und sich nicht in unsere Gesellschaft integrieren, werden die Konflikte zwischen Einheimischen und neuen Mitbürgern zunehmen. Auch innerhalb der Ausländergruppen selbst, wie beim Unternehmer in der Geschichte oben.

Systematische Einwanderungspolitik

Es ist ein Dilemma, in dem wir stecken. Auf der einen Seite das Leid der Menschen, die vor Krieg und anderen Grausamkeiten flüchten und ihre Heimat verlassen. Auf der anderen Seite die kriminellen Familienclans oder soziale Gruppenbildung, so dass man sich stellenweise fremd und unsicher im eigenen Land fühlt.

So sehr mir friedliche Koexistenz am Herzen liegt und ich an das Gute im Menschen glauben will: Aber Einwanderung ist eben kein Ringeltanz mit Anfassen, sondern ein Aufeinanderprallen unterschiedlicher Kulturen, Werte und Gewohnheiten, das harte Arbeit und unangenehme Entscheidungen für alle Beteiligten erfordert. Wir brauchen Klarheit: Wer ist bei wem zu Gast? Wer hat sich wem anzupassen? Wie viel ist jeder von sich bereit, aufzugeben?

Ich denke, wir müssen uns als Gesellschaft klar werden, was wir wollen. Dazu gehört das Bekenntnis: Ja, Deutschland ist ein Einwanderungsland. Aber wir können nur eine begrenzte Menge an Menschen aufnehmen. Die Einwanderung muss also nach Prinzipien und Regeln erfolgen.

Ein Grundsatz könnte sein: Wir helfen Menschen, die vor Gefahr und Not fliehen. Für die Deckung des Fachkräftemangels aber brauchen wir die gezielte Anwerbung von qualifizierten ausländischen Arbeitnehmern. Also eine systematische Einwanderungspolitik, ähnlich wie beispielsweise in den USA oder Kanada. (Anm. Dikigoros: Auf welchem Planeten lebt der Typ? Wann war der zuletzt - wenn überhaupt jemals - in den USA oder Kanada?!? Die Zeiten von "Greencard" sind längst vorbei!)

Und wer kein Aufenthalts- und Bleiberecht hat, darf weder reinkommen noch bleiben. Kurzum: regulierte Einwanderung: ja! Irreguläre Einwanderung mit der Gefahr, dass unsere Sozialsysteme und der gesellschaftliche Zusammenhalt noch mehr unter Druck geraten: nein!

Mehr Anerkennung für Leistung und Erfolg

Es liegt an uns allen, auch unseren Unternehmern, mutig die Stimme zu erheben und von unseren Politikern Mut zur Haltung und konkreten Lösungen einzufordern. Deutschland muss als potenzielle Heimat für Menschen, die unseren Wirtschaftsstandort stärken, attraktiver werden. Warum sollte ein IT-Genie aus Indien nach Deutschland kommen? Wegen unserer hohen Steuern, unbezahlbaren Energiekosten, ausufernden Sozialabgaben? Dann lieber in die USA: Dort gibt es bessere Tech-Unternehmen, höhere Gehälter, günstigere Energie und weniger Steuerlast.

Uns bleibt im globalen Standort-Wettbewerb nur, für Freiheit und Freiraum zur Selbstverwirklichung zu kämpfen. Wir müssen endlich den typisch deutschen Neid loswerden und das falsche "Understatement", bloß nicht zu erfolgreich auszusehen. Wer ein dickes Auto fährt, noch dazu, wenn es dicker als das des Kunden ist, wird als Poser oder gleich als Krimineller gebrandmarkt. Das muss aufhören.

Deutschland braucht ein Klima, das Leistung belohnt und Spitzenkräfte willkommen heißt. Nur so entwickeln wir eigene Talente - und ziehen die klugen Köpfe der Welt an, die bereit sind, Teil unserer Gesellschaft zu werden.


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