Friedrich Schiller
Wallenstein - 11. Auftritt und Ende
Erster Kürassier:
Friede! Was gibt's mit dem Bauer da?
Erster Scharfschütz:
's ist ein Schelm, hat im Spiel betrogen!
Erster Kürassier:
Hat er dich betrogen etwa?
Erster Scharfschütz:
Ja, und hat mich rein ausgezogen.
Erster Kürassier:
Wie? du bist ein Friedländischer Mann,
kannst dich so wegwerfen und blamieren,
mit einem Bauer dein Glück probieren?
Der laufe, was er laufen kann!
(Bauer entwischt, die andern treten zusammen.)
Erster Arkebusier:
Der macht kurze Arbeit, ist resolut
Das ist mit solchem Volke gut
Was ist's für einer? Es ist kein Böhm'.
Marketenderin:
's ist ein Wallon'! Respekt vor dem!
Von des Pappenheims Kürassieren.
Erster Dragoner (tritt dazu):
Der Piccolomini, der junge, tut sie jetzt führen
Den haben sie sich aus eigner Macht
zum Oberst gesetzt in der Lützner Schlacht,
als der Pappenheim umgekommen.
Erster Arkebusier:
Haben sie sich so was 'rausgenommen?
Erster Dragoner:
Dies Regiment hat was voraus
Es war immer voran bei jedem Strauß
Darf auch seine eigene Justiz ausüben
Und der Friedländer tut's besonders lieben.
Erster Kürassier (zum andern):
Ist's auch gewiß? Wer bracht' es aus?
Zweiter Kürassier:
Ich hab's aus des Obersts eigenem Munde.
Erster Kürassier:
Was Teufel! Wir sind nicht ihre Hunde.
Erster Jäger:
Was haben die da? sind voller Gift.
Zweiter Jäger:
Ist's was, ihr Herrn, das uns mitbetrifft?
Erster Kürassier:
Es hat sich keiner drüber zu freuen.
(Soldaten treten herzu.)
Sie wollen uns in die Niederland' leihen,
Kürassiere, Jäger, reitende Schützen
Sollen achttausend Mann aufsitzen.
Marketenderin:
Was? was? da sollen wir wieder wandern?
Bin erst seit gestern zurück aus Flandern.
Zweiter Kürassier (zu den Dragonern):
Ihr Buttlerischen sollt auch mitreiten.
Erster Kürassier:
Und absonderlich wir Wallonen.
Marketenderin:
Ei, das sind ja die allerbesten Schwadronen!
Erster Kürassier:
Den aus Mailand sollen wir hinbegleiten.
Erster Jäger:
Den Infanten! Das ist ja kurios!
Zweiter Jäger:
Den Pfaffen! Da geht der Teufel los.
Erster Kürassier:
Wir sollen von dem Friedländer lassen,
der den Soldaten so nobel hält,
mit dem Spanier ziehen zu Feld,
dem Knauser, den wir von Herzen hassen?
Nein, das geht nicht! Wir laufen fort!
Trompeter:
Was, zum Henker, sollen wir dort?
Dem Kaiser verkauften wir unser Blut
und nicht dem hispanischen roten Hut.
Zweiter Jäger:
Auf des Friedländers Wort und Kredit allein
haben wir Reitersdienst genommen
Wär's nicht aus Lieb' für den Wallenstein,
der Ferdinand hätt' uns nimmer bekommen!
Erster Dragoner:
Tät uns der Friedländer nicht formieren?
Seine Fortuna soll uns führen!
Wachtmeister:
Laßt euch bedeuten, hört mich an
Mit dem Gered' da ist's nicht getan
Ich sehe weiter als ihr alle:
Dahinter steckt eine böse Falle!
Erster Jäger:
Hört das Befehlbuch! Stille doch!
Wachtmeister:
Bäschen Gustel, füllt mir erst noch
ein Gläschen Melnecker für den Magen
Alsdann will ich euch meine Gedanken sagen.
Marketenderin (ihm einschenkend):
Hier, Herr Wachtmeister! Er macht mir Schrecken
Es wird doch nichts böses dahinter stecken?!
Wachtmeister:
Seht, ihr Herrn, das ist all recht gut,
daß jeder das Nächste bedenken tut
Aber, pflegt der Feldherr zu sagen,
man muß immer das Ganze überschlagen
ir nennen uns alle des Friedländers Truppen
Der Bürger, er nimmt uns ins Quartier
und pflegt uns und kocht uns warme Suppen
Der Bauer muß den Gaul und den Stier
vorspannen an unsre Bagagewagen
Vergebens wird er sich drüber beklagen
Läßt sich ein Gefreiter mit sieben Mann
in einem Dorfe von weitem spüren,
er ist die Obrigkeit drin und kann
nach Lust drin walten und kommandieren
Zum Henker! Sie mögen uns alle nicht
und sähen des Teufels sein Angesicht
weit lieber als unsre gelben Kolletter
Warum schmeißen sie uns nicht aus dem Land?
Potz Wetter! Sind uns an Anzahl doch überlegen,
führen den Knittel, wie wir den Degen
Warum dürfen wir ihrer lachen?
Weil wir einen furchtbaren Haufen ausmachen!
Erster Jäger:
Ja, ja, im Ganzen, da sitzt die Macht!
Der Friedländer hat das wohl erfahren,
wie er dem Kaiser vor acht, neun Jahren
die große Armee zusammenbracht
Sie wollten er nur von zwölftausend hören
Die, sagt' er, die kann ich nicht ernähren
Aber ich will sechzigtausend werben
Die, weiß ich, werden nicht Hungers sterben!
Und so wurden wir Wallensteiner.
Wachtmeister:
Zum Exempel, da hack' mir einer
von den fünf Fingern, die ich hab,
hier an der Rechten den kleinen ab
Habt ihr mir den Finger bloß genommen?
Nein, beim Kuckuck! ich bin um die Hand gekommen!
's ist nur ein Stumpf und nichts mehr wert
Ja, und diese achttausend Pferd',
die man nach Flandern jetzt begehrt,
sind von der Armee nur der kleine Finger
Läßt man sie ziehn, ihr tröstet euch,
wir seien um ein Fünftel nur geringer?
Prost Mahlzeit! Da fällt das Ganze gleich!
Die Furcht ist weg, der Respekt, die Scheu
Da schwillt dem Bauer der Kamm aufs neu
Da schreiben sie uns in der Wiener Kanzlei
den Quartier- und den Küchenzettel,
und es ist wieder der alte Bettel
Ja, und wie lang wird's stehen an,
so nehmen sie uns auch noch den Feldhauptmann
Sie sind ihm am Hofe so nicht grün
Nun, da fällt eben alles hin!
Wer hilft uns dann wohl zu unserm Geld,
sorgt, daß man uns die Kontrakte hält?
Wer hat den Nachdruck und hat den Verstand,
den schnellen Witz und die feste Hand,
diese gestückelten Heeresmassen
zusammenzufügen und zu passen?
Zum Exempel - Dragoner - sprich:
Aus welchem Vaterland schreibst du dich?
Erster Dragoner:
Weit aus Hibernien her komm ich.
Wachtmeister (zu den beiden Kürassieren):
Ihr, das weiß ich, seid ein Wallon'
Ihr ein Welscher. Man hört's am Ton.
Erster Kürassier:
Wer ich bin? ich hab's nie können erfahren
Sie stahlen mich schon in jungen Jahren.
Wachtmeister:
Und du bist auch nicht aus der Näh'?
Erster Arkebusier:
Ich bin von Buchau am Federsee.
Wachtmeister:
Und ihr, Nachbar?
Zweiter Arkebusier:
Aus der Schwitz.
Wachtmeister (zum zweiten Jäger):
Was für ein Landsmann bist du, Jäger?
Zweiter Jäger:
Hinter Wismar ist meiner Eltern Sitz.
Wachtmeister (auf den Trompeter zeigend):
Und der da und ich, wir sind aus Eger
Nun! und wer merkt uns das nun an,
daß wir aus Süden und aus Norden
zusammengeschneit und -geblasen worden?
Sehn wir nicht aus wie aus einem Span?
Stehn wir nicht gegen den Feind geschlossen,
recht wie zusammengeleimt und -gegossen?
Greifen wir nicht wie ein Mühlwerk flink
ineinander, auf Wort und Wink?
Wer hat uns so zusammengschmiedet,
daß ihr uns nimmer unterschiedet?
Kein andrer sonst als der Wallenstein!
Erster Jäger:
Das fiel mir mein Lebtag nimmer ein,
daß wir so gut zusammen passen
Hab mich immer nur gehenlassen.
Erster Kürassier:
Dem Wachtmeister muß ich Beifall geben
Dem Kriegsstand kämen sie gern ans Leben
Den Soldaten wollen sie nieder halten,
daß sie alleine können walten
's ist eine Verschwörung, ein Komplott.
Marketenderin:
Eine Verschwörung? du lieber Gott!
Da können die Herren ja nicht mehr zahlen!
Wachtmeister:
Freilich! Es wird alles bankerott
iele von den Hauptleuten und Generalen
stellten aus ihren eignen Kassen
Die Regimenter wollten sich sehen lassen
Täten sich angreifen über Vermögen,
dachten, es bring' ihnen großen Segen
Und die alle sind um ihr Geld,
wenn das Haupt, wenn der Herzog fällt.
Marketenderin:
Ach! du mein Heiland! das bringt mir Fluch!
Die halbe Armee steht in meinem Buch.
Der Graf Isolani, der böse Zahler,
restiert mir allein noch zweihundert Thaler.
Erster Kürassier:
Was ist da zu machen, Kameraden?
Es ist nur eins, was uns retten kann:
Verbunden können sie uns nichts schaden
Wir stehen alle für einen Mann.
Laßt sie schicken und ordenanzen
Wir wollen uns fest in Böhmen pflanzen.
Wir geben nicht nach und marschieren nicht
Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht.
Zweiter Jäger:
Wir lassen uns nicht so im Land rumführen!
Sie sollen kommen und sollen's probieren!
Erster Arkebusier:
Liebe Herren, bedenkt's mit Fleiß:
's ist des Kaisers Will' und Geheiß.
Trompeter:
Werden uns viel um den Kaiser scheren.
Erster Arkebusier:
Laß' Er mich das nicht zweimal hören!
Trompeter:
's ist aber doch so, wie ich gesagt.
Erster Jäger:
Ja, ja, ich hört's immer so erzählen:
Der Friedländer hab' hier allein zu befehlen.
Wachtmeister:
So ist's auch, das ist sein Beding und Pakt.
Absolute Gewalt hat er, müßt ihr wissen,
Krieg zu führen und Frieden zu schließen.
Geld und Gut kann er konfiszieren,
kann henken lassen und pardonieren.
Offiziere kann er und Obersten machen,
kurz, er hat alle die Ehrensachen.
Das hat er vom Kaiser eigenhändig.
Erster Arkebusier:
Der Herzog ist gewaltig und hochverständig;
aber er bleibt doch, schlecht und recht,
wie wir alle, des Kaisers Knecht.
Wachtmeister:
Nicht wie wir alle - das wißt Ihr schlecht.
Er ist ein unmittelbarer und freier,
des Reiches Fürst, so gut wie der Bayer.
Sah ich's etwa nicht selbst mit an,
als ich zu Brandeis die Wach' getan,
wie ihm der Kaiser selbsten erlaubt,
zu bedecken sein fürstlich Haupt?
Erster Arkebusier:
Das war für das Mecklenburger Land,
das ihm der Kaiser versetzt als Pfand.
Erster Jäger (zum Wachtmeister):
Wie? In des Kaisers Gegenwart?
Das ist doch seltsam und sehr apart!
Wachtmeister: (fährt in die Tasche):
Wollt ihr mein Wort nicht gelten lassen,
sollt ihr's mit Händen greifen und fassen (eine Münze zeigend)!
Wes ist das Bild und Gepräg'?
Marketenderin:
Weist her!
Ei, das ist ja ein Wallensteiner!
Wachtmeister:
Na! da habt ihr's, was wollt ihr mehr?
Ist er nicht Fürst so gut als einer?
Schlägt er nicht Geld, wie der Ferdinand?
Hat er nicht eigenes Volk und Land?
Eine Durchlauchtigkeit läßt er sich nennen!
Drum muß er Soldaten halten können.
Erster Arkebusier:
Das disputiert ihm niemand nicht.
Wir aber stehn in des Kaisers Pflicht,
und wer uns bezahlt, das ist der Kaiser.
Trompeter:
Das leugn' ich Ihm, sieht Er, ins Angesicht.
Wer uns nicht zahlt, das ist der Kaiser!
Hat man uns nicht seit vierzig Wochen
die Löhnung immer umsonst versprochen?
Erster Arkebusier:
Ei was! das steht ja in guten Händen!
Erster Kürassier:
Fried', ihr Herrn! Wollt ihr mit Schlägen enden?
Ist denn darüber Zank und Zwist,
ob der Kaiser unser Gebieter ist?
Eben drum, weil wir gern in Ehren
seine tüchtigen Reiter wären,
wollen wir nicht seine Herde sein,
wollen uns nicht von den Pfaffen und Schranzen
herum lassen führen und verpflanzen.
Sagt selbst! Kommt's nicht dem Herrn zugut,
wenn sein Kriegsvolk was auf sich halten tut?
Wer anders macht ihn als seine Soldaten
zu dem großmächtigen Potentaten,
verschafft und bewahrt ihm weit und breit
das große Wort in der Christenheit?
Mögen sich die sein Joch aufladen,
die mitessen von seinen Gnaden,
die mit ihm tafeln im goldnen Zimmer.
Wir, wir haben von seinem Glanz und Schimmer
nichts als die Müh' und als die Schmerzen
und wofür wir uns halten in unserm Herzen.
Zweiter Jäger:
Alle großen Tyrannen und Kaiser
hielten's so und waren viel weiser.
Alles andre täten sie hudeln und schänden
Den Soldaten trugen sie auf den Händen.
Erster Kürassier:
Der Soldat muß sich können fühlen.
Wer's nicht edel und nobel treibt,
lieber weit von dem Handwerk bleibt.
Soll ich frisch um mein Leben spielen,
muß mir noch etwas gelten mehr.
Oder ich lasse mich eben schlachten
wie der Kroat - und muß mich verachten.
Beide Jäger:
Ja, übers Leben noch geht die Ehr'!
Erster Kürassier:
Das Schwert ist kein Spaten, kein Pflug
Wer damit ackern wollte, wäre nicht klug.
Es grünt uns kein Halm, er wächst keine Saat
Ohne Heimat muß der Soldat
auf dem Erdboden flüchtig schwärmen,
darf sich an eignem Herd nicht wärmen.
Er muß vorbei an der Städte Glanz,
an des Dörfleins lustigen, grünen Auen,
die Traubenlese, den Erntekranz
muß er wandernd von ferne schauen.
Sagt mir, was hat er an Gut und Wert,
wenn der Soldat sich nicht selber ehrt?
Etwas muß er sein eigen nennen,
oder der Mensch wird morden und brennen.
Erster Arkebusier:
Das weiß Gott, 's ist ein elend Leben!
Erster Kürassier.
Möcht's doch nicht für ein andres geben.
Seht, ich bin weit in der Welt rumkommen,
hab alles in Erfahrung genommen,
hab der hispanischen Monarchie
gedient und der Republik Venedig
und dem Königreich Napoli,
aber das Glück war mir nirgends gnädig.
Hab den Kaufmann gesehn und den Ritter
und den Handwerksmann und den Jesuiter
Und kein Rock hat mir unter allen
wie mein eisernes Wams gefallen.
Erster Arkebusier:
Ne! das kann ich eben nicht sagen.
Erster Kürassier:
Will einer in der Welt was erjagen,
nag er sich rühren und mag sich plagen;
will er zu hohen Ehren und Würden,
bück' er sich unter die goldnen Bürden.
Will er genießen den Vatersegen,
Kinder und Enkelein um sich pflegen,
treib' er ein ehrlich Gewerb' in Ruh'.
Ich - ich hab kein Gemüt dazu.
Frei will ich leben und also sterben,
niemand berauben und niemand beerben,
und auf das Gehudel unter mir
leicht wegschauen von meinem Tier.
Erster Jäger:
Bravo! Just so ergeht es mir!
Erster Arkebusier:
Lustiger freilich mag sich's haben,
über anderer Köpf' wegtraben.
Erster Kürassier:
Kamerad, die Zeiten sind schwer.
Das Schwert ist nicht bei der Waage mehr.
Aber so mag mir's keiner verdenken,
daß ich mich lieber zum Schwert will lenken.
Kann ich im Krieg mich doch menschlich fassen,
aber nicht auf mir trommeln lassen.
Erster Arkebusier:
Wer ist dran schuld als wir Soldaten,
daß der Nährstand in Schimpf geraten?
Der leidige Krieg und die Not und Plag'
in die sechzehn Jahr' schon währen mag.
Erster Kürassier:
Bruder, den lieben Gott da droben,
es können ihn alle zugleich nicht loben.
Einer will die Sonn', die den andern beschwert
Dieser will's trocken, was jener feucht begehrt.
Wo du nur die Not siehst und die Plag',
da scheint mir des Lebens heller Tag.
Geht's auf Kosten des Bürgers und Bauern,
nun wahrhaftig, sie werden mich dauern.
Aber ich kann's nicht ändern - seht,
's ist hier just, wie's beim Einhaun geht:
Die Pferde schnauben und setzen an,
liege wer will mitten in der Bahn,
sei's mein Bruder, mein leiblicher Sohn,
zerriß mir die Seele sein Jammerton,
über seinen Leib weg muß ich jagen,
kann ihn nicht sachte beiseite tragen.
Erster Jäger:
Ei, wer wird nach dem andern fragen!
Erster Kürassier:
Und weil sich's nun einmal so gemacht,
daß das Glück dem Soldaten lacht,
laßt's uns mit beiden Händen fassen!
Lang werden sie's uns nicht so treiben lassen.
Der Friede wird kommen über Nacht,
der dem Wesen ein Ende macht.
Der Soldat zäumt ab, der Bauer spannt ein,
eh' man's denkt, wird's wieder das alte sein.
Jetzt sind wir noch beisammen im Land,
wir haben's Heft noch in der Hand
Lassen wir uns auseinandersprengen,
werden sie uns den Brotkorb höher hängen.
Erster Jäger
Nein, das darf nimmermehr geschehn!
Kommt, laßt uns alle für einen stehn!
Zweiter Jäger:
Ja, laßt uns Abrede nehmen, hört!
Erster Arkebusier (ein ledernes Beutelchen ziehend, zur Marketenderin):
Gevatterin, was hab ich verzehrt?
Marketenderin:
Ach! es ist nicht der Rede wert! (Sie rechnen.)
Trompeter:
Ihr tut wohl, daß ihr weitergeht,
verderbt uns doch nur die Sozietät. (Arkebusier gehen ab.)
Erster Kürassier:
Schad um die Leut'! Sind sonst wackre Brüder.
Erster Jäger:
Aber das denkt wie ein Seifensieder.
Zweiter Jäger:
Jetzt sind wir unter uns, laßt hören,
wie wir den neuen Anschlag stören.
Trompeter:
Was? wir gehen eben nicht hin!
Erster Kürassier:
Nichts, ihr Herrn, gegen die Disziplin!
Jeder geht jetzt zu seinem Korps,
Trägt's den Kameraden vernünftig vor,
Daß sie's begreifen und einsehn lernen .
Wir dürfen uns nicht so weit entfernen .
Für meine Wallonen sag ich gut.
So, wie ich, jeder denken tut.
Wachtmeister:
Terschkas Regimenter zu Roß und Fuß
stimmen alle in diesen Schluß.
Zweiter Kürassier (stellt sich zum ersten):
Der Lombard' sich nicht vom Wallonen trennt.
Erster Jäger:
Freiheit ist Jägers Element.
Zweiter Jäger:
Freiheit ist bei der Macht allein
Ich leb und sterb bei dem Wallenstein.
Erster Scharfschütz:
Der Lothringer geht mit der großen Flut,
wo der leichte Sinn ist und lustiger Mut.
Dragoner:
Der Irländer folgt des Glückes Stern.
Zweiter Scharfschütz:
Der Tiroler dient nur dem Landesherrn.
Erster Kürassier:
Also laßt jedes Regiment
ein Pro memoria reinlich schreiben:
Daß wir zusammen wollen bleiben,
daß uns keine Gewalt noch List
von dem Friedländer weg soll treiben,
der ein Soldatenvater ist.
Das reicht man in tiefer Devotion
dem Piccolomini - ich meine den Sohn -
der versteht sich auf solche Sachen,
kann bei dem Friedländer alles machen,
hat auch einen großen Stein im Brett
bei des Kaisers und Königs Majestät.
Zweiter Jäger:
Kommt! Dabei bleibt's! Schlagt alle ein!
Piccolomini soll unser Sprecher sein.
Trompeter, Dragoner, Erster Jäger, Zweiter Kürassier, Scharfschützen (zugleich):
Piccolomini soll unser Sprecher sein! (Wollen fort.)
Wachtmeister.
Erst noch ein Gläschen, Kameraden! (Trinkt.)
Des Piccolomini hohe Gnaden!
Marketenderin (bringt eine Flasche):
Das kommt nicht aufs Kerbholz. Ich geb es gern.
Gute Verrichtung, meine Herrn!
Kürassiere:
Der Wehrstand soll leben!
Beide Jäger:
Der Nährstand soll geben!
Dragoner und Scharfschützen:
Die Armee soll florieren!
Trompeter und Wachtmeister:
Und der Friedländer soll sie regieren!
Zweiter Kürassier (singt):
Wohl auf, Kameraden, aufs Pferd, aufs Pferd!
Ins Feld, in die Freiheit gezogen!
Im Felde, da ist der Mann noch was wert,
da wird das Herz noch gewogen.
Da tritt kein anderer für ihn ein
Auf sich selber steht er da ganz allein.
(Soldaten aus dem Hintergrund sind während des Gesangs herbeigezogen und machen den Chor.)
Chor:
Da tritt kein anderer für ihn ein
Auf sich selber steht er da ganz allein.
Dragoner:
Aus der Welt die Freiheit verschwunden ist
Man sieht nur Herren und Knechte.
Die Falschheit herrschet, die Hinterlist,
bei dem feigen Menschengeschlechte.
Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
der Soldat allein ist der freie Mann.
Chor:
Der dem Tod ins Angesicht schauen kann,
der Soldat allein ist der freie Mann.
Erster Jäger:
Des Lebens Ängsten, er wirft sie weg,
hat nicht mehr zu fürchten, zu sorgen.
Er reitet dem Schicksal entgegen keck,
trifft's heute nicht, trifft es doch morgen.
Und trifft es morgen, so lasset uns heut
noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.
Chor:
Und trifft es morgen, so lasset uns heut
noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit!
(Die Gläser sind aufs neue gefüllt worden, sie stoßen an und trinken.)
Wachtmeister:
Von dem Himmel fällt ihm sein lustig Los,
braucht's nicht mit Müh' zu erstreben.
Der Fröner, der sucht in der Erde Schoß,
da meint er den Schatz zu erheben.
Er gräbt und schaufelt, solang er lebt,
und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.
Chor:
Er gräbt und schaufelt, solang er lebt,
und gräbt, bis er endlich sein Grab sich gräbt.
Erster Jäger:
Der Reiter und sein geschwindes Roß,
sie sind gefürchtete Gäste.
Es flimmern die Lampen im Hochzeitschloß,
Ungeladen kommt er zum Feste.
Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold
Im Sturm erringt er den Minnesold.
Chor:
Er wirbt nicht lange, er zeiget nicht Gold,
Im Sturm erringt er den Minnesold.
Zweiter Kürassier:
Warum weint die Dirn' und zergrämet sich schier?
Laß fahren dahin, laß fahren!
Er hat auf Erden kein bleibend Quartier,
kann treue Lieb' nicht bewahren.
Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort
Seine Ruhe läßt er an keinem Ort.
Chor:
Das rasche Schicksal, es treibt ihn fort
Seine Ruhe läßt er an keinem Ort.
Erster Jäger (faßt die zwei Nächsten an der Hand, die übrigen ahmen es nach, bilden einen Halbkreis):
Drum frisch, Kameraden, den Rappen gezäumt,
die Brust im Gefechte gelüftet!
Die Jugend brauset, das Leben schäumt,
frisch auf, eh' der Geist noch verdüftet!
Und setzet ihr nicht das Leben ein,
nie wird euch das Leben gewonnen sein!
Chor:
Und setzet ihr nicht das Leben ein,
nie wird euch das Leben gewonnen sein!
(Der Vorhang fällt, ehe der Chor ganz ausgesungen.)
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