Der Terroranschlag auf das Büro der französischen Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" schockiert die ganze Welt. Tausende Menschen trauerten öffentlich auf den Straßen um die zwölf Todesopfer und auch hochrangige Politiker wie Angela Merkel, Barack Obama oder David Cameron sind erschüttert von der Tat. Nun warnen Politiker und Geistliche vor einer pauschalen Verurteilung des Islams. Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière: "Terroristische Anschläge haben nichts mit dem Islam zu tun."
Solche Angriffe würden sich gegen die gesamte Gesellschaft und ihre Werteordnung richten. Der Zeitung zufolge warnte er vor vorschnellen Urteilen gegenüber anderen, insbesondere gegenüber Menschen aus Syrien oder dem Irak, die vor dem Terror geflohen seien. Sie dürften nur aufgrund ihres Glaubens nicht in Verdacht geraten, ebenfalls terroristische Ziele zu verfolgen. Gleichzeitig sprach Thomas de Maizière auch sein Mitgefühl gegenüber Frankreich aus und erklärte, mit seinem französischen Kollegen in Kontakt zu stehen.
Auch der Imam von Bordeaux verurteilte die Schreckenstat gegen "Charlie Hebdo" und rief Muslime im ganzen Land auf, auf der Straße gegen den Terroranschlag zu demonstrieren: "Eine rote Linie wurde gebrochen. Der zivile Frieden ist bedroht. Muslime müssen ihre Wut zeigen." Papst Franziskus verurteilte den Anschlag von Paris ebenfalls aufs Schärfste: "Was auch immer der Grund ist, tödliche Gewalt ist abscheulich und niemals zu rechtfertigen."
Auch der oberbayerische Imam Benjamin Idriz äußerte sich gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" zu dem Anschlag und verurteilte den Anschlag in Paris: "Es spricht vieles dafür, dass die Täter sogenannte Islamisten waren. Nein, ich muss mich korrigieren: Ich würde sie eher Wahnsinnige nennen. Es sind kriminelle Menschen. Das ist gegen den Islam."
Er selbst würde die Karikaturen von "Charlie Hebdo" auch nicht akzeptieren, "aber wir müssen mit ihrer Kritik umgehen - wir müssen eine intellektuelle Antwort finden. Wir müssen mit Argumenten, wir dürfen nicht mit Gewalt reagieren. Für Muslime beginnt nun eine schwierige Zeit", so Idriz. Er halte die Meinungsfreiheit für einen hohen und schützenswerten Wert und merkt an: "Eine freie Religionsausübung ist nur möglich in einer freien Gesellschaft, in der die Prinzipien der Meinungsfreiheit für alle gelten." Es wird davon ausgegangen, dass die Attentäter das Satire-Magazin angriffen, weil dieses vermehrt Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlichte.
Der bayerische Imam erklärte zudem: "Wenn das alles stimmt, wenn es wirklich ein "Racheakt" war – wovon ich ausgehe – dann würde ich gerne an eine bekannte Szene erinnern, die ich oft in meinen Predigten erwähne. Der Prophet Mohammed musste Mekka verlassen, weil die Menschen ihn und seine Lehren abgelehnt haben. Als er nach zehn Jahren zurückkam, fürchteten diejenigen, die ihn vertrieben hatten, seine Rache. Doch er sagte: 'Gott möge euch verzeihen! Macht, was ihr wollt. Ihr seid frei.'"