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Don Wolfe kommt in seinem Film "Marilyn Monroe, Enquête sur un assassinat" (1998) zu der eindeutigen Schlussfolgerung: Vor 40 Jahren, in der Nacht des 4. August 1962, wurde die große amerikanische Schauspielerin Marilyn Monroe in ihrer Wohnung ermordet. In die Sache verwickelt waren Robert ("Bobby") Kennedy und ein ganzes Netz von Zeugen, Menschen, die Marilyn nahe standen und Jahrzehnte lang schwiegen. Don Wolfe setzt die Nachforschungen des BBC-Journalisten Anthony Summers fort, dessen Enthüllungen 1985 viel Staub aufwirbelten ("Les vies secrètes de Marilyn Monroe"). Anhand von Aufsehen erregenden Zeugenaussagen, die ebenfalls bis 1998 zurück gehalten wurden, erzählt er die nüchterne Wahrheit eines abscheulichen Verbrechens.
Seit 1962 verweigerten die US-Behörden systematisch jede Nachforschung zum Tod der Schauspielerin. "Wahrscheinlich Selbstmord" durch Schlafmittel lautete die stets gleiche Formulierung, während es nach der Entdeckung ihrer Leiche zu einer Menge Unregelmäßigkeiten kam, merkwürdige Details beiseite geschafft wurden, Ungereimtheiten auftauchten und Zeugen sich verschanzten. Die Schauspielerin soll im Schlafzimmer eingesperrt in ihrem Bett gestorben sein, nachdem sie ohne ein Glas Wasser (keinerlei Spur an Ort und Stelle) 27 bis 42 Nembutal-Tabletten, 12 bis 23 Chloralhydrat-Tabletten und 11 bis 24 weitere Nembutal-Tabletten geschluckt hatte, wie die in der Leber festgestellte Konzentration beweist. Es gibt auf der Welt kein einziges Beispiel für eine Einnahme von mehr als 12 Tabletten, ohne dass man Reste im Verdauungstrakt gefunden hätte: Bei der Autopsie von Marilyns Leiche, die der Gerichtsmediziner Dr. Noguchi am 5. August 1962 durchführte, fand er nichts, kein schimmerndes Kristall und auch keine Schlafmittel-Konzentration im Magen oder im Darm. Die Pentobarbital- und Chloralhydrat-Konzentrationen im Blut hatten dagegen Ausmaße, die eine Einnahme durch Schlucken dieser Tabletten völlig unmöglich machten, sie wäre schon nach 35% der Gesamtmenge tot gewesen. Marilyn Monroe ist zweifelsfrei an einer Injektion gestorben.
Außerdem ist medizinisch nachgewiesen, dass ihr Körper umgebettet wurde: Die beidseitige bläuliche Färbung der Leiche beweist, dass sie nicht auf dem Bauch liegend gestorben ist, so wie man sie schließlich fand, sondern auf dem Rücken. 1993 fanden die Ermittler den sehr kranken Norman Jefferies, der den ganzen Tag des 4. August 1962 bei Marilyn verbracht hatte. Nahe bei Mrs. Murray war er mit Arbeiten im Haus des Filmstars beschäftigt und bestätigte Halls Aussage. Vor allem jedoch war er auch Zeuge des Besuchs Bobby Kennedys und des Schauspielers Peter Lawfort, die am Nachmittag des selben Tages zu Marilyn kamen. Bestätigt durch die Aufzeichnungen eines Privatdetektivs (Marilyn wurde abgehört), ging es bei dieser Begegnung gewalttätig zu. Marilyn war wütend auf den Anwalt, Schläge waren zu hören.
Später am Abend, zwischen 21:30 und 22:00 Uhr, kehrte Robert Kennedy in Begleitung zweier Männer zu Marilyn zurück. Jefferies bezeugte, dass er ebenso wie Mrs. Murray aufgefordert wurde zu verschwinden. Voller Sorge gingen die beiden zu Marilyns Nachbarn. Als sie eine halbe Stunde zurückkehrten, fanden sie Marilyn nackt auf dem Sofa. "Ich dachte, sie wäre tot", erklärte Jefferies. "Sie lag auf dem Bauch, mit einer Hand halb das Telefon haltend. Ich hatte nicht den Eindruck, dass sie atmete, und ihre Hautfarbe war schrecklich anzusehen." Die Beweggründe Kennedys für eine solche Tat waren vielfältig: Die Schauspielerin war eine Verbindung zwischen ihm, seinem Bruder (Marilyn verkehrte auch mit John, dem Präsidenten) und der Mafia. Sie kannte Staatsgeheimnisse von größter Wichtigkeit. In den letzten Monaten ihres Lebens war Marilyn eine hysterische Liebhaberin, sie belästigte das Weiße Haus mit ihren wütenden Telefon-Anrufen und geriet außer sich, wenn sie abgewiesen wurde. Die "dumme Blondine" schrieb ein gefährliches Tagebuch, das vielen ihr nahe stehenden Menschen eine Ahnung davon gab, wie sehr sie sich auflehnen konnte. Dass Marilyn gern Medikamente mit Wodka mischte, war bekannt, und dass sie schon mehrfach erfolglos versucht hatte, ihrem Leben ein Ende zu setzen (oft wurde sie in letzter Minute gerettet), gab ihren Mördern ein willkommenes Alibi. Nach ihrem Tod 1962 sagten viele Freunde, dass sie an einen Selbstmord glaubten und ihr Tod sie kaum überrascht habe. Wenn Marilyn gerade ihre depressive Phase hatte, waren viele von ihr um 3 Uhr morgens angerufen worden, so mancher hatte sie betrunken erlebt. In solchen Augenblicken musste man auf sie aufpassen, sie beobachten, sich um sie kümmern wie um ein kleines Kind. Der monströse Mord an dieser Frau ist ein Paradoxon. Ihr Ehemann Arthur Miller sagte: "Wenn man Marilyn wirklich verstehen will, muss man sie mit Kindern sehen; die Kinder vergöttern sie, und sie verhält sich dem Leben gegenüber auch wie ein Kind: einfach und direkt." Ein Kind, dass am Tisch der Großen aß und aus "Staatsgründen" verstoßen wurde. Donald H. Wolfe, The Assassination of Marilyn Monroe |