Lusiade.

Erster Gesang.

1.

Die Waffen und die Helden hoher Thaten,
Die, schiffend aus den schönen Abendlanden
Der Lusitanen, hinter TaprobanasStaaten
Noch unbeschiffte, neue Meere fanden;
Sie, die in Fahr' und Kämpfen so berathen,
Daß sie auf wilder Völker fernen Stranden
Ein neues Reich gestiftet, hoch zu prangen,
Wie deß sich kaum je Menschen unterfangen;

2.

Und jene Fürsten, in des Sieges Kränzen,
Die, Reich und Glauben mächtig auszubreiten,
Weithin der Africaner falsche Gränzen
Und Asien der Rache Schwerte weihten
Und Alle, die durch Ritter-Thaten glänzen
Und vom Gesetz des Todes sich befreiten
Will ich mit tönendem Gesang verkünden,
Wenn würdig sich Natur und Kunst verbünden.

3.

Es schweige nur von ihrer Flotten Bahnen
Der Griechen, der Trojaner dunkle Sage,
Der Siege Ruhm verschwinde den Trajanen
Und Alexanders Zeit der Heldentage,
Da ich zum Preis der großen Lusitanen,
Der mächt'gen Herrscher, meine Harfe schlage,
Von ihrem Muth, der Erd und Meer bezwungen,
Sey jedes alte Lied mit Nacht umschlungen!

4.

Und ihr! o meine Nymphen, ihr Tagiden!
Die solche neue Gluth in mir entzündet,
Ward jemals euer schöner Strom hienieden
Durch meiner Lieder leisen Ton verkündet;
So sey mir jetzt ein stärkerer beschieden
Und eine Sprache voll und schön geründet!
Daß eure Fluth Apollons Segen leite
Und sie nicht mehr die Hippokrene neide.

5.

Verleihet mir die Kraft zu großen Tönen!
Kein Haberrohr und keine Hirtenflöten!
Wie Kriegs-Posaunen laßt die Stimme dröhnen,
Daß muthentflammt sich hoch die Wangen röthen.
Schafft, daß im Lied die Thaten so ertönen,
Als tausend Schlachten Euer Volk erhöhten,
Daß überall sein lauter Ruhm erklinge,
Wenn ich so hohen Werth in Worte zwinge!

6.

Und Du! o edler Schild und feste Wehre
Der alten Freyheit Deiner Portugiesen!
Du! zu Verherrlichung der Christenlehre,
Der kleinen Schaar zu sichrem Stab verhießen!
Du, neues Schreckniß wilder Mohren Speere!
    Wohlthätig Wunder! unsrer Zeit erwiesen!
Durch Gott den Geber aller Welt gegeben,
Daß alle Welt nur Gotte möge leben!

7.

Du, zarter Zweig! der herrlich sich erschlossen,
Am Baume, welchen Christus liebt, vor Allen,
Die in den Abendlanden aufgeschossen
Und sich als Allerchristlichste gefallen,
Denn Siegestage, lange schon verflossen,
    Seh' ich im Wappen Deiner Fahnen wallen,
Da er die Zeichen selbst Dir hat gelassen,
Mit welchen er am Kreuze mußt' erblassen.

8.

Du großer König! in den weiten Reichen,
    Wo stets zuerst der Sonnen Aufgang grauet
Und ihre Strahlen senkrecht niedersteigen
    Und sie zuletzt die Erde noch bethauet!
Der Mohren böses Volk soll noch erbleichen
    Vor Deinem Schwert, dem unser Herz vertrauet,
Die Türken und die Heiden werden sinken,
Die aus des heilgen Stromes Fluthen trinken.

9.

O! neig' auf kurze Zeit der Hoheit Strahlen
    So ich im zarten Antlitz schon gewahre,
In welchem sich die reifen Jahre mahlen,
    Wo ewge Lorbeern schmücken Deine Haare.
Laß Deine Augen mild herniederstrahlen
    Zur Erde, daß Dein Herz es bald erfahre,
Wie Liebe zu der Ahnen Helden-Stamme
Mich zu des Liedes langem Lauf entflamme!

10.

Von Vaterland und nicht von schnödem Lohne,
    Von ewgem Ruhm nur fühl' ich mich entbrennen,
Denn hoher Preis ist es der Dichtung Sohne,
    Ihn einen Herold seines Landes nennen.
O! höre mich! die Helden Deiner Zone
    Wirst Du, ihr Herr, im höchsten Glanze kennen
Und wirst, was größer sey, dann bald erfahren,
Ob Herr der Welt seyn, oder solcher Schaaren!

11.

O! höre mich! Nicht leere Phantasien,
    Nicht Dichtung ohne Wahrheit, ohne Leben,
Wie oft der fremden Musen Stolz verliehen,
    Soll Deinem Volke Lob' und Ehre geben!
Denn Thaten sind in seinem Schoos gediehen,
    Die über alle Dichtung weit sich heben;
Daß Rodamont, Roger und Roland schweigen,
Wollt' auch die Wahrheit ihren Thaten zeugen.

12.

Statt ihrer sey ein Nuno Dir gesungen,
    Er, seines Herrn und Landes Schutz und Ehre!
Ein Egas, Fuas, deren Huldigungen
    Zu künden, ich Homeros Kunst begehre;
Die zwölf von England, die so hoch gerungen,
    Statt jener Zwölf, der Tafelrunde Paire,
Und Gamas Heldenthaten sollst Du wissen,
Der dem Aeneas jeden Kranz entrissen.

13.

Und wolltest Du an König Carls des Franken,
    An Cäsars Stelle gleiche große Nahmen,
So tritt Alphons der Erste in die Schranken,
    Dem nimmer gleich des Auslands Helden kamen,
Und Jener, der sein Reich trotz Sturm und Wanken
    Mit Sieg befestigt und mit hohem Nahmen,
Johann der Zweyte aus der Besten Mitte,
Alphons der Vierte, Fünfte und der Dritte.

14.

Auch sollen meine Verse nicht vergessen
    Der Helden, die fern in des Aufgangs Gränzen
So ungeheurer Dinge sich vermessen,
    Daß ewig siegreich Deine Fahnen glänzen,
Nicht der Almeidas, des Pacheco, dessen
    Trophäen weinend die Tagiden kränzen,
Noch Albuquerques, Castros Lorbeerkronen,
Die nie verwelken in der Gräber Zonen.

15.

Und während ich sie sing' und furchtsam schweige
    Von Dir o Herr! wie möcht' ich solches wagen!
So nimm den Zügel Deiner weiten Reiche,
    Daß neue Lieder Deine Thaten sagen!
Und unter Deiner Schwerter schwerem Streiche
    Laß Schrecken weit durch alle Länder jagen
Und unter Siegen Deiner Helden Heere
Erzittre Africa, der Orient, die Meere!

16.

An Dir erstarrt der Blick des wilden Mohren,
    Sein Untergang ist ihm in Dir gedeutet;
Die Heiden, Dich ersehend, sind verlohren,
    Daß unter schmachvoll Joch ihr Nacken gleitet,
Und Thetis hat zum Eidam Dich erkohren
    Und hält das Himmelblaue Reich bereitet
Und will es Dir zur hohen Mitgift geben
Und ist entzückt von Deiner Schönheit Leben.

17.

Zween große Ahnherrn, in der Himmel Zone,
Begleiten Dich mit Lieb' erfüllten Blicken!
Den Einen muß des Friedens goldne Krone,
Der Schlachten Lorbeer muß den Andern schmücken.
Sie hoffen, bald in dem erhabnen Sohne
Erneut die eignen Thaten zu erblicken
Und halten Dir, wenn einst Dein Leben scheidet,
Im Tempel ewgen Ruhms den Platz bereitet.

18.

Doch während zögernd nahen diese Zeiten
Des eignen Herrschens, nach der Völker Sehnen
Gieb Gnade meines Liedes neuen Saiten,
    Daß meine kühnen Verse Dein sich wähnen!
Du wirst die Deinen hin durch Meere gleiten,
    Die Argonauten schauen, die sich sehnen
Vor Deinem Aug' in wilder Fluth zu schwimmen,
Dein harren hier schon ihres Flehens Stimmen!

19.

Sie schiffen schon im weiten Meer die Bahnen,
    Durchschneidend krause Wellen mit dem Kiele,
Und lieblich wehen in der Krieger Fahnen
    Und in die Seegel sanfter Lüfte Spiele.
Wo nur die Schiffe gehn der Lusitanen,
    Deckt sich das Meer mit weißem Schaum-Gewühle,
Wo sie nur durch die heilgen Fluthen fliehen,
In denen Proteus große Heerden ziehen.

20.

Da sammeln sich der Götter hohe Schaaren
    Der Menschen Herrscher, auf Olympus Höhen,
Im hohen Rathe sorgsam dort zu wahren
    Dem, was in Osten künftig soll geschehen.
Der Götter Zug, die hin berufen waren,
    Wird auf der Himmel Glanzkristall gesehen.
Der Milchstraß Sterne wölben sich zu Pfaden,
Merkur hat All' auf Zevs Gebot geladen.

21.

Die sieben Himmel haben sie verlassen,
    Wie Jedem sie nach Jovis Rath sind eigen,
Der mit Gedanken mag das All umfassen
    Und welchem Erd und Meer und Himmel weichen.
Und flugs erfüllen sich die weiten Straßen,
    Es kommen die, so in des Mittags Reichen,
Die, so gen Mitternacht, gen Abend wohnen
Und in des Morgenrothes schönen Zonen.

22.

Vor Allen ragte, herrlich anzublicken,
    Weil Gnad' und Ernst des Gottes Anstand theilen,
Auf einem Stuhl, den lichte Sterne schmücken,
    Der Vater mit Vulcanus Donnerkeilen,
Sein Odem will der Sterblichkeit entrücken
    Was sterblich ist, den Leib vom Tode heilen,
Mit Kron und Scepter ist er hoch gezieret,
Daß selbst der Demant seinen Glanz verlieret.

23.

Auf andern Stühlen, welche tiefer stehen,
    Aus deren Gold und Perlen Strahlen schießen,
Sind auch die andern Götter zu ersehen,
    Wie Jeglichem die Ordnung angewiesen,
So daß voran der Aeltern Sessel gehen
    Und weiter unten die Geringern schließen,
Als Jupiter, das tiefe Schweigen brechend,
Furchtbar beginnt, die ernsten Worte sprechend:

24.

Ihr ewigen Bewohner dieser Zinnen,
    Wo klare Stern' im schönen Lichte schweben!
Möcht ihr Euch noch des hohen Muths entsinnen,
    Der Lusus wackrem Volke ist gegeben;
So mußtet ihr auch Kunde wohl gewinnen,
    Wie herrlich es das Schicksal will erheben,
Daß einst vor ihm der Syrer, Perser Thaten,
Athen und Rom in Dunkelheit gerathen.

25.

Ihm wurde schon, ihr sahet es! verliehen,
Auf kleine Heeres-Macht zum Kampf beschränket,
Den Mohren jene Lande zu entziehen,
So, lieblich strömend, weit der Tago tränket;
Auch ward ihm Schutz vor Spanien geliehen,
Wenn furchtbar sich herbey sein Heer gelenket,
So daß dies Volk am Ende stets Altäre,
Trophäen baute zu des Sieges Ehre.

26.

Laßt mich vom alten Lob' ihr Götter! schweigen,
Das es von Romuls Enkeln sich errungen,
Als bey der Römerkriege blutgen Streichen
Einst laut der Ruhm Viriatus erklungen;
Auch will ich kürzlich nur auf Jenen zeigen,
Mit welchem hoch dies Volk sich aufgeschwungen,
Als es den Scepter gab des Fremdlings Händen,
Dem Götterspruch die Hirschkuh wollte spenden
.

27.

Ihr seht sie jetzt zu Größrem sich erheben,
    Auf leichtem Holz dem falschen Meer vertrauen,
In unbekannten Fluthen furchtlos schweben
    Und allen Stürmen kühn ins Auge schauen.
Schon lange floß in Ländern hin ihr Leben,
    Wo kurze bald, bald lange Nächte thauen,
Nun wollen sie mit kühnrem Unterfangen
Hin zu des Tages Wiege selbst gelangen.

28.

Versprochen, nach des Schicksals ewgem Wollen,
Deß hohe Schlüsse unerschüttert stehen,
Ist ihnen, daß sie lang beherrschen sollen
    Die Meere, so der Sonnen Aufgang sehen.
Doch muß das Häuflein in der mühevollen
    Und harten Winterreise schier vergehen,
Drum ist es gut, daß ihm nun bald die Zonen
Sich zeigen, die es strebet zu bewohnen.

29.

Und, da es, wie ihr wißt, auf dieser Reise
    Der herben Fahr und Drangsal viel erlitten,
So viele Stürm' und rauhe Himmelskreise
    Und wilder Klimate so viel bestritten;
So will ich, daß ihm Gastfreundschaft erweise
    Der Mohren Küst' und Schutz und milde Sitten,
Und daß sich dort die müde Flott' erquicke,
Bevor sie an zu weitrer Fahrt sich schicke.

30.

Hier ward von Jupiter das Wort geendet,
    Als drauf die Götter nach der Ordnung kamen,
Und, hierhin bald und bald dorthin gewendet,
    Vielfache Reden gaben und vernahmen.
Doch Bacchus Sinn ist völlig abgewendet
    Von dem, was Zevs gesagt für Lusus Samen,
Denn, wenn den Orient die Flotte finde,
Weiß er, daß dort sein Thatenruhm verschwinde.

31.

Wohl weiß er, wie das Schicksal es beschieden:
    Ein tapfres Volk aus Spaniens großen Reichen
Werd' einst, am Indus mächtig zu gebieten,
    Aus fernen Meeren dieses Land erreichen
Und jeder Ruhm, auch seiner dann, hienieden
    Des Volkes hohem Thatenglanze weichen,
Hoch kümmert ihn, des Ruhmes Fall zu sehen,
Den Nisas Stadt ihm noch muß zugestehen.

32.

Den Strom des Indus hat er einst bezwungen
Und kein Geschick und Zufall ihm entzogen,
Daß er als Indiens Sieger ward besungen
Von Allen, denen Phoebus war gewogen.
Jetzt fürchtet er, daß, von der Nacht verschlungen,
Sein großer Nahme in den schwarzen Wogen
Des Stromes der Vergessenheit verschwinde,
Wenn dort der Landung Ziel die Flotte finde.

33.

Entgegen ihn will Venus mild berathen,
Der Lusitanen Volk und Lieb' ihm wahren,
Ob seiner hohen Tugenden und Thaten,
Die ähnlich denen ihrer Römer waren;
Ob jenes Muths in Tangers Räuber-Staaten,
Als herrlich dort gefochten Lusus Schaaren
Und ob der Sprache, der es fast gelänge,
Zu täuschen sie, als tönten Römerklänge.

34.

Aus diesen Gründen liebte sie Cythere
Und weil sie von den Parcen noch vernommen,
Daß ihrer harre Glanz und Lob und Ehre,
Wohin der Krieger Schaar nur werde kommen;
Da Jener nun, daß er der Schmach entbehre,
Und Diese kämpft zu ihres Ruhmes Frommen,
Und Beyde so verschiedne Wünsche nähren,
Muß jeder Theil den Seinen Schutz gewähren.

35.

So wie der Nordwind mit des Sturmes Toben
Weit durch der Wälder rauhes Dickigt brüllet,
Mit Aesten, Wurzeln, wild der Erd' enthoben,
Und Donner rings den ganzen Himmel füllet,
Die Blätter zittern, hoch empor gestoben,
In Nacht ist drohend das Gebirg gehüllet;'
So das Getöse jener Götterschaaren,
Die auf dem heiligen Olympus waren.

36.

Und Mars, der Göttin so in Lieb ergeben,
Daß er als Kämpe stets für sie erschienen,
Ob, nur aus Sorge für der Tapfern Streben,
Ob, alter Liebe pflichtgemäß zu dienen,
Springt nun empor, um Antwort zu erheben,
Und Wuth und Zorn verrathen seine Mienen
Und wirft den Schild mit Ingrimm auf den Rücken,
Der sonst am Halse hangend ist zu blicken.

37.

Am Helme, der wie Demant zu gewahren,
Wird das Visier von ihm emporgeschlagen;
So tritt er mitten in der Götter Schaaren,
Um, was ihm dünkte, muthig Zevs zu sagen;
Es schlägt die Faust, den Grimm zu offenbaren,
Gen Jovis Thron den Speer, daß Alle zagen;
Die Himmel zittern und Apollons Wangen
Erbleicht der Schimmer in des Schreckens Bangen.

38.

Er spricht: o Herr! dem unterthänig leben
    Von Dir erschaffen rings des Weltalls Sphären,
Wenn Du nicht willst der Schmach dahin nun geben,
    Die, deren Muth Du sonst vermocht zu ehren
Und die jetzt kühn nach andern Welten streben,
    So laß nicht Andre Deinen Sinn verkehren!
Du bist der Herr und langher steht Dein Wille,
Ob Haß vielleicht auch andre Herzen fülle.

39.

Denn, hätte große Furcht nicht überwunden,
    Was die Vernunft mit lauter Stimme kündet,
So würde Bachus wohl Ihr Freund erfunden,
    Da Ihren Stamm sein Lusus hat gegründet.
Er mag von seinem Uebel drum gesunden,
    Da es uns nicht zu gleicher Wuth entzündet.
Wie möcht' auch fremde Scheelsucht das verderben,
Was Götter wollen, Thaten sich erwerben?

40.

Und Du! o Vater mit dem starken Willen,
Wenn Deine Weisheit einmal hat gewählet,
O! laß nicht ab, den Vorsatz zu erfüllen,
Da Schwachheit nur des Strebens Ziel verfehlet.
Laß durch Mercur der Flott' ein Land enthüllen,
Das die erquicke, so die Drangsal quälet,
Und Kundschaft auch von Indien ertheile,
Mercur ist schneller wohl, als Sturm und Pfeile!

41.

So sprach er und der Vater war gewogen
Den Worten, so getönt aus Mavors Munde.
Er neigt sein Haupt, zu ihm herabgebogen,
Und Nectar strömt umher im ganzen Runde.
Hin auf der Milchstraß Glanzgewölbten Bogen
Zog Jeder fürbaß aus dem Götterbunde,
Nachdem er Urlaub sich vorher genommen,
Um in die eignen Kammern heim zu kommen.

42.

Doch während in den schönen Aetherhallen
Des mächtigen Olympus dies geschehen,
War auf dem weiten Meer der Segel Wallen
Von Süd nach Osten schiffend zu ersehen,
Daß links gen Aethiopien nach Gefallen,
Wie rechts gen San Lorenz sie konnten gehen.
Die Sonne brannte in der Fische Zeichen,
Die einst in's Meer vor Typheus mußten weichen.

43.

Der Flotte wehen Winde sanft von oben,
Als folge freundlich ihr der Himmel Gnade.
Klar ist die Luft, kein Wölkchen dünn gewoben,
Dräut irgend Unheil ihrem stillen Pfade.
Sie segelt um das Kap, das, dort erhoben,
Prasso von je genannt ward am Gestade,
Und sieht nun wiederum des Meeres Weiten,
Wo Inseln zahllos sich umher verbreiten.

44.

Vasco von Gama, der so hoher Dinge
    Als Admiral so kühn sich unterfangen;
Dem, daß sein Muth ein Jegliches vollbringe,
    Fortwährend hohes Glück vorangegangen,
Will, daß die Flotte immer weiter dringe,
    Denn, was sey hier durch Landung zu erlangen,
Da unbewohnt wohl jeder Strand zu achten.
Doch es geschah nicht nach des Helden Trachten!

45.

Denn stracks erscheint von Barken eng und klein
Ein leicht Geschwader von der Insel Küste,
So Afrika die nächste scheint zu seyn,
Mit vollen Segeln aus der Fluthen Wüste.
Freud' und Erstaunen nahm die Herzen ein,
Als ob entgegen jedes Auge müßte;
Welch Volk dies wäre, möchten sie erfahren,
Gesetz und Sitt' und Herrscher dieser Schaaren.

46.

Der Barken Bau und Schnelle schien zu loben,
Als Segel dienten dichte kühle Matten
Von Blättern, mit geschickter Hand gewoben,
Die an der Palmen schlanken Stämmen schatten;
Und Phaëton gab, zündend einst von oben,
Der Erd' die Farbe, so die Menschen hatten,
Als tollkühn er des Weges mußte fehlen,
Wie noch von ihm der Padus kann erzählen.

47.

Und Baumwoll' ist es, was die Mohren kleidet,
Von manchen Farben, die sich hier verbinden;
Ein Gürtel ist um Manche hingebreitet,
Da schöner Andre mehr Umhüllung finden.
Zum Haupt vom Gürtel sind sie nicht bekleidet,
Und Aller Scheitel schmücken hohe Binden;
Und Dolch' und Messer sind die scharfen Wehren,
Und schiffend lassen sie Schalmeien hören.

48.

Sie deuten mit den Armen winkend an,
    Was sie sich von der Flotte zu versehen;
Und diese läßt, der Insel schnell zu nah'n,
    Die leichten Kiele schon sich seitwärts drehen.
Als schaue sie das Ziel der schweren Bahn,
    Will an die Arbeit frisch die Mannschaft gehen.
Sie zieht die Segel, alle Masten fallen,
Der Anker sinkt, daß hoch die Fluthen wallen.

49.

Die Anker hatten noch nicht eingeschlagen,
    Als sich am Tau herauf die Mohren schwangen,
Und mit leutselig freundlichem Betragen
    Ward Jeglicher von Gama's Huld empfangen,
Und stracks läßt er herbey die Tische tragen;
    Es wird mit Bacchus Trank das Mahl begangen.
Es füllt der Wein kristallene Pokale,
Und nicht verschmäht der Mohren Mund die Schaale.

50.

Und bey dem frohen Mahl erheben Fragen
    Arabisch sie, woher die Tapfern kommen?
Und wer sie seyn? warum die Fahrt sie wagen?
    Und welche Meere schon ihr Kiel durchschwommen?
Worauf des Lusus Söhne willig sagen,
    Was Jenen kann zu kluger Antwort frommen:
Wir Portugiesen aus dem Occidente,
Wir suchen Länder in dem Oriente!

51.

Und manche Fluthen haben wir durchreiset,
    Aus Norden strebend nach des Südes Meeren;
Der Afrikaner Küste ganz umkreiset,
    Gesehn viel Länder und viel Himmelssphären,
Und einem König, welchen Jeder preiset,
    Gehorchen wir, ihn liebend zu verehren,
Nicht nur die Fahrt im Meer für ihn zu lenken,
Sie freudig selbst zum Acheron zu senken.

52.

Um sein Geheiß in Werk und That zu stellen,
Des Indus Land im Morgen zu erspähen,
Durchschiffen wir für ihn die fernen Wellen,
In denen Ungeheuer nur zu sehen.
Doch möchte nun auch billig uns erhellen,
Wenn Sitte hier ist, Wahrheit zu gestehen,
Wer ihr seyd, und mit welchem Land begabet,
Und ob von Indien ihr Kunde habet?

53.

Wir sind, erwiedert Einer von den Mohren,
Nach Ursprung und Gesetz hier fremd im Lande,
Gesetzlos sind, die solchem eingeboren,
Und roh an Sitt' und Bildung und Verstande.
Zu Jenes Glauben haben wir geschworen,
Den Abrams Stamm der Welt zum Lehrer sandte;
Obwohl ihn eines Heiden Kraft gezeuget,
Und dem sich nun die ganze Erde beuget.

54.

Es knüpft die kleine Insel, die uns nähret,
Mit jenem ganzen Erdstrich sichre Bande;
Ob nach Quiloa sich das Fahrzeug kehret,
Ob gen Mombazas und Sofalas Lande,
Und weil sie uns viel Nöthiges gewähret,
Bewohnen wir als eigen ihre Strande;
Und, daß Euch endlich Alles sey bekannt,
Wird diese Insel Mozambique genannt.

55.

Und da ihr lange schon die Fluth durchschwommen,
Den Indus suchend und die heiße Küste,
Sind Euch Piloten hier vielleicht willkommen,
Euch klug zu leiten durch die Meereswüste.
Auch könnt' Euch wohl die Rast der Landung frommen,
Und daß Euch unser König selbst begrüßte,
Und Eurer Flotte gönnte seine Nähe,
Und Euch mit allem Nöthigen versähe.

56.

So sprach der Mohr, und zu den Barken wendet
    Er wieder sich mit der Gefährten Schaaren,
Als sie der Achtung Zeichen rings gespendet,
    Die gegen solche Helden billig waren.
Indessen hat der Sonne Lauf geendet;
    Es spielt die Fluth mit ihren goldnen Haaren,
Die Schwester muß nun Licht der Erde streuen,
Daß jene sich des Schlummers möge freuen.

57.

So floß die Nacht, als gäb' es nirgend Fahren,
    In Jubel hin, den Müden von der Reise,
Von Indien nun endlich zu erfahren,
    Was sicher lenke ihrer Bahnen Gleise.
Indeß auch Manche ernst und sinnend waren
    Ob dieses Volks und seiner fremden Weise,
Und daß sie an dem Falschen Glauben hingen,
Und daß soweit die Erd' in solchen Schlingen.

58.

Des vollen Mondes helle Schimmer trinken
    Des Fluthengottes silberreine Wogen;
Es sind die Sterne, die am Himmel blinken,
    Ein weites Feld mit Lilien überzogen.
Die Stürme ließen alle Flügel sinken,
    Und sind in dunkle Grotten hingezogen;
Und dennoch sind bestellt der Flotte Wachten,
Wie Sitt' und Uebung solches mit sich brachten.

59.

Und als Aurorens Pforten sich erschlossen,
    Und sie im Glanz der Jugendschönen Wangen
Die Zügel löste Hyperions Rossen,
    Um aus dem Meer zum Himmel zu gelangen,
Wird in die Luft der Wimpel Heer ergossen,
    Und Fahnen flattern und Paniere prangen,
Den Herrscher, dem die Inseln dienen müssen,
Mit Fest und Jubel herrlich zu begrüßen.

60.

Der König nah't, die Flotte zu betrachten,
    Und Lebensmittel ihnen darzureichen,
Indeß auf Kundschaft die Gedanken achten,
    Wer diese Fremden, und aus welchen Reichen?
Warum auf ferne Herrschaft sinn' ihr Trachten
    Und Kaspien sie flöhen, das ihr eigen;
Denn ihnen wären, hegte er den Wahn,
Konstantinopels Mauern unterthan.

61.

Und es empfängt mit Huld und milden Weisen
    Gama den Mohren, und die mit ihm kommen,
Und will mit Gaben freundlich sich erweisen,
    Die er zu solchem Zwecke mitgenommen;
Auch bietet er Confekt und süße Speisen,
    Und frohen Wein, von sanfter Glut durchglommen,
Und da dem König lieb die Gaben dünken,
Beginnt er flugs zu essen und zu trinken.

62.

Die Mannschaft, auf das Takelwerk geschwungen,
    Bewundert dieser Fremden Sitt' und Trachten,
Die wilde rauhe Sprache ihrer Zungen,
    Die ein Gemisch aus andern nur zu achten.
Doch wird von Staunen auch der Mohr durchdrungen,
    Wie seine Augen Jegliches betrachten,
Und ob sie aus der Türken Land wohl kämen?
Will er, nach Allem forschend, jetzt vernehmen.

63.

Auch will er selbst die heil'gen Bücher sehen,
    An welche sich ihr Glaub' und Hoffen halte,
Ob mit den Seinen sie sich einverstehen;
    Ob Christi Lehr' vielleicht im Volke walte?
Und daß ihm nichts von Allem mög' entgehen,
    Und Jegliches dem Auge sich entfalte,
Dringt er in Gama, zu beschau'n die Waffen,
Die Sieg im Kampfe mit dem Feinde schaffen.

64.

Der tapfre Held ergegnet drauf dem Mohren
Durch Einen, so der dunkeln Sprach' erfahren,
Vom Glauben sprechend, dem er zugeschworen,
Von sich und von den Waffen seiner Schaaren;
Wir sind in jenem Lande nicht geboren,
Wo lange schon nur schnöde Türken waren;
Wir stammen aus Europa's Heldenlande,
Und schiffen nach des Indus fernem Strande.

65.

Und Glauben weih'n wir Jenes reinen Lehren,
Der Sichtbares und Unsichtbares lenket,
Und einst erschaffen alle Hemisphären,
Und was nicht fühlt und was ihn freudig denket,
Der grausam, um ihn schuldlos zu entehren,
Ward an das Kreuz der bittern Schmach gehenket,
Und als ein Mensch auf Erden wollte leben,
Die Menschen in den Himmel zu erheben.

66.

Die Bücher, so der Gottmensch, uns zu lehren
Uns gab, sind auf der Flotte nicht zu finden.
Wohl können wir Papier und Schrift entbehren,
Da sein Wort lebt in unsrer Seelen Gründen;
Doch kann ich leicht erfüllen Dein Begehren,
Dir unsrer Waffen Stärke zu verkünden;
Als Freund sollst Du vor den Gewalt'gen stehen,
Und wirst als Feind sie niemals wollen sehen.

67.

Und schon sind Diener auf sein Wort begriffen,
Die mannichfachen Waffen herzubringen,
An Schien' und Rüstung, glänzend hell geschliffen,
An Speeren, Lanzen, hartgestählten Klingen,
Und Panzerhemden hat die Hand ergriffen;
Musketen, Kugeln, die in's Ferne dringen,
Und Partisane, Köcher, Pfeile, Bogen
Und Schilde, bunt mit Farben überzogen.

68.

Und Bomben werden auch herbeigetragen,
    Und Pulver, und gefüllte Handgranaten.
Doch soll Vulkanus Dienerschaar nicht wagen,
    Der Stücke Donner zündend zu entladen.
Es will des edlen Sinnes sein Betragen
    Gern des Gepränges seiner Macht entrathen
Vor Wenigen und Schwachen, denn bedräuen
Der Lämmer Heerd' ist Schwäche bey dem Leuen.

69.

Durch Alles aber, was der Mohr befindet,
    Und was sein Auge spähend mag erkunden,
Hat sich ein Groll in seiner Brust entzündet,
    Und böse Absicht sein Gemüth umwunden;
Doch wird sie nicht durch Wink und Laut verkündet,
    Verstelltes Lächeln hält ihn fest gebunden,
Um freundlich mit den Christen zu verkehren,
Bis er sie könne seines Sinns belehren.

70.

Der Feldherr, ob der Fahren, die ihm drohten
    Im Meere, wünscht, daß Führer ihn begleiten,
Und reiche Gaben werden dargeboten
    Für die, so etwa solchem Dienst sich weihten.
Der Mohr verspricht drauf willig ihm Piloten,
    Ob ihn auch hier nur Tück und Arglist leiten,
Denn statt Piloten diensam ihm zu leihen,
Möcht' er die Fremden all' dem Tode weihen.

71.

So großen Haß und solchen bösen Willen
    Hat dieser Fremden Schaar in ihm erreget,
Seit er es weiß, daß sie das Wort erfüllen,
    So Davids Sproß auf Erden ausgeleget.
O! ew'ger Rath! den Wolken nur umhüllen,
    Den zu enträthseln Keiner Scharfsinn heget!
Daß nie treuloser Feinde mag entbehren,
Wem Du nur Huld und Gnade willst gewähren.

72.

Und schon verläßt die wackern Portugiesen
Der falsche Mohr, begleitet von den Seinen;
Doch Sitt' und Anstand, Jeglichem erwiesen,
Will Trug und glatte Mienen schlau vereinen.
Kaum daß die Barken von der Flotte stießen,
Als sie auch schon dem Strande nah' erscheinen,
Schon lenkt der König, in der Seinen Mitte,
Zur wohl bekannten Heimath seine Schritte.

73.

Und Jener schauet von der Himmel Zinnen,
Der aus des Vaters Hüfte ward geboren,
Gewahrend, wie der Flotte hoch Beginnen
Abscheu und Greuel sey den wilden Mohren.
Und will auch schon auf böse Renke sinnen,
Daß Flott' und Mannschaft gänzlich sey verloren;
Da solche Ding' in seiner Seele walten,
Kann sich die Zung' in Worte leicht entfalten.

74.

Ist es im Rath des Schicksals auch beschlossen,
Daß laute Waffen, hohe Heldenthaten
Den Sieg erkämpfen Lusus Kampfgenossen
Weit in des Indus kriegerischen Staaten;
Soll ich darum es dulden, Zevs entsprossen!
Und wunderbar mit Füll' und Macht berathen,
Daß den des Schicksals Mächte hoch erheben,
Der meinen Namen will mit Nacht umgeben?

75.

Es wollten einst, schon in den alten Tagen,
Dort Philipps Sohne Sieg die Götter schenken,
Daß jene Lande seinem Schwert' erlagen,
    Den Nacken in des Schmaches Joch zu senken.
Doch wer mag nun den hohen Schluß ertragen,
    Die Wenigen so herrlich zu bedenken,
Daß ich und er und alle Römerahnen
Nun weichen müssen diesen Lusitanen?

76.

So sey es nicht! den Feldherrn, der verwegen
Gen Morgen strebt, will ich zu Boden drücken,
Mit schlauer List ihm eine Schlinge legen,
Daß er den Orient nie soll erblicken;
Zur Erde will ich! Alles aufzuregen,
Mit Haß und Wuth die Mohren zu berücken;
Denn immer wandelt der auf sichern Straßen,
So klüglich weiß die rechte Zeit zu fassen.

77.

So sprechend wollt' er nun hernieder schweben
Nach Afrika, in Wüthen schier verloren,
Und Menschenhülle hat den Gott umgeben,
Als er von Kapo Prasso naht den Mohren.
Des Truges Fäden schlauer noch zu weben,
Hat eines Alten Bildung er erkohren,
Den Mozambique schon lang' den Weisen nannte,
Und selbst der Schach für seinen Freund erkannte.

78.

Zu diesem tritt er in bequemer Stunde,
    Der Arglist sichern Ausgang zu gewähren,
Erzählend, wie zu Folge wahrer Kunde,
    Die Fremden nur dem Raub ergeben wären;
Denn es vermöchten auf der Küste Runde
    Die Völker alle dessen zu belehren;
Mit Friedensworten nahten sie dem Strande,
Und plünderten dann grausam rings die Lande.

79.

Und wisse! sprach er, diese Christenhorden,
    So Grausamkeit und Blutdurst nur enthüllen,
Vermochten schon mit Raub und Brand und Morden,
    Des ganzen Meeres Umfang zu erfüllen;
Ein großer Trug ist längst geschmiedet worden,
    Entgegen uns zu richten Kraft und Willen,
Zu tödten uns, dir Heimath zu verheeren,
Und Weib und Kind mit Knechtschaft zu entehren.

80.

Auch weiß ich, daß der Feldherr sich bereitet,
Nach Wasservorrath früh an's Land zu gehen,
Und daß ihn eine große Schaar geleitet,
Da Furcht und Bangen um die Bosheit stehen;
Drum mußt Du, von Bewaffneten begleitet,
In einem Hinterhalt die Zeit ersehen,
Wo sie aus ihren Schiffen sorglos wallen,
Damit sie leicht in Deine Netze fallen!

81.

Und sollte dies Erfolg und Ziel verfehlen,
Daß alle Christen würden nicht erschlagen,
Darf eine neue List darum nicht fehlen,
So ebenfalls Dir möchte wohlbehagen!
Woll' einen Führer nur der Flotte wählen,
Von klugem Sinn und listigem Betragen,
Sie hin zu lenken, wo nur ihr Verderben,
Daß Alle müssen sonder Rettung sterben!

82.

Und als der Greis die Worte nun geendet,
Der wohl erfahren war in solchen Dingen,
Will ihm der Schach, nachdem er Dank gespendet,
Die Arme freudig um den Nacken schlingen.
Zum Kampfe hin ist nur der Sinn gewendet,
Und Waffenvorrath läßt er schleunig bringen,
Daß rothes Blut am Strand den Portugiesen
Statt des gesuchten Wassers möge fließen.

83.

Auch sucht er einen Diener seinen Ränken,
Um als Pilot der Schiffe Fahrt zu bahnen,
So fähig, jedes Unheil zu erdenken,
Nachkommen möge seinen großen Planen;
Der soll in Meer' und Gegenden sie lenken,
Wenn er als Führer dient den Lusitanen,
Daß, wenn sie hier auch sollten noch entrinnen,
Tod und Verderben dort sie müss' umspinnen.

84.

Und schon von Nebojoths Gebirgen gleitet
    Apollons Stralenglut mit leisem Wehen,
Als Gama, von der Seinen Huth geleitet,
    Will an den Strand nach Wasservorrath gehen;
Die Mannschaft in den Böten ist bereitet,
    Als hätte sie den ganzen Trug ersehen;
Denn über Zukunft kann sich leicht belehren,
Wer auf des Herzens Ahnungen will hören.

85.

Wohl hatte schon Verdacht sich offenbaret;
    Denn als er hingesandt nach dem Piloten,
Wird feindliches Bezeigen nicht gesparet,
    Und Antwort, die er nicht verhofft, entboten.
Deswegen, und weil er sich schlecht verwahret,
    Der nichts befährt, wo schon Gefahren drohten,
Nah't er in dreien Böten nun der Küste,
Auf seiner Huth, als wenn er fechten müßte.

86.

Die Mohren aber, die am Ufer stehen,
    Des Wassers Vorrath schützend zu bewahren,
Mit Schild und krummen Bogen wohl versehen,
    Und schneller Pfeil' und Speere wohl erfahren,
Verhoffen bald der Fremden Fuß zu sehen,
    Wo Viel' im Hinterhalt gelagert waren;
Und daß die Wagniß mög' als leicht erhellen,
Muß sich ein Häuflein hin als Köder stellen.

87.

Es schweiften auf der Küste weißem Sande
    Der Insel Krieger, so sich sehen ließen,
Mit Pfriem' und Wurfspieß winkend nach dem Strande,
    Und höhnend nur die tapfern Portugiesen;
Allein nicht lang' ertrug dies Volk die Schande,
    Daß ihm die Hunde keck die Zähne wiesen.
Sie springen an das Land so rasch und leicht,
Daß Keiner vor dem Andern es erreicht.

88.

Wie Kampf und Wuth des Ritters Eifer schwellen,
    Wenn er die schöne Herrin nah' erblicket,
Und er den Stieren sucht, um ihn zu fällen,
    Und er dann springt und ruft und Lanzen zücket,
Das starke Thier läßt sein Gebrülle gellen,
    Und hält der Hörner Wehr hinabgebücket,
Und schließt die Augen, und mit Wuth und Tosen
Will es nur hauen, tödten, niederstoßen;

89.

So hat der Böte Feuer sich erhoben,
    Der Stücke laute Donner zu verbreiten;
Es tödtet der Geschosse wildes Toben,
    Die Luft erklingt betäubend in den Weiten;
Der Mohren hoher Muth ist schier zerstoben,
    Daß in den Adern kalte Schauer gleiten,
Es fliehn, entdeckt, des Hinterhaltes Schaaren,
Und Jene fallen, so am Ufer waren.

90.

Und noch ermatten nicht der Christen Hände,
    Mit Schwert und Tod den Feinden nachzufliegen,
Ein Dorf erreichen ihrer Bomben Brände
    Und, unbeschützt, muß es der Flamm' erliegen.
Den Schach beklemmt des Ritterzuges Ende,
    Da er gehofft, um schlechtern Preis zu siegen,
Verwünschend fluchen nun dem Kampf die Mohren,
Dem schwachen Greis und der, die ihn gebohren.

91.

Die Mohren fliehn, doch, ob sie auch erblassen,
    Wird auf den Feind der Köcher noch geleeret,
Und Pfahl und Steine ihre Händ' erfassen,
    Da sie des Wüthens hoher Grimm bewehret.
Schon haben sie die Insel rings verlassen
    Und ihre Flucht zum festen Land gekehret
Und fast des Meeres Enge schon durchdrungen,
Die, wie ein Arm, das Eyland hält umschlungen.

92.

Ein Kanot ist zur Rettung Dem verliehen;
Ein Andrer will durch Wog' und Brandung streben
Hinabgewandt, wo krause Wellen ziehen,
Und was er trinkt, das muß er wiedergeben,
Doch Floß und Kahn, auf welchen sie entfliehen,
    Zertrümmert des Geschützes krachend Beben.
So züchtiget die Hand der Portugiesen
Verrath und Bosheit, die der Feind bewiesen.

93.

Die Flotte heißt die Siegenden willkommen,
    Die reiche Beute stolz und freudig tragen,
Und Wasser wird nach Willkühr auch genommen,
    Da Widerstand die Feinde nicht mehr wagen.
Der Mohren Volk ist traurig und beklommen,
    Doch höher nur des Hasses Gluthen schlagen
Und, Rache für ihr Unglück zu gewinnen,
Soll nun des zweyten Truges List beginnen.

94.

Der König sendet, Frieden zu erflehen,
    Vom Lande her in Demuth und in Reue,
Ob auch die Lusitanen nicht ersehen,
    Wie neuer Krieg im Frieden sie bedräue;
Den Führer will er ihnen zugestehen,
    Damit ein Friedenszeichen sie erfreue,
Um sie durch ihn, des schlimmen Trugs Geweihten,
Zu sicherem Verderben hinzuleiten.

95.

Und da der Feldherr rastlos ist im Streben,
    Das Werk zu fördern, das er angefangen,
Und Zeit und Winde günstig niederschweben,
    Um näher zu dem Indus zu gelangen,
Wird der Pilot, der ihm am Bord gegeben,
    Mit Huld und Freundlichkeit von ihm empfangen
Und, das gewährend, was die Mohren wollen,
Läßt er die Segel nun den Wind entrollen.

96.

So nahmen Urlaub sich die Lusitanen,
    Die Wellen Amphitrites zu durchschneiden
Und Nereus Töchter tanzen um die Bahnen
    Der Schiffe, die sie treu und froh geleiten;
Der Feldherr, ohne nur den Trug zu ahnen,
    Den des Piloten Listen ihm bereiten,
Will Kunde nur von Indien empfahen
Und von den Küsten, denen sie sich nahen.

97.

Allein der Mohr, bekannt mit jenen Ränken,
    Die Bacchus arge List ihm dargeliehen,
Will nur in Tod und Knechtschaft sie versenken,
    Bevor nach Indien sie hingediehen;
Auch wird, da dorthin Aller Wünsche lenken,
    Von Land und Häfen Kunde reich verliehen,
Und, nichts besorgend, glaubt die Schaar der Helden
Als wahrhaft, was des Truges Worte melden.

98.

Auch sagt er, gleichen Trug, wie den, zu hegen,
    Als Synon
einst die Phrygier bethöret:
Ein Eyland sey nicht ferne abgelegen,
    Wo Christus werde lange schon verehret.
Den Feldherrn muß zur Freude dies bewegen,
    Da er sich gern von Jeglichem belehret;
Drum will er reich des Mohren Müh' belohnen,
Leit' er zum Land, wo diese Christen wohnen.

99.

Dasselb' ist auch des falschen Mohren Streben,
    Was nur die Sichern jetzt von ihm verlangen,
Weil Völkerschaften auf der Insel leben,
    Die an den argen Lehren Mahoms hangen.
Dort soll Verderben Christi Schaar umgeben,
    Weil dort mehr Schutz und Hülfe zu erlangen,
Als Mozambique gewährt; Quiloas Strande
Sind hochberühmt durch ferne weite Lande.

100.

Dahin lenkt nun der Schiffe frohe Reise;
Doch, da Cytheras Göttin muß ersehen,
Wie sie, abweichend von dem sichern Gleise,
Zum Untergang die Segel arglos drehen;
So will sie nicht, daß auf so schnöde Weise
    Am fernen Strand die Theuern untergehen
Und Winde werden von ihr aufgeboten,
Die widrig sind der Richtung des Piloten.

101.

Und, da es nicht gelingen will dem Mohren,
    Des alten Truges Faden fort zu weben,
Wird eine neue Tücke bald erkohren,
    Denn standhaft ist er seinem Plan ergeben.
Drum spricht er; Da die Fluthen sich verschworen
    Und so gewaltsam uns entgegen streben,
Muß eine andre Insel bald sich zeigen,
Die Mohren so, als Christen ist zu eigen.

102.

Nur kann auch dies die Wahrheit nicht begründen,
    Da stets der Mohr die alten Tücken nähret,
Denn nirgend sind dort Christen zu befinden,
    Und Mahoms Lehren werden nur verehret.
Der Feldherr giebt die Segel allen Winden,
    Weil er in Allem Glauben ihm gewähret,
Doch müssen sich auf Venus schirmend Walten
Die Schiffe ausserhalb des Hafens halten.

103.

Die Insel ist so nah dem festen Lande,
    Daß wenig Wellen nur dazwischen gleiten,
Und eine Stadt gelegen an dem Strande,
    Die sichtbar ist aus fernen Meeresweiten,
In der sich, wie das Auge bald erkannte,
    Prachtvolle Baue schön und stolz verbreiten.
Und Herrschaft hält der Scepter eines Greisen,
Und Stadt und Land zugleich Mombaza heißen.

104.

Und, als der Admiral nun nah gediehen,
    Und Hoffnungen die Fremden mächtig nähren,
Bey Christen bald nun wieder einzuziehen,
    Wie des Piloten Lügen ihm gewähren;
Sieht man schon Kähne her vom Lande fliehen,
    Da kund dem König, wer die Fremden wären.
Denn Bacchus hatte längst ihn vorbereitet,
Noch eins in Mohren Hülle eingekleidet.

105.

Zwar ist es Freundschaft, was die Boten bringen,
Doch will darunter Gift sich nur verstecken,
Da nur ihr Trachten steht nach argen Schlingen,
Wie solches sich am Ende wird entdecken.
O! der Gefahr in allen großen Dingen!
O Lebenspfad! wo tausend Zweifel schrecken!
Da, wo jetzt Aller Herzen freudig hoffen,
Ist Aller Leben nur ein Abgrund offen!

106.

Im Meere solche Stürme, solche Fahren!
Und solcher Tod, die Menschen zu vernichten!
Auf Erden Krieg und andrer Uebel Schaaren,
Die gegen uns die sichern Pfeile richten!
Wie soll ein schwacher Sterblicher sein wahren!
Wohin die kurzen Lebenstage flüchten!
Wenn auch in klarer Luft sich Stürm' erheben
Wild zu bedräun' des Erdenwurmes Leben!


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