Zusammenstöße an der Grenze zwi-
schen Kambodscha und Thailand
von Thomas Röper (Anti-Spiegel, 25. Juli 2025)
Nachbemerkung und Links: Nikolas Dikigoros
Am Morgen des 24. Juli kam es entlang der kambodschanisch-thailändischen Grenze zu bewaffneten Zusammenstößen.
Die Parteien berichteten vom Einsatz von Kampfflugzeugen. Thailand meldete 15 Tote und 46 Verletzte.
Die TASS hat die wichtigsten Informationen zur Lage zusammengetragen:
Die Gründe für die Eskalation
- Die Beziehungen zwischen Kambodscha und Thailand verschlechtern sich nach einem bewaffneten Zwischenfall am 28. Mai weiter. Bei diesem Zwischenfall schossen thailändische Soldaten auf einen kambodschanischen Militärposten im Dorf Techo Morokot im Distrikt Phong im umstrittenen Gebiet zwischen der kambodschanischen Provinz Preah Vihear und der thailändischen Provinz Ubon Ratchathani. Dabei wurde ein kambodschanischer Soldat getötet und mehrere weitere verletzt.
- Am 2. Juni kündigte Kambodscha an, den Internationalen Gerichtshof zur Beilegung eines Streits über den Grenzverlauf in vier Grenzgebieten – Mumbai sowie rund um die Tempel Tamoanthom, Tamoantuch und Takrabei – anrufen zu wollen, den die beiden Länder von der französischen Kolonialherrschaft in Indochina geerbt hatten.
- Bangkok war mit dieser Entscheidung nicht einverstanden und schloss die Grenzübergänge. Phnom Penh reagierte entsprechend.
- Thailand warf Kambodscha vor, Antipersonenminen im Grenzgebiet des Königreichs gelegt zu haben.
- Phnom Penh wies die Vorwürfe zurück, für die Explosion einer Mine verantwortlich zu sein, bei der drei thailändische Soldaten getötet wurden, und erklärte, das Militär sei von sicheren Patrouillenrouten abgewichen.
- Die Länder reduzierten daraufhin ihre diplomatischen Beziehungen auf ein Minimum.
Kampfhandlungen
- Laut der Khmer Times begannen die Zusammenstöße gegen 7:30 Uhr (2:30 Uhr deutscher Zeit) nahe dem umstrittenen Grenzgebiet in der Provinz Oddar Meanchey.
- Anwohner berichteten der Zeitung, sie hätten heftige Schüsse und Explosionen gehört, was darauf hindeutet, dass beide Seiten möglicherweise schwere Waffen einsetzen.
- Die Lage bleibt angespannt, da beide Seiten Berichten zufolge ihre Stellungen entlang der Grenze verstärken.
- Phnom Penh erklärte, es handle sich um Selbstverteidigung als Reaktion auf einen unprovozierten Einfall thailändischer Truppen, der die territoriale Integrität des Königreichs verletzt habe.
- Kampfjets der thailändischen Luftwaffe griffen Berichten zufolge kambodschanische Militärstellungen in der Provinz Preah Vihear an. Um 5:58 Uhr deutscher Zeit griffen sie das Hauptquartier der 8. und 9. Unterstützungsbrigade der kambodschanischen Streitkräfte an und neutralisierten es.
- Phnom Penh behauptet, einen thailändischen Kampfjet abgeschossen zu haben, was Bangkok bestreitet.
- Die thailändische Armee erklärte, die kambodschanischen Streitkräfte hätten eine Drohne im Grenzgebiet gestartet.
- Thailand fordert Kambodscha auf, die illegalen Aktionen in Grenzgebieten, die gegen die Grundsätze des Völkerrechts verstoßen, einzustellen.
- Der kambodschanische Premierminister Hun Manet forderte eine außerordentliche Sitzung des UN-Sicherheitsrats.
Die Lage der russischen Touristen
- Russische Touristen in Thailand sind sicher, die Eskalation des Konflikts an der Grenze beeinträchtigt ihren Urlaub nicht, so die Pressestelle des Russischen Reiseverbands unter Berufung auf die Generaldirektorin des Reiseveranstalters Satmarket Irina Setun.
- Es gibt keinen Massentourismus nach Kambodscha, und die Urlaubsorte in Thailand liegen weit von der Grenze entfernt, berichtete der Verband der Reiseveranstalter Russlands.
- Russischen Touristen in Thailand wird geraten, die an Kambodscha grenzenden Gebiete, in denen es zu bewaffneten Zusammenstößen gekommen ist, nicht zu besuchen, riet der russische Botschafter in Thailand, Jewgeni Tomikhin.
Reaktionen in der Welt
- China ist zutiefst besorgt über die Eskalation und wird zur Stabilisierung der Lage beitragen, so das chinesische Außenministerium.
- Das kirgisische Außenministerium rief die Bürger dazu auf, das Grenzgebiet der beiden Länder nicht zu besuchen.
- Vietnam äußerte sich besorgt über die wachsenden Spannungen in der Region und rief beide Länder zur Zurückhaltung und zum Verzicht auf Gewaltanwendung auf.
Nachbemerkung: Die Feindschaft zwischen Syāmesen und Kambodyānern besteht seit Menschengedenken; und das streitgegenständliche Grenzgebiet hat im Laufe der Jahrhunderte so oft den Besatzer gewechselt, daß selbst Dikigoros das Zählen aufgegeben hat.
Viel bemerkenswerter scheint ihm, daß Thailand - anders als zu seiner Zeit - nicht mehr hauptsächlich von westlichen Touristen lebt, sondern von östlichen: Chinesen, Vietnamesen, Russen - die sich an der Côte d'Azur und sonstwo im Westen, wo vor allem die besser Betuchten früher in Scharen auftraten, nicht mehr willkommen fühlen - und selbst Kirgisen! Und Kambodyā war eh bloß ein Geheimtip für schwule Päderasten, denn die archäologisch interessanten Regionen sind noch immer so schlecht erschlossen, daß man sie besser von Thailand aus erreicht. Aber auch damit scheint es ja fürs erste vorbei zu sein; und umgekehrt werden die Nachwuchsnutten aus dem Isaan schon Mittel und Wege finden, um an die Orte mit der - noch - bestehenden Nachfrage in Thailand zu gelangen.
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