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Die Beziehung zwischen Richthofen und dem Oberbefehlshaber der nationalspanischen Luftstreitkräfte (Jefatura del Aire), General Kindelán, waren wohl gerade aus diesem Grunde recht gespannt. Gut entwickelte sich dagegen die Zusammenarbeit der Legion Condor mit dem Stabschef der Navarra-Brigaden, Oberst Vigón, der wiederum in einem engen persönlichen Verhältnis zu General Franco stand. Verbindungsoffizier der Jefatura del Aire beim Stab der Legion Condor war Comandante (Major) Siera. Es darf angenommen werden, daß General Franco zumindest von diesen Personen über die Absichten und Einsätze der Legion Condor unterrichtet wurde. Klaus A. Meier: »Guernica«, S. 47 |
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Der Bericht enthält alle Merkmale der nun verstärkt einsetzenden antideutschen Propaganda, obwohl die deutschen Flieger der Legion Condor bewußt nicht genannt werden. Wie sollte Maria Goitia das auch wissen können? Die Flugzeuge trugen das Kennzeichen der Nationalen. (Oberst Dr. Freiherr von Richthofen, Chef des Stabes der Legion Condor, in einem Brief vom 25. 5. 1937: »Die Aufregung über deutsche Bomber ist natürlich insofern völlig unberechtigt, als es hier nur spanische Verbände gibt!!« - Maier, Guernica, Freiburg 1975, Seite 112.) Aber wer war Maria Goitia? Wie alt war sie, welchen Beruf hatte sie? Ihre Person blieb im Dunkel. Sie wurde nach der Zahl der Opfer gefragt: Tausende und Abertausende, behauptete sie. Gefragt wurde sie von einem Havas-Vertreter der französischen Nachrichtenagentur. Wo? Wahrscheinlich in Paris. Und in Paris saß auch die kommunistische Propagandazentrale, deren Chef der deutsche Kommunist Willy Münzenberg war. Guernica habe 13 000 Einwohner gezählt. Tatsächlich waren es 5000. Daß die Welt erfuhr, wer diese Greuel begangen haben sollte, dafür sorgten die ausländischen Korrespondenten, vor allem die Engländer. »Times« und »Manchester Guardian« ließen keinen Tag vergehen, ohne darauf hinzuweisen, daß es alle Gründe gebe, um zu glauben, daß Guernica von Deutschen bombardiert worden sei. Welchen Umfang die Hetzkampagne in kurzer Zeit angenommen hatte, zeigt die Berichterstattung der Londoner Zeitung »News Chronicle«, die sich keine Gelegenheit entgehen ließ, ihren Lesern neue Lügen aufzutischen. »ABC Madrid« berichtete am 29. Juni 1937: »›News Chronicle‹ meldet, daß Mussolini erklärt habe, Franco müsse den Krieg gewinnen und Italien könne nicht neutral bleiben. Die Zeitung bezeichnet das Geständnis Mussolinis als zynisch, daß die Zerstörung von Guernica zum faschistischen Plan gehört habe, um sich Bilbaos zu bemächtigen, was unerläßlich gewesen sei, weil Deutschland das Eisenerz benötige.« Am 24. Juni hatte ABC Madrid behauptet, der Hitlersmus habe die Invasion Spaniens mit konkreten Zielen vorbereitet: Bodenschätze und Rohstoffe Spaniens zu kontrollieren und ihre Lieferung um jeden Preis sicherzustellen. Das Zusammenspiel zwischen Rotspanien und einem großen Teil der englischen Presse funktionierte ausgezeichnet. Die Propagandawelle rollte. Sie hätte - aus heutiger Sicht - wahrscheinlich aufgefangen werden können, wenn die Nationalen den Luftangriff zugegeben und so dargestellt hätten, wie er sich tatsächlich zugetragen hatte. So fehlte dem propagandistischen Gegenangriff der Nationalen, so sehr er sich auch auf beweiskräftige Argumente stützte - Angriffe der republikanischen Luftwaffe auf die Zivilbevölkerung - für die Millionen Leser und Hörer der Zeitungen und des Rundfunks in den Demokratien des Westens und im kommunistischen Machtbereich des Ostens die Überzeugungskraft. Unter der Überschrift »Bilbao in schwerer Gefahr« griff »ABC Sevilla« in der Ausgabe vom 11. Mai 1937 die Gegner der Nationalen an. »Es ist zynisch«, heißt es in dem umfangreichen Artikel, »daß die Roten und ihre Sympathisanten ihre Gewänder zerreiben angesichts der Luftangriffe auf Städte und Dörfer, die sie als »offene« bezeichnen. Gerade sie, die es vorziehen, ihre Bomben immer auf friedliche und, wie sie wissen, wehrlose Städte zu werfen! Welche militärischen Objekte haben sie in Zaragoza, in Oropesa, in Merida, in Simancas oder in Trujillo gesucht? Welche dringenden militärischen Gründe sprachen für die Bombenangriffe auf die Hospitäler von Burgos, Valladolid, Ceuta, Cordoba, Granada etc., auf die Alhambra und die Mezquita von Cordoba… auf das Schiff, mit dem mohammedanische Pilger nach Mekka fuhren? Alle diese Bombenangriffe sind in den englischen und französischen Zeitungen der Linken mit Schweigen übergangen oder sogar gebilligt worden. Sie verlieren damit jede moralische Macht und jedes Recht, unsere Luftangriffe auf offene Städte ohne militärische Objekte zu rügen, falls wir einen solchen Angriff bestätigen. Das ist bis heute nicht der Fall gewesen. Weder unsere Artillerie noch unsere Flugzeuge haben ein einziges Ziel beschossen oder bombardiert, das nicht von militärischer Bedeutung war. Wer das Gegenteil behauptet, lügt. Militärische Objekte waren seinerzeit Badajoz, Toledo, Malaga, Talavera und andere Ortschaften… Ein bedeutendes militärisches Objekt ist Madrid… Und trotzdem haben wir Madrid nicht mutwillig zerstört… Militärische Objekte waren ebenfalls die baskischen Städte auf dem Kriegsschauplatz bei unserem Vormarsch auf Bilbao: Ochandiano, Elorrio, Elgueta und Durango. Nur weil sie sich im Kampfgebiet befanden, mußten diese Orte die Härte des Krieges erleiden, aber außerdem waren in ihnen bedeutende Truppenteile zusammengezogen worden. In Elgueta: die Bataillone Munatones und Castilla Kirikino, in Elorrio: Zabaldibi, C.N.T Nummer 2, U.H.P; in Ochandiano: Azana Vizcaya, A.N.V-. Nummer 1, Meabe Nummer 2, Rebelión de la Sal, Dragoner; in Guernica: Bataillon Loyola, Ingenieur-Bataillon, zwei Batterien Artillerie. Was die Bedeutung als Zentrum der Rüstungsindustrie anbetrifft, so besaß Guernica - um nur diese Stadt zu nennen -, das friedliche Guernica, wie die rote Presse sagt, Fabriken für die Herstellung von Bomben, Munition, Waffen…« Es wird deutlich, wohin die Propaganda der Nationalen zielt: Guernica war keine »offene Stadt«, Guernica war ein »militärisches Objekt«. Das widersprach den Ausführungen von General Queipo de Llano, dessen Rundfunkansprachen an die Bevölkerung über Radio Sevilla offiziösen Charakter trugen. Am 30. April veröffentlichte ,,ABC Sevilla« die Ansprache, in der Queipo de Llano die Fragen der Londoner Zeitung Daily Express und seine Antworten bekanntgab. Der General erklärte u. a.: »Guernica ist kein militärisches Objekt, und deshalb sagte ich auch, daß die Stadt für uns eine wertvolle Tradition besitzt und wir diese achten. Das Feuer wurde nicht durch von Flugzeugen abgeworfene Bomben verursacht, sondern durch Sprengkörper, wie wir zu gegebener Zeit beweisen werden. Wenn wir Guernica wirklich bombardiert hätten, warum sollten wir es leugnen? Wo das Recht vollkommen auf unserer Seite ist, denn die Roten haben Oviedo, Toledo und so viele andere Orte bombardiert, ohne daß diejenigen protestierten, die es heute tun.«
Es war für die baskische Regierung in Bilbao und die spanische Regierung in Valencia nicht schwer, die Widersprüche in den Behauptungen der Nationalen aufzudecken, denn ehe Guernica am 29. April von den nationalen Truppen besetzt wurde, hatten die Republikaner Zeit genug, wichtige Zeugen zu präsentieren - die Korrespondenten der großen ausländischen Zeitungen. Der "Augenzeuge", der keiner warEine entscheidende, wahrscheinlich sogar die wichtigste Rolle in der Propaganda-Kampagne um den Luftangriff auf Guernica spielte der Times-Korrespondent G. L. Steer. Seine Berichte, die auf Angaben von Einwohnern von Guernica beruhten, in der Öffentlichkeit als Berichte eines Augenzeugen aufgefaßt, denn sie entsprachen genau der Aufmachung des englischen sogenannten Tatsachenberichts. Der englische Leser und Hörer hat ein Bedürfnis nach »Hintergründen« und geheimen Zusammenhängen. Zu jeder Mitteilung will er die »Story«, die ausmalende Geschichte. Vieles, was wir von der englischen Detektivgeschichte als Literaturgattung wissen, gilt auch für die Aufmachung des politischen Geschehens durch den Agitator. (K. Kurth u. W. Hollmann, Die Wirkungsgesetze der Presse. Zeitungswissenschaft, Heft 3/1940, S. 70.) Die Schwarzweißtechnik beherrschte Steer perfekt. Dem Feind ist jedes Maß an Scheußlichkeiten zuzutrauen, während die Wahrheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit nur auf der eigenen Seite zu finden ist. Selbstverständlich wird der Anschein der Objektivität gewahrt. Natürlich gibt Steer zu, daß er kein Augenzeuge des Luftangriffs gewesen, sondern erst spät in der Nacht von Bilbao nach Guernica gefahren ist und sich dort nur wenige Stunden aufgehalten hat. Seine »Storys aber - veröffentlicht in dem 1938 erschienenen Buch »The Tree of Guernica« (Der Baum von Guernica) beginnt so: »Die Uhr in unserem Auto zeigte 4.30 Uhr nachmittags an. Es war Montag, der 26. April 1937. Es war Markttag in Guernica, und gerade um diese Zeit war die Stadt gedrängt voll…« Und nun beginnt die Schilderung des friedlichen Lebens in einer friedlichen Stadt, wo man nur ein paar Faschisten eingesperrt hat, aber nur »ganz wenige«. Die Einwohner lebten wie immer, die Priester gingen in ihrer Sountane durch die Straßen, und in den Kirchen wurde zu jeder Tageszeit die Messe gelesen. Zwei Bataillone baskischer Nationalisten waren im Norden in einem grünen Wäldchen stationiert, an der Straße, die nach Bermeo führte. In Guernica selbst gab es nur einen Posten der motorisierten baskischen Polizei und keine Truppen. Die Front verlief viele Kilometer entfernt, und niemand dachte - laut Steer - wahrscheinlich überhaupt an den Krieg, als die Kirchenglocken zu läuten begannen - Fliegeralarm! Seitenlang schildert Steer nun den Angriff, der mit der gleichen Methode wie in Durango am 31. März durchgeführt worden sei. Seine Darstellung ist - manchmal in leicht abgewandelter Form - in fast allen Berichten über Guernica wiederzufinden. Zuerst kam demnach eine Heinkel 111 und warf »sechs Bomben und einen Haufen Granaten in die Nahe des Bahnhofs.« Ein Angestellter der Eisenbahn informierte Bilbao telefonisch über diesen Angriff. Kurz darauf erschien eine weitere Heinkel 111, die das gleiche Ziel bombardierte und die Telefonleitung nach Bilbao unterbrach. Es vergingen 15 Minuten, die Menschen verließen die Schutzräume, doch Motorengeräusch trieb sie wieder in die Unterstände zurück. Ju 52 kamen und warfen Bomben. Immer mehr Bombenflugzeuge erschienen. Sie warfen nicht nur Bomben von 50 und 100 (engl.) Pfund, sondern auch Torpedos von 1000 (engl.) Pfund. Die Bomben schlugen in die Schutzräume, unter der Bevölkerung brach Panik aus. Auf diesen Augenblick hatten die Jagdflieger gewartet, sie stürzten sich auf die Menschen und schossen auf sie mit Maschinengewehren. Gruppen von 3 bis 12 Flugzeugen He 111 und Ju 52 warfen Bomben, alle 20 Minuten kam eine neue Welle. »Gegen 19.30 Uhr hatte sich das Feuer so ausgebreitet, daß es drohte, die kleine und dicht bevölkerte Stadt völlig zu vernichten mit Ausnahme der Casa de Juntas und der Hauser der faschistischen Familien, die, weil sie reicher waren als die anderen, in aus Stein gebauten Häusern wohnten, die abgelegen von der Stadt standen. Das gefräßige Feuer ergriff sie nicht, obwohl es unter dem Einfluß des Windes in einigen Fällen seine Klauen nach ihnen ausstreckte. Um 19.45 Uhr erschien das letzte Flugzeug. Die Nacht kam. Guernica existierte nicht mehr.« Steers Schlußfolgerung lautet: »Guernica wurde wie Durango angegriffen, um die Zivilbevölkerung zu terrorisieren und dadurch auch die Miliz; und um die Verbindungen zur Nachhut der sich zurückziehenden Armee zu unterbrechen, wie ich es am Nachmittag des 26. April bei Arbacegui-Guerricaiz sah.«
Der entscheidende Begriff lautet »Terrorangriff«. Alle künftigen Darstellungen, alle Proteste der Regierungen in Bilbao und Valencia laufen darauf hinaus, die »faschistischen Barbaren«, die »menschlichen Bestien« vor aller Welt zu brandmarken. Der baskische Minister Irujo wandte sich am 16. Juni an die »freien Völker Amerikas«. In seiner Erklärung, die er einem Vertreter von United Press übergab, erklärte Irujo, daß Buskadi 1937 unter der Invasion der gleichen tyrannischen Mächte Europas, die verbrennen, zerstören, vergewaltigen und töten, zu leiden habe wie Belgien 1914. Das kleine baskische Volk habe drei Monate lang heroischen Widerstand gegenüber den Eindringlingen, Deutschen, Italienern, Mauren und spanischen Faschisten geleistet. »Eibar, Elgueta, Durango, Amorebieta, Munguia, Galdacano, Guernica… die Städte der Industrie, der Tradition und der Kunst Buskadis sind durch deutsches Blei zerstört worden… Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Belgien von 1917 und dem Buskadi von 1937. Die Invasion Belgiens bewegte die ganze Welt und rief die Demokratien der Welt gegen die Tyrannen zu den Waffen, die sie besiegten und dem Land die legale Regierung wiedergaben. Aber für Buskadi, die baskische Demokratie, die älteste Demokratie Europas, hat man bisher nur Worte übrig gehabt, Erklärungen großer Wertschätzung und wertvoller indirekter Hilfe, aber nichts angebahnt, um den ausländischen Invasoren den Zutritt zu verwehren, die beabsichtigen, die baskische Rasse auf dem Boden ihres Vaterlandes auszurotten.« (ABC Madrid 17. Juni 1937).
Schon am 13. Juni 1937 hatte der Präsident der baskischen Regierung, Jose Aguirre, eine Botschaft an die Regierungshäupter folgender Länder geschickt: Frankreich, Belgien, Holland, Norwegen, Schweden, Dänemark, Sowjetunion, USA, Mexiko, Tschechoslowakei, Polen, Ungarn, Rumänien, Ägypten, Irland, Argentinien, Chile, Peru, Bolivien, Paraguay, Ecuador, Venezuela und die Schweiz, in der er erklärte, daß seit 75 Tagen über hundert deutsche und italienische Flugzeuge gemeinsam mit maurischen Söldnern und regulären Truppen ihrer Länder wütend bemüht sind, Städte und Dörfer zu zerstören und die Bevölkerung auszulöschen. Aguirre rief das »Weltgewissen« auf, zu verhindern, daß die furchtbarste Ungerechtigkeit, deren die Weltgeschichte je Zeuge war, geschehen konnte. Literatur: Quelle: Deutschland in Geschichte und Gegenwart 27(3) (1979), S. 26-33 weiter zu Teil II zurück zu Reisen durch die Vergangenheit |