Westafrika: Frankreichs verzweifelte Versuche,
seinen Zugang zu billigem Uran zu retten

von Thomas Röper (Anti-Spiegel, 07. August 2024)

Anmerkungen & ergänzende Links: Nikolas Dikigoros

Frankreich verliert in seinen ehemaligen Kolonien rasant an Einfluss und vor allem verliert es seinen billigen Zugang zu Rohstoffen. Daher versucht Paris, gegen die Regierungen von Mali, Burkina Faso und vor allem Niger vorzugehen.

Ich habe gerade erst darüber berichtet, dass islamistische Terroristen von al-Qaida in Mali eine erfolgreiche Schlacht gegen die malischen Regierungstruppen, die beim Kampf gegen des islamistischen Terror von der russischen Wagner-Gruppe unterstützt wird, geführt haben. Danach hat Kiew verkündet, dass es die Terroristen mit den für die erfolgreiche Schlacht notwendigen Informationen versorgt hat. (Anm. Dikigoros: Wie das? Oder könnte das propagandistische Angeberei gewesen sein?)

Es sei daran erinnert, dass noch vor kurzem die Bundeswehr und die französische Armee in Mali stationiert waren, um angeblich gegen den islamistischen Terror zu kämpfen. Trotzdem haben europäische Medien praktisch nicht darüber berichtet, dass das von der EU finanzierte und bewaffnete Kiew offen damit prahlt, die Islamisten unterstützt zu haben, gegen die die Bundeswehr vor kurzem noch gekämpft hat. (Anm. Dikigoros: "Gekämpft" ist wohl etwas übertrieben; Sie haben die Wahlurnen bewacht - an denen dann kaum jemand wählen gegangen ist :-) Und Kritik von europäischen Politikern daran gab es auch keine.

Worum es in Westafrika geht

Das überrascht auch nicht, denn ich habe in meinem Artikel auch erklärt, dass die französische Armee und die Bundeswehr in Mali nicht ernsthaft gegen den islamistischen Terror gekämpft haben, sondern dass die Einsätze andere Ziele hatten. Erstens ging es um das Uran im benachbarten Niger, auf das Frankreich, das 80% seines Stroms mit Kernenergie erzeugt, angewiesen ist. Das nigrische Uran hat Frankreich wie in der Kolonialzeit für eine Bruchteil seines Marktwertes aus Niger geholt, weshalb die eine Aufgabe der französischen Armee und der Bundeswehr in Mali darin bestand, die Islamisten von den Uranvorkommen in Niger fernzuhalten. Die Ironie dabei ist, dass die Bundesregierung den Atomausstieg propagiert hat, als sie gleichzeitig deutsche Soldaten nach Mali geschickt hat, damit die die französische Atomindustrie schützen.

Das zweite Ziel des Einsatzes der französischen Armee und der Bundeswehr in Mali war es, die französische Dominanz in seinen ehemaligen Kolonien zu erhalten. Daher haben sie den islamistischen Terror auch nicht ernsthaft bekämpft, denn wären die Terroristen besiegt worden, wäre der Vorwand für die Stationierung französischer Soldaten in Mali weggefallen.

Die fortgesetzte Ausbeutung der westafrikanischen Staaten durch ihre ehemalige Kolonialmacht Frankreich ist in der dortigen Bevölkerung ausgesprochen unpopulär, gleiches gilt für die politische Bevormundung aus dem Westen. Daher haben die Menschen, als es in den letzten Jahren zu Militärputschen in Mali, Burkina Faso und Niger kam, die Putschisten unterstützt. Und die Putsch-Regierungen haben gehandelt und französische Truppen aus ihren Ländern verwiesen, sich mit der Wagner-Gruppe neue Partner für den Kampf gegen den islamistischen Terror gesucht und die alten Ausbeuter-Verträge mit Frankreich gekündigt, vor allem den, der Frankreich den billigen Zugriff auf nigrisches Uran erlaubt hat.

Aufgrund des Drucks, den Frankreich und die immer noch von Frankreich dominierten ECOWAS-Staaten der Region auf die Länder ausüben, haben die drei Länder sich kürzlich zu einer Konföderation zusammengeschlossen, die auch eine gegenseitige Verteidigungsklausel enthält, und sie „Allianz der Sahelstaaten“ genannt. Die drei Länder eint das Ziel, die neokolonialistische Ausbeutung und Bevormundung durch Frankreich zu beenden.

Daher ist es wenig überraschend, dass die europäischen Staaten keinerlei Kritik an Kiews Unterstützung für die islamistischen Terroristen der al-Qaida äußern, denn es ist im Interesse Frankreichs (und mindestens indirekt auch der EU), dass die Regierungen dieser Länder bekämpft und im Idealfall gestürzt und wieder durch Frankreich treu ergebene Vasallen ersetzt werden.

Frankreich will die Region destabilisieren

Ein Afrika-Korrespondent der russischen Nachrichtenagentur TASS hat mit dem malischen Politologen und Experten im Bereich der Kommunikation und der internationalen Beziehungen Boubou Doucouré über die Lage gesprochen. Weil die Meinung afrikanischer Experten in Deutschland praktisch nie Gehör findet, gebe ich hier wieder, was der TASS-Korrespondent berichtet hat.

Über die Ausgangslage, die ich oben beschrieben habe, hat der malische Experte gesagt:

"Frankreich, das jede gegnerische Regierung in der Sahelzone beeinflussen oder destabilisieren konnte, hat die Kontrolle über Burkina Faso, Mali und Niger bereits verloren. Das ist ein schwerer Schlag sowohl für die geostrategische Position als auch für die Wirtschaft von Paris, die von den kommerziellen Vorteilen früherer Verträge lebt [...] Nachdem in den letzten Jahren die französischen Militärkontingente aus den Ländern der Allianz der Sahelstaaten vertrieben und die Kolonialverträge gekündigt wurden, will es seine militärische Präsenz natürlich in einigen angrenzenden Staaten verstärken, um seinen militärischen und diplomatischen Einfluss nicht nur in der Sahelzone, sondern auf dem gesamten Kontinent aufrechtzuerhalten, um seinem Status als 'Gendarm Afrikas' gerecht zu werden. Aber Frankreich verfügt nicht über die eigenen Ressourcen, um eine solche Position zu sichern."

Über Frankreichs Versuche, seinen Einfluss wieder zurückzugewinnen, sagte er:

"Frankreich versucht derzeit, Burkina Faso, Mali und Niger vom Territorium einiger Nachbarländer aus zu destabilisieren, um die Kontrolle über die Sahelzone wiederzuerlangen. Zu diesem Zweck greift Paris auf eine Reihe verschiedener Methoden zurück, darunter die Verhängung von Embargos, die Unterstützung bewaffneter extremistischer Gruppen, Propaganda-Aktivitäten und den weit verbreiteten Einsatz von Desinformationen. Den drei Ländern der Allianz der Sahelstaaten werden beispiellose, ungerechtfertigte und illegale wirtschaftliche Bedingungen aufgezwungen, um die soziale Atmosphäre aufzuheizen und die öffentliche Meinung gegen die amtierenden Regierungen aufzubringen. Aus diesem Grund wurden neben der Ausweisung des französischen Botschafters und der Vertreibung der französischen Armee auch Medien wie der Radiosender RFI und der Fernsehsender France 24, die zur Destabilisierung des inneren Lebens beigetragen haben, mit einem Sendeverbot in Mali belegt."

Frankreich braucht die Kontrolle über die ehemaligen Kolonien

Frankreichs Problem ist, dass seine Wirtschaft darauf basiert, aus den ehemaligen Kolonien mit billigen Rohstoffen versorgt zu werden. Der malische Experte formulierte es so:

"Paris hat auf der internationalen Bühne nicht viel Gewicht, wenn es keine Kontrolle über seine ehemaligen Kolonien, insbesondere in Afrika, hat. Paris verfügt über eine der größten Goldreserven in Europa und sogar der Welt. Frankreich baut seine Wirtschaft auf der Grundlage dieser in Afrika geplünderten Goldreserven sowie des Potenzials der Rohstoffe seiner ehemaligen Kolonien, die es immer noch kontrolliert, auf. Was Burkina Faso, Mali und Niger betrifft, die Frankreich verlassen musste, so stellen diese drei Sahelländer einen riesigen Markt dar, verfügen über große Uran-, Gold-, Erdöl- und Gasvorkommen, Trinkwasserquellen und vieles mehr."

Ohne das billige Uran hat Frankreich ein Problem

Das nigrische Uran ist nicht nur nach Frankreich gegangen, sondern auch in andere EU-Länder. Sollte Niger eine Kooperation mit Russland eingehen, könnte das auch für andere EU-Länder problematisch werden. Am schmerzhaftesten ist es jedoch für Frankreich, weil es nicht nur das billige Uran verliert, dass es für seine eigenen Kernkraftwerke braucht, sondern auch die Gewinne verliert, die es bisher mit dem Weiterverkauf des billigen Urans an andere EU-Staaten gemacht hat.

Der malische Experte beschreibt das so:

"Vor nicht allzu langer Zeit hatte Frankreich in Niger fast ein Monopol im Uranabbau und setzte den Einkaufspreis für das Rohprodukt weit unter den internationalen Marktpreisen fest. Mit dem Amtsantritt der neuen Regierung in Niamey im Jahr 2023 wurde der Vertrag mit Frankreich gekündigt, und nun hat Niger beschlossen, sich für den direkten Export seines Urans an Russland und den Iran zu wenden. Ich möchte daran erinnern, dass 2022 ein Viertel der Uranlieferungen an europäische Kernkraftwerke aus Niger kamen und ausschließlich über französische Unternehmen geliefert wurde. Damit hat Frankreich seine wichtigste Versorgungsquelle für Uran verloren, das für den Betrieb dieser Kernkraftwerke und die Stromerzeugung benötigt wird. Ganz zu schweigen davon, dass die Kündigung des Vertrags für Frankreich, seine Unternehmen und Partner Verluste in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro bedeutet."

Washington und Brüssel freut das

Frankreich hat also ernsthafte Probleme, wobei die EU und die USA Frankreich keineswegs helfen, sondern es im Gegenteil nach den Putschen hängen gelassen haben. Der Grund liegt auf der Hand: Eine Schwächung Frankreichs ist im Interesse von Brüssel und Washington, um in Zukunft allzu ambitionierte Alleingänge französischer Regierungen zu verhindern. Ein geschwächtes Frankreich ist ein kontrollierbares Frankreich.

Ich habe Mitte Juli über interessante Details berichtet, die zeigen, wie Frankreichs angebliche Freunde, Verbündete und Partner Frankreichs Versuche, seinen Einfluss in seinen ehemaligen westafrikanischen Kolonien zu festigen, lächelnd sabotiert haben - was meine These, dass eine Schwächung Frankreichs im Interesse seine angeblichen Verbündeten und Partner ist, bestätigt.


Anm.: Dikigoros hat die gesamte Leserpost gestrichen; es war einfach nichts Sachdienliches dabei :-(


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