Anthonij FOKKER

(06.04.1890 - 23.12.1939)

[Anthonij Fokker]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1890
06. April: Anthonij ("Tony") Fokker wird als Sohn des Kaffepflanzers Herman Fokker und seiner Ehefrau Wilhelmina, geb. Diemont, in Blitar (Bezirk Kediri, Niederländisch Indien) geboren.
"Insulinde" ist so gut wie alles, was vom einstigen holländischen Weltreich übrig geblieben ist, dessen Reste sich die Briten während der Napoleonischen Kriege unter den Nagel gerissen hatten. Alles von einigem strategischem und/oder wirtschaftlichem Wert - vor allem die Kapkolonie in Südafrika und die Insel Ceylon - haben sie behalten; lediglich auf die ostindischen Inseln mit den faulen Kanaken haben sie großzügig verzichtet.
Die Niederländer haben die Eingeborenen jedoch zur Arbeit angehalten und das Gebiet Dank des "cultuurstesels" zur Musterkolonie gemacht, wovon sich Briten, Franzosen und Belgier einige Scheiben abschneiden könnten.

1894
Familie Fokker kehrt ins Königreich der Niederlande zurück und läßt sich in Haarlem nieder.

1896-1903
Anthonij besucht dortselbst die Grund- und dann die Mittelschule, die er jedoch nicht abschließt - er interessiert sich mehr für die neuen Wunder der Mechanik, wie Automobile und Flugzeuge.
Beide stecken freilich noch in den Kinderschuhen. Autos heißen nicht umsonst "Benzinkutschen" (und sehen auch so aus :-); Flugzeuge sind "Gleitflieger", die hart am Wind segeln und keinen Motor tragen könnten.

1903
Dezember: Die Gebrüder Orville und Wilbur Wright bringen am Strand von Kitty Hawk (North Carolina) erstmals ein "Motorflugzeug" in die Luft.


Dikigoros setzt das in Anführungsstriche; denn entgegen einer weit verbreiteten Legende kann man nicht wirklich von "fliegen" sprechen: Das Ding muß beim Start von zwei Helfern hochgehievt werden, quält sich in 12 [zwölf] Sekunden gerade mal 36 Meter weit und schmiert dann ab - zum Glück für Orville aus ganz geringer Höhe und in weichen Sand. Der 2. und 3. Versuch enden nicht viel besser. Beim 4. und letzten Versuch gelingt es Wilbur, immerhin eine knappe Minute (59 sec.) in der Luft zu bleiben - was wohl auch ohne den von einem Mini-Motor angetriebenen lächerlichen Propellor geklappt hätte, wie bei einem Segelflugzeug. Das Ding ist eigentlich eine Fehlkonstruktion; auf die Idee, unten ein Fahrgestell mit Rädern anzubringen und eine Sitzgelegenheit einzubauen, damit der Pilot nicht auf dem Bauch liegen muß, kommt man - entgegen a-historischen Fotos späterer Modelle, wie sie heuer gerne gezeigt werden - erst nach dieser doch ziemlich blamablen Vorstellung. Im Grunde genommen ist der "First Flight" der Wright brothers eine Zeitungsente. (Das sollte übrigens kein Einzelfall bleiben. Dikigoros hat unter "weiter" eine Seite zum "erstem Direktflug über den Atlantik" verlinkt :-)


Dichtung... (links ein Foto von einem Flug zehn Jahre später mit größerem Motor, Sitz und Fahrgestell mit Rädern) und Wahrheit (rechts das Original aus dem Jahre 1903)


1906
Der Franko-Brasilianer Alberto Santos Dumont macht es besser: Er führt den ersten erfolgreichen Start-Lande-Flug mit einem echten Motorflugzeug durch.


1910
Anthonij geht nach Deutschland und besucht dort erst die Technische Schule in Bingen, dann die Automobil-Fachschule in Mainz. Nebenbei konstruiert er sein erstes eigenes Flugzeug, die "Spinne".


Die ersten beiden Exemplare der "Spinne" gehen allerdings bei Flugversuchen zu Bruch - wie Fokker meint, durch Fehler des unfähigen Piloten.
Juni: Fokker macht beim Deutschen Luftfahrerverband [DLV] den Flugschein.

1911
August/September: Fokker führt das dritte, verbesserte Exemplar seiner "Spinne" erfolgreich bei einer Flugschau in Haarlem vor. (Diesmal fliegt er selber :-)


Nun bewahrheitet sich jedoch das alte Bibelwort, daß der Profet im eigenen Lande nichts zählt: Die Zuschauer applaudieren, aber private und staatliche Auftraggeber lassen ihn links liegen.*

1912
Fokker zieht daher in die deutsche Reichshauptstadt Berlin. Im Vorort Johannisthal gründet er die Firma Fokker Aeroplanbau (später Fokker Flugzeugwerke GmbH) und bekommt sofort einige kleinere Aufträge, u.a. vom preußischen Heer.
(Vorläufig stehen freilich noch die Luftschiffe des Württembergischen Generals Ferdinand Graf Zeppelin im Mittelpunkt des militärischen Interesses.)


1913
Mai: Fokker verlegt seinen Betrieb nach Schwerin in Mecklenburg und richtet auf dem Flugplatz Görries auch eine Flugschule ein.

1914
Juni:
.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs übernimmt das Reich Fokkers Betrieb; er bleibt jedoch technischer Direktor.
Flugzeuge ersetzen bald die großen, schwerfälligen "Zeppeline", die ein leichtes Ziel für Artilleriebeschuß abgeben. Anfangs dienen jedoch auch sie lediglich der "Beobachtung" und "Aufklärung"; bei Feindberührung in der Luft bekämpfen die Piloten einander ganz altmodisch mit Pistolen oder Karabinern.

1915
Der französische Pilot Roland Garros - ein Schüler von Santos Dumont - kommt auf die Idee, mit einem starr montierten Maschinengewehr frontal durch den sich drehenden Propeller zu schießen, wobei dessen Drehung durch ein Unterbrechergetriebe so mit den Schüssen koordiniert wird, daß die Blätter nicht getroffen werden; diese Idee wird - wenngleich noch unvollkommen - von Saulnier umgesetzt.
April: Garros wird über Kortrijk abgeschossen; da es ihm nicht gelingt, sein Flugzeug in Brand zu setzen, fällt es weitgehend unzerstört in deutsche Hände.
Mai: Fokker schafft es, das Takten des Maschinengewehrs mit dem Propeller erheblich zu verbessern.** Mit der Luftherrschaft der alliierten "Entente"-Mächte ist es einstweilen vorbei.
Fokker erhält - rückwirkend zum 06.04.15, seinem 25. Geburtstag - die deutsche Staatsbürgerschaft (die es erst seit Einführung des Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes anno 1913 gibt; bis dahin war man nur Bürger eines der Bundesstaaten; dies ist der erste überlieferte Fall einer "doppelten Staatsbürgerschaft" unter dem RuStG) und jede Menge Orden - u.a. das Eiserne Kreuz -, die er aber ebenso wenig trägt wie eine deutsche Uniform.
(Dikigoros schreibt bewußt nicht die, sondern eine Uniform, denn die Streitkräfte der Bundesstaaten unterstehen nur pro forma im Kriegsfall dem Deutschen Kaiser und König von Preußen; de facto sind sie wie in Friedenszeiten getrennt, haben unterschiedliche Dienstränge und Uniformen. [Die einheitlichen feldgrauen Uniformen und der Stahlhelm sind noch nicht eingeführt.] Die Kommandosprache ist zwar theoretisch überall Deutsch, aber da noch allenthalben Dialekte gesprochen werden, verständigen die Offiziere der königlich preußischen, sächsischen, bayrischen und württembergischen Armeen einander in der Praxis lieber auf Französisch, das auf allen Kadettenanstalten und höheren Schulen gelehrt wird.)


Haben gut lachen: Fokker (ganz links) und deutsche Militärflieger

1916
Der preußischeschlesische Pilot Manfred v. Richthofen wird mit dem von Fokker konstruierten Dreidecker Fokker Dr 1 zum erfolgreichsten Jagdflieger des Krieges.


1917
Daran ändert zunächst auch nichts, daß die Briten mit Jahresbeginn ein technisch verbessertes Kampfflugzeug mit zwei MGs - das Sopwith Camel - zum Einsatz bringen.

[Sopwith Camel]

1918
.***

1919
März: Fokker heiratet die Generalstochter Elisabeth v. Morgen. (Die Ehe - die kinderlos bleibt - wird nach dreieinhalb Jahren geschieden.)
Juni: Im Versailler Diktat-Frieden wird dem Deutschen Reich der Bau von Motorflugzeugen untersagt.
Juli/August: Fokker verlegt daraufhin seine Fabrik aus Schwerin nach Veere in den Niederlanden.
(Angeblich "schmuggelt" er sie in Einzelteilen per Eisenbahn und besticht die Zöllner mit einer namhaften Summe.)
Fokker gründet die Koninklijke Nederlandse Vliegtuigenfabriek Fokker.

1923
Dezember: Fokker geht schippert in die USA (Flugzeuge, mit denen man den Atlantik überqueren kann, gibt es noch nicht), wo er die Atlantic Aircraft Corp. (später Fokker Aircraft Corp. of America) gründet, was einiges Aufsehen erregt.


Er gewinnt u.a. das US-Kriegsministerium als Kunden.

1926
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1927
Fokker heiratet in 2. Ehe die Kanadierin Violet, geb. Austman.
(Die Ehe - die ebenfalls kinderlos bleibt - endet nach anderthalb Jahren durch einen mysteriösen Sturz seiner Frau aus einem Fenster ihrer Suite in einem New Yorker Hotel.
Zunächst ist von [Selbst]Mord die Rede, später von einem "Schwindelanfall". An Schwindel glaubt Dikigoros gerne, allein ihm fehlt der Glaube an einen Unfall :-)

1928
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1929
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1931
Fokker veröffentlicht seine - zusammen mit Bruce Gould geschriebenen - Memoiren unter dem Titel "Flying Dutchman. The Life of Anthony Fokker".


Leser aus Dikigoros' Alterklasse erinnern sich vielleicht noch an den ersten Hit des Neuseeländers Tony Christie, der mit dem Satz begann: "The Lord above made the world for us
But the Devil made... Las Vegas."
Erward Rickenbacker schrieb im Vorwort zur 1. Auflage: "God made the world,
But the Flying Dutchman made Holland."
Ob das stimmt? Natürlich nicht. Und der restliche Inhalt? Es liegt in der Natur der Sache, daß Memoirenschreiber nicht immer "die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit" offen legen. Aber Dikigoros hat keine Lust, sich durch den Wust der kritischen Sekundärliteratur zu lesen; also stützt er sich hier vornehmlich auf jenes Buch. (Für die restlichen Jahre hat er das ganz unten abgebildete Buch von M. Dierikx zu Rate gezogen.)

1938
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1939
September: In Euopa bricht der Zweite Weltkrieg aus - aus dem sich die USA jedoch vorerst (jedenfalls offiziell) heraus halten.
23. Dezember: Anthonij Fokker stirbt in New York City an ärzlichem Pfusch.
(Er hatte sich zu einem chirurgischen Eingriff ins Murray Hill Hospital begeben; die Operationswunde entzündete sich - Exitus. Um das zu vertuschen - im Totenschein steht "Meningitis" [Gehirnhautentzündung] - wird seine Leiche verbrannt; die Urne mit der Asche wird nach Holland geschickt, wo sie auf dem Westerveld-Friedhof von Driehuis beigesetzt wird.)****

[Fokkers Grab] [Der Rest ist Schweigen (Shakespeare, Hamlet)]


*Das betraf aber nicht nur die Niederlande, sondern auch das Tsarenreich, Italien und Großbritannien, wo Fokker vergeblich um Aufträge nachsuchte. Der einzige Staat, der seines bahnbrechenden Jungfernflugs jemals gedachte, war die Bimbo-Republik Burundi, die am 100. Jahrestag eine Briefmarke zu 3.000 Pupis Francs herausgab.

(B. war einst deutsche, später belgische Kolonie. Seit der Unabhängigkeit 1972 hauen Hutsi und Tutsi einander öfters mal kräftig auf die Mutzi - eine von vielen Folgen der ach-so-segensreichen "Dekoloniesierung" :-)

**Nach dem Krieg behaupten einige Mitarbeiter der Fokker-Werke, nicht Fokker, sondern sie selber hätten diese Verbesserungen vorgenommen. Das läßt sich zwar weder beweisen noch widerlegen, ist aber auch juristisch unbeachtlich, da Erfindungen, die von Mitarbeitern eines Betriebs während ihrer Tätigkeit dortselbst gemacht werden, in dessen Eigentum fallen. Aber ein jüdischer unabhängiger Möchtegern-Erfinder namens HalsabSchneider, der noch vor Garros eine entfernt ähnliche Konstruktion zum Patent angemeldet hatte, besitzt die Chuzpe, Fokker wegen Verletzung desselben zu verklagen. Dummdeutsche Richter - die wie fast alle Juristen von komplizierter Technik null Ahnung haben (Dikigoros darf das schreiben; er zieht sich diesen Schuh auch selber an :-) - verurteilen Fokker tatsächlich zu Schadenersatz. Er ignoriert das Fehlurteil, zahlt keinen Pfennig und setzt nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden - so vergrault gewinnt man "Fachkräfte" und macht sich Freunde in aller Welt!
Zur Ehrenrettung der Richter: Die Schuld lag natürlich in erster Linie beim Reichspatentamt, das Schneiders Mist - der gar nicht funktionierte - unbesehen ungetestet in die Patentrolle eingetragen hatte. Hauptsache, Anmelde- und Prüfungsgebühr waren gezahlt - was sollte man denn sonst noch prüfen?! Kein Sesselpupser Patentamtsschimmel hätte doch gewagt, sich etwa selber ans Steuer einer solchen Maschine zu setzen und auszuprobieren, ob die Kugeln tatsächlich nicht vom Propeller abprallten und ihn töteten (bzw. das Flugzeug zum Absturz brachten, was auf das gleiche hinaus gelaufen wäre). Stempel drauf und fertig!

***Was ist ein "Kriegsverbrecher"? Und warum diskutiert Dikigoros diese Frage nicht auf seiner Webseite über Wilhelm II? Ganz einfach: weil sie dort quasi im luftleeren Raum hängen würde. Es bedarf doch eines Vergleichs zwischen dem, der eine Waffe, mit der "Kriegsverbrechen" begangen werden, erfindet bzw. herstellt, dem, der ihren Einsatz befiehlt - sei es von ganz oben oder als vorletztes Glied in der Befehlskette - und dem letzten, der sie [aus]führt (und den im Zweifelsfall die Hunde beißen Richter verurteilen).

****Ausnahmeweise faßt Dikigoros das - wenig spektakuläre - Nachleben in einer Fußnote zusammen:

  • 1957 wird in den Niederlanden ein Dokumentarfilm mit dem Titel "De Vliegende Hollander" gedreht; Fokker wird von Ton Kuyl gespielt.
  • 1970 wird Fokker in die "International Air and Space Hall of Fame" aufgenommen.
  • 1980 wird Fokker in die "National Aviation Hall of Fame" aufgenommen. Die Volksrepublik Nordkorea legt zu diesem Anlaß eine Briefmarke auf, die sie jedoch nicht in Verkehr bringt. (Sie ist offenbar nur für den Verkauf an dumme Sammler im Valuta-Ausland gedacht :-)


  • 1997 und 2014 (75. zum Todestag) verfaßt der Flame Marc Dierikx Fokker-Biografien, die auch ins Englische - nicht aber ins Deutsche - übersetzt werden.


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