Die größte Schlacht auf Amerikas Boden

1863 verloren 50.000 Amerikaner im Kampf um Gettysburg ihr Leben

von Klaus Gröbig (PAZ, 28. Juni 2003)

Vom 3. bis 5. Juli 1863 tobte in der Nähe der von Deutschen gegründeten und ursprünglich Görtzburg heißenden Kleinstadt Gettysburg im US-Bundesstaat Pennsylvania eine Schlacht, von der gesagt wird, sie habe die Entscheidung im Krieg zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika (USA) und den Konföderierten Staaten von Amerika (CSA) gebracht. Tatsächlich scheiterte bei Gettysburg der zweite - und diesmal letzte - Versuch der Konföderation, durch ein offensives Vorgehen ihre staatliche Unabhängigkeit zu sichern.

Diese Unabhängigkeit war von den elf Staaten Texas, Mississippi, Louisiana, Arkansas, Tennessee, Alabama, Georgia, Florida, Virginia sowie North und South Carolina proklamiert worden. Die Gründe für die Unabhängigkeitserklärung waren wirtschaftlicher Natur, das auslösende Moment die Wahl Abraham Lincolns zum neuen Präsidenten der USA. Die florierende Baumwollwirtschaft im Süden der USA ließ Macht und Einfluß der Hochfinanz aus dem Norden schwinden. Abhilfe sollte eine Änderung der gesellschaftlichen Verhältnisse bringen - notfalls auch durch Krieg. Im großen Stile wurde vom Norden ab der Mitte des 19. Jahrhunderts moralisch und propagandistisch der Waffengang gegen den Süden vorbereitet. Teil dieser Kampagne war das 1852 erschienene Buch „Onkel Tom's Hütte“ von Harriet Beecher Stowe, die niemals den Süden gesehen hatte. Es schilderte menschenverachtende gesellschaftliche Zustände in den Südstaaten. Um das Buch weit zu verbreiten, wurde es kostenlos verteilt.

Dafür, daß der Streit um die Sklavenbefreiung nur vorgeschoben war, spricht, daß der konföderierte Oberkommandierende General Robert E. Lee die Sklaverei für unmoralisch hielt, während Lincoln die Sklaverei in Nordstaaten wie zum Beispiel Maryland weiterhin zuließ. Lincoln bot Robert E. Lee den Oberbefehl über die Unionsarmee an, doch der lehnte ab und trat statt dessen der konföderierten Armee bei. Im selben Atemzug ließ er seine über 200 Sklaven frei, denn moralisch unbelastet wollte er seiner Heimat Virginia und der Konföderation dienen. Gegen Ende des Krieges stellte die Konföderation sogar aus freiwilligen Farbigen Kampfbataillone auf, die genauso tapfer kämpften wie ihre weißen Kameraden.

Die Entscheidung zwischen Anschluß an die Konföderation und Verbleib bei der Union fiel nicht in allen Staaten gemäß dem Selbstbestimmungsrecht. So ließ Lincoln Kentucky, Maryland, Delaware und Missouri vom Militär besetzen, weil das Parlament von Missouri sich für die Konföderation erklärt hatte. In Maryland ließ Lincoln konföderationsfreundliche Parlamentarier verhaften, um ihnen die Teilnahme an der Abstimmung über den Verbleib in der Union unmöglich zu machen. Die Gouverneure von Kentucky und Missouri verweigerten Lincoln die Stellung von Militär. Hätten Bevölkerung und Regierung der einzelnen Staaten Gelegenheit gehabt, sich frei von Zwängen zu entscheiden, so wären zwei, möglicherweise aber auch fünf weitere Staaten der Konföderation beigetreten.

So jedoch stand im Jahre des Kriegsausbruches eine Übermacht von 700.000 Unions-Soldaten 400.000 Konföderierten gegenüber. Lincoln wollte mit seinem Massenaufgebot in die CSA einrücken und den Frieden diktieren. Am 21. Juli 1861 kam es bei Bull Run im CS-Staat Virginia zur Schlacht. Die konföderierte Armee unter den Generälen Beauregard und „Stonewall“ Jackson konnte den zahlenmäßig weit überlegenen US-Amerikanern eine vernichtende Niederlage beibringen. Später wurde Beauregard kritisiert, er hätte seinen Sieg nutzen sollen, um das nahe Washington einzunehmen und den Krieg dadurch zu beenden. Derart expansiv dachten die konföderierten Generäle jedoch nicht. Ihnen ging es nur ganz defensiv darum, die USA an einer Invasion zu hindern. Auch beschränkte sich ihre Kriegsführung ausschließlich auf Kombattanten und wurde nicht auf Zivilisten ausgedehnt.

Hingegen begannen mehrere US-Generäle nach dem Ausbleiben militärischer Fortschritte mit der Zerstörung ziviler Güter, der Vergewaltigung von Frauen und der Tötung von Zivilisten durch ihre Truppen neue Maßstäbe in der Kriegsführung zu setzen. Die Verwüstungen des Shenandoah Tals, der aus dem Filmklassiker „Vom Winde verweht“ bekannte Brand von Atlanta oder William T. Shermans Vernichtungsmarsch durch Georgia waren Erscheinungen, wie sie die zivilisierte Welt seit dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr gesehen hatte. Es war die Zeit von Offizieren vom Schlage eines General Sheridan oder eines Oberst Custer.

In Gettysburg mußten sich die US-Truppen jedoch noch einmal auf eigenem Boden dem Gegner stellen. Der erste Tag der Schlacht verlief für die Konföderierten günstig. Die US-Soldaten flohen. Der kommandierende General der Konföderierten, Ewell, unterließ es jedoch, die flüchtenden Nordstaatler zu verfolgen. Auch versäumte er die Besetzung der beherrschenden Höhenzüge. Die US-Amerikaner hingegen erkannten die Wichtigkeit dieser Bodenerhebungen, und am nächsten Morgen saßen die Blauröcke auf den Hügeln. Lee selbst erschien erst am zweiten Tag auf dem Schlachtfeld. Am dritten Tag versuchte er, mit dem Korps des Generals Hill den Fehler Ewells wieder gutzumachen. Die drei angreifenden Divisionen verbluteten im Feuer der auf den Höhen verschanzten US-Truppen. Die Union hatte mit rund 23.000 Toten zwar fast so hohe Verluste wie die Konföderation, doch die USA konnten ihren Ersatz auf den Einwandererschiffen ausheben, während die CSA keine Reserven mehr hatte.

Zwei Jahre später mußte Lee bei Appomatox Court House bedingungslos kapitulieren. Der Unabhängigkeitskampf der Konföderierten Staaten von Amerika war verloren.


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