Allem Händeknirschen und Zähneringen zum Hohn: Er hat es wieder getan. Albert Uderzo, Asterix-Zeichner seit 1959, hat nochmals ein Heft herausgebracht, das keiner will. Es gehört ja zum guten Ton, den späten Asterix, also die nach dem Tod des Texters Goscinny erschienenen Bände 25 bis 30 zu verwünschen. Trotzdem weckt die herumposaunte Meldung "Der neue Asterix ist da!" vielfach alte Lüste. So mancher hetzt bereits am ersten Tag zum Kiosk, und natürlich ist dann alles wieder ganz schön schade.Seit "Der große Graben" (1980) ging es bergab, dabei war dieser noch einigermaßen stringent erzählt und hatte klar konturierte Nebenfiguren wie den Bösewicht Greulix. Auch die spätere "Odyssee" konnte zumindest dem Vergleich mit dem damals aktuellen Disney standhalten. Der Rest, zuletzt die wirre "Kreuzfahrt", war bestenfalls eine karge Lese vom Nordhang des Jammertals. Mit "Asterix und Latraviata" scheißt Uderzo seinen langjährigen Fans abermals ins Kinderzimmer. Schon der erste Satz des Helden bei der Rückkehr von der Wildschweinjagd - "Heute mal wieder Schwein gehabt" - ist abgrundtief trist, ja altersmüde dahergekalauert. Die dann mühsam einsetzende Handlung ist reinste Makulatur.
Eine römische Trägödin namens Latraviata verkleidet sich als die schöne Falbala, um das gallische Dorf zu verwirren. Zugleich sind die Mütter von Asterix und Obelix zu Besuch, um ihre Söhne endlich unter die Haube zu bringen. Ein bisschen Römer-Intrige, ein paar Schwiegermutterscherze und sonst noch viele Seitenfüller. Dieser Band 31 macht den Eindruck, als sei er wie damals in der Comic-Steinzeit als Auftragsarbeit häppchenweise und unter stetem Drängen des wöchentlichen Redaktionsschlusses entworfen worden. 2 Seiten ist Asterix verliebt, dann kriegt er ein Zaubermittel und hüpft 2 Seiten wie irr herum, dabei haut er Obelix um, landet irgendwie im Meer - noch 2 Seiten - und kehrt schließlich nach weiteren 2 Seiten wieder auf dem Rücken eines rechtschreibreformierten Delfins zurück zur Ausgangssituation. Der Erzählwert ist gleich Null, der Witz ebenfalls. Die deutsche Übersetzung verkrachhubert überdies die dröge dahertölpelnde Story mit Anspielungen auf ICE und BSE, mit launig-pfiffigen Karnevalssprüchen, die eher an die BRAVO-Foto-love-story erinnern, und tiefdeutschen Reklamezitaten, die spätestens in zwei Jahren ausgewechselt werden müssen: "Ja is denn heut scho Weihnachten?" So wird die Gemeinde auch bei diesem Heft wieder gequält aufstöhnen. Doch mag man es dem Herrn Zeichner - Texter wollen wir ihn mal nicht nennen - nachsehen, dass er sich den Ruhestand verplätschert mit dieser unerwünschten Verlängerung seines eh schon blöden Spätwerks. Die Widmung an seinen Enkel auf Seite zwei erinnert daran, dass Asterix ja nicht uns gehört, sondern eben diesem alten Herrn. Sein zeichnerisches Privatvergnügen möge er ruhig noch treiben, so lange ihm lieb ist. Dass sich Uderzo nicht um die Zwischenrufe schert, mal eben nach 40 Jahren die Eltern von Asterix aus dem Hut zaubert, ein paar Charakterzüge seiner Figuren über den Haufen wirft und ansonsten marodierend mit der Feder durch seine selbst erschaffene Antike galoppiert, wie es ihm passt - das hat ja auch was Souveränes. Aber zu den anderen in den Schrank stellen muss man "Asterix und Latraviata" deswegen noch lange nicht. Nachbemerkung Dikigoros: weiter zu Der Zeitgeist im neuen Asterix zurück zu Albert[o] Uderzo heim zu Reisen durch die Vergangenheit |