Zur Gründung der Stadt Bonn und
ihrer richtigen Datierung

von Willi Bücher

mit einer Nachbemerkung
von Nikolas Dikigoros

Als die Stadt Bonn 1989 die "2.000-Jahr-Feier" ihrer Gründung beging, ahnte noch niemand, daß es zugleich ein Schwanengesang werden sollte. Denn eigentlich wollte man ja ausweislich des offiziellen "Kalenders zu Jubiläumsjahrs Bonn 2000" etwas ganz anderes feiern, nämlich den 40. Jahrestag der Gründung der Bonner Republik. Da die Begeisterung der Untertanen im allgemeinen und der Bonner im besonderen für ihr Regime jedoch schon damals nicht mehr sonderlich groß war, verfiel man auf den Gedanken, einen viel bedeutenderen Aufhänger zu nehmen, nämlich das Gründungsjubiläum der römischen Stadt Bonn. Natürlich mußte das ein rundes Datum sein - andere Städte im Rheinland hatten schon kurz zuvor ihre 2.000-Jahr-Feiern veranstaltet, da wollte die Bundeshauptstadt nicht nachstehen. Also wurde als Gründungsdatum "11 v. C." an den Haaren herbeigezogen.

Worauf stützte man das? Nein, nicht auf Ausgrabungen - obwohl man inzwischen welche gehabt hätte; denn 1987, just als die Vorbereitungen für die Feier von 1989 anliefen, buddelte man bei Bauarbeiten am Boeselagerhof - also direkt im Gebiet der heutigen Stadt Bonn, unweit der Kennedy-Brücke - die Reste einer Ubier-Siedlung aus, die man auf "ca. 30 v.C." datiert hat. Fast gleichzeitig entdeckte man auf dem Venusberg steinzeitliche Überreste, die man auf "ca. 4.080 v.C." datiert hat - damit wäre das die älteste bekannte Siedlung Westdeutschlands. Das Gebiet um den Venusberg wurde allerdings erst 1904 nach Bonn eingemeindet (bei der "kommunalen Neuordnung" von 1969 wurde es Ippendorf zugeschlagen, das dann ebenfalls eingemeindet wurde); eine 6.000-Jahr-Feier wäre also etwas zuviel des Guten gewesen. Aber die 2.000-Jahr-Feier hätte schon 1970 stattfinden können. Nun ja, den Zeitpunkt hatte man halt verpaßt, und wie gesagt: darum ging es den Politikern, die feiern wollten, gar nicht. Die stützten sich vielmehr auf eine literarische Quelle, nämlich ein L. Annaeus Florus. Der schrieb über einen Feldzug, den Drusus, der [Adoptiv-]Sohn von Kaiser Augustus, gen Osten, also nach Germanien, unternommen hatte - ohne eigene Datierung, aber es herrscht Einigkeit, daß es sich nach unserer Zeitrechnung um die Jahre 12-9 v.C. handelte. Dabei soll Drusus auch eine Brücke über den Rhein geschlagen haben. Wann und wo genau, weiß niemand, und den Drusus konnten schon die römischen Historiker nicht mehr fragen, denn er stürzte beim Rückmarsch 9 v.C. besoffen vom Pferd und war tot. Daraus (!) schlossen nun Bonner "Historiker", daß jene Rheinbrücke 11 v.C. gebaut worden sein müsse, und zwar bei Bonn. Beweis? Nun, anderswo waren ja keine Brückenreste gefunden worden! (In Bonn zwar auch nicht, aber was machte das schon?)

Außerdem gab es so ungefähr um diese Zeit schon ein Römerlager in der Gegend, die "Castra Bonnensis", die man wohl als Keimzelle der Stadt Bonn ansehen könne. Aber auch das ist äußerst zweifelhaft. Zwischen der besagten Ubiersiedlung und jenem Römerlager bestand keine archäologisch belegbare Kontinuität. Dort, wo im 13. Jahrhundert die Stadt Bonn angelegt wurde (mit einer richtigen Stadtmauer, die dazu gehörte, sonst konnte man nicht von einer "Stadt" sprechen), reichte das befestigte Römerlager zur Zeit des Drusus offenbar nicht hin, das lag vielmehr weiter nördlich, angeblich zwischen dem heutigen Rosental und dem heutigen Augustusring. Aber selbst das wage ich entgegen der herrschenden Meinung anzuzweifeln. Warum? Nun, die alten Römer haben viele Lager - darunter viele heutige Städte - am linken Rheinufer gegründet; aber ihnen allen war etwas gemeinsam, was auf jene Anlage zwischen Rosental und Augustusring nicht zutrifft: Sie lagen an der Mündung eines Flusses in den Rhein. Und das mußte auch so sein, wegen der Trinkwasserversorgung, denn das Rheinwasser tranken die Römer nicht. (Warum? Ich weiß es nicht; aber wir kommen gleich darauf, woher ich das weiß.) Das einzige geeignete Flüßchen im linksrheinischen Bonn lag noch weiter nördlich; es wurde später "Rheindorfer Bach" oder "Mondorfer Bach" genannt. Und der floß und fließt just dort in den Rhein, wo auch heute noch der Hafen von Bonn liegt: in Graurheindorf. (Das wurde übrigens schon 1809 nach Bonn eingemeindet, unter den Franzosen.) Und in jener einzigen Quelle heißt es, daß die Römer dort nicht nur eine Brücke schlugen, sondern auch einen Hafen anlegten; wenn man also irgendwo im Raum Bonn suchen will, dann muß man es dort tun.

Jenes Römerlager war freilich nur mit einem Erdwall und Holzzäunen "befestigt"; und es wurde beim Bataveraufstand 69 n.C. vollständig vernichtet. Erst als man es danach wieder aufbaute - diesmal aus Stein - verlegte man es in die Gegend zwischen Rosental und Augustusring, und zwar mit einer Anbindung an die Trinkwasserleitung aus der Eifel nach Köln. Man baute extra eine Abzweigung für das neue Lager - das nun also keinen Bach mehr benötigte -, die an der Südwestecke des neuen Römerlagers endete, am "Johanneskreuz", wo heute noch ein Springbrunnen steht. Dieses Römerlager wurde 275 erstmals von den Franken erobert; im 5. Jahrhundert nahmen es die Personen in Besitz, die uns aus der Thidreksaga bekannt sind, u.a. Dietrich von Bern - nach ihm hießen noch Jahrhunderte lang ein Kloster und eine Kirche auf dem Gelände des neuen Römerlagers, als sich der Schwerpunkt der Siedlung längst wieder nach Süden verlagert hatte, dorthin, wo wie gesagt im 13. Jahrhundert die ummauerte Stadt Bonn entstand, die nun auf Lateinisch "Verona" genannt wurde - was in den 1970er Jahren Heinz Ritter-Schaumburg auf die Idee brachte, die Thidreksaga richtig im Rheinland anzusiedeln statt wie bisher irgendwo in Italien, wo sie überhaupt nicht hin paßte.

[Verona, nunc Bonna, Stich von Hogenberg, 1575]

Es gab und gibt zwar immer noch Leute, die das nicht glauben wollen und es für ein Hirngespinst von Herrn Hogenberg halten; aber es gab ja schon zur Merowingerzeit in Bonn einer Münzstätte, deren Prägungen ebenfalls auf "Verona" lauteten - und die Münzmeister vor Ort mußten es doch eigentlich wissen, oder?


Nachbemerkung:
Es liegt Dikigoros fern, die Ausführungen seines ehemaligen Mitschülers und langjährigen Mitarbeiters bekritteln zu wollen, der sich als alt-eingesessener Bonner mit der Stadtgeschichte sicher viel besser auskannte als er selber, der ja nur ein "Zugereister" ist. Aber nun, da Willi das Zeitliche gesegnet hat, kann es ihn ja nicht mehr schmerzen. Dikigoros will noch einmal auf die schriftliche Quelle zurück kommen. Es ist immer billig, andere, die daraus dieses oder jenes lesen wollen, zu "widerlegen", ohne selber eine bessere Lösung anzubieten, mit der man sich dann selber angreifbar macht, weil sie vielleicht noch abwegiger ist. (Willi als guter Bonner würde Dikigoros' Auslegung des Florus-Textes wahrscheinlich für völlig abwegig halten und sich im Grabe umdrehen :-) Die Bonner wollen den streitgegenständlichen Satz wie folgt lesen: "Bonn und Gensem verband er [Drusus] mit einer Brücke und sicherte sie mit einer Flotte." (Gensem ist ein ehemaliger Ortsteil von Schwarz-Rheindorf, das wiederum ein Ortsteil von Beuel ist, das wiederum seit 1969 ein Stadtteil von Bonn ist; ihm am Rhein gegenüber liegt bzw. lag lange Zeit... gar nichts, es trifft auf das Niemandsland zwischen der "Castra Bonnensis" und dem, was Willi als ursprüngliche Bonner Römersiedlung - am heutigen Hafen - angenommen hat. Schon deshalb ist es ziemlich unwahrscheinlich, daß die Römer ausgerechnet dort eine Brücke geschlagen haben sollten :-) Aber wie pflegte Dikigoros' alter Fysik-Lehrer zu sagen: "Ihr seid auf dem Gymnasium, um hier dreierlei zu lernen: Lesen, Schreiben und Reden." Das war das klassische Ideal, wie es auch auf römischen Retorik-Schulen gelehrt wurde, so hatte es sicher auch der gute Florus noch gelernt; aber schon an ersterem hapert es offenbar bei seinen modernen Interpreten. Zunächst steht da nichts von einer Brücke und einer Flotte, sondern von Brücken und Flotten ("... pontibus iunxit classibusque firmavit"). Wenn nur von ersteren die Rede wäre, könnte man ja noch annehmen, daß eine Ponton-Brücke aus mehreren Bestandteilen gemeint war; auch über zwei Anlegestellen bzw. "Häfen", jeweils am linken und rechten Rheinufer, würde Dikigoros mit sich reden lassen; aber daß in Bonn bzw. Gensem gleich zwei römische Flotten gelegen haben sollen wird wohl niemand ernsthaft glauben - anderswo übrigens auch nicht; also müssen wir uns wohl oder übel auf die Suche nach zwei verschiedenen Orten machen. Könnte nicht wenigstens einer davon Bonn oder Gensem sein? Der Ärger ist, daß in der ältesten uns überlieferten Abschrift des Florus-Werkes (aus dem 9. Jahrhundert) gar nichts von "Bonn" und "Gensem" steht, sondern von "bormā & caesoriacū" (wobei die Striche über den Endvokalen für "m" stehen, darüber herrscht Einigkeit, ebenso darüber, daß das lateinische "c" auch als "g" gelesen werden kann).

[der ominöse Satz aus dem Codex Bambergensis]

Lange wurde herum gestritten, ob es denn nun "caesoriacum" oder "caesoria cum" hieße, weil der [Ab-]Schreiber eine etwas größere Lücke zwischen dem "a" und dem "cu" gelassen hatte; dann könnte man nach einem Ort mit kürzerem Namen suchen und das "cum" zum folgenden "pontibus" schlagen. Aber 1. sind solche Lücken zwischen den Buchstaben ganz normal, denn die karolingische Minuskel verband die Buchstaben nicht, sondern setzte sie neben einander, etwa wie eine Schreibmaschine. (Auch zwischen allen anderen Buchstaben sind mehr oder weniger große Lücken.) 2. gab es zu Florus' Zeiten (er schrieb im ersten Drittel des 2. Jahrhunderts n.C.) noch kein mittelalterliches Küchenlatein, bei dem der Instrumental mit "cum" + Ablativ doppelt gemoppelt wurde. (Aber dann hätte man auch mit "et cum classibus" fortgesetzt, nicht einfach mit "classibusque" :-) 3. würde bei einer solchen Lesart das Endungs-m (Akkusativ!) bei "caesoria" fehlen - das ja bei "bormam" vorhanden ist! Und 4. kommt es gar nicht darauf an, denn die Endung "cum" wäre im Laufe der Namensentwicklung eh irgendwann weg gefallen; das ganze war also so müßig wie der sprichwörtliche Streit um des Kaisers Bart. Darüber vergaß man beinahe die viel wichtigere Frage, nämlich wie man denn von "borma" auf "Bonn" kommen soll. Das schien doch ganz einfach: "Bonn" hieß früher auf Lateinisch "Bonna", und "nn" mit "rm" zu verwechseln ist einer der häufigsten Kopierfehler überhaupt, der noch heute - selbt bei modernen Scannern! - dauernd vorkommt, voilà! Aber in dieser Annahme steckt ein ganzer Rattenschwanz von Fehlern: 1. hieß das Römerlager zu Florus' Zeiten nicht "Bonna", sondern "Castra Bonnensis". 2. sind "rm" und "nn" nur in der karolingischen Minuskel und ihren Nachfolgerinnen verwechslungsfähig - und die war im 9. Jahrhundert gerade erst eingeführt worden. Von welcher älteren Vorlage auch immer der Kopist abgeschrieben haben mag, die wurde noch in der alten römischen Blockschrift verfaßt, in der Florus selber geschrieben hatte. (Die Völker der Antike kannten keine "Groß-" und "Klein"-Schreibung - Lateinisch wurde durchgängig in "Großbuchstaben" geschrieben, Griechisch ebenso durchgängig in "Kleinbuchstaben" :-) Und daß "RM" verwechslungsfähig mit "NN" sein sollte wird wohl niemand im Ernst behaupten wollen. 3. gibt es gar keinen Grund, "borma" für eine Verschreibung zu halten, denn den Namen "BORMA" trugen zur Römerzeit mehrere Städte im barbarischen Norden ihres Reiches, vor allem dort, wo früher die Kelten saßen; aber Dikigoros will die Katze nicht gleich aus dem Sack lassen, sondern noch etwas weiter ausholen und den Florus-Satz in dessen eigenen Zusammenhang stellen. Im Satz davor schreibt er nämlich, daß Drusus am Rhein über 50 Castelle angelegt habe. "Unser" Satz kann also als Ergänzung oder Gegensatz gelesen werden. Dikigoros nimmt letzteres an - sonst hätte Florus wohl (wie in anderen Fällen) "praeterea [außerdem]" dazu geschrieben.

Wir suchen also zwei Orte, wo Drusus eine Brücke schlagen ließ und einen Flottenstützpunkt anlegte, aber kein Kastell. Das kann zweierlei bedeuten: entweder, daß es schon vor Drusus eines gab oder aber, daß es auch nachher - jedenfalls bis zu Florus' Lebzeiten - keines gab. Außerdem muß es Sinn machen - und damit kommen wir zum nächsten Übersetzungsfehler unserer modernen Bonn-Jubilierer: Wer selber noch Lateinisch auf der Schule gelernt hat, kennt vielleicht den Witz mit der Falschübersetzung von "CLASSIS ROMANA" als "flotte Römerin" statt als "römische Flotte". So ähnlich ist es hier mit "firmavit": Man "befestigte" eine Stadt nicht durch eine Flotte; gemeint war vielmehr, daß ein fester Flottenstützpunkt eingerichtet wurde. Das machte - ebenso wie der Brückenschlag - nur Sinn, wenn Zweck der Übung nicht eine kurzfristige militärische Operation war (dafür schlug schon Caesar mal behelfsmäßige Brücken über den Rhein, ließ sie aber hinterher wieder abreißen, weil er keine gegnerischen Gegenstöße über dieselben riskieren wollte), sondern der auf einen langfristigen friedlichen Handel angelegte Warentransport in großem Stil. Auch hier hilft uns der Zusammenhang weiter; denn Florus schreibt gleich im nächsten Satz, daß in Germanien der Frieden ausgebrochen war. Wir suchen also zwei Städte, die an der Schnittstelle zweier Handelswege lagen, genauer gesagt am Endpunkt zweier Handelswege - eines linksrheinischen und eines rechtsrheinischen -, die es lohnte, mit festen Brücken dauerhaft zu verbinden. Dafür kommen nur zwei ernsthaft in Frage. Die eine kann Dikigoros relativ kurz abhaken, zumal selbst Bonner "Historiker" heute nicht mehr daran festhalten, daß mit "caesoria[cum]" tatsächlich "Gensem" gemeint war. Er will sich auch nicht mit fremden Federn schmücken. J. Pohl hat bereits in den 1880er Jahren dargelegt, daß das heutige Mainz nicht immer "Mogontiacum" hieß, sondern auch "Caesoriacum" - aber davon wollten die Mainstream-Historiker ebenso wenig wissen wie davon, daß Bonn auch mal "Verona" hieß, weil es ihnen halt nicht in den Kram paßte; deshalb geriet Pohls Aufsatz - "Verona und Caesoriacum, die ältesten Namen für Bonn und Mainz. Ein Beitrag zur Kritik und Erklärung des Florus" - weitgehend in Vergessenheit. Das Römerkastell in Mainz gab es schon Jahre vor Drusus (dementsprechend hatte man dort auch schon 1962 eine 2.000-Jahr-Feier veranstaltet :-), ebenfalls eine Ponton-Brücke; aber die feste Holzbrücke wurde erst zu seiner Zeit gebaut, und einen großen Flottenstützpunkt mußte er schon deshalb einrichten, weil dies der Ausgangspunkt für seinen Feldzug 9-12 v.C. war, über den der gesamte Nachschub, so er denn über den Wasserweg kam, lief bzw. schwamm. (Na klar, auch lief! Die Römer kannten schon das Treidel-System, und irgendwie mußten die Schiffe ja stromaufwärts wieder zurück kommen :-)

Suchen wir also nach der zweiten Stadt am Rhein, als Flottenstützpunkt geeignet, am Kreuzpunkt zweier wichtiger Handelswege gelegen, deren Verbindung durch eine Brücke Sinn machte, und die entweder schon vor Drusus Standort einer befestigten römischen Garnison war oder zur Zeit des Florus noch nicht. Es gab neben Mainz nur eine einzige weitere Stadt, auf die das zutraf, und die hieß - BORMA! Vier Städte dieses Namens sind überliefert, drei davon in Gallien. Sie waren nach der keltischen Sonnengöttin Borbet benannt. Bei den Römern und Griechen war und ist die Sonne männlich - letztere gründeten Städte namens "Heliopolis"; bei den Germanen und Kelten war und ist sie weiblich - letztere gründeten Städte namens "Borbetomagus". Mundfaul wie die Menschen nun mal sind, kürzten sie solche langen Namen gerne ab. Niemand außer den Verfassern amtlicher Schriftstücke nannte Köln "Colonia Claudia Ara Agrippinensium", Trier "Augusta Treverorum" oder Xanten "Colonia Ulpia Traiana"; man sagte statt dessen einfach "Colonia", "Roma" bzw. "Vetera". (Später nannte man ersteres auch mal "Babilonia" - aber das ist eine andere Geschichte :-) Und statt "Borbetomagus" sagte man erst "Bormagus", später "Borma". Von den drei gallischen Orten dieses Namens wurde bis heute einer zu "Bormes", zwei wurden zu "Vormes"; und der vierte Ort, der in "Germania superior" lag und auf den alle vorgenannten Kriterien zutrafen, wurde - aufmerksame Leser werden es längst erraten haben - zu "Worms" (das zu Florus' Zeiten noch keine feste römische Garnison hatte). Warum dann in Worms niemand auf die Idee kam, darauf eine 2.000-Jahr-Feier zu stützen? Hatte man Angst, der damals noch mächtigen provisorischen Hauptstadt der BRD die Stirn zu bieten? Oder den jüdischen Lobbyisten, die damals gerade versuchten, Städte wie Mainz, Speyer und Worms als rein jüdische Orte für sich in Anspruch zu nehmen und daher eine längere, römisch-germanische Tradition vergessen machen wollten (eine Zeit lang war sogar angedacht, Mainz in "Magenza" oder "Jerusalem am Rhein" umzubenennen)? Ach was, es war pures Desinteresse! Aus der Stadtverwaltung ist der Ausspruch überliefert, daß man es nicht nötig habe, zur Förderung des Fremdenverkehrs irgendein Jubiläums-Datum an den Haaren herbei zu ziehen - ins schöne Worms kämen auch so genug Touristen. Das nennt Dikigoros eine vernünftige Einstellung; und dabei will er es an dieser Stelle belassen.


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