15 Kanonen feuerten am 14. Juli 1789 von der Bastille auf das Volk. Als es fast 100 Tote gab, stürmten die Menschen die Zwingburg, um die Gefangenen, Opfer der königlichen Tyrannei, zu befreien. Tage später wurde die Bastille als Symbol des Despotismus abgerissen. So steht es in vielen Geschichtsbüchern - doch nichts davon ist wahr.
Die Bastille war ursprünglich als Festung zum Schutz von Paris 1370 mitten im Hundertjährigen Krieg gegen die Engländer erbaut worden. Das 23 Meter hohe viertürmige Gebäude verlor aber mit dem Aufkommen der Artillerie seine militärische Bedeutung. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts, unter der Herrschaft des Kardinals Richelieu, diente sie als Staatsgefängnis. In die Bastille kamen freilich keine gewöhnlichen Verbrecher; sie war ein vergleichsweise luxuriöser Internierungsort für die gehobenen Stände. Die Bevölkerung glaubte die erfundenen Schauergeschichten
Aus dem Gefängnis geschmuggelt, sorgten Latudes Gräuelmärchen für Furore. Man glaubte ihm, obwohl sein Elaborat vor Ungereimtheiten strotzte. So behauptete er, alle Gefangenen seien nach ihrer Ankunft sämtlicher Kleider beraubt und in elende Lumpen gehüllt worden. Andererseits berichtete er von seinem Fluchtversuch mittels Strickleiter, die aus mehr als 120 zusammengeknoteten Hemden bestanden habe! Dass er nach seiner Entlassung 1784 für unrechtmäßig erlittene Haft die enorme Entschädigung von 60.000 Franc kassierte, verschwieg Latude tunlichst. Das Volk garantierte dem Kommandanten freien Abzug - und spießte ihn auf
Gegen die Zusicherung freien Abzugs kapitulierte de Launay am Nachmittag, wurde aber, als er die Bastille verließ, von der Menge in Stücke gehauen. Ein Fleischergeselle schnitt ihm den Kopf ab und spießte ihn auf eine Lanze. Auch sechs Soldaten erlitten ein ähnliches Schicksal.* Bauunternehmer verkaufte Steine der Bastille als SouvenirsDer Sturm auf die Bastille wurde für einen Mann zum Millionengeschäft - Pierre Francois Palloy. Dieser umtriebige Bauunternehmer erschien bereits am späten Nachmittag des 14. Juli an der Spitze von 500 Tagelöhnern in den Festungsgräben. Mit Spitzhacken und Schlaghämmern rückten sie dem Gebäude zu Leibe. Nach zwei Tagen erhielt der "Patriot" Palloy den öffentlichen Auftrag zum Abriss der Bastille. Er verkaufte Steinquader Stück für Stück, teilweise mit Inschriften, als Souvenir an Parisbesucher. Nicht nur die "Kruste von den schrecklichen Gewölben" brachte ihm Gewinne. Palloy sicherte sich auch das Monopol auf Wachs- und Holzmodelle der Bastille, die im ganzen Land verkauft wurden. Für Frankreichs Monarchie war der 14. Juli 1789 der Anfang vom Ende. König Ludwig XVI. notierte unter diesem Datum in seinem Tagebuch "Nichts". Dieser Eintrag wird in vielen Abhandlungen über die Französische Revolution als Beweis seiner Ignoranz zitiert. Tatsächlich führte er gar kein Tagebuch im klassischen Sinn. Er verzeichnete darin vor allem seine Jagdbeute, also was er wann geschossen hatte. Am historischen 14. Juli war keine Jagd angesetzt, demnach geschah in dieser Hinsicht "nichts". Eine Bewertung, die man auch den Legenden um die Pariser Bastille beimessen muss. * * * * **Anm. Dikigoros: Wie Bertram Job bereits 1989 in GEO mitteilte, bewies weiter zu Es gab gar keinen Sturm auf die Bastille zurück zu Der Hauptmann von Köpenick heim zu Die [un]schöne Welt der Illusionen heim zu Reisen durch die Vergangenheit |