�Mann, das wird echt stressig werden.�, jammerte Justin, als er das Tonstudio betrat und sich auf den zerknautschten Ledersessel warf. �Ja schon.� Joey setzte sich auf die Armlehne und blickte sich in dem vertrauten Raum um. Die W�nde waren teils mit Holz verkleidet, teils beige gestrichen und die H�lfte des Bodens bedeckte ein Teppich. Ansonsten standen Gitarren, Verst�rker und Mikrophone herum und in der Ecke war noch eine schwarze Ledercouch mit einem kleinen Tischchen davor platziert. Lance, JC und Chris lie�en sich auf der Couch nieder und warteten auf Johny, der ihnen den ganzen Ablauf der Aufnahme erkl�ren sollte. �Schon seltsam, jedes Tonstudio sieht von Inhaber zu Inhaber total verschieden aus.�, stellte Lance fest und blickte auf das Kurt Cobain Bild an der Wand. �Ist OK Lance, lass gut sein.� Chris klopfte ihm auf die Schulter und wendete sich wieder von ihm ab. �Aber ich hab doch recht!� �Na und?� �Nichts na und. Ich hab recht und du nicht.� �Von mir aus.� Chris zuckte gleichg�ltig mit den Schultern und beobachtete Johnny, der durch die T�r hineintrat. �Jungs, es ist soweit. Los, singt euch ein, wir m�ssen die n�chsten paar Tage ein halbes Album aufnehmen!� ...... Seine Augen hafteten auf dem starken K�rper, verfolgten jeder seine Bewegungen und studierten sie. JC blickte Lonnie mit hassvollen Augen nach, wendete sich schlie�lich ab und stie� die Luft wieder aus seinen Lungen. Er sah genervt auf das wei�e Blatt Papier hinab, das vor ihm lag. �Mann, mir f�llt nichts ein.�, jammerte er und beobachtete Chris, der grinsend irgendetwas hinkritzelte. �Ist doch einfach. Soll ich mal vorlesen was ich geschrieben hab?� Er nickte, Chris r�usperte sich und las laut vor: �Chris would like to thank JC and sometimes Lance and maybe Justin and this one time Joey, no two times Joey. Actually, could you switch JC and Joey? But seriously, just Justin. No, make that Lance. Come to think of it, it should just be Joey.� JC lachte und lehnte sich in seinem Stuhl zur�ck. �Mensch Chris, das ist total wirres Gelaber!� �Lass mich doch ausreden. Ich bin noch nicht fertig.� Er lachte noch lauter und sch�ttelte den Kopf. �I was walking towards the bus to get the waters. When I passed by my bunk and my telephone rang, so I answered it and the person on the other end said �Earthquake.� and just then the bus hit a bump, and it freaked me out and I dropped my phone and the battery fell off....� �Und das willst du in unserem armen Booklet ver�ffentlichen?� �Klar!� Chris grinste und fragte: �Na wie fandest du�s? Ist doch gar nicht so schlecht!� �Und wo sind die Thanks You�s?� �Hab ich doch auch! Glaubst du das vergess ich?� JC zuckte nur mit den Schultern und fing an mit dem Kuli auf seinem noch leeren Blatt herumzukritzeln. �I would like to thank God, my four brothers, my family, my friends, the crew and the entire Voltron force. And a big thank you to our fans. You make us who we are. And if you read through this entire thank you, please go out and do a nice thing for somebody.� Chris sah zufrieden auf und wartete auf eine Reaktion von JC. �Ist OK.�, murmelte er und seine Augen wanderten �ber das Papier und wieder zu Lonnie. Lonnie bemerkte ihn, sah kurz zu ihm her�ber, doch wendete sich mit h�ngendem Kopf schnell wieder ab. �JC?� Er zuckte zusammen und sah Chris �berrascht an. �Was?� Er hatte gar nicht gemerkt, dass Chris mit ihm geredet hatte. �Hast du was gesagt?� �Ob ich das so stehen lassen kann.� JC sah auf seine H�nde, nickte dann und antwortete: �Es klingt total nach dir. Aber an der Geschichte fehlt noch was. Es ist zwar verwirrend, aber noch nicht abgefreakt.� �Abgefreakt.�, wiederholte ihn Chris und runzelte die Stirn. �Ja, klar.� �OK.� Chris zuckte nur mit den Schultern, beugte sich dann wieder �ber das w�st beschriebenes Papier und kritzelte hastig weiter. JC seufzte nur und fand sich wieder Lonnie nachstarrend. Er sa� auf einem Stuhl, h�rte Walkman und beobachtete aufmerksam seine Umgebung, ob vielleicht nicht irgendwo ein Kettens�genmann oder Bombenattent�ter lauerte, der sich wom�glich an seinen Jungs vergreifen wollte. In JCs Kopf tobte eine Schlacht, er sah seinen Freund vor sich, der ihn immer tapfer besch�tzte und seinen Feind, der sein Land zerst�rte und den man ausschlie�en musste. Er schluckte, wenn er sich nicht bald entschied, w�rde er verr�ckt werden. �Hass ihn!�, jagte es durch seinen Kopf und er ballte seine F�uste leicht zusammen. �Er ist nichts wert. Schei� doch auf ihn, du kannst dich selbst verteidigen, was brauchst du noch nen Schwarzen?� JC atmete tief durch, f�hlte seine H�nde zittern und den Schwei� auf der Stirn hinunterrinnen. �JC, gehts dir gut?� Er schrak hoch, sah in Chris braune Augen und ruckte langsam zur�ck. �Wie... wie kommst du... hier... hin?�, stotterte er verwirrt und versuchte sich von seinem Schock zu erholen. �Du warst abwesen und hast auf irgendwas da dr�ben hingestarrt.� JC folgte Chris Finger mit den Augen, der genau zu Lonnie zeigte. �Was ist los mit dir JC?� �Ich wei� nicht...�, gab er zu und sch�ttelte sich. �Alle sind mit ihren Thanks You�s fertig, nut du hockst vor nem Blatt, auf dem ein Hakenkreuz prankt. Was soll das hei�en?� JCs Augen weiteten sich, er blickte sofort zu seinem Blatt, auf dem tats�chlich ein Hakenkreuz hingekritzelt war und daneben noch sein Kuli lag. Er schluckte, Hitze stieg in seinem Kopf auf und er f�hlte Chris Hand auf seiner Schulter. �JC, k�nnen wir mal unter fier Augen reden?� Er nickte stumm, stand auf und folge Chris benommen auf den kleinen Flur. Chris schloss behutsam die T�r blickte den Gang hinab und als er niemanden erkennen konnte, wendete er sich langsam zu JC, der versuchte seinen Blick zu vermeiden. �Josh?� JC blickte auf und Chris sah ihn ernst an. Er hatte gar nicht bemerkt, was er da gemalt hatte, dachte es w�ren wieder irgendwelche Notenschl�ssel oder Klaviertasten und lie� es unbek�mmert auf dem Blatt stehen. �Was ist blo� los mit dir?� �Was soll schon mit mir los sein?� Chris sah ihn schr�g und legte seine Hand wieder auf JCs Schulter. �Du hast dich in letzter Zeit sehr ver�ndert.� �Wir alle ver�ndern uns.� �Aber nicht so brutal. Gott, glaubst du ich bin blind und seh nicht, was mit dir ab geht?� JC sah ihn bitterb�se an. �Was geht denn mit mir ab?!?�, zischte er ihn an schlug die Hand von seiner Schulter. �Du bist ein verfluchter Nazi geworden!� Chris schluckte und Tr�nen schimmerten durch seine w�tenden Augen. �Denkst du ich hab deine Stiefel nicht gesehen? Du malst Hakenkreuze auf Zettel und rasiert deinem Kumpel den Sch�del!� JC wusste nicht was er sagen sollte. Angst baute sich in seinem Inneren auf und er ging einen vorsichtigen Schritt zur�ck. �Jetzt ist alles vorbei.� Seine H�nde fingen an zu zittern und eine G�nsehaut kroch seine Arme und R�cken hoch. Chris sah ihn traurig an und seufzte. Der kleine Flur schein noch enger zu werden und die Luft wurde immer knapper. �JC, du... du kannst doch mit uns reden. Egal was es ist, ich hab dir bis jetzt immer zugeh�rt.� Chris lehnte sich gegen die Wand und wartete. �Ich bin kein Nazi!�, brachte JC heraus und Tr�nen formten sich in seinen Augen. Chris stie� sich wieder von der Wand ab und stand jetzt direkt vor JC. �Was w�rdest DU denken, wenn ich jetzt mit Springerstiefeln anspaziert k�me, Schwarze mit hasserf�llten Augen nachstarre und Hakenkreuze wei� Gott wo hin kritzel?� JC zuckte nur mit den Schultern. �Dass du dich damit auseinander setzt.� �Womit setz ich mich auseinander?�, fuhr er JC an und ruckte n�her. JC kniff die Augen zusammen, atmete tief durch und versuchte die kochende Wut in ihm zu unterdr�cken. �Rassismus verdammt!� Chris atmete tief durch und sah auf den Boden. �Kann ich jetzt gehen?�, fragte JC genervt und sah Chris w�tend an. �Beantworte mir nur noch eine Frage.� JC sah ihn wartend an. �Bist du ein Rassist, JC?� �Sag ich ja, dann bin ich in gro�en Schwierigkeiten, aber hab es von meinen Schultern, sag ich nein, dann hab ich ihn angelogen, werd aber wahrscheinlich meine Ruhe haben und kann weiter selber �ber meine Lage nachdenken. Mit Chris kann ich immer noch reden. Falls ich will. Es gibt manche Sachen, �ber die man mit niemanden sprechen kann. Chris hat seine Meinung und wird mir die eingeigen wollen, jemand neutrales gibts bei dem Thema nicht. Sag es ihm doch endlich, dann hast du es hinter dir. Wie kann ich ihm aber die Wahrheit sagen, wenn ich mir selbst nicht sicher bin?!? Mann JC, entscheide dich schnell, schweigen bringst nicht!� �Nein.�, sagte er k�hl, wendete sich ab und ging den Flur hinab. Chris blickte ihm stumm hinter her und beide wussten, dass er gelogen hatte. JC verschwand rasch in der M�nnertoilette, bevor Chris die hei�en Tr�nen, die seine Wangen hinunterrannen erkennen konnte. Die T�r fiel krachend hinter ihm zu, er lehnte sich ersch�pft �ber ein Waschbecken und lies seinen Gef�hlen freien Lauf. �Verdammt!�, fluchte er und er f�hlte die Angst wieder seinen R�cken hoch kriechen. Er griff nach dem Wasserhahn, drehte ihn auf, das klare Wasser lief in seine Handfl�chen und er beugte sich tiefer, um die Fl�ssigkeit in sein Gesicht spritzen zu k�nnen. Seine Augen fielen zu und er wusch die Tr�nen zitternd von seinem Gesicht. �...ein Mann der alles tat...�, hallte es durch seinen Kopf. Er kniff die Augen zusammen und versuchte seine Gedanken zu ignorieren. �...wir tun uns nicht sch�men...� Er lehnte sich gegen die Wand, sank langsam auf den Boden und vergrub seinen Kopf in den angewinkelten Knien. �Adolf Hitler, du wirst in unseren Herzen, du wirst in unseren Herzen weiterleben.� Seine Beine rutschten langsam weg, er richtete sich m�de auf und lehnte den Kopf gegen die eisigen Kacheln. Seine Locken fielen ihm wieder ins Gesicht und er wusste, dass er sie fr�her oder sp�ter wahrscheinlich wegrasieren w�rde um dann mit Glatze rumzurennen. �Es wird schon einen Grund haben, warum gewisse Gedanken immer in meinem Kopf herumschwirren. Wieso sollte ich nicht zu mir halten d�rfen? Jeder kann seine Meinung vertreten, egal was er ist. Muslime d�rfen hier mit Kopft�chern rumrennen, dann darf ich doch wohl auch meine Einstellung vertreten und dazu stehen, selbst wenn es die meisten falsch finden.� Er sah zum kleinen Fenster auf. F�hlte wie ihn eine Energiewelle durchstr�mte und rappelte sich langsam auf. �Selbst wenns schwierig wird...� �Ich werd mich nicht unterdr�cken lassen. Gruppenzwang besteht bei 12j�hrigen, die sich an alles anpassen m�ssen, um cool zu sein und sofort alles glauben, was ihnen ihre Freunde und Eltern verklickern.� Der Staub wirbelte durch die Luft, als er seine Hosen abklopfte und langsam die T�r wieder aufstie�. Der Gang war einsam und verlassen, er wischte seine letzten Tr�nen weg und schlich sich wieder zu seinen Thank Yous, die wahrscheinlich durch ein anderes leeres Blatt Papier ausgetauscht worden waren, da keiner den Anblick seiner Kritzeleien ertragen konnte. Als er schlie�lich die T�r �ffnete, blickten Joey und Justin nur kurz hoch, Lance schlief auf einer Couch und Chris beobachtete JC eindringlich, versuchte seine Gedanken zu lesen und staunte dar�ber, was f�r einen liebevollen Blick er Lance zuwarf. Ihm wurde ganz warm innerlich, JCs einsblaue Augen strahlten hell und freundlich, vernebelten aber sofort wieder, als er Lonnie erblickte. Er sah ihn duster an, wendete sich ab und betrachtete sein neues Blatt Papier, das fast genauso leer wie zuvor war. Er setzte sich, nahm den Stift in die rechte Hand, schloss die Augen und dachte nach. |
| Kapitel 4 |