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  Presseberichte
 

Bericht erschienen in Transportweb Spezial am 17.04.2003   

Insolvenz droht? Kopf aus dem Sand! 17.04.2003

Die Transportbranche belegt einen Platz unerfreulich weit vorn im Ranking der von Insolvenzen betroffenen Wirtschaftszweige. Mit 1.861 Insolvenzen, laut dem Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), erklimmen die Unternehmen aus den Bereichen Straßenverkehr/Spedition und Lagerei einen traurigen Gipfel – plus 15 Prozent gegenüber Vorjahr.

Von Anne Katrin Peters |[email protected]

Ein Abflauen der Insolvenzenwelle ist nach Einschätzung von Manuel Casas, Berater bei Euroconsulting, nicht zu erwarten. Das Beraterteam hat sich auf die Transportbranche und insbesondere kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert, denen es bei drohender Insolvenz zur Seite steht. Casas sieht für dieses Jahr schwarz: "Nach Einführung der Maut rechne ich damit, dass etwa 20 Prozent der deutschen Transportunternehmen insolvent werden." Besonders gefährdet sind nach Meinung des Experten die Klein- und Kleinstunternehmen. "Etwa 80 Prozent der Transportunternehmern fehlt das betriebswirtschaftliche Hintergrundwissen, das sie bräuchten, um gegenüber ihren Kunden zu rechtfertigen, warum sie die Maut als Kostenblock durchreichen wollen", weiß Casas aus Erfahrung zu berichten.

Sogar wenn sie es schaffen, die Maut den Kunden aufzubürden, wird es gerade für die Ein-Mann-Betriebe eng: Bei einem Zahlungsziel von den üblichen 60 Tagen müssen sie immerhin zwei Monate zwischen Zahlung der Maut und Geldeingang vom Kunden überbrücken, in denen die selbstfahrenden Unternehmer die mehreren tausend Euro aus der eigenen Tasche beisteuern müssen. "Die Banken kommen kleinen Unternehmen in solchen Situationen oft nicht entgegen", sagt Insolvenzfachmann Casas, "Da ist schon die Erhöhung des Kontokorrentkredits um 500 Euro fast unmöglich."

Abreißende Kommunikation und schwindendes Vertrauen versetzen insolvenzgefährdeten Unternehmen den Todesstoß

Aber auch wenn gerade die Transportunternehmen in Deutschland und Österreich mit Belastungen zu kämpfen haben – in Spanien werden beispielsweise Treibstoff und Betriebsmittel subventioniert – ist es keine Lösung, den Kopf in den Sand zu stecken. Das größte Problem bei drohender Insolvenz sieht das Beraterteam im Abreißen der Kommunikation zwischen Banken, Lieferanten und dem Transportunternehmer. Da der Unternehmer nur noch unangenehme Anrufe à la "Wann zahlen Sie endlich Ihre Dieselrechnung" erwartet, hebt er den Telefonhörer gar nicht mehr ab. Der Anfang einer Abwärtsspirale: Lieferanten und Banken verlieren das Vertrauen, der Lieferant mahnt, es gibt einen Eintrag in die Schufa, andere Lieferanten brechen daraufhin die Geschäftsbeziehungen ab, der Unternehmer bekommt keine Tankkarte mehr, er muss deshalb bar bezahlen und hat kein Zahlungsziel mehr. Nach Einschätzung des Beraters vergehen vom ersten Problem bis zum unabwendbaren Bankrott meistens gerade mal sechs Monate.

Stopp – nicht sofort verzweifeln, wenn Zahlungsschwierigkeiten auftreten. "Es ist in einem solchen Fall immer ratsam, einen außenstehenden Dritten zu Rate zu ziehen, egal ob Insolvenzverwalter, Bankfachmann oder Berater", urteilt Casas. Wenn die Kommunikation über eine solche neutrale Person läuft, seien die Geschäftspartner verhandlungsbereiter. Außerdem kann ein firmenexterner Experte objektiv und mit dem nötigen wirtschaftlichen Fachwissen eine Risikoanalyse durchführen und darauf basierend einen Vorgehensplan entwickeln. Die entscheidenden Fragen lauten dabei:
Wo steht das Unternehmen?
Was sind die konkreten Probleme?
Wo kann sich das Unternehmen hinentwickeln?

Berater müssen wissen, wie ein Transportunternehmen funktioniert, wenn sie sinnvoll helfen wollen

Doch in der Beraterlandschaft ist nicht alles Gold was glänzt. Das Angebot verwirrt durch seine Unübersichtlichkeit und Fülle, und die Honorare sind für einen finanziell auf wackeligen Beinen stehenden Mittelständler in den meisten Fällen zu hoch. "Außerdem hilft ein Berater wenig, der mit Begriffen wie Cashflow und Turnaround um sich wirft, von seinem Klienten aber nicht verstanden wird", wirft Casas ein. Nach Meinung des Beraterteams Euroconsulting muss ein Berater als faktischer Geschäftsführer komplett in den Betrieb einsteigen können. "Er muss wissen, wie ein Fahrer fühlt, wenn an ihm sagt, dass er seinen Lohn jetzt wöchentlich und mit Verspätung bekommt statt vorher pünktlich am Monatsende", so die Fachleute. Durch sein betriebswirtschaftliches Hintergrundwissen kann er zusammen mit dem Unternehmer ein Konzept entwickeln und zum Beispiel erklären, wann wieder gezahlt werden kann. Außerdem können Wirtschafts- und Rechtsexperten verhindern helfen, dass neben dem Unternehmen im schlimmsten Fall auch das private Hab und Gut dem Bankrottmonster zum Opfer fallen. Aufgrund der Rechtsform des Transportbetriebs haften viele Unternehmer nämlich auch mit ihrem Privatvermögen und dem ihrer Familie.

Egal ob sich ein Transportunternehmer an Experten von außen wendet, wenn er einen finanziellen Engpass bemerkt, oder ob er mit eigenem Know-how die Krise in den Griff bekommt – fest steht, dass eine Insolvenz nicht gleich das Ende des Unternehmens oder der eigenen Existenz bedeutet. Aber: Stillhalten und hoffen, dass es keiner merkt, ist die falsche Taktik.

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