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Die
Transportbranche belegt einen Platz unerfreulich weit vorn im
Ranking der von Insolvenzen betroffenen Wirtschaftszweige. Mit
1.861 Insolvenzen, laut dem Bundesverband Güterkraftverkehr
Logistik und Entsorgung (BGL), erklimmen die Unternehmen aus
den Bereichen Straßenverkehr/Spedition und Lagerei einen
traurigen Gipfel – plus 15 Prozent gegenüber Vorjahr.
Von Anne Katrin Peters |[email protected]
Ein Abflauen der Insolvenzenwelle ist nach Einschätzung von
Manuel Casas, Berater bei Euroconsulting, nicht zu erwarten.
Das Beraterteam hat sich auf die Transportbranche und
insbesondere kleine und mittlere Unternehmen spezialisiert,
denen es bei drohender Insolvenz zur Seite steht. Casas sieht
für dieses Jahr schwarz: "Nach Einführung der Maut
rechne ich damit, dass etwa 20 Prozent der deutschen
Transportunternehmen insolvent werden." Besonders gefährdet
sind nach Meinung des Experten die Klein- und
Kleinstunternehmen. "Etwa 80 Prozent der
Transportunternehmern fehlt das betriebswirtschaftliche
Hintergrundwissen, das sie bräuchten, um gegenüber ihren
Kunden zu rechtfertigen, warum sie die Maut als Kostenblock
durchreichen wollen", weiß Casas aus Erfahrung zu
berichten.
Sogar wenn sie es schaffen, die Maut den Kunden aufzubürden,
wird es gerade für die Ein-Mann-Betriebe eng: Bei einem
Zahlungsziel von den üblichen 60 Tagen müssen sie immerhin
zwei Monate zwischen Zahlung der Maut und Geldeingang vom
Kunden überbrücken, in denen die selbstfahrenden Unternehmer
die mehreren tausend Euro aus der eigenen Tasche beisteuern müssen.
"Die Banken kommen kleinen Unternehmen in solchen
Situationen oft nicht entgegen", sagt Insolvenzfachmann
Casas, "Da ist schon die Erhöhung des
Kontokorrentkredits um 500 Euro fast unmöglich."
Abreißende Kommunikation und schwindendes Vertrauen
versetzen insolvenzgefährdeten Unternehmen den Todesstoß
Aber auch wenn gerade die Transportunternehmen in Deutschland
und Österreich mit Belastungen zu kämpfen haben – in
Spanien werden beispielsweise Treibstoff und Betriebsmittel
subventioniert – ist es keine Lösung, den Kopf in den Sand
zu stecken. Das größte Problem bei drohender Insolvenz sieht
das Beraterteam im Abreißen der Kommunikation zwischen Banken,
Lieferanten und dem Transportunternehmer. Da der Unternehmer
nur noch unangenehme Anrufe à la "Wann zahlen Sie
endlich Ihre Dieselrechnung" erwartet, hebt er den
Telefonhörer gar nicht mehr ab. Der Anfang einer Abwärtsspirale:
Lieferanten und Banken verlieren das Vertrauen, der Lieferant
mahnt, es gibt einen Eintrag in die Schufa, andere Lieferanten
brechen daraufhin die Geschäftsbeziehungen ab, der
Unternehmer bekommt keine Tankkarte mehr, er muss deshalb bar
bezahlen und hat kein Zahlungsziel mehr. Nach Einschätzung
des Beraters vergehen vom ersten Problem bis zum unabwendbaren
Bankrott meistens gerade mal sechs Monate.
Stopp – nicht sofort verzweifeln, wenn
Zahlungsschwierigkeiten auftreten. "Es ist in einem
solchen Fall immer ratsam, einen außenstehenden Dritten zu
Rate zu ziehen, egal ob Insolvenzverwalter, Bankfachmann oder
Berater", urteilt Casas. Wenn die Kommunikation über
eine solche neutrale Person läuft, seien die Geschäftspartner
verhandlungsbereiter. Außerdem kann ein firmenexterner
Experte objektiv und mit dem nötigen wirtschaftlichen
Fachwissen eine Risikoanalyse durchführen und darauf
basierend einen Vorgehensplan entwickeln. Die entscheidenden
Fragen lauten dabei:
Wo steht das Unternehmen?
Was sind die konkreten Probleme?
Wo kann sich das Unternehmen hinentwickeln?
Berater müssen wissen, wie ein Transportunternehmen
funktioniert, wenn sie sinnvoll helfen wollen
Doch in der Beraterlandschaft ist nicht alles Gold was glänzt.
Das Angebot verwirrt durch seine Unübersichtlichkeit und Fülle,
und die Honorare sind für einen finanziell auf wackeligen
Beinen stehenden Mittelständler in den meisten Fällen zu
hoch. "Außerdem hilft ein Berater wenig, der mit
Begriffen wie Cashflow und Turnaround um sich wirft, von
seinem Klienten aber nicht verstanden wird", wirft Casas
ein. Nach Meinung des Beraterteams Euroconsulting muss ein
Berater als faktischer Geschäftsführer komplett in den
Betrieb einsteigen können. "Er muss wissen, wie ein
Fahrer fühlt, wenn an ihm sagt, dass er seinen Lohn jetzt wöchentlich
und mit Verspätung bekommt statt vorher pünktlich am
Monatsende", so die Fachleute. Durch sein
betriebswirtschaftliches Hintergrundwissen kann er zusammen
mit dem Unternehmer ein Konzept entwickeln und zum Beispiel
erklären, wann wieder gezahlt werden kann. Außerdem können
Wirtschafts- und Rechtsexperten verhindern helfen, dass neben
dem Unternehmen im schlimmsten Fall auch das private Hab und
Gut dem Bankrottmonster zum Opfer fallen. Aufgrund der
Rechtsform des Transportbetriebs haften viele Unternehmer nämlich
auch mit ihrem Privatvermögen und dem ihrer Familie.
Egal ob sich ein Transportunternehmer an Experten von außen
wendet, wenn er einen finanziellen Engpass bemerkt, oder ob er
mit eigenem Know-how die Krise in den Griff bekommt – fest
steht, dass eine Insolvenz nicht gleich das Ende des
Unternehmens oder der eigenen Existenz bedeutet. Aber:
Stillhalten und hoffen, dass es keiner merkt, ist die falsche
Taktik.
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