Eine Auslegungssache

Du schreibst mir, dass Sabina, die uns als Erben eingesetzt hat, nirgends befohlen hat, dass Modestus ihr Sklave frei sei, dass sie aber eben diesen dennoch ein Legat (= Erbschaft) mit folgenden Worten/folgendermaßen vermacht hat: "Für Modestus, den ich freigelassen habe." Du fragst, was ich darüber denke. Ich habe mich mit rechtskundigen Personen unterhalten: Alle waren einer Meinung, dass ihm weder die Freiheit zusteht, weil sie ihm ja nicht gegeben wurde, noch das Legat, weil sie es ja ihrem Sklaven gegeben hat. Aber mir scheint ein offensichtlicher Fehler vorzuliegen und daher glaube ich, dass wir, so als ob Sabina geschrieben hätte, das tun zu müssen, was sie selber glaubte, geschrieben zu haben.

Ich vertraue darauf, dass du dich meiner Meinung anschließen wirst, weil du den Willen der Verstorbenen für gewöhnlich sehr genau einhältst, den gute Erben so einhalten sollen als wäre es das Recht/Gesetz.

Daher möge er in Freiheit sein mit unserer Erlaubnis, er soll sein Legat genießen, so als ob sie alles äußerst sorgsam verfügt hätte. Denn sie hat sorgfältig gehandelt, weil sie ihre Erben gut ausgewählt hat. Lebe wohl.

heredes/idis: Erbe

 

 

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