Der Schöpfungsmythos

"Allein, ehrfurchtgebietend, in sich ruhend flutete die Göttin, Sie, deren Name unaussprechlich ist, in den Abgrund der äußeren Finsternis, vor dem Anbeginn aller Dinge. Und als sie in den gewölbten Spiegel des schwarzen Raumes blickte, erkannte sie darin ihr strahlendes Bildnis und verliebte sich in es. Durch die Kraft, die ihr innewohnt, zog sie es hervor, vereinigte sich liebend mit ihm und nannte es >Miria, das Wunderbare<. Ihre Ekstase brach hervor als das Lied über alles, was ist und was sein wird, und mit dem Gesang kam Bewegung, entstanden Wellen, die herauswirbelnd zu den Sphären und Kreisen aller Welten wurden. Die Göttin wurde von der Liebe erfüllt, sie ward rund und warm vor Liebe und gebar einen Regen leuchtender Geister, welche die Welten erfüllten und zu Geschöpfen wurden. Doch in der großen Bewegung wurde Miria hinweggespült, und mit der Trennung von der Göttin ward sie immer männlicher. Zuerst war sie der blaue Gott, der sanfte, lächelnde Gott der Liebe, dann der weinblattumschlungene grüne Gott, der in der Erde verwurzelte, der Geist aller wachsenden Dinge. Schließlich wurde Sie zum Gehörnten Gott, zum Jäger, dessen Antlitz der roten Sonne gleicht und doch finster ist wie der Tod. Doch immer zieht ihn die Sehnsucht zurück zu der Göttin, so daß er sie ewig umkreist, trachtend, in Liebe wiederzukehren. Alles hat seinen Ursprung in der Liebe. Alles sucht zur Liebe zurückzukehren. Liebe ist das Gesetz, die Mutter der Weisheit, die große Offenbarende der Mysterien"

(mündliche Überlieferung aus der Feentradition des Hexenglaubens / "Die Kraft der großen Göttin", Starhawk)

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