Der DDM-Städteführer
In der ersten Ausgabe unseres Magazyns wollten wir natürlich nicht über irgend eine beliebige Stadt berichten, sondern über eine ganz besondere Stadt. Und welche Stadt könnte diesen Anspruch besser erfüllen als Worms, jene weltberühmte Metropole an der... äh... Donau... wie? Ach ja, natürlich, am Rhein.
Worms ist eine der ältesten europäischen Metropolen. Schon Aristoteles kannte Worms, und auch Charles Darwin schrieb einmal, daß ohne Worms vieles auf dieser Welt nicht funktionieren würde. Man sieht also, daß diese Stadt schon immer die Gelehrten angezogen hat, war sie doch das Zentrum der abendländischen Geisteswelt.
Heute zeugen von dem einstigen Glanz der Stadt noch etliche Baudenkmäler, darunter die große Wormser Stadtmauer (das einzige Bauwerk, daß man mit bloßem Auge aus dem Weltraum sehen kann...), die Wormser Pyramiden, ein Gemeinschaftswerk von Erasmus von Rotterdam und Leonardo da Vinci, und der Wormser Güterbahnhof, dessen Fundamente aus karolingischer Zeit stammen.
Ein anderes Wahrzeichen der Stadt, der Koloss von Worms, (eine Werbefigur einer ortsansässigen Brauerei) ist leider vor einigen Jahren eingestürzt. Aber auf vielen Fotos kann man ihn noch heute bewundern, ein stämmiger Alkoholiker, der fast 800 Meter in den Himmel ragt. Fast genauso groß wie für die Wissenschaft ist die Bedeutung der Stadt für die Wirtschaft. Schon im frühen Mittelalter war Worms ein bekanntes Zentrum für die Sportfischer der ganzen Welt. Angeln und Zubehör für diesen Sport der Könige wurden hier gefertigt, und die Erfindung der beheizbaren Sitzkiepe verschaffte der Stadt einen jahrhunderte andauernden wirtschaftlichen Aufschwung. 1520 Erhob Kaiser Karl V. die renomierte Angelzubehörmeisterei Klump zur Kaiserlichen Angelködermanufaktur. Während der nächsten 80 Jahre lieferte Worms Angelköder in die ganze Welt, von Argentinien bis nach Zaire. Leider traf der 30jährige Krieg die Stadt ziemlich hart, denn wegen den ständigen Kämpfen wurde die Angelködermanufaktur - wie alle anderen Fischereizubehörbetriebe auch - in einen Rüstungsbetrieb umgebaut. Doch kaum war der Krieg vorbei, ging es mit dem angelnden Gewerbe wieder bergauf.
Untrennbar verbunden mit der Stadt Worms ist auch die Legende von den Nibelungen, jenen tapferen Recken, die für einen Haufen Gold alles kurz und klein gehauen haben. Und so kann man im Wormser Olympiastadion die fünf Nibelungenringe bewundern.
Der bekannteste Wormser dürfte aber Martin Luther sein.
Luther war ein katholischer Gelehrter, der die menschliche Seele studierte. Schon bald kam ihm aber die Bedienung der Seele sehr kompliziert vor, und so beschloß er, ein einfacheres System zu entwickeln. Vor Luthers erstem Seelenbetriebssystem mußte man, um eine Seele sinnvoll zu nutzen, erst spezielle Sprachen beherrschen. Luther war das alles viel zu kompliziert, und so entwickelte er ein deutsches Seelenbetriebssystem. Da man von Seiten seines damaligen Arbeitgebers nicht an diesem System interessiert war, machte Luther sich selbständig.
Leider wollte niemand seine Entwicklung kaufen, und so wendete er sich an die Mainzer Werbeagentur Gutenberg. Dort soll ihn der Geschäftsführer persönlich darauf hingewiesen haben, daß die meisten Menschen Analphabeten seien und deswegen gar nichts mit irgendwelchen Buchstaben zu tun haben wollten. Wenn schon, so Gutenberg, müsse man bunte Bildchen benutzen. Das brachte Luther auf die richtige Idee. Leider war er nicht der Einzige. Der Großkonzern Calvin International ind auch der schweizer Garagenbastler Zwingli arbeiteten ebenfalls an einer grafischen Oberfläche für die Seele. Da mußte sich Luther mit seiner neugegründeten Soul Providing Incorporated gewaltig anstrengen. Gerade Zwinglis Entwicklung, basierend auf einem Apfelkernspeicher und mit einhändiger Nagetierbedienung, komplettiert durch Zwinglis Frau Lisa, war bei vielen Leuten sehr beliebt. Und Calvin war ein ernstzunehmender Gegner, der keinen Spaß verstand.
Schon bald wurde Luther mit einer Unmenge von patentrechtlichen Klagen bombardiert. Seine ersten Produkte, Soul1 und Soul2, waren echte Flops. Jeder fragte sich, was das denn soll. Doch Soul3, schnell gefolgt von Soul3. 1 und Soul for Workgroups, überzeugten die Benutzer. Als dann auch noch Soul NT für die Profis herauskam, verloren die Konkurrenten fast alle Marktanteile. Soul95 brachte der Konkurrenz dann das endgültige KO, Zwingli war finanziell am Ende und verkaufte seine Garage, und Calvin verlegte sich ausschließlich auf den Verkauf von Gebißkisten und sogenannten Ewigen Netzen, die man von einem verarmten Novellisten herstellen ließ. Irgendwelche Randexistenzen aus Finnland oder Russland konnten Luthers Produkten sowieso nicht mehr gefährlich werden. Luther war der reichste Mann der Welt. Er kaufte ganze Länder und Kontinente und auch das eine oder andere wertvolle Bild.
Er entwickelte später noch Soul98 und dann das unglaublichste aller Projekte, Soul 2000. Seine Soul Providing Inc. hatte damit eine Monopolstellung erreicht. Mochten die anderen schimpfen oder ihn verklagen, Luther kratzte das nicht. Aber selbst jetzt hatte Luther noch ehrgeizige Ziele. Er wollte alles kontrollieren und beherrschen. Er entwickelte alle möglichen Szenarien, um die Seelen seiner Mitmenschen noch besser in den Griff zu kriegen. Und als er eines Tages in die Sonne sah, hatte er die letzte große Idee seines rastlosen Lebens: Eine Expedition nach Java. Leider bereitete sich Luther nicht richtig darauf vor. Noch während der Überfahrt, in der fürstlichen Suite eines Luxusdampfers, hantierte er etwas zu unvorsichtig mit einem Developement Kit - und das kostete ihn das Leben. Luther erhielt eine einfache Seemannsbestattung, und so können wir heute noch nicht einmal an das Grab dieses wirklich einmaligen Genies pilgern.