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Aus unserer Software-Abteilung

Immer mehr Dichter und Denker verlassen sich bei der Anfertigung ihrer Produkte auf den Computer. Wenn das kein Grund für das DDM sein sollte, auch einen Blick in diese Richtung zu werfen, was dann?

Immerhin haben wir kurz vor Erscheinen dieser Ausgabe einen Tip aus Indien bekommen, dass dort ein revolutionäres, absolut neues und mit noch nie dagewesenen Features ausgestattetes Betriebssystem entwickelt worden ist. Unter größten Schwierigkeiten gelang es uns, ein Exemplar davon nach Deutschland zu schmuggeln. Lesen Sie unseren Software-Test und fragen Sie sich selbst: WARUM quäle ich mich noch mit diesen veralteten Produkten von einem ewig grinsenden amerikanischen Milliardär herum? Warum kaufe ich nicht endlich das Produkt eines eher selten grinsenden indischen Programmierers, der gerade genug Geld verdient, um sich einmal in der Woche einen Kaugummi zu leisten? Warum ist nicht schon früher jemand auf diese wirklich guten Ideen gekommen? Warum fängt der Test nicht endlich an...

Als unser Auslandskorrespondent total erschöpft und bis auf die Knochen abgemagert unsere Redaktionsräume betrat, wollten wir alle nur Eines wissen: WO IST DIESES INDISCHE BETRIEBSSYSTEM??? Daraufhin erhielten wir einen zerfledderten, schmutzigen Umschlag, in dem eine selbstgebrannte CD-ROM steckte. Das sollte es also sein? Na ja...

Aber kaum war die CD in unserem Redaktionscomputer verschwunden, passierten auch schon die seltsamsten Dinge. Als Erstes wurde uns mitgeteilt, dass wir von nun an nie wieder Probleme mit einem Computer haben würden. Außerdem würde die Installationsroutine schon dafür sorgen, das nicht das kleinste Bißchen an Informationen verloren gehen würde. Auf Wunsch könne man sogar wieder zum alten Betriebssystem zurückkehren, was aber garantiert niemand wollen würde. Bei einer so massiven Verwendung des Konjunktivs sollte man misstrauisch werden, obwohl das gar nicht nötig sei, oder sollte man sagen, ist? Nein, wäre. Ach, suchen Sie es sich doch selbst aus!

Jedenfalls reichte die Zeit bis zu unserer ersten Internet-Ausgabe kaum aus, dieses Meisterwerk der Programmiertechnik intensiv zu untersuchen. Aber bei aller Hektik konnten wir eine Erkenntnis nicht unterdrücken: Das ist endlich mal ein richtiger Schritt in die Zukunft.

Auch wenn wir nur einen kurzen Überblick geben können, wir sind uns sicher: Sie werden mindestens so begeistert sein wie wir!

Vollständige Steuerung per Neuralschnittstelle:

Vergessen Sie den Ärger mit Tastaturen und Mäusen! DNIX-WOS bietet etwas noch nie Dagewesenes: Die perfekte Gedankensteuerung Ihres Computers! Leider hat der normale Europäer nicht die selben geistigen Fähigkeiten wie ein indischer Yogi (der den Computer problemlos einfach so steuern könnte), und so müssen wir uns einem kleinen gehirnchirurgischen Eingriff unterziehen. Aber es soll sich lohnen. Neben zahlreichen, im folgenden Text beschriebenen Features, eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten.

Endlich versteht man seinen Computer, und endlich kann man seine Gedanken perfekt abspeichern und verwalten. Leider fehlt eine entsprechende Software, obwohl es zur Not auch mit dem Karteikasten aus dem Zubehör geht.

Für ganz hartnäckige Tastatur-Fetischisten ist die Installation einer virtuellen Tastatur möglich, und wenn man sich dann fest genug einbildet, konventionell zu schreiben, wird man nach wenigen Wochen transzendentaler Meditation den einen oder anderen Text fabrizieren können.

Re-Inkarnations-Planer:

Im Hinduismus und Buddhismus ist, wie man weiß, der Glaube an die Wiedergeburt fest verankert. Was liegt also näher, als im Voraus zu planen, als was man wiedergeboren werden möchte, und sich dafür Tips vom Computer geben zu lassen? Es funktioniert natürlich auch umgekehrt, d.h., der Computer berechnet nach Ihrem Lebenswandel und Ihren Gefühlen, als was Sie demnächst auf dieser Welt wandeln (oder kriechen) werden. Dieses nützliche Tool ist selbstverständlich voll netzwerkfähig, so dass man sich sogar im nächsten Leben mit einem Kollegen verabreden kann. Leider hat der Re-Inkarnations-Planer zwei kleine Mängel:

1. braucht man die Neuralschnittstelle, sonst kann der Computer uns nicht richtig beurteilen, und - was ein wesentlich größerer Mangel ist -

2. kann der Re-Inkarnations-Planer nicht feststellen, wer wir im früheren Leben waren. Wenigstens DAS sollte man noch beheben, bevor DNIX-WOS in unsere Läden kommt!

Kamasutra-Interface:

Dieses nur mit der Neuralschnittstelle zu nutzende Feature ist seit Jahren der erste wirkliche Fortschritt der Software-Branche! Was nutzen superteure Mega-Office-Pakete und Buchhaltungsprogramme, wenn die Benutzer gelangweilt und angeödet vor den Bildschirmen sitzen! Das Kamasutra-Interface macht selbst die monotonsten Dateneingabe-Sessions zu wirklich befriedigenden Erlebnissen! Angeblich soll es bei einem Probe-Benutzer dazu geführt haben, dass er nur noch Statistiken auswerten wollte und gar nicht mehr von seiner Tabellenkalkulation wegzubekommen war. Man darf gespannt sein, ob in Zukunft auch die Großen der Branche ihre Betriebssysteme mit solchen Zusätzen aufrüsten, und ob dann aus den größten Faulpelzen echte Workaholics werden!

Sicherheit:

Wer seine Dateien löscht, der will natürlich auch, dass sie wirklich gelöscht sind und nicht noch irgendwo herumgeistern, so dass ein Datenspion an sie herankommt. Das Löschprogramm KALI 4.1 vernichtet daher jede Datei, die gelöscht werden soll, gnadenlos. Wahlweise kann man Dateien erst mal "vor-löschen", um sie dann (beim Herunterfahren des Systems) komplett von der Platte zu putzen.

Präkognitives Multithreading:

Da DNIX-WOS nicht mehr an die herkömmlichen Gesetze von Raum und Zeit gebunden ist, kann es Ereignisse problemlos vorhersagen. Leider reicht die Rechenleistung unseres Redaktions-PC nicht aus, um auch nur eine Sekunde in die Zukunft zu sehen. Nach Einschätzung unserer Experten müsste ein Computer mindestens 300 GHz (!) schnell sein, um einen Fehler vorherzusagen, den ein Benutzer in 2 Sekunden machen würde. So taugt dieses nützliche Feature in der Praxis leider (noch) nichts. Auf den leistungsfähigsten Supercomputern dieser Welt könnte DNIX-WOS gerade mal eine Minute in die Zukunft sehen. Also, liebe Lottospieler, (ja, ich weiß, was ihr gerade gedacht habt - auch ohne präkognitives Multithreading) vergesst es einfach!

Self-Updating:

Das System lernt selbständig im Laufe der Jahre, was der Benutzer für Vorlieben hat. In unserer kurzen Testphase konnten wir das nicht 100%ig klären, aber angeblich kreiert der Systemkern sogar selbständig Verbesserungen an sich selbst - das wäre wirklich einmalig! Allerdings besteht dann irgendwann die Gefahr, dass der Computer klüger wird als sein Besitzer...

Hardware-Diagnose:

Auch ein PC ist von einer Seele erfüllt, und allzu oft wird diese Seele unterdrückt. Das äußert sich dann in rätselhaften Funktionsstörungen. Mit dem Diagnose-Tool GHANDI 3.1 erleuchten Sie die zu purer Funktionalität erstarrte Seele Ihres Computers! Sie helfen ihm, seine Probleme zu erkennen und sich in sein Karma zu fügen. Ferner erfahren Sie etwas über das Vorleben der Komponenten, z.B. ob das Gehäuse aus wiederverwerteten Konservendosen besteht oder ob die Dateien auf der Festplatte wiederverwertete dumme Ideen von geistlosen Redakteuren beinhalten...

Internet & Co:

Natürlich hat DNIX-WOS eine komplette Internet-Ausstattung, allerdings eröffnen sich auch hier durch die Neural-Schnittstelle ganz neue Möglichkeiten. E-Mail sollte man ganz schnell vergessen, denn GANESHA THOUGHT TRANSFER erlaubt fast echte Telepathie! In Zukunft werden wir also einfach nur noch etwas denken müssen, und schon erfährt es der Rest der Welt! Na, wenn das keine Begeisterungsstürme auslöst!

Weitere nützliche Features:

Natürlich sind auch Inder Menschen mit Humor. Wichtige Spielereien wie z.B. ein Papierflieger-Bastel-Assistent fehlen genau so wenig wie einige animierte Bildschirmschoner, darunter fliegende heilige Kühe, eine dickliche Tempeltänzerin im Regen oder ein Fakir, der sich genüsslich Stricknadeln durch die Backen sticht.

Fazit:

ENDLICH, nach Jahrzehnten des Wartens, nach unzähligen Irrungen und Wirrungen, unsäglicher Quälerei unschuldiger Benutzer und sinnloser Hoffnungen auf Updates, die dann doch nicht halten, was sie versprechen, ist es so weit: Ein Betriebssystem, das jeder Computerbenutzer haben sollte! Ohne WENN und ABER kann man dieses Produkt als DEN großen Wurf in der IT-Branche betrachten. Die renommierten Software-Firmen sollten sich warm anziehen, denn was da aus Indien zu uns kommt, ist besser als ALLES, was jemals programmiert wurde.

Oder, um es auf den Punkt zu bringen: EX ORIENTE LUX.

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