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Die geheimen Alternativ-Pläne der Europäischen Zentralbank

 

Was kaum jemand weiß, wird jetzt offensichtlich: Schon lange vor der Euro-Einführung hatten die europäischen Wirtschafts-Auguren Pläne in der Schublade, um im Falle eines Falles eine noch neuere neue Währung etablieren zu können. Man weiß ja nie, ob etwas funktioniert... Und dann ist es gut, wenn man eine Idee in Reserve hat.

 

Teuro

Falls die schlimmsten Befürchtungen wahr geworden wären (besonders was den rapiden Wertverlust des Euro gegenüber dem Dollar und eine eventuelle Inflation betrifft...), so dachten sich die Eurokraten, dann müßten die Geldscheine einer neuen Währung schnell und billig zu produzieren sein. Daher verzichtete man beim TEURO konsequent auf alle Sicherheitsmerkmale. Fälschen würde dieses Geld sowieso keiner. Und als besonderes Bonbon sollten die ganz Alten unter uns daran erinnert werden, wie schön es doch war, als jeder Millionär sein konnte...

Gedruckt werden sollte das Geld auf Zeitungspapier, und auf Luxus wie Bilder, Wasserzeichen oder Metallfäden hätte man sowieso verzichten müssen. So präsentiert sich der 100-Millionen-Schein schlicht und unauffällig. Man erkennt als einzigen Pseudo-Luxus ein Pseudo-Wasserzeichen, das den schiefen Turm von Pisa darstellen soll. Damit wenigstens ein Bild zu sehen ist (Geldscheine ohne Bild sind wirklich das Letzte!) wollte man das Portrait des anonymen Währungsspekulanten verewigen, in diesem Muster nur angedeutet.

 

Reuro

Nicht alle Europäer waren restlos begeistert von der neuen Währung.

Falls der Widerstand der nationalen Bevölkerungen in der Euro-Zone zu groß geworden wäre, hätte man einfach die vorhandenen Geldscheine etwas verändert. Der Reuro war auch als Möglichkeit gedacht, billig aus der Sache herauszukommen, falls der Euro nichts wird. Jedenfalls eine sehr interessante Alternative zur jetzigen Lösung...

Auf dem deutschen 100-Reuro-Schein, der gewolltermaßen dem 100-Mark-Schein sehr ähnlich sieht, sind alle möglichen Entschuldigungen untergebracht, zu denen die europäischen Zentralbanker fähig waren. Na gut, es sind nicht viele, aber was will man von solchen Leuten verlangen!

 

Feuro

Passend zum heuernden und feuernden Turbo-Kapitalismus gab es diese großartige Idee einer dazu passenden Währung. Der FEURO sollte nur auf geschmacks-und geruchsneutralem Papier gedruckt werden, das gleichmäßig und rauchfrei brennen sollte. Schließlich wollte man die Großkapitalisten der Welt nicht mit dem potentiell schlechtem Geruch verbrennenden Papiers belästigen, wenn sie sich nach einer Konzernfusion, bei der man gleich wieder zehntausend Faulenzer gefeuert hat, ihre Zigarren mit Geldscheinen anzünden. Geschmacklos ist das allemal, aber daran gewöhnt man sich.

Der Feuro ist schlicht, aber edel, und überall auf seiner Vorderseite kann man den ersten Artikel der noch geplanten europäischen Verfassung lesen: "NUR GELD MACHT GLÜCKLICH!" Damit ausländische Fachkräfte auch wissen, womit man sie bezahlt, sollte auf jedem Feuro-Schein die Wertangabe in indischen und chinesischen Schriftzeichen zu lesen sein. Als besonderer Design-Gag wurde die Wertzahl so oft wie möglich auf der Oberfläche untergebracht, damit man immer genau weiß, wieviel man in der Tasche hat.

Und für die lieben Tanten und Onkels mit dem Schwarzgeld bekommt der Spruch "Auf glühenden Kohlen sitzen" einen ganz neuen Sinn...

 

Neuro

Falls die Währungsumstellung doch gut gehen sollte, so überlegte man sich, könnte man das Ganze doch wiederholen... Jedes Jahr eine neue Währung! Das würde ordentlich Schwung in die Reihen der vertrockneten Kleinsparer bringen. Und so kam man auf die Idee, den NEURO zu entwickeln. Natürlich nicht ohne den Hintergedanken, zu testen, wann wir wegen den ständigen Währungsumstellungen alle endlich die Nerven verlieren... Nein, das reicht jetzt. Immer diese Wortspiele!

Der Neuro sollte sich im Design an den Postwurfsendungen orientieren, die man immer wieder von Veranstaltern von zwielichtigen Preisausschreiben bekommt. Anstatt irgendwelcher Sicherheitsmerkmale, die sich sowieso niemand merken kann, sollte "garantiert echt" auf der Vorderseite stehen - das kapiert jeder. Damit das Geld auch nur seine vorhergesehene Lebensdauer erreicht, sollte es aus einem Spezialkunststoff bestehen, der sich nach einem Jahr in Luft auflöst. So hätte man auch diese Unsitte, Geld in Koffern durch die Welt zu transportieren, abgeschafft. Wer will schon einen Koffer, in dem im Zweifelsfall nur noch warme Luft ist?

Leider wurde diese Idee durch das Veto vieler europäischer Politiker zu Fall gebracht. Und so ist auch aus dem Neuro nichts geworden...

Und: (fast vergessen) Der Steuro

Viel zu lange blühte, begünstigt durch unüberschaubaren bürokratischen Wildwuchs, in Europa die Korruption und die Schwarzarbeit. Das, so dachten sich die europäischen Währungshüter, könnte man mit so einer Währungsreform doch auch gleich ausmerzen. Gleichzeitig könnte man die überzogene Bürokratie auch dazu nutzen, etwas Sinnvolles zu tun, nämlich den Geldumlauf vollständig zu (be-)steuern, und das mit einem ganz einfachen Kunstgriff.

Also schufen die EZB-ler den Steuro, ein beim Bürger sicher nicht so beliebtes Machwerk, dafür aber ausgestattet mit allerlei High-Tech-Merkmalen:

Ein Steuro MUSS z.B. sofort beim zuständigen Finanzamt abgegeben werden. (Passiert das nicht, wird er nach 48 Stunden automatisch schwarz.) Das Finanzamt wechselt dann den Steuro (nach Abzug einer kleinen Bearbeitungsgebühr) um, und neutralisiert gleichzeitig die automatische Schwarzfärbung. Somit wäre es absolut unmöglich, Geldgeschäfte ohne das Finanzamt zu machen. Denn: Wer will schon Schwarzgeld besitzen? Sie vielleicht?

Damit ist es allerdings noch nicht getan, denn der Steuro ist ein intelligenter Geldschein! Er will nach jedem Besitzerwechsel sofort wieder zurück zum Finanzamt, sonst droht die Verwandlung in wertloses schwarzes Papier!

Welch eine Glanzleistung der Mikroprozessortechnik, dieses intelligente Geld! (Es ist aber nur konsequent, denn: Geld regiert die Welt, und wer die Welt regiert, sollte auch intelligent sein!)

Der Steuro lehnt sich im Design an die sachliche Eleganz unserer Steuerformulare an, was den Bürger, der ihn in den Händen hält, sofort daran erinnern soll, wo das Geld eigentlich hingehört. Die stilisierte Grafik mit dem Bruttosozialprodukt, das stetig dem Nullpunkt zustrebt, soll dem Bürger noch einmal deutlich klarmachen, was für schreckliche Dinge passieren, wenn er nicht seine Steuern zahlt. Dieser Appell an das Gewissen muss selbst einen hartgesottenen Spesenritter zum Nachdenken anregen, oder? Die tief-dunkelroten Zahlen tun ein Übriges, um den Ernst der Lage zu dokumentieren!

Und um nicht ganz und gar bürokratisch-trocken daherzukommen, hat man auch an einen aufmunternden Spruch gedacht, der dem Bürger das Abgeben des Geldes beim Finanzamt versüßen soll.

Sehr schnell verworfen wurde aber die Idee, eine Kurzform der Steuergesetzgebung auf die Rückseite des Scheines zu drucken, denn so große Geldscheine wären wirklich nicht praxistauglich.

Aber leider sollte auch der Steuro eine unerfüllte Vision der EZB bleiben...

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