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I'm applying for a license to thrill.

Going out on the edge -

moving in for the kill.

They'll be hell to pay someday.

So put it all on the bill.

Cause we'll always be paying !

And paying until -

We're beyond expiration.

With a license to thrill.

(Aus: "Original Sin", danke Marvin!)

 

 

 

Neulich in Erfurt oder: 5 Minuten HASS

 

Immer wenn es zu gewissen Dingen gekommen ist, gibt es Leute, die genau wissen, warum das passiert ist und vor allem, wie man verhindern kann, dass es noch einmal passiert. Was von diesen Leuten zu halten ist, wissen wir. Aber auch das ändert nichts. Es soll sich ja auch nichts ändern, denn WENN das passieren würde, hätte das katastrophale Folgen für alle Volksverdummer auf dieser Welt.

 

Was tun die Politiker und andere Vorbilder wirklich?

Ehrlichkeit ist unteilbar. Wenn wir das als gegeben akzeptieren, müssen wir uns aber auch eingestehen, dass die Lüge unteilbar ist. Wenn einer korrupt ist, dann sind es irgendwann alle. Ein fauler Apfel im Korb... wir kennen das.

Ein falsches Vorbild kann eine ganze Gesellschaft zerstören.

Angeblich sind wir ja alle mündige Bürger (alleine schon das Wort ist eine Beleidigung, es unterstellt, dass es Zeiten gegeben hat, in denen das nicht so war.) Angeblich hat jeder ein Gewissen und ist nur DEM verantwortlich. Angeblich gibt es eine Menschenwürde, und angeblich hat unsere Kultur - oder die noch vorhandenen Reste davon - sogenannte Werte. Schauen wir doch einmal genauer hin. Oh je, was kriegen wir da zu sehen! Schnell wieder den Blick zu den schönen Dingen wenden...

 

Aber richtige Vorbilder gibt es keine mehr. Politiker denken nur noch an den eigenen Machterhalt. Ihre Wirkung auf die Öffentlichkeit ist ihnen egal. (Ist das etwa nicht so? Ich meine, WENN es ihnen nicht egal wäre, würden sie dann DAS tun, was sie tun?) Da kann ein heute noch so eleganter Herr noch so viel beteuern, er HAT eben früher einmal als Gewalttäter auf der Straße gestanden, und Molotov-Coctails zu schmeißen, ist eben kein Spaß! Zumal, wenn ein Mensch dabei lebensgefährlich verletzt wird. Da MUSS eben die Einsicht her: "Ja, ich habe Scheiße gebaut, und ich sehe ein, dass ich es nicht verdient habe, dieses Land zu repräsentieren!"

So aber ist alles gut so wie es ist, es wird vertuscht und geleugnet, schließlich hängt ja mehr dran als das eigene kleine Gewissen... Und in den vielen Jahren des "Wandels" hat sich um die eigene Gewissenlosigkeit ein Heer von ähnlich denkenden kleinen Geistern angesammelt.

 

Und so repräsentiert man das, was man ist, hervorragend. Welch ein Beispiel für die Jugend!

Sportler denken nur noch an Geld, Künstler (so es sie noch gibt...) denken nur noch an Geld, die Kirche hat Jahrhunderte voller Wahnsinn hinter sich. WO ist bitte noch ein Vorbild?

Ehrlichkeit gibt es keine mehr. Jeder denkt nur noch an den eigenen Vorteil und bedient nur noch seine eigene Eitelkeit. Verbunden mit dem Egoismus, als "Selbstverwirklichung" getarnt und als eine "Errungenschaft unserer Gesellschaft" gefeiert, ergibt sich eine interessante Perspektive für jeden wirklich interessierten Beobachter.

 

Konsequenzen ziehen ist schrecklich unmodern. Wir wollen doch alle nur unseren Spaß haben, wozu eingestehen, dass man selbst zu denen gehört, die eben jene Zustände herbeigeführt haben, die jetzt als so unhaltbar dargestellt werden. Auch DAS wird jeden Tag von unseren Vorbildern zelebriert.

Es wird getrickst und getäuscht, wo es nur geht. Alles ist nur noch Inszenierung (erinnern wir uns an die Zustände im Bundesrat bei der Abstimmung über das Zuwanderungsgesetz), Überzeugungen sind nur noch Aufkleber auf einer Verpackung ohne Inhalt.

Und ab und zu wird der gähnenden Masse ein Skandälchen hingeworfen, damit man die Illusion von Lebendigkeit nicht verliert.

 

In was für einem Zustand ist die Gesellschaft wirklich?

Die Medien hofieren diese Jammergestalten, die sich anmaßen, uns zu repräsentieren (und es leider auch tun)!

Und das, was man letztendlich unsere Jugend lehrt (NICHT in der Schule oder an irgendwelchen Orten fernab jeglicher Realitiät, sondern im richtigen Leben), ist: "Es geht nur ums Geld. Hast Du Geld, ist es gut. Hast du es nicht, bist Du am Arsch! Und wenn Du erst mal zu denen da oben gehörst, fragt keiner mehr, wie Du das geschafft hast, und wenn doch einer kommt, kannst Du ihn fertigmachen! Du MUSST ein Schwein sein, nur so kommst Du zu was! Schau sie Dir doch an, die, die jetzt das Sagen haben!"

Ja, diese Botschaft wirkt. Großartig, wie ihr das macht, ihr Vorbilder!

Sie wirkt wie ein Gift, das man jeden Tag in ganz kleinen Portionen zu sich nimmt, es überhaupt nicht bemerkt... und eines Tages ist man so vergiftet, dass niemand mehr einem helfen kann. Man wird so, wie die real existierenden Vorbilder sind, hart nach außen, leer nach innen, und um die Leere zu füllen, sucht man nicht nach Sinn, sondern nach Spaß. Aber den muss man sich erst mal leisten können!

Was passiert mit den Ehrlichen?

Der Ehrliche ist der Dumme. Der Ehrliche kann natürlich immer ehrlich und dumm bleiben, aber das will er nicht. Jedenfalls nicht immer, oder immer öfter nicht! Und so passiert es eben:

WENN ein Ex-Kanzler dubiose Geldverteilungs-Praktiken durchzieht und später immer noch ein wohlgeordnetes Leben in Luxus führen kann, oder WENN ein Fälscher und Betrüger immer wieder in Talkshows auftaucht und alle über ihn lachen, dann ist es doch nicht so schlimm, selbst mal Fünfe gerade sein zu lassen. Alle machen das: Da werden Steuern hinterzogen, die Versicherung betrogen, eine gefundene Geldbörse wird nicht beim Fundbüro abgegeben, man fährt mit dem Auto, obwohl man schon irgendwie mehr als 4 Bierchen getrunken hat (bis jetzt ist doch alles gutgegangen!), und als Begründung sagt man sich: "Alle machen das so, und die Anderen sind doch viel schlimmer, ich mache doch nur das, was jeder tun würde..."

Also fälscht ein Schüler irgendwann ein ärztliches Attest, um an einer Prüfung nicht teilnehmen zu müssen. Natürlich wird er erwischt, und er ist wütend. Einerseits, weil er eben doch nicht so clever ist wie die, die solche Sachen dauernd machen und nie erwischt werden, andererseits, weil er weiß, welche Folgen das hat.

 

Denn später, wenn der Ernst des Lebens so richtig losgeht, ist es eben DOCH ein Unterschied, ob man sein Abitur "richtig" gemacht hat oder auf dem zweiten Bildungsweg. Es gibt keine zweite Chance, die Gesellschaft ist unerbittlich. Wer einen Fehler gemacht hat und sich dabei erwischen läßt, der hat kein Mitleid verdient! Da hört sie nämlich auf, die Ehrlichkeit! Das einzige Gebot unserer Lügner-und- Heuchler-Religion wurde übertreten, man hat sich bei einem Fehler erwischen lassen, und das endet katastrophal! Dafür gibt es lebenslänglich, lebenslänglich das Leben zweiter Klasse, lebenslänglich immer wieder Demütigungen.

 

Ein falscher Schritt...

Und was kommt nach dieser Erkenntnis? Muss man sie überhaupt als solche wahrnehmen oder kommt eben doch alles eher unterbewußt zusammen, was dann zu den fatalen Konsequenzen führt, die wir an eben jenem Freitag erleben mussten?

Gut, eine falsche Entscheidung kann das Leben ruinieren. Einmal eben nicht dieses ominöse Richtige zu tun, das sich sowieso dauernd dem Zeitgeist anpasst und deswegen überhaupt nicht mehr definiert werden kann, kann eben doch 20 Jahre später dazu führen, dass man anstatt im Designer-Büro der gepflegten Langeweile eines Top-Managers nachzugehen, in der Gosse sitzt und sich täglich besaufen muss, um diesen Zustand, Leben genannt, noch zu ertragen.

Kein Spieler macht sich Gedanken um die Zukunft, so lange er gewinnt. Roulette oder der "Neue Markt", Lotto oder Lebensplanung... es kann nicht immer nur Gewinner geben, das ist klar. Aber ohne den Willen, zu Gewinnen, geht es nicht. Das hält uns in der Bahn, es bleibt auch nach einem Verlust meistens noch genug übrig, um weiterzuspielen, weiterzumachen, weiterzuleben... Aber eben nicht bei jedem. Ist die Enttäuschung zu groß und die Hoffnung zu klein, hilft eben nichts mehr. Dann zieht der Spieler sich zurück und regelt die Sache wie ein Ehrenmann.

Aber genügt es, ganz alleine die Konsequenzen zu tragen, wo doch die ganze Gesellschaft so vermodert und verrottet ist? Sollen dann nicht gefälligst möglichst viele büßen? Vor allem DIE, die uns zu solchen Spielern gemacht haben?

 

Der Blick in den Spiegel

Wenn der einzelne Mensch ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, die ihn erzeugt, dann hat diese Gesellschaft auch kein Recht mehr, zu existieren, wenn dieser Mensch beschließt, seinem Leben ein Ende zu bereiten.

Das ist das ganze Geheimnis all dieser Amokläufer, seien sie nun frustrierte Schüler oder durch göttliche Vorsehung an die Macht gekommene Politiker, die Weltkriege anzetteln. Es ist schrecklich, alleine zu sterben, und noch schrecklicher, als unbedeutender Durchschnittstrottel zu sterben, wo man doch einmal so hohe Ideale gehabt hat. Aber es hilft alles nichts mehr, man HAT verloren, das Leben IST vorbei, und wenn es noch weitergehen würde, dann wäre es unerträglich, denn jeder Tag wäre nur noch eine Erinnerung an das, was man nicht mehr erreichen kann. Also, lieber hier und jetzt ein Ende finden, und hier und jetzt allen zeigen, was in einem steckt. Nicht still und leise die Plastiktüte über den Kopf ziehen, sondern es noch einmal richtig krachen lassen!

 

Äußerlichkeiten, nichts von Bedeutung...

Na gut, es ist nicht schlecht, wenn man eine Waffe hat, WENN es dann irgendwann losgeht. Mit ihr umgehen zu können wäre auch ganz gut. Spaßeshalber hat man auch ab und zu gewisse Filme gesehen, wo Menschen abgeknallt werden, und diese Spiele, die ja auch jeder hat, können die Vorfreude ins Unermeßliche steigen lassen.

Auch ohne Waffe geht es, Menschen sind ja so zerbrechlich, ein Küchenmesser, ein Hammer, eine Axt würden ja eigentlich genügen. Natürlich wäre das nicht stilecht, wo doch jeder Filmschurke eine Pump-Gun hat. Gut, zur Not könnte man auch mit seinem Auto ein paar Leute über den Haufen fahren, bevor man sich selbst am nächsten Brückenpfeiler verschrottet.

Aber das wären nicht unbedingt die Leute, denen man es zeigen will! Persönliche Rache kann oft zur Schwerstarbeit ausarten, und so muss man eben in einen Schützenverein, oder man geht zum nächsten Russen um die Ecke... Jedenfalls sind Waffen in unserer wundervoll bürokratisierten Gesellschaft sehr leicht zu kriegen. Illegale auf jeden Fall, da ist der Markt übersättigt (und sie sind auch billiger als die legalen!), nur mit denen kann man vorher nicht üben. Und üben ist das Wichtigste! Hat man doch vorher schon gewinnen und verlieren bis zum Exzess geübt...

(Jetzt aber bitte keine falschen Schlüsse ziehen: In Japan z.B. war das Bogenschießen schon immer eher eine Kunst, eine Meditationsübung, der Einsatz dieser Kunst im Krieg war wohl eher ein lästiges Übel. Warum sollen also 14-Jährige nicht mit einer Luftpistole auf Pappscheiben schießen? Als Konzentrationsübung ist das allemal besser als sich das Geschwätz von irgendwelchen Gutmenschen anhören zu müssen, die ihren schon längst durch Instrumentalisierung zerstörten Idealen nachhängen.)

 

Und so IST es eben, wie es ist: Nicht die Waffe macht den Täter, sondern er sich selbst. Keine dümmlichen Computerspielereien (die als "gewaltverherrlichend" bezeichnet werden und doch lange nicht das Gewaltpotential eines braven Börsenmaklers, der hier und da mal ein Insidergeschäft macht, haben), kein Film, wo ein Held die bösen Buben niedermetzelt... Nein, in dem Menschen selbst gärt es. Irgendwann ist es zu spät, der Mensch will nicht mehr. Er hat die Lügen, die um ihn herum existieren, erkannt, sieht sich selbst als den einzig guten und gerechten Menschen, und nimmt sich jetzt auch einfach mal alles, vor allem eben das Recht, das Verlogene zu zerstören.

Sicher, nichts wird dadurch besser. Aber das soll es ja auch nicht. Es soll alles so weitergehen wie vorher.

 

Und so ist es auch.

Wenn schon der 11. September nichts geändert hat, was soll dann so ein kleiner Amoklauf ändern? Die Welt dreht sich weiter. Sie würde sich selbst dann weiterdrehen, wenn es uns ALLE eines Tages nicht mehr geben würde. Aber vorher wird noch viel passieren, da bin ich mir sicher. Die Spaßgesellschaft ist noch lange nicht tot, und sollte sie es eines Tages doch sein, dann werden wir riesige Probleme haben, den Kadaver zu entsorgen.

Vielleicht haben wir auch nur Angst vor dem Tag, an dem wir endlich mal wieder über alles nachdenken müssen, weil es wirklich nicht mehr anders geht.

 

Aber dieser Tag wird noch auf sich warten lassen. Bis dahin: Weitermachen! Das ist ein Befehl!

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