Robert Hansens Dankesrede an das Nobelpreis-Komitee
"Meine sehr verehrten Herren, ich glaube, hier wird es gleich einige Missverständnisse weniger geben.
Sie erwarten jetzt von mir, dass ich mich bedanke. Hemingway hat sich bedankt,
also sollte ich es auch tun. Vielleicht schockiert es Sie, aber ich tue es nicht! Sie haben richtig gehört, ich bedanke mich nicht!
Ich habe jetzt, im Alter von 60 Jahren, eine über 40-jährige literarische Laufbahn hinter mir, oder sollte ich besser sagen, eine literarische Tretmühle?
Nein, Sie, die mir so großzügig diesen Preis zugesprochen haben, wissen nicht, was ich alles tun musste, um endlich hier zu stehen. Was glauben Sie, wie viele Ignoranten man in diesem Gewerbe kennenlernt? Wie vielen Hohlköpfen, die in den Chefetagen der renommierten Verlage sitzen, muss man - wir alle wissen jetzt, was ich sagen will, aber meine gute Erziehung verbietet es mir - irgendwo hin kriechen, um überhaupt einen Termin zu bekommen?
Nein, ich muss mich für nichts bedanken. Ich habe diesen Preis durch meine jahrzehntelange Arbeit und meine ständigen Bemühungen um unsere Literatur verdient! Wissen Sie, was das Wort VERDIENT eigentlich bedeutet? Sehen Sie mal nach!
Glauben Sie nicht, ich rede nur für meine Person oder aus gekränkter Eitelkeit so. Ich bin in der Lage, das Literaturgeschäft als Hobby zu betreiben. Für mich ist es egal, ob ich Geld damit verdiene oder nicht. Aber was ist mit dem Nachwuchs? Können wir es uns leisten, das kreative Potential, das unsere Kultur am Leben erhält, so unwürdig zu behandeln?
Sie sitzen hier auf einem Haufen Geld und verteilen es an Leute, die es eigentlich gar nicht mehr brauchen. Sollte man es nicht der Nachwuchsförderung zugute kommen lassen? Aber nein, wozu denn auch! Wozu einem hoffnungsvollen jungen Talent etwas geben, wo doch die Resonanz in der Öffentlichkeit viel größer ist, wenn man eine Berühmtheit ehrt!
Diese Veranstaltung, meine Herren, erinnert mich eher an eine Versammlung von personifizierten Unarten als an ein kulturelles Ereignis von höchstem Rang.
Sie können mir glauben, nichts liegt mir ferner, als hier irgendjemanden beleidigen zu wollen. Aber ich sehe diese Dinge, und ich sehe sie so, wie sie sind!
Meinen Preis stifte ich dem Nachwuchs.
Ich bedanke mich nicht, und ich gehe jetzt."