Ideen, die das Leben veränderten

»Ich denke,
also glaube ich!« -


»Cogito -
ergo credo!«

Thomas von Aquino und scholastisches Christentum

Zurück gelangen Sie hier . . .

Abstractio mentis=geistige Abwesenheit

click auf des Heiligen Haupt

Bild: Die »abstractio mentis«
des Thomas, ein Phänomen, das besonders gegen Ende seines Lebens häufig zu beobachten war.

Möchten Sie lieber etwas über Augustin lesen?



Hosted by www.Geocities.ws

Thomas von Aquino (1225-1274) lebte zur Zeit einer kritischen Junktur der westlichen Kultur, als das Auffinden des Aristotelischen Schrifttums in lateinischer Übersetzung die Streitfrage eröffnete wie es mit dem Verhältnis zwischen Glauben und Vernunft stehe, die wiederum den »modus vivendi«, der sich bis dahin über Jahrhunderte hinweg gehalten hatte, in Frage stellte. Diese Krise flackerte gerade zu dem Zeitpunkt auf, als Universitäten gegründet wurden:

Inhalt

1. Einführung

2. Aus welchem Grund betrieb Thomas von Aquino Schriftstellerei?

3. Leben

4. Nachwirkungen bis ins 20. Jahrhundert (Verehrung im Katholizismus)

Über Thomas aus beredtem Mund

5. Wie beantwortete Thomas die vier philosophischen Fragen?

6. Was glaubte Thomas von Aquino?

1. Einführung

Die »Scholastik« ist eine Bezeichnung einer Denkweise und Philosophie des westlichen Abendlandes und meint gleichzeitig eine riesige Zeitepoche, die vom neunten bis in das vierzehnte Jahrhundert reicht. In jener Zeit war Bildung den Reichen vorbehalten, und es setzte eine Bewegung ein, dass die Bildungszentren sich rumlich von dne Klöstern weg zu den neu gegründeten Universitäten verlagerten.

Der einflussreichste scholastische Schriftsteller war nun Thomas von Aquino. Er wurde 1225 geboren. in den vierzige Jahren des 13. Jahrhunderts studierte er zu Neapel, betrat dann die Universität zu Paris, wo er promovierte. Er wurde Professor für Theologie des Dominikanerordens an der Universität Paris. Den Rest seines Lebens verbrachte er in Paris, wenn man von seinen Reisen als Nuntius des Papstes absieht - einer relativ kurzen Zeitspanne. Die Glaubensgrundsätze des Thomas von Aquino haben in umfangreichen Maße seine Zeit beeinflusst, ja beeinflussen unsere heutige Zeit noch. Er war der bedeutsamste intellektuelle bestimmende Kopf seit Augustin - bis zur Reformation, ein profilierter Autor mit einem Werk, welches vierzig Folianten umfasst, davon insbesondere zu nennen die »Summa (= Auszug, Zusammenfassung) gegen die Heiden« und eine »Summa theologiae« (ein zusammenfassendes Werk über die damalige Theologie). Der »Mönch aus Aquino« (der »Aquinate« oder »Aquinas«) starb im Jahr des Herrn 1274. Er war 1567 designierter (ordentlicher; später auch kanonisierter) Gelehrter der Kirche und 1623 von der römisch-katholischen Welt heilig gesprochen.

2. Aus welchem Grund betrieb Thomas von Aquino Schriftstellerei?

Die aristotelischen Schriften waren im 12. Jh. wiederentdeckt worden, und Thomas las sie; er wurde von der Gewalt der darin vorkommenden Argumente derart beeindruckt, dass er zu der felsenfesten Anschauung kam, Aristoteles habe ein großes Quantum Wahrheit schon »entdeckt« - auch unabhängig von biblischer Offenbarung durch den Geist Gottes.
Zu Aristoteles

Sophia Philosophie multimedial.
CD-Box mit Beilage, ca. € 48.
H. Essenschläger, H. Kraml und
M. Pascher (Hrsg.)
Klett 2001

Diese Idee war er bestrebt zu lancieren, indem er eigene Kommentare über Aristoteles von Stageira fertigte. Doch in ihnen mischte er christliches und althellenisches Gedankengut, und statt dass er biblisches Christsein neu ans Tageslicht beförderte, trug er zu einem Kompromiss zwischen der Wahrheit Gottes und dem geistlichen Umherstolpern des Menschen in der Finsternis bei).

3. Leben

3.1. Rauhe Tage der Kindheit

Montecassino war eine schöne Abtei; ganz in der Nähe befand sich ein Schloss, wo Thomas von Aquino geboren wurde. Landolfo Sinibaldi de Fieschi war in Montecassino Abt. Man brachte ihn dorthin, damit er dort seine ersten Studienjahre verbringen soll. Um seine Lebenshaltungskosten zu finanzieren, verschenkte sein Vater 30 Gold-Libras und eine Mühle.

In diesem Kloster verbrachte er neun Jahre und lernte dort Lesen und Schreiben, lateinische Grammatik, italienische Grammatik, Musik, Dichtkunst und Psalmodie, Moral und Religion. Ein gewisser Pedro Calo berichtet, er habe die Psalmen und Hymnen der Liturgie auswendig gelernt, außerdem die Vorträge seiner Lehrer. Eine Frage habe seine Lehrer verwirrt und entrüstet: Quid est Deus (wörtlich: »Was ist Gott?«)

Im Jahre 1236 entstand ein Konflikt zwischen den Mönchen und dem Gerichtshof zu Capua, diesem stand der Bruder des Thomas vor. So verschlechterte sich rasch die Beziehung zu den Herrschern. Im März 1239 befahl der exkommunizierte Kaiser Friedrich II., alle Mönche aus all jenen Klöstern zu verreiben, die von Benedikt gegründet waren. Sie waren des Verrats angeklagt, sie würden den vom Kaiser gehassten Papst unterstützen. Etwa elf blieben zurück und mussten das Schwert schmecken oder sie verbrannten in der Abtei, welche die Schergen Friedrichs in Brand gesteckt hatten.

3.2. Auf der Universität

Auf Empfehlung seines Abtes, Esteban de Corvario, setzte Thomas seine Studien fünf Jahre lang auf der Universität von Neapel fort. Sie war 1224 von Kaiser Friedrich II, als Affront gegen die Universität von Bologna (sie hatte den Papst unterstützt!), gegründet worden. Dach zuvor besuchte er seine Mutter, Theodora in Loretto. Während seiner neapolitanischen Studienzeit - er schrieb sich im April des Jahres 1239 ein - stand er allen seinen Kommilitonen an Intelligenz weit voran. Im Benediktinerkloster zu San Demetrio lernte er erst einmal mit Pedro Martini das sog. klassische Trivium (Logik, Rhetorik und Grammatik) und das sog. Quadrivium (Mathe, Musik, Geometrie und Astronomie) mit Pietro di Hibernia. Außerdem führte man ihn in Philosophie und in die Theologie ein. In einigen seiner Werke begegnet die Bauart und Methode des Kurses wie sie an der betr. Fakultät auf der Universität von Neapel gelehrt wurde. Man bemerkte rasch seine außerordentliche Merkfähigkeit und seine Intelligenz: Bartholomäus von Capua äußert sich darüber: Er überragte alle im Sammeln und Disputieren. Und Gugliermo di Tocco bemerkt: Er begann in seiner geistigen Anlage und in seiner Fähigkeit des Durchblicks so sehr zu brillieren, dass er alles, was er gehört hatte, umfassender, tiefer und klarer als andere wiedergab, als er es von seinen Dozenten vernommen hatte.

Während dieser Zeit lernte er Brüder kennen, die die Predigerlizenz hatten, und begeisterte sich für dieses brüderliche Zusammenleben (vorher von St. Domenicus von Guzmán gegründet und als Konvent im Jahr 1231 errichtet) im Konvent. Seine Familie stellte sich den monastischen Absichten, von seinem Tutor informiert, entgegen. Auf den Rat der Dominikaner entschied er sich also, noch abzuwarten. Um Weihnachten 1243 verstarb sein Vater Landolfo. So trat er zu Beginn des Jahres 1244 in den Dominikanerkonvent von Neapel ein und begann das Noviziat des Predigerordens. Sein geistlicher Vater wurde der Älteste Giovanni di San-Giuliano. Der Prior des Konvents war Tommaso Agni da Lentini.

3.3. Ein Mönch auf der Flucht

Um ihm zu begegnen, begab sich seine Mutter Theodora um die Mitte des Jahres 1244 unter Tränen nach Neapel, da sie von den Vasallen von Roccasecca angeklagt worden war. Thomas wurde von seien Vorgesetzten nach Rom gebracht, wo er den Generalmeister des Ordens, Johannes von Wildeshausen, traf. Dieser entschied, ihn nach Paris zu schicken, damit er dort seine Studien an der Mönchsschule am linken Seineufer und der Kathedralschule zu Notre Dame zu Ende bringt. Er nahm ihn mit sich nach Bologna, wo er sich dem Generalkapitel des Ordens unterstellte. Er wurde trotz allem entdeckt und von dem Ritter Pietro de la Vigna, einem Intimus des Kaisers mit Gewalt auf ein Pferd gehievt und auf das Schloss Monte San-Giovanni Campano gebracht, wo man ihn im Turm einschloss. Wenige Tage darauf transportierte man Thomas nach Roccasecca. Man gestattete seinen Schwestern, ihn zu besuchen (um ihn zu überreden, das Ordenskleid abzulegen), jedoch brachte er es schließlich fertig, diese von seiner gerechten Sache zu überzeugen. Er bat die Dominikaner, ihm eine Bibel, ein Brevier, die Sinnsprüche von Pietro Lombardo und die »Sophistika« des Aristoteles zu bringen. Seine Schwester Marotta war bestrebt, ihn dazu zu überreden, das »Bettlerleben des Dominikus«, wie sie sich ausdrückte, aufzugeben; jedoch soll schließlich Thomas sie »bekehrt« haben. So beschloss wenig später Marotta, sich zu Capua der Regel des Benedikt zu unterwerfen. Thomas nutzte die Zeit seines zwei Jahre langen Eingeschlossenseins, um zahlreiche Teile der Heiligen Schrift auswendig zu lernen und Quellenstudium anhand der Sentenzen von Pietro Lombardo zu betreiben, des damals bedeutendsten Theologen. Außerdem sah er sich die Logik und die Metaphysik de Aristoteles genauer an.

3.4. Engel stärken Thomas nach der Anfechtung

Als seine leiblichen Brüder zufällig einmal durch die Toskana reisten - höchstwahrscheinlich im Winter, also einer Jahreszeit, wo man den Soldaten erlaubte, das Heer zu verlassen und einen Heimaturlaub anzutreten -, da trafen sie einen noch immer hartnäckigen Thomas an. Flehentlich baten sie ihn, ja sie drohten ihm sogar, das Ordenskleid abzulegen, doch schafften sie es nicht, die Idee aufzugeben, seiner Berufung nachzufolgen. Damit er es sich etwa aus Scham anders überlegt, verspotteten sie ihn und nahmen ihm seine Bücher weg. Schließlich sandten sie eine Prostituierte zu ihm. Er bewaffnete sich mit einem Ast, den er drohte zu entzünden, falls sie es wagen sollte, sich ihm zu nähern. Eilends floh die Frau von dannen, und Thomas zeichnete an die Pforte seines Hauses ein Kreuz und kniete zum Gebet nieder. In dieser Nacht soll er im Traum Engel gesehen haben, die ihm erschienen, um ihn aufzumuntern und ihm ein »Cingulum« zu bringen als Zeichen seiner Tugend und anhaltenden Reinheit, die ihm der Herr schenkte.

Für die Familie Aquino wurde die Situation unerträglich. An sich schuldeten sie dem Papst Ehrenbezeugung, doch sie sind Vasallen des häretischen Kaisers! Der Generalmeister der »Prediger« legte Papst Innocenz IV. eine formelle Klageschrift vor, in der er die sofortige Freilassung des dominikanischen Novizen forderte. Die Bewachung seiner Brüder wurde viel angenehmer und mit Hilfe seiner Schwestern und sicherlich auch seiner Mutter entkam er gegen Ende des Jahres 1245 zu entkommen und von seinen geistlichen Brüdern aufgenommen. Während seiner Gefangenschaft kam er in seinen Studien sogar so weit voran, dass es den Anschein hatte, als habe er bereits ein »Studium generale« absolviert.

3.5. Die Charismen des Predigerordens: Lobgesang, Segnen und Predigtdienst

Seine leiblichen Brüder jedoch denunzierten die Dominikaner vor Innozenz IV. So berief der Papst Thomas nach Rom, um seine Gründe , weshalb er dem Orden beigetreten sei, zu erkunden. Das Resultat war, dass er Thomas mit seinem Segen entließ und streng verbot, dass auch nur irgend jemand die Berufung des Thomas irritiere.

Während des ersten Konzils von Lyon im Jahr 1245 wurde der Kaiser Friedrich II. exkommuniziert und entlassen. Thomas ältere Geschwister kamen wegen eines Aufstandes, der in Parma entstand, zusammen, nachdem sie Jahrzehnte im kaiserlichen Heer gedient hatten. Trotz anfänglicher Erfolge wurde der Aufstand von Friedrich II. nieder geschlagen, und der 70jährige Anführer desselben, der Graf von San-Severino, wurde gefangengenommen, gefoltert und schließlich exekutiert. Nach Befehl des Kaisers sollt seine Nase und Zunge und sonstige Gliedmaßen, die noch an seinem Körper waren, in ganz Italien verstreut werden, damit man den Preis für die Rebellion einschätzen könne. Gefangene waren auch Thomas’ Brüder; 1246 wurde Rinaldo hingerichtet.

3.6. Albertus Magnus, Thomas’ großer Lehrer

Sein Noviziat beendete er im Konvent zu Neapel, und besucht dann die Bologneser Universität, um Theologie zu erlernen. Im Frühling des Jahres 1247 empfängt er feierlich den Habitus der Dominikaner aus den Händen des Ordensgenerals, Giovanni des Teutonen, der sich zufällig zu Besuch in Neapel befand. Am Ende des Jahres 1247 nimmt Letzterer ihn nach Paris zum Sankt-Jakobus-Konvent mit, damit er seine Ausbildung dort vollenden könne; dabei ließ er ihn unter der Schirmherrschaft von Albert von Köln, dem weisesten Vater zu der damaligen Zeit; dieser wurde der Nachwelt als Albertus Magnus bekannt. Die Versammlung des Generalkapitels des Ordens in Köln hatte Albert nach Paris geschickt, damit er dort seinen Doktortitel empfängt und im Konvent von Sankt Jakobus lehrt, wo sich schon zwei in die Universität integrierte Lehrstühle befanden. Man erzählt, dass ide Menge derer, die zu seinen Lehrvberanstaltungen strömten derart war, dass ma sie an eiem öffentlichen Platz zu Paris abhalten musste. Nachdem er seine Mission zugunsten der Mönche erfolgreich erfüllt hatte wollte er seinen Schützling in Köln ein Studum Generale zuteil werden lassen. Anfänglich wurden seine Kommilitonen der Intelligenz, über die Thomas verfügte, nicht gewahr; da sie ihn immer so kräftig, robust und schweigsam sahen, belächelten sie ihn als ‘das stumme sizilische Kalb’. Man bat ihn einst ans Fenster zu kommen, damit er sich ein fliegendes Kalb ansehe, doch er antwortet nur: »Es ist besser zu glauben, ein Kalb könne fliegen als dass ein Ordensbruder lügen könne!«

Doch allmählich bemerkten die Kommilitonen, wen sie da an ihrer Seite hatten; er konnte meist die Gegenstände besser erklären als seine älteren Studiengenossen, so dass er bald der Tutor der jugendlichen Brüder wurde. Eines Tages verlangte Albert von seinen Schülern, sie sollten eine dunkle Passage der »Göttlichen Namen« des Dionysios Areopagita (oder besser gesagt: diesem zugeschrieben) erklären. Albert staunte über die brillante geistige Fähigkeit des Jünglings, andern Tags legte er ihm weitere Fragen vor und erhielt Antworten, die alle Anwesenden erstaunen ließ. Da sagte Albert: »Bruder Thomas, Sie erscheinen nicht als ein Student, der lernt, sondern als ein Lehrer, der definiert und Bestimmungen gibt.« Hierauf Thomas: Entschuldigen Sie, Herr Professor, aber ich sehe keine andere Möglichkeit, die Streitfrage zu lösen. Auf die schwierigsten Syllogismen wusste er so bestimmt und leicht zu antworten, dass alle völlig überrascht waren. Im privaten Rahmen meinte er zu seinen Kommilitonen: Wir nennen ihn das stumme Kalb, doch ich versichere Ihnen, dass dieses Rind eines Tages mit seinem Muhen die gesamte Welt widerhallen lässt (lateinisch: »Nos vocamus istum bovem, sed ipse adhuc talem dabit in doctrina ‘mugitum’, quod in toto mundo sonabit«). Seit jenem Tag nahm Albert von Köln ihn unter seine besondere Obhut und stellte ihn jedesmal vor eine schwierigere Herausforderung. Es war in dieser Zeit, das Thomas zum ersten Male einen Kommentar zur Ethik des Aristoteles sowie zum oben schon genannten Werk des Areopagita herstellte. Viele eigenhändige Auzeichnungen und Mitschriften aus den Vorlesungen und unter der Tutorschaft des deutschen Gelehrten gefertigten Kommentare sind bis auf den heutigen Tag aufbewahrt worden.

3.7. Priester, Lehrer und Gelehrter

Im Jahre 1251 wurde er von dem Kölner Erzbischof Konrad von Hochstaden zum Priester geweiht. Die kanonische Bulle schreibt als Vorbereitung für den Empfang dieses Sakraments Gebet, Hingabe zum Heiligsten Sakrament und die Anbetung Jesu vor. Auch seine Familie wurde von dem Wandel des Thomas berührt. Marotta, seine Schwester, weihte sich Gott im Benediktinerkloster Santa Maria in Capua und starb als Äbtissin. Seien andere Schwester, die mit dem Graf von Marsico und San Severino verheiratte war, führte einen Wandel in großer Tugend und starb auch so. Rialdo bekehrte sich zu einem bußfertigen Eiferer und starb den Märtyrertod, als er den ehrwürdigen Vater verteidigte. Wir haben aus dieser Zeit folgendes Wort seiner Gefährten: »Thomas’ Wissen ist zwar sehr groß, doch größer noch ist seine Frömmigkeit; er verbringt Stunden im Gebet, und nach der Erhebung der eucharistischen Opfer leuchtet dann und wann sein Angesicht von hellem Schein, es kommt einem vor, als sei er ins Paradies entrückt.»

Die Aquinos hatten zu der damaligen Zeit ihre Bleibe auf dem Schloss Monte San Giovanni Campano. Als der Papst ihm vorschlug, Abt von Montecassino mit Abtmithra auf dem Haupt, ohne das Ordenskleid der Dominikaner ablegen zu müssen, da lehnte er in der ihm eigenen Bescheidenheit ab. Als er immer noch Zweifel hege, ob sein Entschluss nicht falsch gewesen sei, da soll ihm die Jungfrau Maria erschienen sein und ihn darin bekräftigt haben, er dürfe bei seinen Anlagen keine Bürde oder Würde annehmen, sei es doch seine Bestimmung, die Kirche mit seinen Schriften zu erleuchten. Der externe Lehrstuhl des Jakobus-Konvents wurde frei, undals man dachte, dass ein 27-jähriger noch zu jung für dieses Amt sei, schrieb Albert von Köln an Kardinal Hugo von Saint-Chèr, den päpstlichen Legaten in Deutschland, da er der erste dominikanische Kardinal war. Dieser unterstützte die Kandidatur des Jünglings. So machte sich in dn ersten Septembertagen des Jahres 1252 auf den Weg nach Paris, um das biblische Bachillerat abzulegen und seinen Magistergrad zu erwerben. Für sein erstes Semester in Paris glossierte er den Text des Baruch (apokryphes Buch), das von der römisch-katholischen Kirche als kanonisch anerkannt wird), diese Inauguralvorlesung ist uns erhalten. Er lehrte in Paris unter der Anweisung von Elias Brunet de Bergerac, der Albert 1248 auf dem externen Lehrstuhl gefolgt war. in einem Kurs musste er zwei biblische Bücher auslegen, dabei durfte er keine Zweifel oder Streitfragen offen lassen, die ein Hochschullehrer beantworten muss.

3.8. Thomas beim Verfassen von Schriften vor einem Kruzifix (berühmtes Gemälde)

Während er an dem Jesaja-Kommentar arbeitete, mußte er sich an einer recht dunklen Stelle längere Zeit aufhalten. Er betete und fastete lange und betete dabei um Verständnis, welches für die Interpretation notwendig war. In einer Nacht hörte ihn sein Freund und Mitbruder Rinaldo di Piperno mit jemandem in seiner Behausung sprechen. Am Schluss wurde er gerufen und gebeten, eine KErze zu entzünden und zu schreiben zu beginnen, was er ihm diktieren wolle. Eine Stunde darauf schickte er ihn zum Schlafen, doch Rinaldo bat auf den Knieen: »Ich lege mich nicht eher hin, bis Ihr mir die Namen der Gäste nennt, mit denen Ihr so lange in dieser Nacht gesprochen habt!« Unter strengsten Schweigegebot, erzählte ihm Thomas, dass die Apostel Petrus und Paulus gekommen seien, um ihn zu unterweisen!

3.9. »Alle Wege führen nach Rom«

Im Junii 1259 kehrte er nach Italien zurück, um urlaub zumachn. Er nahm mit Gliedern des päpstlichen Hofes Kontakt auf. Binnen Kurzem wurde er vom hl. Stuhl nach Rom berufen als permanenter theologischer Sekretär (des ‘Studium Curiae’). 1260 besuchte er Bonaventura, der gerade seine Biographie des Hl. Franciscus schrieb; er traf ihn in einer Ekstase an. Am 29.9. desselben Jahres erwarb er einen Titel, mit dessen Hilfe er das Recht und die Pflicht hatte, alle Provinzialkapitel seines Ordens zu besuchen und ihnen beizustehen. Dies tat er von 1261 bis 1268. Thomas fungierte als General-Studienmeister der päpstlichen Kurie und zugleich als theologischer BErater des Papstes- Das Studium Curiae war von Innocenz IV. 1245 gegründet worden und umfasste die Fakultät der Theologie, des kanonischen und des zivilen Rechtes; hinzu kamen später jene der Philosophie und der Medizin. Diese Universität hatte keinen festen Ort, sondern folgte eben dem Papst überall dahin, wo dieser sich hinbegab. Thomas wurde gebeten die philosophische Fakultät nach dem Pariser Modell und seinem Gutdünken neu zu organisieren.

Menschen aus ganz Europa befragten ihn über sehr verschiedene Themen, und er antwortete immer ohne Rücksicht auf die Intelligenz der Fragen und auch ohne Rücksicht auf den Rang derer, die sie stellten. Man erzählt sich, dass er einmal mit der Frage konsultiert wurde, ob alle Namen der Heiligen im Himmel auf einem Pergament aufgeschrieben seien. Darauf antwortete Thomas: »Wie weit ich sehen kann, steht hier nicht zur Debatte, sondern, ob das Aussprechen solcher Dinge nicht etwa Schaden einträgt.»

Als er in Anagni (1259-61 mit Alexander IV.) und in Orvieto (1262-1265 mit Urban IV.) lehrte, begann er die petrinischen Briefe auszulegen, schrieb dabei über den Römerbrief und über die ersten zehn Kapitel des 1. Korintherbriefs Kommentare. Zu derselben Zeit, vollendete er seine Redaktion der »Summa contra gentiles« (Summe, d.i. das zusammenfassende Werk gegen die Heiden). Obwohl er respektvollen Gebrauch von Aristoteles und den Platonisten, von Augustin und den »Kirchenvätern« macht, entwickelte Thomas doch eine von jenen unterschiedene Position. Die Originalität seines Philosophierens ist v.a. daran zu sehen,

  • wie er »Existenz« (esse) als den höchstrangigen Akt oder die Vollendung des Seins in Gott behandelt -
  • ebenso wie in den erschaffenen Dingen,
  • darin, dass er den Schöpfungsakt allein für Gott reserviert hat und
  • die Anwesenheit des Materiellen bei Engeln abstritt (u.a.).

Zur selben Zeit gab er auch seinen Kommentar zum Buch über die Namen Gottes (des Ps.-Dionysius des Areopagiten). Zwischen Frühjahr 1261 und Frühjahr 1263 traf er i Orvieto mit Albert von Köln zusammen, seinem Lehrmeister, der an den päpstlichen Hof von Urban IV. berufen wurde, als dieser den Papst bat, er möchte ihn von seinem Bischofsamt in Regensburg entlasten. Albert war zu jener Zeit ein »Doctor Universale«. Urban übertrug da dem Thomas das Amt, philosophische Studien zu begrüden, die heidnischen Philosophien, besoders des Aristoteles zu reinigen, damit sie der Theologie wirkungsvoller Nutzen bringen könnten. Zu diesem Zweck brachte ihm der Dominikanerbruder Wilhelm von Moerbecke, ein päpstlicher Kaplan, eine große ANzahl seinr Überetzungen von Werken des Aristoteles. So fertigte Thomas Kommentare z den drei Bücherdes Aristoteles, die man für verboten erachtete: De anima, De sensu et sensato und De memoria et reminiscentia, außerdem über die acht Bücher der Physik und die 12 über die Metaphysik des Aristoteles. Er wurde Lektor des Provinzilkapitels des Konvents, und Urban IV. beauftragte ihn mit der »Goldenen Kette über die Evangelien«, einer Kompilation von Texten der Kirchenväter, die die Evangelien erklärten. Im Auftrag des Papstes prüfte er auch die Schrift über den Glauben an die Hl Trinität, die von dem Bischof von Cotrone in Kalabrien stammte, der Sentenzen der Väter der griechischen Kirche über die Dreifaltigkeit gesammelt hatte. Als Ergebnis dieser Studien verfasste er Schriften, die später von katholischer Seite aus Licht auf die Irrtümer der griechischen Orthodoxie warfen (Contra errores Graecorum).

3.10. Tod Urbans IV.

Er widmete Urban IV. seine Auslegung des Matthäusevangeliums, nach seinem Tod 1264 widmete er die übrigen Auslegungen über die anderen drei Evangleien seiem Freund und Schüler, Kardinal Anibaldo degli Anibaldi. Trotz all dieser intellektuellen Anstrengungen beantwortete er immer alle Eingaben und Fragen, die an ihn von überall her gerichtet wurden.

Zwei Beispiele nur: Giacomo di Viterbo, der ihn wegen vier Gewissensfragen konsultierte, antwortet er mit seiner Schrift De emptione et venditione (»Über Kaufen und Verkaufen«).

Dem König von Zypern, Hugo II., antwortete er auf siene Frge, wie er am besten seine Pflicht als christlicher König erfüllen könne, widmete er das Werk »De regne et regno, das dann sein Schüler Bartolommeo dei Fiadoni vervollständigte.

Nach dem Tode Urbans erhielt er alle Privilegien des Predigerordens, Professoren und Studenten auszuwählen. Im Konvent von Santa Sabina in Rom lehrte er von 1265 bis 1267. Dabei predigte er in vielen Kirchen und Basiliken Roms. An einem Karfreitag predigte er von der Liebe Gottes zu den Menschen und über die Undankbarkeit der Menschen (die diese Liebe nicht beantworten), wobei seine Zuhörerschaft an einigen Stellen in Klagen ausbrach, so dass er sein Wort unterbrechen musste. Am darauf folgeden Sonntag, wurde eine Frau, die am Blutfluss erkrankt war (Leukorrhoe), geheilt, als sie ihn beim Hinausgehen an seiner »Cappa« berührte. Das hat jedenfalls Bruder Leonardo de Gaeta anlässlich des Prozesses der Kanonisierung vorgebracht.

An Weihnachten des Jahres 1265, das er auf dem Schlosse des Onkels seines Schülers Anibaldo verbrachte (in Molaria, westlich von Frascati), diskutierte er mit zwei jüdischen Rabbinern über die Göttlichkeit von Christus und löste alle ihre Schwirigkeiten, die sie mit diesem Umstand hatten; zuletzt fügte Thomas hinzu: »Denkt gut über all das nach, und morgen wollen wir unsere Konversation fortsetzen!« Aber die Nacht verbrachte Thomas am Fuß des Altars betend. Am nächsten Tag fand die Christvesper statt, und die beiden Rabbiner wollten nicht mehr weiter diskutieren, sondern Christen werden. Der Onkel Anibaldos, selbst Kardinal, ud die übrigen Gäste verabschiedeten sich und liefen zu der Kapelle, von wo man jemanden das »Te Deum« singen hörte. Es waren Thomas und Bruder Rinaldo, die andern schlossen sich ihrem Gesang an. Der Kardinal taufte die Juden, die sich entschlossen hatten, Christus anzunehmen. Am Weihnachtsfeiertag feierte man ihre Umkehr mit einem Gala-Diner, so berichtet es Bartolommeo di Capua.

3.11. Aristoteleskommentare entstehen

Die Päpste trugen ihm auf, vorchristliche (‘heidnische’) Autoren zu »säubern«, welche nur wenig vorher ungeheuere Verwirrung unter den Gelehrten hervorriefen, zumal Aristoteles und Averroes [dies ist der hispanisierte Name von Ibn Rushd, einem islamischen Philosophen (†1198), der eine besondere Seelen- und Intellekt-Lehre hervorbrachte, die auch zum größten Teil vom Judentum abgelehnt wurde]. Aus dieser Epoche der Auseinandersetzung mit diesem islamischen Gelehrten haben wir von Thomas Kommentare zu Aristoteles’ Physik, dessen Metaphysik, zur »Nikomachischen Ethik«, über Tastsinn und Gefühl, über Gedächtnis und Erinnerungsvermögen, über die Spätere Analytika und über die Bücher 1-4 der Politiká. Ebenso vollendete er die (oben bereits erwähnte) »Summa contra gentiles«, den ersten Kommentar zu den Paulusbriefen, den ersten der beiden Kommentare zum Hohenlied, zu den Klageliedern, zu Jeremia, den Traktat »Vom dem König und dem Königreich« (zur christlichen Regierung der Fürsten an den König von Zypern; s.o.) und die »Quaestiones disputatae (d.h. behandelte Streitfragen) über das Vermögen und das Übel«. Bei anderer Gelegenheit wurde Thomas von dem Erzbischof von Capua zu einem Kongress mit dem Kardinal Legaten eingeladen. Der Mann aus Aquino setzte sich zwischen beide, doch sein Geist verweilte noch bei dem »Zusammenfassenden Werk gegen die Heiden«, einem Werk, das er zu jener Zeit verfasste. Mitten in der Konversation rief der Ordensbruder unvermittelt aus: »Jetzt habe ich das, wonach ich gesucht habe!« Der Kardinal fühlte sich angegriffen, doch der Erzbischof, der schon an diese »abstractio mentis« (d.h. ) des Heiligen gewöhnt war, zog ihn an seinem Habitus, um ihm zu bedeuten, zum Gespräch zurückzukehren. Thomas entschuldigte sich und erläuterte, dass die Oberhirten ihn in voller Konzentration auf einen glücklichen Gedanken angetroffen hatten. Der Kardinal zeigte sich sehr erbaut.

Als Glied des Generalkapitels der Bologneser Dominikaner nahm er 1267 an der Überführung des Leibes des Hl. Dominikus zu jener Kapelle teil, wo er noch heute ruht. Bei einer seiner Reisen nach Bologna, wo er an der dortigen Universität lehrte, langte ein Bruder beim Kloster an, der ihn nicht kannte und fand ihn meditierend im Klosterhof einher wandeln und bat ihn, er möchte ihn zum Dorfe begleiten, wie es die Satzungen des Ordens forderten, da er dort einige Gänge zu erledigen habe. Der Prior hatte ihm aufgetragen, einfach irgendeinen Bruder, der gerade ohne Geschäfte sei, mitzunehmen. Ohne zu wissen, worum es gehe, gehorchte er und begleitete den Bruder, während jener ihn tadelte, dass er so langsam gehe! Als man ihm schließlich sagte, wer denn sein Begleiter sei, fühlte er sich fürchterlich beschämt; jedoch war es Thomas, der sich entschuldigte: »Mach dir keine Gedanken, lieber Bruder ... Ich habe schuld ... Ich bitte dich nur um Entschuldigung, dass ich dir nicht nützlicher war.« Als der Prior ihn fragte, wieso er ihm nicht gesagt habe, dass er ein Lehrer sei, erwiderte er: »Gehorsam ist die Vollendung des religiösen Lebens; weil auf diese Art ein Mensch sich um der Liebe Gottes willen einem anderen unterordnet, wie ja auch Gott sich dem Menschen fügte für dessen Heil.«

Später wurde er von Papst Clemens IV. nach Viterbo gerufen, wo er sich zwischen 1267 und 1268 aufhielt. Nicht nur, dass er seine Kurse und Dispute fortsetzte, sondern auf Geheiß des Papstes predigte er auch dem Volk von Viterbo. Themen, die er erörterte war u.a.: »Über geistliche Kreaturen«, »Von der Seele«, »Von den Tugenden im Gemeinsamen«, »Über die Liebe« und »Vom Fleisch gewordenen Wort«.

Außerdem begann er mit dem zweiten Teil der »Summa«. Man hat die Summa auch mit »Theologische Synthese« übersetzt. Er hatte diese Arbeit beghonnen mit dem Ziel, dass man eine Anleitung für junge Studenten der Philosophie und der Theologie zu haben. Wie Zeugen berichten, diktierte er nicht nur drei oder vier Sekretären zur gleichen Zeit und über verschiedene Themen, sondern diktierte auch, während er auf seinem Lager ausruhte, ja sogar beim Einschlafen!

3.12. Auseinanderstzung mit dem Neuplatonismus und den Averroisten

Von historischem Belang ist, dass Thomas sowohl den averroistischen Interpretationen des Aristoteles als auch den Franziskanern, die geneigt waren, griechische Philosophie zu verschmähen und zurückzuweisen, widersprach. Das Ergebnis war ein neuer »modus vivendi« (eine Harmonisierung, ein Übereinkommen) zwischen Glauben und Philosophie, welcher zu überleben vermochte - bis die moderne Physik aufkam. Thomas’ theologisches Schrifttum wurde für die katholische Kirche regulativ, und seine eng am Text entlang gehenden Kommentare zu Aristoteles stellen eine Quelle ersten Ranges dar, welche auch in späterer Zeit kulturgeschichtlich immer stärkere Beachtung fand. Der folgende Bericht konzentriert sich auf Thomas den Philosophen und grundlegenden Anhänger des Aristoteles.

1268 brach der Konflikt mit den Fakultäten aus. Auf Geheiß des Papstes, des Universitätsvorstands und des Königs Ludwig des Frommen hatte er nach Paris zu reisen. Er sollte dort bis 1271 bleiben. Die lateinisch sprechenden Averroisten, die Sigerio von Brabant folgten hatten die Fakultät besetzt, da sie meinten, Albertus Magnus und er hätten das peripatetische System korrumpiert. Auf der anderen Seite hatten die augustinischen Neuplatoniker die theologische Fakultät bestzt, da sie alles, was nur nahc Aristoteles roch, als Häresie denunzierten. Er musste sich mit den Feinden des Bettelordens auseinanderstzen. Die Verwirrung war tatsächlich sehr groß.

3.13. »Wie Stroh im Wind«

Er hatte sich mit Fragen des Gerard de Besançon auseinander zusetzen, der ihn über sechs Streitfragen konsultierte und einem Ritter, der ihn über das verborgene Wirken der Natur befragte, und er fuhr mit der »Summa« fort, von der er im Jahr 1270 den ersten Abschnitt des Zweiten Teils vollendete, der sehr berühmt werden sollte. »Ist beweisbar, dass Gott existiert? Dass Gott existiert, kann in fünf Beweisgängen bewiesen werden: causa movens ipse amota, causa efficiens prima, esse necessarium, perfectio, causa finalis intelligens (Absolute Bewegungsursache, erste Wirkursache, notwendiges Sein, Vollkommenheit, intelligente Finalursache)«(Summa Theologiae (=ST), Teil 1, Untersuchung 2, Artikel 1).

Das verwirrte Treiben an der Pariser Universität hörte nicht auf. Im März 1272 wählte die Fak. der Künste zwei Rektoren. Später wurde die ganze Universität mit dem Bischof Tempier konfrontiert. Schließlich kam es zum offenen Kampf. Der König von Neapel, Charles d’Anjou, entschied schließlich, Thomas als Professor an seine Universität zu bestellen. Also besetzte er den dortigen Lehrstuhl. Er predigte auch von der Kanzel der Kirche des Hl. Domenicus, jeden Tag vom 12.2. bis 9.4.1273 auf neapolitanisch; einmal über die zehn Gebote, dann über die Liebe, das Vater-Unser, über das Apostolische Glaubensbekenntnis, etc. diese Predigten wurden niedergeschrieben, ins Lateinische übersetzt und als Kommentare veröffentlicht. Die Massen kamen in der Kirche scharenweise zusammen und hörten ihm mit solcher Aufmerksamkeit zu, als ob Gott selbst sprechen würde. Seitdem hieß er Doctor communis ecclesiae.

Als er zwischen Ostern und Pfingsten 1273 über Leben, Passion und Tod des Heilands und an dem Traktat über die Buße schrieb, war er völlig in der Versenkung diser großen Geheimnisse absorbiert. Einmal während der Messe wurde sein Angesicht mit Tränen erfüllt und sein Geist war völlig entschwunden. Er hatte bestimmte Gesichte, doch erzählte er niemand davon. In der Niklaskapelle in Neapel hatte er einmal eine sehr lange Verzückung und vergoss viele Tränen, obwohl er nicht traurig war. Da ließ er das Diktat sein und stellte seine Schreibwerkzeuge weg. Seine Assistenten und Rinaldo di Piperno wollte in seiner Zelle wissen, wann sie mit dem Schreiben fortfahren sollten. Doch er ließ sie freundlich wissen, er könne nicht mehr Rinaldo sah nur, dass die Kodizes, Federn und Tintenfässchen im Schrank stanen. Thomas selbst auf dem Boden kniend und weinend. »Wieso hast du aufgehört, ein solch großes Werk auszuführen, das du begonnen hast, um Gott zu preisen und die Welt zu erleuchten? Da erwiderte Thomas: Rinaldo, ich kann nicht mehr. Rinaldo machte sch Sorgen um seine Gesundheit, er glaubte, dass dies vom Fasten und der ungeheueren intellektuellen Anstrengung komme. Doch erneut antwortete er: Ich kann nicht mehr, da alles, ws ich geschrieben habe, im Hinblick auf das, was ich gesehen habe und mir enthüllt worden ist, wie leeres Stroherscheint. Wenig später machte er eine Reise zum Schloss San Severino. seine Schwester fand ihn schweigend Ist er außer sich oder kann er ein Wort an mich richten? Rinaldo erwiderte: »Der Meister leidet häufig an Geistesabwesenheit, wenn er sich in die Kontemplation versenkt, doch noch niemals so wie jetzt, wo er seinen eigenen Sinnen fremd ist.« Thomas selbst sagte einmal, beim Gebet auf den Knieen vor dem Altar habe er mehr gelernt als durch die Lektüre seiner Bücher.

3.14. Heiliger und Gelehrter der katholischen Kirche

Es gibt verschiedene Universitäten und Kollegs, die Thomas von Aquin zu ihrem Patron machten: University of St. Thomas (im Schild dieser Universität: »Crescamus in Christo!« Lasst uns in Christus wachsen!), das Aquinas-College (Spruch dieses Kollegs: »Veritas vincit« - die Wahrheit siegt) In der »Summa Theologiae« geht er vor allem der Frage nach: »Ist Gott beweisbar?« und untersucht in diesem Zusammenhang gewissenhaft die Berechtigung und die Möglichkeit von Gottesbeweisen. Nun kann man fünf Arten (die »viae quinque«, also die »Fünf Wege zu Gott«) von legitimen Beweisen oder Beweisgängen der fünf Einzelbeweise aufstellen: Den Beweis aus der Bewegung, den Beweis aus den Wirkursache, den Beweis aus der Kontingenz, den Beweis aus den Seinsstufen, den Beweis aus der Lenkung der Dinge (teleologischer Beweis). Die Frage lautete für Thomas genauer: »Kann ich durch meine natürliche Vernunft, (ohne geoffenbarte Zusatzinformationen von Gott her) das Dasein Gottes sicher erkennen?« Dies zu klären ist Aufgabe des Philosophen, der sich an strenge, nachvollziehbare und logische Kriterien zu halten hat und sich daran auch messen lassen muss. Es gab schon vor dem Aquinaten aus dem 13. Jahrhundert Gelehrte, die solche Beweise erarbeitet hatten; der bekannteste von ihnen: der ontologische Beweis des Anselm von Canterbury.

Thomas’ Beweise sind bis heute immer wieder hart angegriffen worden, auch und gerade von Christen. Doch sind seine Argumentationen in seinen beiden Werken »Summa theologiae« (Summe der Theologie) und der »Summa contra gentiles« (Summe gegen die Heiden) im Grunde doch recht lichtvoll.

In einem ersten Schritt werden die Berechtigung und Möglichkeit der Gottesbeweise, aber dann auch deren Grundlagen erörtert und gegen Einwände (Kritik und Gegenkritik) verteidigt.

3.15 Apotheose des Thomas und Verbreitung aquinatischer Schriften auf der ganzen Erde

Thomas von Aquin wird von der römisch-katholischen Kirhe als ihr größter Theologe und Philosoph betrachtet. Paps Johannes XXII. kanonisierte ihn im Jahr 1323, and Pius V. erklärte ihn 1567 zum Doctor der Kirche. Leo XIII. machte ihn zum Patron der römisch-katholischen Schulen im Jahre 1880.

3.16 Der bekannte Ausspruch Leos XIII. und verschiedene Editionen von Thomas’ Schriften

Er rief aus: »Der gelehrteste der Heiligen und der Heiligste der Gelehrtes!» Am 4. August des Jahres 1879 (Tag des Dominikus) wurde in der Enzyklika Eternis Patris die Wiedereinführung von Philosophie und Theologie auf der Grundlage der Lehre des Hl. Thomas in Aussicht gestellt, den er Fürst und Lehrer aller scholastischen Gelehrten nannte. Sofort wurden überall auf der Erde Briefe auf Initiative dieses Papstes, die dies Vorhaben unterstützen sollten. Kardinalpräfekt der Kongregation der Studien, der Kard. Erzbischof von Neapel und viele andere Bischöfe der katholischen Welt. Am 15 Oktober 1878 hat die »Academia Romana di Santo Tommaso di Aquino« durch die Charta »Jam pridem« wiederum Thomas’ vollständige Werke herausgegeben. Am 18. Januar 1880 hat in einer anderen Enzyklika eine Neuedition der vollständigen Werke des Thomas, welche genannt wird »Leontinische« Edition.

4. Nachwirkungen bis ins 20. Jahrhundert (Verehrung im Katholizismus)

Volkstümliche Huldigung

Wenn die Volkstümlichkeit des Thomas nicht die der wundertätigen Heiligen ist, so ist diese doch prinzipiell - seine Brüder aus dem Orden haben daran gedacht, an allen Orten, wo er sich aufgehalten hat, auf seine stoßen soll, in verschiedenen Kirchen und Kapellen, auch wenn sie sich weit entfernt von Universitätszentren befinden.

Über Thomas aus beredtem Mund

Es folgen nun Beweise der Huldigungen von Päpsten aller Jahrhunderte: Papst Leo IIX. gebot dass die Schriften des Aquinaten von allen Theologiestudenten studiert werden müssen. Am 11 Apr. 1567 wurde er von Pius V. in der »Constitutio mirabilis Deus« als Gelehrter der Kirche ausgerufen. Derselbe Papst ordnete 1570 eine vollständige Ausgabe der Schriften des Heiligen an, die sog. Editio Piana, welche 18 Foliobände umfasste, ediert zwischen 1570 und 1571. Sixtus V. befahl, man solle ein Bildnis des »engelhaften« Gelehrten malen und in der Vatikanischen Bibliothek aufhängen; er solle in der Linken die Kirche, in der Rechten, im Schreiben begriffen, eine Feder, von seiner Brust sollen Lichtstrahlen über diese Kirche ausgehen, worauf in der Mitte die Inschrift stehen solle: »Die Schriften des Heiligen Thomas über Christus, werden von dem gekreuzigten Christus gebilligt!« Im Jahr 1594 empfahl Clemens VIII. der Societas Jesu, sie solle sich an die Lehre des Aquinaten halten. 1603 erklärte man St. Thomas von Aquin zum Patron von Neapel; daraufhin wurde folgende Inschrift angeordnet: »Doctrina sanctitate superlativus - Aquinas: Salz der gesamten Erde, Licht der ganzen Welt und Staat unter den Staaten, welcher sehr wohl als zweiter Paulus gelten kann.«

Im Jahr 1628 wurde eine großartige Krypta in Toulouse errichtet, die während der französischen Revolution zerstört wurde - hierin sollten Überreste des Heiligen aufbewahrt liegen. Am 23. April 1718 gibt Clemens der Elfte seine feierliche Bestätigung oder Billigung zu den Statuten der Akademie von St. Thomas in Rom während der »Constitutio inescrutabilis«. Am 14. Februar des Jahres 1730 ordnete Benedikt XIII. für die Unbeschuhten Karmeliterinnen der Provinz Kastilien an, sie sollten den Lehren der Heiligen Thomas als Licht der Kirche folgen. Der rechte Arm des verehrten Heiligen, den man in der Pariser Universität aufbewahrt hatte, wurde während der französischen Revolution in die Kirche des Dominikanerordens von Santa Maria sopra Minerva, Rom, übergeführt.

Am 7.3. desselben Jahres proklamiert Papst Leo IIX. in der Ansprache »Pergratus nobis«, es sei absolut notwendig, die Philosophie des Thomas zu studieren, usw.

Pius X. hat auch einige ähnliche Sendschreiben verfasst, so die Enzyklika »Pascendi« von 1907, ferner 1910, 1914 (27.07.), worin er 24 Thesen des Thomas approbiert; die religiösen Lehrer, verordnete Benedikt XV. im Mai des Jahres 1917 sollen sich mit geistlichem Eifer der Methode, Lehre und den Prinzipien des Heiligen Thomas widmen. Ein weiteres Dokument ist die Enzyklika »Fausto appentente die« vom 29. Juni 1921, worin oben Stehendes noch bestärkt wurde. Ähnliches tat Pius XII. im August 1922 in seiner »Carta Apostolica« über die Erziehung des Klerus, worin er ebenfalls das Studium der thomistischen Schriften empfahl. 1974 hat Papst Paul VI. während der Handlungen zum Gedächtnis (700-Jahr-Feier) des Todes des Thomas eine echte Treue zu Thomas empfohlen; die Lehre des Aquinaten empfiehlt er des Weiteren in theologischen Fakultäten auf der ganzen Welt in der apostolischen Konstitution »Sapientia Christiana« 1979. Der Kodex der kanonischen Rechte, 1983 revidiert, besagt, dass der Hl. Thomas ein Lehrer sei, der die Studenten der katholischen Theologie zu einer größeren Durchdringung der Dienste an der Erlösung führen könnte.

Zuletzt ist 1998 in der »Carta Encyclica ‘Fides et Ratio’« von Johannes Paul II. ein ausgiebiger Abschnitt dem »Doctor Angelicus« (dem engelsgleichen Gelehrten) gewidmet. Er ist nicht nur Patron der katholischen akademischen Lehrer, sondern auch überhaupt der akademischen Lehrer, Patron der Universitäten, Kollegien und Schulen, der Apologeten, der Philosophen und Theologen, usw., gegen Folterqualen, er ist weiterhin Patron der Keuschheit (= wohl des Zölibats), vgl. den Abschnitt über die Versuchung des Thomas mit der Prostituierten, der er wacker widerstand, seinen Eintritt in den Orden der Dominikaner und die Vertreibung der Frau sowie den Traum, worin einige Engel ihn erquickten und ihm eine Stola mit dem Siegel ewiger Keuschheit überreichten. »Unser geliebter Sohn, Thomas v. Aquin, hervorragend wegen Deiner edlen Abstammung und wegen der Ausstrahlung Deiner Tugenden, dem die Gnade Gottes den Schatz der Wissenschaften und der Heiligen Schrift anvertraut hat« (Papst Alexander VI. in einem Brief an ihn selbst). »Sein Wissen kann nicht erklärt werden ohne an ein Wunder zu denken!« - »Weil Thomas die Kirche mehr als alle anderen gelehrten erleuchtet hat...«(Beide Zitate: Papst Johannes XII. im Jahr 1923) »Welche ihn bekämpft haben, sind des Irrtums verdächtig.« (Papst Innozenz VI., †1362) - »Ihr müsset der Lehre des seligen Thomas folgen als wahrhaftige und katholische und sie mit all denen Kräften anwenden und lehren.« (Papst Urban V. in einem Brief an die Universität in Toulouse 1368) - Der heiligste der gebildeten Menschen und der gebildetste unter den heiligen!» Kardinal Johannes Bessarrion (†1472)

»Weil ich die tiefste Verehrung für die Heiligen Lehrer aus früheren Zeiten habe, habe ich auf eine gewisse Art Intelligenz von ihnen allen erworben. (Kardinal Thomas de Vio Cajetano, Generalmeister des Ordens der Prediger, †1534) - »Die Kirche besitzt zwei unvergleichliche Monumente, den Katechismus und die Summa Theologica des heiligen Thomas von Aquin, die eine ist für die Erleuchteten, die andere für die Gebildeten (Beato Antoine-Frédéric de Ozanam«, †1853) - »Unter den scholastischen Gelehrten beansprucht Thomas von Aquin einen hervorragenden Platz als Fürst und Lehrer unter ihnen allen.« - »Wir fordern euch dringend auf, für die Verteidigung und den Ruhm des katholischen Glaubens und für das Wohlergehen der Gesellschaft, für den Fortschritt aller Wissenschaften die kostbare Weisheit des heiligen Thomas zu erneuern und sie so weit als nur irgend möglich zu verbreiten.« (Leo XIII. in der Enzyklika »Aeterni Patris«, 1879) - »Jene, die wahrhaft Philosophen werden möchten, sind verpflichtet, sich den Prinzipien und Grundlagen seiner Lehre zu widmen.« (Leo XIII. in einem Brief an den Orden der Minderen Brüder (Franziskaner) im Nov. 1898.) - »Seit des seligen Ablebens des heiligen Gelehrten gab es kein einziges Konzil, in welchem er nicht gegenwärtig gewesen wäre mir all dem Reichtum seiner Lehre.« (Pius X.). - »Die Kirche erklärt, dass die Lehre des Thomas die ihrige ist.« (Benedikt XV. in der Enzyklika »Fausto appentente die, 1921«) - »Wir raten allen, die Hunger nach der Wahrheit haben: Geht zu Thomas von Aquin« (Pius XI. im Juni 1923). - »Welcher Reichtum der Sehweisen, der Perspektiven, in alle Richtungen hin . . . wenn man sie vergleicht mit dem dürren Gerippe einer heutigen Gebrauchsanweisung!« (Hans-Urs von Balthasar 1964) - »Zum ersten Mal geschah es, das ein ökumenisches Konzil einen Theologen empfiehlt, das geschah mit dem Heiligen Thomas.« (im II. Vatikanischen Konzil; Paul VI. in »Lumen Ecclesiae« 1974) - »Unersetzlicher Meister der menschlichen und göttlichen Weisheit!« (Paul VI.)

»Seit Beginn meines Pontifikats habe ich auch nicht eine einzige Gelegenheit auslassen, die herausragende Gestalt des heiligen Thomas herauszustellen (...) dieser große Lehrmeister, dessen Lehre so oft von meinen Vorgängern gerühmt und empfohlen wird, tut auch heute Fürbitte und stellt ein Beispiel für alle Glieder der katholischen Schule dar.« - Im Leben und Werk des heiligen Thomas finden wir ein hervorragendes Modell des Schülers wie auch eines katholischen Lehrers.« (Johannes Paul II)

 

(5) Wie beantwortete Thomas die vier philosophischen Fragen?

(1) Wer oder was ist der Ursprung von allem? (Ontologie)

Gott schuf das stoffliche Universum und alles, was existiert.

(2) Was ist wahrhaft wertvoll? (Tugendlehre)

Gott ist der letztgültige Wert.

(3) Erkenntnis (Epistemologie)

Die Wahrheit kann man erkennen, sowohl durch die Vernunft als auch durch Offenbarung. Sie sind beide von gleichem Wert; hauptsächlich in diesem Vereich ist Thomas von Aquin von dem biblisch-christlichen Weltbild abgewichen.

(4) Welches ist die Letzte Bestimmung? (Eschatologie)

Gott und die in seinem Reich werden regieren, wenn Christus wiederkommt. Wir gelangen durch die Erlösung mittels des Glaubens in Sein Reich, aber »geistlich« sind wir erst mittels guter Werke. Das ist der Irrtum der Lehre der Galater (manchmal spricht man auch von »Galatianismus«):

Oh, unverständige Galater! Wer hat euch bezaubert, denen Jesus Christus als gekreuzigt vor Augen gemalt wurde? Nur dies will ich von euch wissen: Habt ihr den Geist aus Gesetzeswerken empfangen - oder aus der Kunde des Glaubens? Seid ihr so unverständig? Nachdem ihr im Geist angefangen habt, wollt ihr’s jetzt im Fleisch vollenden?« (Gal. 3,1-3)

6. Was glaubte Thomas von Aquino?(1)

6.1 Vom Menschen:

Thomas glaubte, dass alle Tiere und alle Pflanzen eine Seele hätten; Pflanzen hätten die niedrigste Form der Seele und Tiere eine höhere Seele. Der Mensch als Vernunftwesen hat die höchste Form der Seele. Er ist demzufolge Gottes höchste Schöpfung. Über dem Menschen kommen noch die Engel in der Schöpfungsordnung. Thomas glaubte, dass Adam mit der ursprünglichen Gabe der Gerechtigkeit (Rechtbeschaffenheit) erschaffen worden war, als er in Sünde fiel und der Mensch verderbt wurde. Diese sündige Natur ist dem Menschen eingeboren, in ihn hineingelegt. Trotzdem bedeutet die sündige Natur des Menschen nach Thomas nicht, dass der Mensch völlig verderbt sei, während Körper und Geist des Menschen vom Sündenfall betroffen sind, ist doch der Intellekt nicht von Adams Fall beeinflusst; die menschliche Fähigkeit zum rationalen Denken ist nicht vom Sündenfall befleckt und ist fähig, durch Denken zu erkennen, zu wissen und zu tun, was gut ist. Hinzu kommt noch, das der menschliche Wille nicht völlig verderbt ist.

Der Mensch ist moralisch frei, um das Gute zu tun, auch wenn diese Freiheit durch den Sündenfall vermindert ist, und es gibt bestimmte gute Werke, die der gefallene Mensch nicht tun kann. Der Mensch wird gerettet durch den Glauben an Christus allein, - keine Tat, keine fromme Handlung kann dem Menschen Rettung bringen. Christus hat das Lösegeld für die Sünden übergenug bezahlt. Und dieses sein Erlösungswerk gab Christus außergewöhnliche Verdienste in seinem himmlischen Schatzhaus (‘Reservoir’), welche Er in seiner Gnade austeilt. Gottes Gnade ist der Schlüssel zur Errettung des Menschen.

Trotzdem, so lehrt der Aquinate, - sind wir einmal erlöst, so können wir uns doch einen Lohn verdienen: dies sind unsere guten Taten, so dass wir solchermaßen durch gute Werke »gerettet« werden. Thomas von Aquinas glaubte auch, dass die Heiligen, die von der Kirche in den Kanon aufgenommen sind, nicht nur die zehn Gebote befolgt hätten, sondern auch Keuschheit, Armut, Gehorsam, also durch Tugenden, die Gottes Forderungen noch überschreitet. Deswegen verdienen diese extra-Verdienste, welche in Gottes himmlischen Reservoir sozusagen »gelagert« sind. Betet der Mensch nun zu den Heiligen und erfleht er deren Segen, so können die Heiligen sehr wohl extra-Verdienste an ihn übergeben. Die Heiligen sind also sozusagen mitbeteiligt an der Erlösung des Menschen.

6.2 Über Gott

Thomas nahm für sich das Beweis-Argument des Aristoteles des »unbewegten Bewegers« auf [Gott hat alles in der Schöpfung in Gang gebracht, bleibt selbst aber unwandelbar (vgl. Jakobus 1,17 - Jede gute und vollkommene Gabe aber kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten)]; trotzdem sah Thomas von Aquino Gott als persönlich an und als in der Schöpfung handelnd, und nicht etwa als unpersönliche Gottheit, wie Aristoteles ihn ansah.

Gott existiert und alles existiert, weil Gott es erschaffen hat. Gott ist sowohl ewig als auch allmächtig (souverän). Eigenschaften wie Weisheit und Macht sind beim Menschen begrenzt, jedoch in und bei Gott in vollkommener Weise vorhanden und gegeben.

6.3 Erkenntnis

Thomas glaubte, dass die Vernunft oder das rationale Denken die christliche Offenbarung ergänzen soll, glaubte also, dass das heilige Werk eine höhere Berufung oder eine wichtigere sei als das weltliche Werk. Die Laien sind also abhängig von den Priestern, welche die »verdienstlichen Werke« vermöge ihrer höheren Berufung ausführen, und so auf Laien mehr Gnade austeilen können.

7. Der Einfluss des Glaubens des Thomas

Im 19. Jahrhundert wurde er als offizieller Interpret (Deuter; Ausleger) der Lehre der römisch-katholischen Kirche bestimmt (s. Punkt 4). Vieles der römisch-katholischen Lehre, einschließlich das Gebet der Heiligen, und das Gebet zu ihnen, ebenso Entscheidungen der Kirchenkonzilien, seien der Heiligen Schrift gleich zu achten, und die Vertrauenswürdigkeit der Priester zu Bekenntnis und Kommunion (Austeilung der Sakramente durch die ordinierten und geweihten Priester und ausschließlich durch sie) kommen in hohem Masse unmittelbar aus thomistischen Schriften - und so ist es noch heute!

Als Ergebnis davon, dass sie biblisches Christsein nicht angewandt haben, schlich sich Irrtum in die Kirche ein und ebnete den Weg für die Entwicklung des Renaissance-Humanismus, hatte doch Aquinas die rationale Fähigkeit des Menschen gleich erachtet der göttlichen Offenbarung in der Bibel , und so war es nur eine Frage der Zeit, dass die Renaissance-Humanisten dem allem noch die Krone aufsetzten, dass sie die biblische Offenbarung gänzlich verachteten. In Nordeuropa verwarfen nun Theologen und Denker der Reformation das rationale Denken insofern, dass er nicht eigentlich zur Wahrheit verhelfe und gründeten sich wieder auf die Bibel als dem Wort Gottes und höchsten Wahrheit mit dem reformatorischen Ausruf »Sola Scriptura!«

8. Unsere Antwort

Wir müssen zur Bibel als zur alleinigen Quelle der Wahrheit zurückkehren. Der Mensch ist im Bildnis Gottes geschaffen, und ist nicht nur »das höchste Lebewesen, von allen, die Gott erschuf«! Der (unerlöste!) Mensch ist völlig das Ergebnis der Sünde, und zwar im Hinblick auf seinen Leib, seine Seele und seinen Geist. Daher ist Wille und Intellekt gefallen. Vgl. Sprüche 23,7 Wie ein Mensch in seinem Herzen denkt, so ist er. Wir müssen diesen Lehrsatz verwerfen, dass jemand Gottes Gunst durch gute Werke erwerben könne, weil dies ja nun nicht angehen kann, und müssen, was unsere Errettung anlangt, auf Jesus Christus allein bauen. Den Irrtum der Galater verurteilt der Apostel Paulus in der gleichnamigen Epistel als Häresie.2 Gebet zu den Heiligen ist nicht schriftgemäß, denn es gibt einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich den Menschen Christus Jesus. (1.Timotheus 2) Wir müssen zurück kehren zu dem Licht der in der Bibel bezeugten Offenbarung.

(5) Übersetzt und zusammengefasst aus: W.A. Hoffecker/ G.S. Smith: »Building a Christian World View«, Band I., Prebyterian and Reformed Publ. Company, Phillipsburgh, New Jersey (USA)

Wirklich gutes Material eines Mannes, der noch mehr im Reich Gottes bewirkt hat, ja dieses überall aufbrechen sah



1