Zeugnisse über Augustin
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„Die dreizehn Bücher meiner Bekenntnisse sowohl über meine üblen wie auch über meine guten Taten loben Gott als den Gerechten und Gütigen ... sie rütteln den Leser in seinem Verstand und seinem Gefühlsleben auf. Vielen Geschwistern haben sie, wie ich weiß, gefallen und werden auch noch anderen gefallen.“
— Retractationes 2,6,1
Augustinus (= A.): Wollen wir glauben, dass Gott uns helfen wird!
Ratio (= R.): Ja, wenn auch dieses in unserer Macht steht.
Augustin (= A.) – Gott selbst ist unsere Macht.
Ratio (= R.) – So bete also so kurz und inbrünstig, wie du nur kannst.
A. – „Du immer gleicher Gott, mich möchte ich, dich möchte ich erkennen!“ Das Gebet ist zu Ende.
(“Deus, semper idem (scil. sit), noverim me, noverim Te!”)
R. – Ja, wie willst du dich denn kennen – weißt du, dass du existierst?
A. – Ja, ich weiß es!
R. – Woher weißt du’s?
A. – Das weiß ich nicht!
R. – Denkst du, dass du einfach bist oder mehrfach?
A. – Ich weiß es nicht!
R. – Ist dir bewusst, dass du dich bewegst?
A. – Ich weiß es nicht!
R. – Ist dir bewusst, dass du denkst?
A. – Ja!
R. – Ergo ist’s wahr, dass du denkst!
A. – Ja, das ist wahr! So ist es.
R. – Weißt du, dass du unsterblich bist?
A. – Nein!
R. – Was von all dem, was dein Wissen und Begreifen übersteigt, willst du zuallererst wissen?
A. – Ob ich unsterblich bin.
R. – So liebst du es zu leben?
A. – Ich gesteh’s ein.
R. – Was - da du doch gelernt hast, dass du unsterblich bist, wird das genug sein?
A. – Das dürfte zwar eine großartige Errungenschaft sein, jedoch ist mir das noch zu wenig.
R. – Trotzdem erfreut dich gerade dieses Wenige?
A. – Allerdings, gar sehr.
usw. ...
— „Selbstgespräche“ 2,1
Sooft ich die Bücher deiner Bekenntnisse lese, schwanke ich zwischen zwei entgegengesetzten Emotionen, nämlich zwischen Hoffnung und Furcht; ich meine sie nicht ohne Freudentränen lesen zu können – nicht etwa über den Bericht der Pilgerschaft eines anderen, sondern über meine eigene.
— Francesco Petrarca im „Secretum“
Die Wahrheit, von der Augustin spricht, deckt sich mit dem hebräischen Begriff von Wahrheit, der sich semantisch eng benachbart zu treu, wahrhaft, aufrichtig im Handeln befindet. Es handelt sich beileibe nicht nur um eine reine Formel, vielmehr um die Wahrheit, die die Qualität einer lebendigen Person kennzeichnet. 3 Augustin ‘machte die Wahrheit’ – in diesem Sinne wurde er selbst wahrhaft . . .
„Vor vielem sicher ist, daß in De ordine sich nicht die mindeste sichere Spur von Neuplatonismus vorfindet, obwohl genug Gelegenheit dazu war. Auch Contra Academicos und De beata vita verraten nichts Sicheres davon.“
— A. Dyroff, in dem Sammelband Aurelius Augustinus (Köln, 1930), Seite 47
Besorgnis durchzieht die “Bekenntnisse” so sehr, dass sogar die sich aus ihnen
ergebende Erzählstruktur (unbewusst) davon beeinflusst wird. Haben wir schon auf der ersten Seite gelesen, dass unser Herz ruhelos ist, bis in Gott Ruhe gewährt wird, so erwarten wir mit gutem Grund, dass im Text eine Bewegung von Ruhelosigkeit zu einer Art Ruhe stattfindet, von Angst zu einer bestimmten Gelassenheit.
In gewisser Hinsicht trifft das auch zu: die Besorgnis
flieht die Taufe in Cassiciacum; am Anfang und am Ende des Werks freut sich
sein Verfasser auf die Gelassenheit endlosen Lobgesangs im Himmel.
Doch hinterlässt die Bekehrungsgeschichte den Eindruck eines unsicheren und
ängstlichen Augustin, jedenfalls mehr, als wir erwartet hätten. Es fehlt
die Vision als Frucht und eigentlicher Höhepunkt der so optimistischen
“Bekenntnisse” – statt dessen lassen die zweite Hälfte von Buch 10 sowie
die Bücher 11 bis 13 als Ganzes – allen modernen Versuchen, diesen Teil in eine kohärente Schablone zu pressen,
zum Trotz – eine (erwartete) Bewegung vom inneren Aufruhr hin zu einer Beruhigung
vermissen und Augustin noch immer über große und kleine Angelegenheiten besorgt
erscheinen.
Wann wurde es Augustin möglich, wann wurde es für ihn notwendig,
jene unausgesetzte Anspannung zu ertragen? – Wir wissen es nicht. Zur Zeit der Ereignisse,
die in den ersten neun Büchern geschildert werden, erwartete er sicher mehr Ruhe, die auf seine Bedrängnisse folgten. Nach oben springen . . .
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