Magi de Saba veniunt . . .

Wer waren diese Männer?

Sie waren gar keine Könige. Sie dürften auch nicht aus dem Orient gekommen sein. Doch wonach waren sie überhaupt her?
Die Erzählung de drei weisen Männer, die dem Stern über Bethlehem zu dem Stall folgen, wo Jesus lag, ist eine der bekanntesten und beliebtesten Geschichten. Sieht man allerdings näher hin auf den Bericht (Matthäus 2), so zeigt sich und, dass die Weisen nicht so waren, wie wir sie gewöhnlich betrachtet haben. Wer waren sie dann und was taten sie?
Das Wort »Magi« ist die Pluralform des lateinischen Wortes »magus«, das sich im Altertum auf einen aus dem Osten stammenden Priester bezog, der in der Kunst der Traumdeutung und in der Kunst, Zeichen am Himmel zu interpretieren, unterwiesen war. Die »Magi« im Evangelium des Matthäus waren weder Könige noch »Weise« im modernen Sinn des Begriffs. Eher waren es Astrologen (vom griech. »astér«, d.h. »Stern«). Auch besagt diese eine Geschichte über sie im Neuen Testament nicht, dass es sich um drei von ihnen gehandelt habe. Diese spätere Vorstellung leitete man von dem Umstand her, dass in Matth 2.11 steht, sie schenkten dem Christuskind drei Gaben.

Fenster aus Chartres um 1200

Woher kamen sie eigentlich?

Aus Matthäus 2 geht nicht vollkommen klar hervor, ob wir glauben sollen, die Magi besuchten Bethlehem von irgend einem Ort östlich von Israel oder von irgendwo im Norden und dann ein wenig westlich. Die Frage stellt sich, weil es möglich ist, Matth 2.2 entweder mit »Wir sahen seinen Stern bei seinem Aufgehen« oder »wir sahen seinen Stern im Osten« zu übersetzen. Sei es, wie es wolle, in jedem Fall gingen Sterne nicht im Westen auf. Ebenso wie die Sonne scheint auch der nächtliche Himmel vom Osten her in Richtung Westen aufzugehen. Wenn die Magi den Stern im Osten sahen, so müssen sie westlich von Bethlehem gewesen sein und reisten also gen Osten. (V. 12 steht auch »«Sie kehrten in ihr Land zurück, doch kann der Text bedeuten, sie sahen ihn im Osten aufgehen und folgten ihm, während er sich in eine westliche Richtung bewegte. 

Man glaubte weithin in der griechisch-römischen Welt, dass die Geburt von Königen und Kaisern und anderer illustrer Personen in den Sternen im voraus angekündigt wird. Sternbeobachter waren gewöhnlich die Ratgeber von Königen im Nahen Osten; so ist es durchaus nicht erstaunlich, wenn wir »Magi« im Gefolge eines gebildeten Königs wie Herodes finden, die hinsichtlich dieses Omens um Rat gefragt wurden.

Die »Magi« dürften vermutet haben, dass Herodes ebenso über Astrologen verfügte, welche das Zeichen der Ankunft dieses neuen Königs in seiner Umgebung gesehen hatten. 

Herodes schickt die »Magi« fort, um den präzisen Ort herauszufinden, den der Stern als Geburtsstätte für den Säugling angegeben hatte. Vordergründig hat der judäische König im Sinn, dem neugeborenen Königskind Ehre zu zollen, und gibt ihnen daher den Hinweis, sie sollten, hätten sie erst den Ort, wo er sich befindet, gefunden, zu ihm zurück kehren und es ihm berichten. Doch kehren sie wohlweislich nicht zu Herodes zurück, sondern ziehen heimwärts, waren sie doch von Gott in einem Traumbild gewarnt worden, zum Palast des Vierfürsten zurück zu kehren. Sie waren ja wohlunterwiesen in der Kunst, Träume zu deuten! Sternbeobachtung war eben Teil der Disziplinen, die sie beherrschten.
Als Herodes dessen gewahr wird, dass die »Magi« nicht zu ihm zurück kehren, gibt er Befehl, dass alle Kleinkinder, die unter zwei Jahren alt sind, abgeschlachtet weren sollten – in Bethlehem; die Zahl dieser Kinder konnte indes nicht so groß gewesen sei. Doch dieses kaltblütige Vorgehen steht in Übereinstimmung mit dem Porträt, das Josephus von Herodes dem Großen gibt: Er war paranoid und befürchtete in manischer Art und Weise, dass er einem Thronusurpator werde weichen müssen, hatte er doch schon einige seiner eigenen Kinder – als mögliche Thronprätendenten – vorsorglich ermorden lassen! Wir brauchen jedoch nicht an ein Abschlachten von Duzenden und Aberduzenden von Kindern zu denken, wie die Holywoodindustrie es uns glauben macht.

Mit wem identifizieren wir uns? Mit dem zynischen und grausamen Herodes, mit den »Magi« oder aber mit Jesus selbst? Haben wir – gerade in dieser Jahreszeit – den Wunsch, Gaben zu geben oder eher zu empfangen? Egal, wie wir uns orientieren, das eine ist doch sicher: »Weise Menschen suchen Ihn noch! « Und solches Suchen mit dem Focus (Brennpunkt) auf unserem geistlichen Voranschreiten muss Weihnachten immer noch für uns sein . . .

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen, so klicken Sie doch jetzt zu einem ganz knappen Essay von Søren Kierkegaard


Klicken Sie zu einem weiteren hochinteressanten und lehrreichen Livenet-Artikel!
Springen Sie zum Index!

Hosted by www.Geocities.ws

1