Pastor Volkhard Spitzer spricht über die Geschichte der Gemeinde am Nollendorfplatz

Ein Vortrag vom 24. August 1974


Teil 1


Im September 1974 feierte die Gemeinde am Nollendorfplatz ihr 20jähriges Jubiläum.   Im Jugendmeeting vom 24. 8. 1974 sprach Pastor Volkhard Spitzer über die Entstehung der Gemeinde.  Der folgende Text wurde direkt von der Tonbandaufnahme abgeschrieben.


Dies ist eine faszinierende Geschichte, und ich hoffe, daß Sie sie auch so finden, trotz der Länge.  Dieser Vortrag ist an manchen Stellen etwas schwierig zu lesen.  Das ist dadurch zu erklären, daß er von mir wortwörtlich vom Tonband abgeschrieben wurde. Es wurde alles spotan an Ort und Stelle vor einer Gruppe von Jugendlichen gesprochen. Daher die vielen abgebrochenen Sätze und Wiederholungen.  Alle Schreibfehler aber stammen von mir, weil meine deutschen Sprachkenntnisse noch etwas begrenzt sind!


Okay. Heute Abend wollen wir ein bißchen unsere Arbeit kennenlernen; woher kommt die Gemeinde, was will die Gemeinde, und was läuft, wie ist sie entstanden, und so weiter. Und als Grundtext, als Bibeltext legen wir zugrunde I Samuel Kapitel 3. Wer hat seine ganze Bibel heute Abend dabei? Okay, dufte! Ohne Schwert geht man nicht aus im Krieg! Ersten Samuel Kapitel 3. Ersten Samuel 3, Vers 1 bis 11...

Und zu der Zeit, als der Knabe Samuel dem Herrn diente unter Eli, war des Herrn Wort selten, und es gab kaum noch Offenbarung.  Und es begab sich zur selben Zeit, daß Eli lag an seinem Ort, und seine Augen hatten angefangen, schwach zu werden, so daß er nicht mehr sehen konnte.  Die Lampe Gottes war noch nicht verloschen.  Und Samuel hatte sich gelegt im Heiligtum des Herrn, wo die Lade Gottes war.  Und der Herr rief Samuel.  Er aber antwortete: Siehe, hier bin ich!  Und lief zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich!  Du hast mich gerufen.  Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen; geh wieder hin und lege dich schlafen.  Und er ging hin und legte sich schlafen.  Der Herr rief abermals: Samuel!  Und Samuel stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich!  Du hast mich gerufen.  Er aber sprach: Ich habe nicht gerufen, mein Sohn; geh wieder hin und lege dich schlafen.  Aber Samuel hatte den Herrn noch nicht erkannt, und des Herrn Wort war ihm noch nicht offenbart.   Und der Herr rief Samuel wieder, zum drittenmal.  Und er stand auf und ging zu Eli und sprach: Siehe, hier bin ich!  Du hast mich gerufen.  Da merkte Eli, daß der Herr den Knaben rief, und sprach zu ihm: Geh wieder hin und lege dich schlafen; und wenn du gerufen wirst, so sprich: Rede, Herr, denn dein Knecht hört.  Samuel ging hin und legte sich an seinen Ort.  Da kam der Herr und trat herzu und rief wie vorher: Samuel, Samuel!  Und Samuel sprach: Rede, denn dein Knecht hört.  Und der Herr sprach zu Samuel: Siehe, ich werde etwas tun in Israel, wovon jedem, der es hören wird, beide Ohren gellen werden.

Wir wollen nun ein Paar Dinge aus der Bibel betrachten, und das als Grundlage nehmen für das, was nachher kommt. Zunächst einmal, lesen wir, daß es eine Zeit gab in Israel wo wenig Leute Ahnung hatten von Gott. Die Religion war nach wie vor da. Der Tempel war nach wie vor da. Die Leute beteten nach wie vor, aber die Hingabe zu Gott war wenig da. Gott konnte wenig Menschen gebrauchen und zu ihnen wirklich sprechen. Und das ist unserer Zeit ähnlich. Viel Tamtam, viele Religion, abgesehen von der christlichen Religion bis hin zum Exorzisten. Religiösität — massenhaft vorhanden. Die Bibel sagt, in der letzten Zeit wird es so sein, daß viele Leute Religion haben, aber die Kraft Gottes nicht kennen. Sie haben keine persönliche Beziehung zu dem lebendigen Gott. Gott ist für sie eine Idee. Der Motor allen Daseins, oder sonst irgend ein philosophischer Begriff mit dem man debattieren kann, aber sie haben keine Ahnung von einem persönlichen Gott, der persönlich in ihr Leben eingreift, und mit ihnen handelt und spricht.

Das war genauso damals in der Zeit von Samuel. Die Bibel sagt, das Wort Gottes war teuer, sagt Luther zu der selben Zeit, das heißt, es war kaum verhanden. Es waren viele Meinungen über Gott vorhanden, aber das Wort Gottes war wenig vorhanden, und es war wenig Weissagung, wenig Offenbarung Gottes. Und in diese Zeit hinein, sehen wir, daß Gott immer redet. Gott hat immer Menschen zu allen Zeiten, zu denen er ganz persönlich sprechen kann. Und einer von diesen Leuten war zum Beispiel Noah. Die ganze Generation Noahs war vollkommen verdorben, lebte in ihren eigenen Lüsten frivol dahin und befriedigten ihren Egoismus und fragte nicht nach Gott, aber Noah hörte die Stimme Gottes. Noah war ein Prediger der Gerechtigkeit. Henoch. Die Bibel sagt, Henoch war der einzige. Gott sprach, aber niemand hörte auf ihn. Nur ein Mensch hatte eine persönliche Beziehung zu Gott, das war Henoch. Und so ist es auch hier. Sie waren Priester im Haus des Herrn — Eli. Eli hatte einmal Kontakt zu Gott gehabt, aber der war verlorengegangen. Seine eigenen Söhne trieben Schindluder mit dem Allerheiligsten. Und so konnte Gott zu denen nicht mehr sprechen, obwohl er einmal zu ihnen gesprochen hatte.

Und in diese Zeit hinein, da passiert etwas. Ein Sohn, ein Kind wird geboren, von einer Frau, die an sich unfruchtbar war. Aber sie war immer wieder gekommen zu Gott und hatte gebetet, daß Gott ihr ein Kind schenkt, und eines Tages hatte Gott ihr Gebet erhört, und hatte ihr einen Sohn geschenkt, Samuel, und aus Dankbarkeit, daß Gott dieses Wunder getan hatte in ihrem Leben, brachte sie den Samuel in den Tempel und weihte ihn Gott. Und dieser kleine Junge, der Gott geweiht worden war, er schlief eines Nachts. Und plötzlich hört er, "Samuel, Samuel!" Und der Junge springt hoch, und er rennt zu Eli, und sagt, "Eli, hier bin ich." Ein wunderbares Bild. Du kannst überall in die Bibel hineinsehen, Gott hat immer Menschen gebraucht, die sich zuvor untergeordnet haben. Du kannst Mann Gottes für Mann Gottes nennen aus der Bibel. Nimm Josua, hat sich zuerst Mose untergeordnet. Nimm Elisa, er war zuerst der Diener des Elia. Nimm die Jünger, sie haben sich zuerst Jesus untergeordnet. Nimm Timotheus, der hatte sich zuerst Paulus untergeordnet. Und in dieser Treue und Unterordnung lebte Samuel. Er hätte sagen können, "Aber ich werde mich doch nicht dem Eli unterordnen. Gott spricht doch zu dem Eli gar nicht mehr. Unterordnung ist im Prinzip überholt." Aber nein, er unterordnete sich Eli. Und Gott sah sein aufrichtiges Herz. Egal wie verfahren eine Situation sein kann, wie verfahren sogar die Menschen sind zu denen du dich unterordnest, es ist ein Prinzip Gottes, von dem Gott nicht abgeht. Er unterordnete sich, und er suchte Gott von seinem Herzen her. Egal wie verderbt seinen Umgebung war, er wollte richtig mit Gott leben aus seinem kindlichen Herzen heraus. Er rannte zu Eli, "Hier bin ich." Eli sagt, "Leg dich hin, du hast schlecht geträumt." So der Junge geht zurück, schläft. Aber sein Herz ist wach. Sein Herz ist sensibel, sein Geist ist sensibel für das Wirken Gottes. Und nach einer kurzen Zeit hört er wieder, "Samuel, Samuel!" Er springt hoch, rennt zu Eli, "Eli, du hast mich doch gerufen! Ich hab dich doch schon wieder gehört." "Junge, leg dich hin. Du hast heute eine unruhige Nacht."

Siehst du, wenn ein Mensch aufrichtig ist, wenn ein Mensch wirklich aufrichtig ist und will den Willen Gottes tun, dann kann er sogar schlafen und Gott kann zu ihm sprechen. Dein Herz, deine Einstellung macht es aus, ob Gott zu dir reden kann oder nicht. Nicht die Situation in der du dich befindest. Deine Einstellung bestimmt, ob Gott zu dir redet, nicht die Umstände. Er geht zurück, legt sich nochmal hin, und die Bibel sagt: zum dritten Mal sprach der Herr, "Samuel, Samuel!" Und der Junge rennt wieder los, und kommt zu Eli. "Eli, du hast mich doch gerufen." Sagt Eli: "Ach, leg … Nein, Moment mal. Da muß doch mehr dahinter stecken." Und langsam dämmert’s dem Alten, daß das Gott sein könnte. Dann sagt er: "Wenn du noch einmal diese Stimme hörst, wenn du noch einmal deinen Namen hörst, dann sage: ‘Herr, hier bin ich. Dein Knecht hört!’" Und der Junge legt sich wieder hin und schläft wieder ein. Nach kurzer Zeit, "Samuel, Samuel!" Er sagte: "Herr, hier bin ich. Dein Knecht hört!" Er redete ins Dunkel der Nacht hinein, gegen jede Logik. Er spricht mit dem Wind. Aber er ist gehorsam. Er sagt, was der alte Priester ihn gelehrt hat: "Herr, rede, dein Knecht hört." Und da plötzlich redet Gott zu ihm tatsächlich, und sagt: "Ich will mit diesem Volk etwas vorhaben," und Gott spricht zu diesem Kind Dinge, Wahrheiten, die er, Eli, dem Hohepriester, nicht mehr sagen konnte. Gott kann Kindern Erlebnisse geben, daß manche Alte neidisch werden können. Es kommt auf die Herzenseinstellung an.

Ich habe mit 12 Jahren die Stimme Gottes gehört. Als ich zwölf Jahre alt war, kam ich in einen Gottesdienst, und ein lutherischer Pfarrer sprach - ich kenne sogar noch seinen Namen, sonst habe ich kein Namensgedächtnis. Von euch habe ich viele schon fünfmal gefragt, wie ihr heißt. Aber ich weiß noch seinen Namen: Pfarrer Carqueville. Und er sprach, und in dem Augenblick, als der Mann sprach, da hörte ich die Stimme Gottes: "Volkhard, Volkhard!" Und Er hat mich nie mehr seitdem verlassen. Und darum ist mein Gebet heute Abend, daß durch das, was wir heute Abend besprechen, auch durch die Geschichte von Bruder Herman und vom Nollendorfplatz, wir selber ein inneres Bedürfnis kriegen und ein Verlangen kriegen, wieder Kontakt zu haben mit dem lebendigen Gott. Religion befriedigt nicht. Du brauchst eine Erfahrung mit dem lebendigen Gott. So Gott sprach zu Samuel und die Bibel sagt, er hatte noch nichts Großes von Gott gehört. Er hatte das Wort des Herrn noch nicht verstanden. Da sprach Gott zu ihm. Wie viele sind hier schon hergekommen und haben Jesus gefunden, und sie haben überhaupt nicht recht begriffen um was es eigentlich geht. Gott handelte schon vorauswirkend mit seiner Gnade in ihrem Leben, ohne daß die ihn erkannt haben. Denke an den Gerhart Faust Joachimstal der immer auf der Suche war nach Frieden und nach Gott, und er kam hier unten vorbei, las das Schild, das kleine Schildchen da unten, das da hängt im Schaukasten, und er wußte in dem Augenblick, hier mußt du hochgehen, und genau an dem Tag wurde die Predigt gehalten, daß er sich angesprochen fühlte und er gab sein Leben Jesus. So viele andere, wo einfach die Gnade Gottes am Vorauswirken ist, die Geduld Gottes am Vorauswirken ist. So viele von uns sind vorbereitet worden auf eine bestimmt Situation hin, und dann holt Gott aus mit dem Hammer und trifft.


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Zweiter Teil Zurück zum Nolli
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