MeHR aLs - kapitel 5



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Judith. Mit ihr verstehe ich mich immer noch gut. Ich habe sie letzte Woche in der Innenstadt getroffen. Zum Gl�ck stellte sie keine bl�den Fragen. Sie erkundigte sich nur, wie die Trennung aus meiner Sicht verlaufen sei. Bereitwillig erkl�rte ich es ihr. Danach wechselten wir das Thema, wir schlenderten die Marktstra�e entlang, schauten in verschiedene L�den rein und lachten und redeten, als w�re nichts zwischen ihrem Bruder und mir passiert. Zum Abschluss hatte sie noch gesagt: "Ich freue mich auf Silvester. Und, Maike, lass dir nicht den Abend durch die Anwesenheit meines Bruders vermiesen!"

Nein, das will ich auf keinen Fall, mir von Michael meine Laune verderben zu lassen. "Ich werde ihn ganz h�flich ignorieren", nahm ich mir vor. "Ich werde ihm zeigen, dass ich ohne ihn ganz gut klarkomme."
Ich zupfe noch ein paar Haare zurecht, die sich aus meinem blonden Knoten gel�st haben, und betrachte mich eingehend im Badezimmerspiegel.
"Okay so. Jetzt zeig ich ihm mal, was ein Stier ist." Mein Sternzeichen ist n�mlich Stier. Es klingelt. Ich nicke noch mal meinem Spiegelbild zu und gehe, ganz gegen meine Gewohnheit, langsam die Treppe hinunter und �ffne die Haust�r.

"Guten Abend Frau Hansing, guten Abend Herr Hansing", begr��e ich unsere G�ste mit dem strahlendsten L�cheln, das ich aufsetzen kann. Ich nehme Frau Hansing den Mantel ab und h�nge ihn an einen Garderobenhaken.
"Hi Judith!"
"Hallo Maike!" Judith legt schnell ihre Jacke ab und umarmt mich. Michael steht mit eisernem Gesicht und einem Blumenstrau� in der Hand daneben und wartet wohl, dass ich ihn ebenfalls begr��e. Statt dessen f�hre ich seine Eltern ins Wohnzimmer und hole meine Mutter aus der K�che und meinen Vater aus seinem Arbeitszimmer.
Anfangs geht noch alles glatt. Michael, Herr Hansing und mein Vater unterhalten sich �ber das neueste Computerprogramm, w�hrend Judith und ich, nachdem wir unseren ersten Hunger gestillt haben, in mein Zimmer gehen um dort ungest�rt reden zu k�nnen.
Judith erz�hlt, dass Michael sich nach unserer Trennung sich sehr zur�ckgezogen hat. Allm�hlich wird er jedoch wieder normal. Wie ich, denke ich. Und pl�tzlich kann ich dar�ber sprechen, wie es mir geht; sonst habe ich immer geschwiegen, wenn man mich auf Michael ansprach.
"Anfangs hat er mir sehr gefehlt, ich konnte es selbst nicht ganz verstehen, dass es auf einmal aus sein sollte. Doch nun kann ich sein Foto ansehen und alles was ich dabei denke ist: Mit diesem Jungen war ich mal zusammen, wie konnte ich nur? Und kann nicht verstehen, was ich mal an Michael so besonders fand."
Um viertel vor zw�lf ruft uns Mama und wir gehen alle zusammen die Stra�e entlang bis zu einer verschneiten Wiese, von wo aus man das ganze Dorf sehen kann. Ein paar einzelne Feuerwerksk�rper gehen schon hoch und erhellen den Himmel in einem bunten Funkenregen. Ich blicke ganz in Gedanken versunken �ber das kleine Dorf, mein Dorf. Obwohl es ein paar Nachteile hat, hier zu wohnen, liebe ich es. Nur selten sto�e ich mit dieser Auffassung auf Verst�ndnis, doch das ist mir egal. Judith stupst mich an und dr�ckt mir ein Sektglas in die Hand. Ich schnuppere vorsichtig daran. Gut, kein Sekt, sondern Orangensaft. Ich trinke n�mlich keinen Alkohol. Ebenso wie Michael, der nun mit seinem Vater die Uhren vergleicht. Dann z�hlen sie laut: sechs, f�nf, vier, drei, zwo, eins, Millennium!


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