
200 Seiten
ISBN 3-938065-13-3
Wurdack Verlag
9,95 Euro
Stefan Wogawa - Golem & Goethe
Alex Wichert - Ball des Ansto�es
Bernhard Schneider - Interferenz
Arnold H. Bucher - Berechtigte Fragen
Heidrun Jänchen - Echos
J. Th. Thanner - Trichterbecher wachsen
Frank Haubold - Die Heilige Mutter des Lichtes
Uwe Hermann - Die Abteilung f�r kosmische T�uschungen
Petra Vennekohl - Kontrolle
Axel Bicker - Der Schwamm
Marlies Eifert - Wei�e Elefanten
Edgar G�ttge - Roda
Armin M�hle - Zwischenstopp auf Prox
Nina Horvath - Tod einer Puppe
Alexander Kaiser - Redpointer
Olaf Trint - Hinaus in die freie Natur
Christian Savoy - ETA 7
Melanie Metzenthin - Reproduktion
Thomas Kohlschmidt - Cinema Mentale
Birgit Erwin - Die nach uns kommen
Armin R��ler - Der Gravo-Dom
Das m�chtige Bauwerk schwebte vor ihren Augen mehrere hundert Meter �ber der Oberfl�che des Planeten. Das wuchtige achteckige Geb�ude verj�ngte sich sanft von unten nach oben. Aus seinem Dach ragte ein lang gestreckter Zwiebelturm, der noch einmal dieselbe H�he wie das Hauptgeb�ude selbst haben mochte. So weit war das f�r den Betrachter noch zu akzeptieren, doch unten, dort, wo normalerweise - w�re der Turm auf dem Boden gestanden - das Fundament zu sitzen hatte, befand sich ein spiegelverkehrtes Abbild des gesamten Bauwerks. Als h�tte ein Kind zwei Spielzeug-T�rme aneinander geklebt und in die Luft geworfen, dachte Lowe ehrf�rchtig. War dieses eine Gebilde schon schwer zu begreifen, so erschien es ihm als fast unm�glich, dass in der Atmosph�re des Planeten �ber f�nfhundert dieser Dome schwebten.
"Wie � wie haben sie dieses Ding gebaut?", stie� Lowe hervor. "Das ist doch v�llig unm�glich."
Kreisler sch�ttelte den Kopf. "Wir wissen es nicht", sagte er. "Unten, auf Shaari, gibt es keinerlei Hinweise. Weder auf die Dome noch auf St�tten, an denen sie erbaut worden sein k�nnten. Geschweige denn auf die Wusler. Als h�tten sie nie dort existiert."
"Die Wusler?", fragte Lowe.
"Die Eingeborenen", antwortete Kreisler geduldig. "Die Shaari, wie sie offiziell nach dem Planeten genannt werden. Oder umgekehrt. Ich nenne sie die Wusler."
Lowe nickte. Nat�rlich. Diese Bezeichnung lag nahe.
Kreisler landete ihr kleines Schiff auf einer der Plattformen, die sich wie schwere Ringe an vielen Stellen um den Dom legten. Beim Blick auf den Schirm meinte Lowe, schemenhaft etwas durchs Bild huschen zu sehen. Ein Wusler. Er grinste. Der Name gefiel ihm.
"Gehen wir", sagte Kreisler. "Lassen Sie mich reden." Lowe hatte sich nicht schwer damit getan, die Grundz�ge der relativ simplen Sprache der Shaari auf dem sechsmonatigen Flug von der Erde hierher zu lernen. Dennoch w�rde er Kreisler gern den Vortritt lassen. Schlie�lich hatte der �ltere ihm einiges an Erfahrung im Umgang mit den Eingeborenen voraus. Und Lowe hatte auch kein Interesse daran, sich schon jetzt in den Vordergrund zu dr�ngen. Das stand erst sp�ter auf seinem Plan. Auch wenn er sich noch immer innerlich dagegen str�ubte.
Und diese Autoren haben viele Freiheiten, viel mehr Freiheiten vielleicht als ihre ber�hmten Vorg�nger und Klassiker, die ihre Freiheit erst erm�glicht haben. F�r diese Anthologie haben sie Geschichten geschrieben, weil es ihnen Spa� macht, nicht um damit Geld zu verdienen - wie viele der Klassiker und Pioniere. Sie k�nnen experimentieren und ihrem Spieltrieb freien Lauf lassen. Als KurzgeschichtenautorInnen k�nnen sie den Leser auch mal in seinen Erwartungen herausfordern und ihn etwas geistige Anstrengung abverlangen.
Sie m�ssen nicht mehr die Unwissenheit und der Unvertrautheit der Leser mit dem Genre ber�cksichtigen. Nein, sie rechnen einfach nicht mehr mit Lesern, die nicht so einen erh�hten Standpunkt wie sie haben.
Eine Kritik sollte daher ansetzen, in wiefern es ihnen gelingt, den alten Mustern, Themen und Motiven neues Leben einzuhauchen.
Die Reise durch den Weltraum ist in "Golem & Goethe" von Stefan Wogawa zur Routine geworden. Selbst die intelligenten Maschinen f�hlen sich unausgelastet. Und der einzige Mensch an Bord sieht sich nicht den Gefahren des Weltalls ausgesetzt, sondern ungehorsamen Maschinen. Da geschieht das v�llig unerwartete, der zeitreisende Goethe verschl�gt es in dieses Schiff, just als der Hauptrechner des Handelsraumschiffes zu dichten beginnt, und zwar ein sehr bekanntes Gedicht. Ein am�sante Wendung in dieser gelungenen Geschichte von Stefan Wogawa �ber die "Zeitlosigkeit" von Dichtung. (Interessant dabei, dass es sowohl einen Computer namens Golem "Also sprach Golem" von Stanislaw Lem, als auch einem zeitgereisten Goethe, "Ein Gespr�ch mit einem Herrn Goethe im Jahr ..." von Arno Schmidt, bereits gibt. Nur die Kombination eben noch nicht, und die macht's.)
Der Mars ist in "Ball des Ansto�es" von Axel Wichert zu einer Strafkolonie geworden, und der Turbo-Kapitalismus hat den Weltraum erreicht. Der Autor erz�hlt routiniert eine Begebenheit in dieser wenig erfreulichen Welt. Alles ist kommerzialisiert und gewinnorientiert, selbst der Dienst der Wachmannschaften.
Der Kosmos ist unberechenbar geworden. Bernhard Schneider erz�hlt in "Interferenzen" von der Erforschung des Mikrokosmos, was die Welt der Forscher ersch�ttert, die Realit�t uneindeutig werden l�sst. Diese spannende Geschichte ragt heraus, weil sie auch etwas von der Ersch�tterung, die die Figuren erleben, auch auf den Leser �bertr�gt.
F�r die Klassiker der Science Fiction gab es noch Gewissheiten und sie wurden von einer optimistischen Stimmung getragen, aber heutige Autoren sehen die Grenzen des Menschen unterwegs im All bei seiner Belastbarkeit. Wie Heidrun J�nchen in der verschachtelten Geschichte "Echos" darstellt, erfordert die Erhaltung der geistigen Gesundheit w�hrend eines Raumfluges und der Suche nach au�erirdischen Intelligenzen, nach Nachbarn im All, ungew�hnliche Ma�nahmen. In dieser Geschichte schwingt mehr Wahrheit �ber den Menschen mit als man glaubt. Eine nachdenklich machende Geschichte.
Auch in "Der Schwamm" verliert die Mannschaft einer Forschungsstation, die auf einem schwammbedeckten Planeten liegt, langsam den Verstand. Auch in dieser lesenswerten Geschichte sind die Menschen mit ihrem Forschungseifer auf den unberechenbaren Kosmos aufgelaufen.
"Kontrolle" von Petra Vennekohl hat die Gen-Technik zu einer neuen Zweiklassengesellschaft gef�hrt. Die vorgebliche genetische Optimierung des Menschen ist eine wichtige Problematik, aber in dieser Geschichte wird sie vor dem Hintergrund der Erforschung au�erirdischen Lebens erz�hlt und das ist nicht richtig schl�ssig, weil Hintergrund und Vordergrund merkw�rdig unverbunden nebeneinander stehen.
Eher humorvoll nimmt es Uwe Hermann mit "Die Abteilung f�r kosmische T�uschungen", wo sich unser naturwissenschaftliches Bild vom Kosmos als T�uschung herausstellt. Allerdings sind die Details so abstrus, dass man den Autor unm�glich verd�chtigen kann, christlichen Fundamentalisten in die H�nde zu spielen; er will den Leser nur verbl�ffen und das gelingt im recht gut.
"Tod einer Puppe" von Nina Horvath, "Reproduktion" von Melanie Metzenthin sind Geschichten, die die Verwischung zwischen nat�rlichen und k�nstlichem K�rper betreiben. Bei der Geschichte von Horvath wei� man nicht, ob die Erz�hlerin, in der Geschichte eine angehende Medizinerin, �berhaupt noch den Unterschied erkennen kann, und l�sst den so Leser unsicher zur�ck, eine Geschichte, die einem ratlos macht. "Reproduktion" ist eher abstrus. Die Vorstellung, dass man den Mensch kybernetisch von der kleinsten Zelle nachbilden kann, will ich als Leser nicht so recht akzeptieren.
Christian Savoy schl�gt in "ETA7" passagenweise den Ton eines Geschichtenerz�hlers an, angemessen f�r die Geschichte, die uns in erste Linie in Erstaunen versetzen will. Eine Geschichte aus 2001 N�chten gewisserma�en, denn ich musste an "Die Haarteppichkn�pfer" von Andreas Eschbach und an "2001 - Odyssee im Weltall" denken. Die Menschen sto�en auf "Clio" (einem Saturn/Neptun/Jupitermond?) auf ein au�erirdisches Artefakt, das beim Kontakt ein Signal in die Weiten des Alls schickt. Dessen Inhalt, die Botschaft "Kommt!", versetzt die Milit�rregierung der Erde in Panik und die Ma�nahmen dagegen f�hren �ber die Jahrhunderte zu immer absurderen Formen.
Vom Verlust der nat�rlichen Umwelt, ein seit den 70er Jahren aktuelles Thema der SF, erz�hlen pointiert zwei Geschichten. Sie geh�ren f�r mich zu den Highlights. Es sind "Hinaus in die freie Natur" von Olaf Trinkt und "Die nach uns kommen" von Birgit Erwin. Die Begegnung mit der Natur ist in der ersten die ultimative Herausforderungen f�r die Menschheit, die sich nach der Zerst�rung der biologischen Umwelt in ihre k�nstlich virtuelle Welt zur�ckziehen musste.
"Die nach uns kommen" ist eine Postdoomsday-Geschichte. Ein Krieg hat die Erde v�llig verheert und die Zivilisation hinweggefegt. Aber die Menschen, die die Welt vor dem Krieg kannten, wollen ein Teil davon in die Welt danach retten. Die nach uns kommen k�nnen jedoch mit ihren Begriffen nichts mehr anfangen.
Erstere hat eine gelungenes sarkastisches Ende, zweite vermag anzur�hren durch die �berzeugende Schlichtheit und die Konsequenz der Erz�hlung. So verpacken beide Autoren den Zweifel an den menschlichen F�higkeiten in "leichte" Geschichten.
Das Motiv der au�erirdischen Invasion geistert seit den Anf�ngen durch die Science Fiction Landschaft. Zwei Geschichten greifen es in unterschiedlicher Form auf. "Redpointer" und "Cinema mentale" von Thomas Kohlschmidt. Diese Geschichte ist einer der schw�chsten im Band. Sie ist schlicht viel zu kurz, die Schilderungen der Auswirkungen eines Bewusstseinstausches zwischen Mensch und Alien bleiben deswegen unbefriedigend. "Redpointer" von Alexander Kaiser spielt nach einer Invasion des Sonnensystems durch Au�erirdische. Ein junger Mann irrt durch eine Tr�mmerlandschaft und eine Milit�reinheit versucht zu verhindern, dass er von den Au�erirdischen aufgegriffen wird. Ein gigantisches T�uschungsman�ver als Grundidee finde ich , aber Kaiser versteht es sie spannend und anschaulich zu erz�hlen. Er ist souver�n im Umgang mit den Versatzst�cken und auch der emotionale Touch wei� zu gefallen.
Da gibt es noch die Geschichten:
"Trichterbecher wachsen" von J. Th. Thanner: in die beschauliche Welt von H�uslebesitzern bricht das Unerwartete in Form von schnellwachsenden Trichterbecherpflanzen from outer space ein. Thanner gelingt eine glaubw�rdige Schilderung der Reaktion zweier �lterer Paare auf dieses Ereignis. Darin ersch�pft sich die Geschichte jedoch. Als Leser habe ich eine "Conclusio" erwartet.
"Zwischenstopp auf Prox" von Armin M�hle: Nette Geschichte �ber interstellare Schmuggler. Jeder versucht jeden zu �bervorteilen und auszutricksen. Ein sympathischer genie�erischer Zug dieser berechnenden und eher n�chternkalten technischen Welt enth�llt sich in der Schlusspointe.
Arnold H. Bucher erz�hlt mit "Berechtige Fragen" einen langen Witz �ber die b�rokratische Gesetzes und Formularflut - mit treffender Pointe.
"Roda" von Edgar G�tge ist eine bizarre Geschichte. Alle Lebewesen sind intelligent und kommunizieren ohne gro�e Verst�ndigungsprobleme, Telepathie ist sogar m�glich. G�tge reizt diese Sache aus, aber den Rezensenten lie� dieses Garn leider kalt, weil er keinen roten Faden erkennen konnte.
Frank Haubold entwirft in seiner Geschichte "Die heilige Mutter des Lichtes" eine �kologisch orientierte Zukunftswelt, die nach dem Zusammenbruch eine matriarchalisch theokratische Form gefunden hat. Dieser Weltentwurf besitzt Originalit�t, die zentrale Idee von der Blendung und Immunisierung der Neugeborenen hat sich mir wegen ihrer Kompliziertheit beim ersten Lesen nicht richtig entschlossen. Es ist immer eine heikle Sache, aus einem beschr�nkten Blickwinkel einen komplexen Sachverhalt zu schildern, zumal en passant. Daher hat Haubold auch eine zweite Perspektive eingef�hrt, die im reizvollen Kontrast zur ersten steht.
"Wei�e Elefanten" sieht ein Beobachter in einer Stadt der fernen Zukunft, der zum ersten Mal die Au�enwelt erforschen will. Dann sieht er pl�tzlich Horden von primitiv bewaffneten Menschen auf die Stadt zu bewegen. Aber die Allgemeinheit insbesondere die Verantwortlichen der Stadt leugnen die Existenz, bis die "Primitiven" in die Stadt eindringen. Eine fl�ssig erz�hlte Parabel von Marlies Eifert.
Zum Abschluss konfrontiert uns der Herausgeber in seiner Geschichte mit einer r�tselhaften, aber faszinierenden au�erirdischen Zivilisation. Die Shaari bauen so genannten Gravo-Dome aus Stein, die �ber dem Planeten schweben und von dem Gravo-Organ, eine Lebensform, die sich jeder Zuordnung zur technischen oder biologischen Sph�re entzieht, in der Schwebe gehalten werden. Wie in allen Geschichten R��lers bleibt die fremde Kultur mysteri�s oder unerkl�rt. Auch die Welt der Gravo-Dome kann man eigentlich nur erfahren und nicht verstehen. Und die Perspektivfigur, die eigentlich mit dem Organ nichts Gutes im Schilde f�hrte, erf�hrt ein neues emotionales Erlebnis.
Ein Band mit thematischer Vielfalt und wenig schlechten Geschichten. Das Cover, inspiriert wohl von der Geschichte "Der Gravo-Dom", ist wieder recht gelungen und tr�gt zum positiven Gesamteindruck bei.
Der Golem als phantastischer Archetyp und Goethe als Weltliterat, das sind Marksteine in der literarischen Landschaft. Sie werden im Titel gef�hrt, um den Leser neugierig zu machen. Sie sind aber auch zwei weit entfernte Leitsterne, auf dem Weg durch die unendliche Weiten. Und wenn man sich an ihnen orientiert, dann k�nnen sie nicht hoch oder weit entfernt genug sein.
In �Golem & Goethe� melden sich 21 Autoren aus Deutschland, �sterreich und der Schweiz zu Wort. H�ren wir, was sie zu sagen haben:
Golem & Goethe - Stefan Wogawa
Die Titelstory lebt von ihren unwahrscheinlichen Zuf�llen, aus denen sich neue Wendungen ergeben. Allein schon die Darstellung des Verh�ltnisses zwischen dem Frachterkommandanten und seinem Schiffsrechner ist ungew�hnlich und l�dt zum Schmunzeln ein. Auf diesem guten Einstieg findet die Erz�hlung eine sichere Basis. Unterhaltsame Zerstreuung f�r zwischendurch.
Ball des Ansto�es - Axel Wichert
Phantastische Konflikte zwischen Menschen und Nicht-Menschen, Wichert bezeichnet sie als �Virtuelle� (m�glicherweise Roboter, Androiden, ...) - ein Meister dieses Themas war zweifellos Isaac Asimov. Schon lange kommt es immer wieder zu Verdr�ngungen von Arbeitskr�ften durch Werkzeuge. Was geschieht mit den Menschen in so einem Fall? Wichert gew�hrt uns einen Blick in die Zukunft hinsichtlich dieses Details: �Virtuelle hielten sich an Vorschriften, aber die besten Hacker blieben die Menschen.� Hervorragend gezeichnete Entwicklung.
Interferenz - Bernhard Schneider
Was mit der harmlosen Zerstreutheit eines Quantenphysikers zu beginnen scheint, entwickelt sich schnell zu unglaublichen Interferenzerscheinungen, die sich die Protagonisten �ber Paralleluniversumstheorien zu erkl�ren versuchen. Entgegen Einsteins �Gott w�rfelt nicht!� reichen wissenschaftliche Erkl�rungen nicht aus. M�glicherweise hat Gott doch seine Finger im Spiel, wenn es um die letzten Geheimnisse des Universums geht. Die Frage bleibt nur, wie durch Interferenzen die Erkenntnis verhindert werden kann.
Berechtigte Fragen - Arnold H. Bucher
Tats�chlich ist v�llig unwichtig, was ein Kesslok ist. Und warum man ihn weder besch�ftigen noch unterbringen darf. Wichtig sind allein die Berechtigungsnachweise, die uns unsere deutsche Zukunft im B�rokratenland aufzeigen. Absolut vorstellbar, gar so weit weg sind wir davon nicht mehr. Vor einigen Tagen ging die �Berliner Hundeh�lle� durch die Medien. Ein deutliches Beispiel f�r die Aktualit�t der Problematik, selbst wenn die mediale Aufschauklung des H�llenthemas offensichtlichen BILD-Charakter hatte.
Echos - Heidrun J�nchen
SETI ist ein Begriff. Damit im Zusammenhang ergibt der Titel allein schon einen Sinn und bewirkt die Einbildung des Storyverlaufs. Immerhin erweist sich die Assoziation teilweise als Trugschluss und die fragmentarische Erz�hlweise bewirkt gleichzeitig eine Spannung, so dass es doch noch den Aha-Effekt am Ende gibt. Wie schon bei J�nchens Beitrag zum Vorg�nger ��berschuss� ist das St�ckwerk der Geschichte etwas schwierig lesbar, summiert sich aber endlich zu einem sinnvollen Gesamtbild.
Trichterbecher wachsen - J. Th. Thanner
Nachbarskonflikte sind die eine Sache, der sich Thanner widmet. Tragisch sind ihre Auswirkungen. Interessant ist die Darstellung der anderen Sache, der Konflikte zwischen Spezies, die sich zumindest einseitig nicht als intelligent erkennen.
Die heilige Mutter des Lichts - Frank W. Haubold
Haubold entwirft eine erschreckende Zukunftsvision, die nur allzu logisch die Fehler der menschlichen Entwicklung ausmerzen will. Nach einer gro�en Katastrophe kommt es zu einem Neuanfang. Welche menschliche Unart f�hrte zu allem Elend? Krieg. Darum organisiert die PACEM das Leben der �berlebenden. Aber w�re diese Vision mehr als eine Utopie? Ist wirklich der Schrecken aller Kriege nur auf M�nner zur�ck zu f�hren? Man erinnert sich vielleicht nur des Nibelungenlieds, in dem Krimhild aus Rachegel�sten ein grausiges Gemetzel verursacht. Haubolds Vision liest sich drastisch und zeigt mit unwahrscheinlich kalter Logik einen m�glichen Weg.
Die Abteilung f�r kosmische T�uschungen - Uwe Hermann
Belustigende Unterhaltung f�r zwischendurch, eine auf die absolute Spitze getriebene Verschw�rung.
Kontrolle - Petra Vennekohl
Das alte Lied in neuem Gewand: Privilegierte Gruppen versuchen immer und �berall, ihre Privilegien zu verteidigen - um jeden Preis. Was sich als L�sung anbahnt, ist im Vorfeld sp�rbar, aber durch die Erkenntnis der Protagonisten erh�lt die Geschichte eine dramatische Note.
Der Schwamm - Axel Bicker
Diese Geschichte kann richtig ber�hren in ihrer Ausdrucksst�rke: Aus Todesangst geborener Forscherdrang f�hrt zu brutalen Methoden und ethischer Unverantwortlichkeit, im Endeffekt doch aus Selbstsucht. Bicker l�sst uns an dieser Entwicklung aus der Sicht des Opfers teilhaben. Es scheint wie eine lebendige Abstraktion von Trag�dien, die sich in Verbindung von Wissenschaft und Habsucht unter Menschen abspielen.
Wei�e Elefanten - Marlies Eifert
Was nicht sein darf, ist nicht. Und nach gegenteiliger Erkenntnis die historische Ausrichtung auf einen v�llig nebens�chlichen Aspekt. Tragisch.
Roda - Edgar G�ttge
�u�erst unterhaltsam, mit viel Witz und Kreativit�t geschrieben! G�ttge wird den Erwartungen voll gerecht. Sein Hang zur �bertreibung macht aus seinen Geschichten wundervolle Kom�dien, die sich doch an gesellschaftlichen Eigenarten orientieren.
Zwischenstopp auf Prox - Armin M�hle
Gut erz�hlte Geschichte �ber Beziehungen - leider kommt ihre Pointe nicht klar zum Ausdruck.
Tod einer Puppe - Nina Horvath
Die Handlungsumgebung ist etwas unvollst�ndig, das tut der Geschichte aber keinen Abbruch: Hier entsteht eine aufw�hlende Stimmung. In ihrer K�rze ist die Geschichte perfekt.
Redpointer - Alexander Kaiser
Eine umfangreiche Geschichte, deren Knackpunkt sich in der Darstellung gegen Ende befindet. Die Handlung der Erz�hlung dient eher der Verschleierung als der Aufl�sung, es werden aber gleichzeitig gute Einblicke in die Aufgaben der Protagonisten gew�hrt. Im Endeffekt ordnet sich also die Verschleierung der Erkenntnis unter, so dass eine sehr spannende Geschichte entsteht, deren Umfeld gro�r�umig ausbauf�hig ist. Hervorragende Ideen stapeln sich hier.
Hinaus in die freie Natur - Olaf Trint
Nachdem sich die Menschheit vor einer vergifteten Umwelt zur�ckziehen musste, gelingt Wissenschaftlern die Erneuerung au�erhalb der von Menschen bewohnten Bereiche. Dem normalen Menschen ist ein Leben au�erhalb der eigenen vier W�nde inzwischen unvorstellbar geworden. Ist er so anpassungsf�hig, wie immer behauptet wird? W�rde er sich nicht eher von einer v�llig fremden Umgebung �berfordert sehen? Trint zeigt ironisch und mit guter Erz�hltechnik, was eine Flucht vor der Natur nach sich ziehen k�nnte. Dabei geht er noch radikaler vor als sein gro�er Vorg�nger Isaac Asimov in seinen �Baley�-Romanen.
E T A 7 - Christian Savoy
Die Bedeutung von E T A 7, �Estimated Time of Arrival: sieben Jahre�, geht ziemlich unter in der kompakten Erz�hlung. Davon abgesehen, entwickelt Savoy die Menschheit unter dem Druck einer potenziellen, unaufhaltsamen Bedrohung und wirft dabei Streiflichter auf Pers�nlichkeiten der Entwicklung und auf wegweisende Geschehnisse. Sehr fesselnd geschrieben und mit einem der Menschheit entsprechenden dramatischen Ende.
Reproduktion - Melanie Metzenthin
Knackige Geschichte �ber das Thema der Akzeptanz k�nstlicher Menschen als echte Individuen.
Cinema Mentale - Thomas Kohlschmidt
Dramatischer Verlauf eines Versuchs, mit einer andersartigen, blutr�nstigen au�erirdischen Intelligenz Kontakt aufzunehmen. Die thematische �hnlichkeit zu Bickers �Schwamm� ist erstaunlich und nicht zu �bersehen. Fehlgeschlagene Erstkontakte besch�ftigen uns anscheinend stark � ein Zeichen unserer unvollkommenen Bereitschaft oder unserer Angst? Eindrucksvoll geschrieben.
Die nach uns kommen - Birgit Erwin
Ein Endzeitszenario aus der Sicht eines Kindes. Das M�dchen versteht nicht die Beweggr�nde seines �lteren Bruders, der die Welt noch vor dem Krieg kannte. Aber durch ihre Augen erhaschen wir einen Hauch der neuen Welt und der brutalen Ausweglosigkeit. Bedr�ckend.
Der Gravo-Dom - Armin R��ler
Geradlinige Story, deren Entwurf h�chst interessant ist. Lowes Gedanke �Ich habe Zeit� widerspricht allerdings seiner Infektion durch die Auftraggeber. Was genau ist mit ihm passiert, als er seinem Ziel so nahe war? Der Umschwung ist schwer verst�ndlich. Unterhaltsam ist die Story aber allemal.
Fazit:
Was in dieser Anthologie an Ideenvielfalt und technischen Fertigkeiten zusammenkommt, ist beachtenswert. Dieses Mal gibt es keinen einsamen Favoriten, alle Geschichten sind auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt. F�nf Erz�hlungen heben sich nochmals ein wenig ab. Sie ber�hren den Leser richtig und stehen f�r den jeweiligen Charakter ihrer Art: Schneiders �Interferenz� f�r die Wissenschaft, Bickers �Schwamm� f�r den Erstkontakt, G�ttges �Roda� f�r �berbordenen Humor, Horvaths �Tod einer Puppe� f�r erschreckende Versuche, Savoys �E T A 7� schlie�lich f�r das Kosmische.
Nicht zu vernachl�ssigen ist das Vorwort zu diesem Band! Selten war ein Vorwort so lesenswert wie dieses; damit hat R��ler scharf vorgelegt, was schwer zu toppen sein wird.
Insgesamt bietet die Sammlung spannende, tief gehende, lustige, d�stere und ergreifende Unterhaltung, der sich niemand entziehen sollte. Zwar bleibt das Gef�hl von vorwiegend pessimistischen Visionen gepr�gt, wird aber von humor- und wundervollen Erz�hlungen gut aufgelockert. Mehr davon!