Anita Weiss-GängerMeine Begegnung mit Erich Fried
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| Als ich für Erich Fried 1987, ein Jahr vor seinem Tod, im Kunstmanagement tätig war, hatte ich noch keinerlei Ambitionen, mich als Photographin zu betätigen. Aus dieser Zeit gibt es von mir nur einige wenige Schnappschüsse von Erich Fried, mit dem mich bald ein vertrauliches Du verband. Diese Bilder zeigen den Schriftsteller, gestützt auf seinen schön gedrechselten Gehstock, im Kreis von Freunden in Graz, Salzburg oder Wien.
Es sind wenige persönliche Erinnerungen, bescheidene Zeitdokumente, unspezifisch, eher privater Natur. Nicht einmal im Traum hätte ich mir damals vorstellen können, dass ich je über seine Gedichte reflektierend eine visuelle Vision zustande bringen könnte. Erich und ich waren im 9. Bezirk auf Spurensuche, in der Liechtensteinstrasse, in der Kolingasse und in der Wasagasse. Er, um sich nochmals seiner schmerzhaft erlebten Kindheits- und Jugendjahre zu vergegenwärtigen, ich mit dem Vorsatz, das „vertriebene kollektive Erbe“ verstehen zu lernen. Keine Frage, Frieds Schilderungen des Justizpalastbrandes oder seine quasi heroische Weigerung als Fünfjähriger, dem Polizeipräsidenten Schober ein Weihnachtsgedicht aufzusagen, also seine früh ausgeprägte Sensibilität für Unrecht und Gerechtigkeit, haben mich zutiefst für ihn eingenommen. Ebenso sein Mut zum Widerspruch und zum aufrechten Gang im Sinne von Aufklärung und Humanismus, was er als „aufgeklärte Aufklärung“ bezeichnete. Es gibt keinen Zweifel, Fried hat im Dialog mit den Menschen, zumeist jungen Menschen, Zeit seines Lebens wider den Stachel gelöckt, aufbegehrt, Kritik geübt. Kultur zeichnete sich für ihn noch durch ihren Vermittlungs- und nicht durch Warencharakter aus... 1 von >> 4 >> Zur Photoausstellung |