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Inhalt:
Ein englischer
Spion, der in den Osten übergelaufen ist, erzählt einer
Journalistin seine Geschichte: Als Schüler eines
hochfeinen Elite-Internats in den 30er Jahren lernt er
den Werten zu mistrauen, die ihm dort beigebracht werden
- Klassendenken und Korpsgeist, Disziplin und Diskretion
-, denn die verschworene Gemeinschaft, Abbild der
herrschenden Klasse, verweigert ihm, dem homosexuellen
Außenseiter, den Zutritt. Eine frei an die Biografien
der Überläufer Burgess und Maclean angelehnte
Geschichte, die auf dem gleichnamigen Bühnenstück von
Julian Mitchell basiert.
Technisches:
O-Titel: ANOTHER COUNTRY
dt.
Titel: Another
Country
GB 1984 90 Min.
Literaturverfilmung, Drama FSK: 12
dt.
Erstaufführung: 11.6.1987 / 30.1.1988 (Video)
Darsteller:
Rupert
Everett (Guy Bennett) Colin Firth
(Tommy Judd) Michael Jenn (Barclay) Robert
Addie (Delahay) Rupert Wainwright (Devenish)
Tristan Oliver (Fowler) Cary Elwes
(Harcourt)
Regie: Marek Kanievska
Drehbuch:
Julian
Mitchell nach seinem gleichnamigen Bühnenstück
Kamera:
Peter
Biziou
Musik: Michael Storey
Kostüme:
Penny
Rose
Casting:
Celestia
Fox
Drehorte:
England:
Althorpe Hall, Peterborough; Brasenose College, Oxford,
Bodleian Library, Oxford; u.a.
Produktion:
Alan
Marshall
Produktionsfirma:
Goldcrest
Films, Ltd.
Verleih:
Tobis
Taurus (Video)
Auszeichnungen:
- British Academie
Awards (BAFTA),
1985
nomiert für:
- Bestes Drehbuch:
Julian Mitchell
- Bester Schnitt:
Gerry Hambling
- Bester
Nachwuchsschauspieler: Rupert Everett
Hintergrund
Another Country ist zwar eine
fiktive Geschichte, ihre Charaktere jedoch stützen sich
auf reale Persönlichkeiten.
"Guy Bennet" basiert auf Guy Burgess -
Diplomat, Finanzberater, Rundfunksprecher, Spion und
Verräter, ein farbenfroher Charakter im England der
1930er und 40er. Unverhohlen homosexuell, schon in seiner
Zeit in Eton, erzählte er gerne die Geschichte, daß
seine Aversion gegen Frauen aus der Tatsache herrührt,
daß er seine Mutter eines Tages unter seinem Vater
befreien mußte, der - so behauptet Burgess - während
des Geschlechtsaktes plötzlich verstorben war.
Seiner Homosexualität wegen war es ihm versagt, Zugang
zur selbst gewählten Aufsichtselite der Schule zu
erhalten, was eine herbe Enttäuschung für ihn war. In
Cambridge schließlich hatte er mehr Erfolg. Nachdem er
mit dem reaktionären Pit Club geliebäugelt hatte und
der snobistischen, vorwiegend homosexuellen,
"Society of Apostles" - die als das
"einflußreichste und elitärste Netzwerk in
Cambridge" bezeichnet wurde - ließ er sich mit
einer Gruppe Linker ein - unter ihnen John Cornford,
Donald Maclean und Kim Philby - und trat gegen Ende
seines letzten Jahres der Kommunistischen Partei bei.
Den überwiegenden Teil der nächsten siebzehn oder
achtzehn Jahre spionierte er offiziell für
Großbritannien und verdeckt für die Sowjetunion. 1951
schließlich floh er mit seinem Genossen Maclean nach
Moskau. Burgess starb 1963, nur kurz nach der Enttarnung
seines anderen Weggefährten, Philby.
Der Charakter des "Tommy
Judd" beruht auf dem Leben zweier
"Oberklassen-Linken", John Cornford und Esmond
Romilly. Cornford - ein Urgroßenkel Charles Darwins -
war seit seinen Tagen als Schüler der Stowe School ein
sehr idealistischer und überzeugter Marxist. In
Cambridge wurde er zum Anführer der kommunistischen
Bewegung und arbeitete unermüdlich an der Rekrutierung
und Organisation neuer Mitglieder. Er starb als
"Märtyrer" im Spanischen Bürgerkrieg, einen
Tag nach seinem einundzwanzigsten Geburtstag.
Romilly - ein Neffe Winston Churchills - war ein Hetzer
seit seinen Tagen in Wellington, einer Privatschule mit
starker militärischer Ausrichtung. 1934, im Alter von 16
lief er aus der Schule weg und rief ein radikales Magazin
ins Leben, das er "Out of bounds" nannte,
"Sperrzone", und an anderen Privatschulen
verteilte. Er lehnte es ab eine Universität zu besuchen,
kämpfte aber wie Cornford im Spanischen Bürgerkrieg. Im
Alter von 17 Jahren brannte er mit Jessica Mitford durch
und ging in die USA. 1941 wurde er über der Nordsee
abgeschossen. (Dank
an die Friends of Firth für diese Info)
Julian
Mitchell über die Entstehung der Idee "Another
Country" zu schreiben:
"...
Die Zeitungsexperten waren eher daran interessiert wie
und warum brave Privatschüler und Oxbridge-Studenten wie
Burgess, Maclean, Philby und Blunt dazu kamen, ihr Land
zu verraten. Ihr allgemeiner Konsens war, daß in den
30er jeder mit einem sozialen Gewissen sehr leicht der
kommunistischen Partei hätte beitreten können.
...
Das mag eine gute Begründung für den Beitritt zur
kommunistischen Partei sein - aber um Britannien zu
verraten? Um deine Loyalität einem Land zu geben, das du
nicht einmal kennst?
...
Ich dachte nicht so. Menschen werden normalerweise zu
Verrätern aus einem von drei Gründen: Geld,
ideologische Überzeugung oder Rache. Die
Privatschulspione taten es sicher nicht für Geld, und
falls Guy Burgess or Donald Mclean je ein vollständiges
Kapitel aus "Das Kapital" gelesen haben, würde
mich das sehr wundern. War es also Rache? Die Motive für
Rache sind offensichtlich persönlich und
unterschiedlich, aber es gab eine sehr offenkundige
Gemeinsamkeit bei Burgess, Blunt und Maclean, wenn nicht
auch Philby. Wie waren alle homosexuell (Maclean war
bisexuell).
Die Kommentatoren und "Experten" schienen sich
dem nur zögerlich stellen zu wollen.
...
Andere waren einfach nur peinlich berührt ... es kam
durch diesen heimlichen Sex, daß die britische
Oberklasse die wesentliche Notwendigkeit von Heuchelei
lernte und das die einzige wirklich wichtige Regel
lautete: laß dich nicht erwischen.
...
Also schrieb ich das Stück zum Teil um die Experten zu
widerlegen, um etwas darüber zu sagen, um wieviel
wichtiger Gefühle für die Entwicklung von Jugendlichen
sind als Ideologien, vor allem Gefühle der
Zugehörigkeit und des Ausgeschlossenheit.
...
Und da sind wir nun, zwanzig Jahre später. Keiner
interessiert sich mehr für die Spione, aber die
Privatschulen florieren immer noch. Das Land wird immer
noch maßgeblich von ihren "Produkten"
geleitet, in Whitehall und Westminster, in der City, im
Geschäftsleben. Was für einen Ärger brüten sie wohl
heute für uns aus?" (Dank an Janet für diese
Information)
Gut zu wissen: 
- Another Country
ermöglichte Colin Firth seinen ersten
professionellen Auftritt. Im Frühjahr 1983 ,
noch während seiner Ausbildung am Drama Centre,
hatte er sein Debüt in der Rolle des Guy Bennet
in der Bühnenproduktion von Another Country. Als
Rupert Everett, der die Rolle des Guy Bennet vor
Colin Firth inne hatte, die Rolle in der
Filmversion erhielt, ermutigte er Colin Firth
für die Rolle des Tommy Judd vorzusprechen.
Colin Firth folgte diesem Rat und bekam die
Rolle.
- Julian Mitchell
adaptierte sein eigenes Bühnenstück für die
Leinwand mit einigen wesentlichen Änderungen. Im
Bühnenstück kommen nur zehn Charaktere vor.
Harcourt, z.B. erscheint nicht, von ihm wird nur
gesprochen.
Das Ende des Bühenstückes ist weniger konkret
und läßt die Frage über Judds Einfluß auf
Bennets politsche Einstellung offen. Während im
Film durch den Prolog und den Epilog des älteren
Bennet in Moskau zeigt, was im Bühnenstück
lediglich angedeutet wird.
- Neben Rupert Everett
und Colin Firth verhalf die Bühnenproduktion von
Another Country auch anderen jungen britischen
Schauspielern zu ihrer erste großen Rolle:
Daniel Day-Lewis spielte ebenfalls den Guy Bennet
und Kenneth Branagh gewann für seine Darstellung
des Tommy Judd bei der "Society of West End
Theatre" den Preis als bester
Nachwuchsschauspieler.
Eine ganze Anzahl von
Schauspielern, die auf der Bühne verschiedene
der Schüler darstellten, spielten später in
Filmen an der Seite von Colin Firth: James Whilby
(Dutch Girls), Julian Wadham (The Englisch
Patient), Anthony Calf (Pride and Prejudice).
Bücher zum Film:
- "Another
Country" (das Bühnenstück, engl.), Julian
Mitchell , Amber Lane Press, ISBN:
0-906399-31-9
Video/DVD/Soundtrack:
PAL
Video, engl.
PAL
Video dt.
NTSC
Video, engl.
- läuft hin und wieder
im dt. TV
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