"Herzensbrecher in geheimer Mission"
(GALA, Januar 1999)
 
Ein neuer Frauenliebling im deutschen Fernsehen: Der Schauspieler Max Gertsch bewegt sich zwischen Draufgängertum und Familienglück. Extreme Rollenwechsel, wie er sie lieb t- beruflich und privat.
Ein harter Bursche mit dem Äußeren eines Ladykillers. In der RTL- Krimiserie "Im Namen des Gesetzes" mimt Max Gertsch den Undercover-Mann Ralf Bongartz, der Mörder, Entführer und Erpresser jagt und vor Gericht bringt. Eine Rolle, die für den ungewöhnlich hohen Frauenanteil von 60 Prozent unter den wöchentlich 4,5 Millionen Zuschauern sorgt. Stapelweise weibliche Fanpost hat der 34- jährige Wahlberliner bekommen, nachdem er in der ZDF-Reihe "Girlfriends" vor der Kamera das Herz von Mariele Millowitsch erobert hatte. "Geschrieben haben mir übewiegend junge Mädchen und potentielle Schwiegermütter", gibt Max Gertsch amüsiert zu. Und läßt offen, ob seine Lebensgefährtin, eine Schauspielerin, deren Namen er partout nicht preisgeben will, dies genauso lustig findet.
Die Produktionsleitung von "Im Namen des Gesetzes" achtet darauf, dass das Image ihres Hauptdarstellers nicht beschädigt wird. dass Ralf Bongartz alias Max Gertsch bei aller Action ohne blaues Auge, ohne Schrammen davonkommt. Denn Gertsch würde am liebsten die meisten Stunts selber machen: "Ich bin zwar kein wahnsinniger Heroe, aber wenn es darum geht, über ein fahrendes Auto zu springen, sich hinten festzuhalten und mitschleifen zu lassen, sag' ich erstmal: Na klar mach' ich das. Aber natürlich mit dem Wissen, dass derjenige, der sich hinterher auf Knien 50 Meter über den Asphalt schleifen läßt, der Stuntman ist und nicht ich." Max Gertsch


Ein Draufgänger ist er keineswegs, eher der unscheinbare Schattenmann, der aber kein Problem hat, ins kalte Wasser zu springen, wenn's sein muss. Das hat er immer so gemacht - früher vor allem, als er noch alleine lebte. "Die Schauspielerei fasziniert mich auch deshalb, weil ich verschiedene Dinge machen kann. Ich muss mich öfter mal verändern, sonst wird's langweilig."

Max Gertsch ist Schweizer, ging in Bern auf die Schauspielschule und landete wie sein Landsmann Stefan Kurt irgendwann bei einem deutschen Theater. Kurt spielte lange am Hamburger Thalia, Gertsch an der freien Volksbühne Berlin. Übrigens: In dem Musical "Black Rider" sind beide mal als Wilhelm aufgetreten. Gertsch hat aber nicht nur Theater gespielt, er ist auch ein hervorragender Bluessänger und war Gründungsmitglied der Ulk - Truppe Geschwister Pfister. Aber nach drei Tourneejahren war Schluß: "Es wäre wäre mir zu simpel gewesen, einfach das nächste und dann das übernächste Pfister - Programm abzuspulen."


Eine Alternative hatte er nicht - damals im Sommer 1993. Wieder mal war Max Gertsch ins kalte Wasser gesprungen: kein Engagement in Sicht, aber das Wetter war schön. Endlich Zeit, Berlin richtig kennenzulernen: "Eine tolle Stadt, die sich immer wieder verändert. Richtig spannend hier." Aufgrund früherer Kontakte landete er dann in Hamburg, wo Studio Hamburg ihm eine Rolle in "Doppelter Einsatz" offerierte. Gertsch nahm an - und ist seitdem Serienstar. Er spielte in "Liebe Lügen", "Auf eigene Gefahr", "Faust", "Girl friends" und "Flughafenklinik".
Gut möglich, dass nach den 17 Episoden von "Im Namen des Gesetzes" ab Drehbeginn im März nochmal so viele folgen, denn RTL hat eine Option auf sein Mitwirken. Gertsch kann's recht sein: "Erstmal stimmt die Gage, und ich kann mich nächstes Jahr hinsetzten und in aller Ruhe schauen, was danach kommt. Keine Brotjobs, nur das, was mir Spaß macht." Dabei ist er ein so verantwortungsvoller Mensch geworden, seit er vor vier Jahren Vater wurde. "Ich meine, dass ich mir und den Menschen um mich herum Rechenschaft schuldig bin. Durch meine Arbeit und meine Lebenshaltung möchte ich eine gewisse Verläßlichkeit bieten. Da ist schon mal ein kleiner (oder großer) Ausflipper drin, aber nicht allzu viele."

Auf die Frage, wann er denn das letzte Mal betrunken gewesen sei, kommt prompt die Antwort: "Vor zwei Tagen, am Samstag. Da brannten am Schluß die Partyboxen. Ich habe eine lesbische Frau mit Liebeskummer beruhigt, ziemlich viel getrunken und war so um vier Uhr morgens zu Hause. Mit einem ziemlich dicken Kopf - aber glücklich." Seine Lebensgefährtin fand's okay, weil er zum Frühstück schon wieder aufstand. Seine Tochter ebenfalls, weil er dann noch mit ihr ins Kindertheater ging.
© 1999 GALA; Harald Heinzinger

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