Was wichtig ist, ist nicht, was man so nennt,
nicht, was man ist und wen man alles kennt
Ich kenn' die Regeln, ich beherrsch' das Spiel
Doch all das Wissen nützt nicht viel
Was wirklich wichtig ist, weiß ich erst heut'.
Was wichtig ist, das ist nicht, was Du hast,
nicht ob Dein Leben ander'n Leuten paßt
Ich bin vor keinem Traum zurückgescheut
Doch hab' ich auch nichts bereut
Was wirklich wichtig ist, weiß ich erst heut'.
Ich wollte mehr, was es auch war
Kein Stern war zu fern für mich
Jetzt steh ich da, fühle ganz klar:
All das ist nichts wert ohne Dich.
Ich dachte es wär wichtig, frei zu sein
Ich dachte, daß ich glücklich bin allein
Und doch kommt mir, seitdem ich Dich verlor,
mein Leben wie ein Irrtum vor
Was wirklich wichtig ist, weiß ich erst heut'.
Was wichtig ist begreift man oft zu spät,
weil man es nicht mit dem Verstand versteht
Ich weiß nicht, ob ich Dich zurückgewinn'
Ich weiß nur ganz tief in mir drin:
Was immer ich auch denke oder tu',
|: was [wirklich] wichtig ist :| das bist Du.
*Der verlinkte Liveauftritt ist aus 2000; aber Musik und Arrangement deuten auf eine Entstehungszeit dieses Liedes in den späten 1960er Jahren hin. Vermutlich ließ man es damals in der Schulade liegen und brachte erstmal irgendwelchen primitiven "entschmalzten" - so nannte er das - Schrott heraus, was zu einem vorübergehenden Karriereknick führte. Gewiß, über den etwas naiven Text von Michael Kunze kann man streiten.** Aber die linken - heute würde man sagen "woken" - Texte, mit denen sich U.J. vorübergehend als Bürgerschreck aufspielte, waren ja noch viel schlimmer. Nun ja, als Sohn eines Banksters war Herr Bockelmann ja etwas gleicher als die Anderen und konnte diese Saure-Gurken-Zeit leicht überbrücken; und irgendwann holte er die alten Lieder halt wieder hervor - so auch dieses.
**Darf ich kurz die Gegenrede - aus dem Buch "Generation Doof" von S. Bonner & A. Weiss - zitieren:
"Schon früh hat man uns beigebracht: [...] Alle sind gleich und haben dieselben Rechte. [...] Wir sind tolerant, wir sind teamfähig, Alles wunderbar. Wer sich anstrengt, der wird es schon automatisch zu etwas bringen. Nach dem ersten Kontakt mit der Berufsrealität merken wir jedoch rasch, daß wir uns das schöne Getue in die Haare schmieren können. Ob man wirklich etwas kann, spielt keine Rolle. Wichtig ist, daß man jemanden kennt. Alles, was man braucht, sind Kontakte, ein Netzwerk (Anm. Schlagerhansi für Ossis: auch "Seilschaft" genannt) oder das vielbeschworene Vitamin B, das Epo der Berufswelt. Wenn wir nicht durch Verwandte in einflußreiche Stellungen kommen, hilft Vitamin B6 (Anm. Schlagerhansi: "6" am Anfang mit scharfem "ß" auszusprechen ;-) - boshaft auch "Hochschlafen" genannt."

Tja, das mag helfen, solange es die Ausnahme bleibt. Aber irgendwann, wenn Posten und Pöstchen nur noch nach diesem Prinzip besetzt werden, wird das Unternehmen vor die Hunde gehen, und der Staat, der nur noch von "hochgeschlafenen" Parteibonz[inn]en aus der Seilschaft regiert wird, wird zum "failed state". Und an genau diesem Punkt stehen wir heute - Stichwort "De-Industrialisierung" und "BRDigen".
