(Kehrreim:)
Tausend Farben wünsch' ich mir,
nur um meine Stadt zu malen,
tausend Farben für mein Prag
und diesen sonnigen Tag.
Rot für die Sonne, die über der Stadt erwacht
Blau für den Himmel, der sie überdacht
Grün für alle Bäume, die leuchten Jahr für Jahr
Aber wie stell' ich die Straßen und das bunte Leben dar?*
Kehrreim
Gold** für die Dächer, die hell in der Sonne glüh'n
Weiß für die Wolken, die am Himmel flieh'n***
Silber für die Wellen, die der Wind nie ruhen läßt
Aber wie halt' ich die Brücken und die hundert Türme fest?
Kehrreim (bis)
*Na, am besten realistisch: aufgerissene Straßen, aus denen noch bzw. wieder die Katzköpfe der guten alten k.u.k.-Zeit hervorschauen. Die Tschechen haben die alte deutsche Stadt Prag ebenso verkommen lassen wie die Polaken das einst deutsche Krakau und die Magyaren das einst deutsche Ofen. (Ich darf das schreiben, meine Großeltern mütterlicherseits kamen aus Ofen, oder wie man heute sagt, Budapest - statt Budapescht, wie es richtig wäre.) Nein, das waren keine Städte der "Eingeborenen", sondern sie wurden von deutschen Baumeistern mit dem Geld deutscher Kaufleute angelegt und mit tüchtigen deutschen Handwerkern besiedelt; sie zählten zu den blühendsten Städten Europas, wenn nicht der Welt. Nein, das hat auch nichts mit Kommunismus, Sozialismus, Demokratismus und/oder Kapitalismus zu tun; ich habe sie sowohl vor als auch nach dem Fall des "eisernen Vorhangs" besucht, und geändert hatte sich nichts: Die Touristenecken waren schon vorher gut in Schuß und recht sehenswert; und die übrigen Viertel auch nachher noch unter aller Kritik. Aber seien wir ehrlich: Einst mag deutscher Straßen- und Städtebau Weltgeltung gehabt haben. Wenn man sich dagegen heute so bei uns umschaut... Doch das mag [auch] daran liegen, daß wir inzwischen ein "buntes" Leben haben, Dank der 'zig Millionen farbigen Rapefugees "Flüchtlinge", die unsere Politiker[innen] ins Land geholt haben. Die zu alimentieren ist ihnen wichtiger, als unsere Autobahnen, Brücken, Eisenbahnschienen, öffentlichen Gebäude, Straßen und Türme in Ordnung zu halten.
**Ja ja, "das goldene Prag". Mir hat mal jemand mit einschlägigen Sprachkenntnissen erzählt, daß das eigentlich ein (bewußter?) Übersetzungsfehler sei; tatsächlich hieße es "das goldige Prag", wegen des goldenen Humors einiger seiner Schriftsteller. Ich wüßte zwar nicht, welche das sein sollten (die Wendung ist doch sicher älter als "der rasende Reporter" Kisch - und auch dessen Humor war doch eher biestig als goldig), aber da kenne ich mich nicht so gut aus...
***So singt er eindeutig, obwohl "zieh'n" natürlich viel besser passen würde.