
Midas
Jener, der im Begriff war das Geschenk schlecht zu nutzen, sagte: "Mach, daß alles, was ich mit dem Körper berühre, sich in rötliches Gold verwandle." Liber stimmte dem Wunsch zu, und gewährte das schadenbringende Geschenk und bedauerte, daß er um kein besseres gebeten hatte. Froh geht Midas weg, und freute sich über das, was sein Unheil werden sollte, und prüfte die Zuverlässigkeit des Versprechens, indem er einzelne Dinge berührte. Kaum seiner Kraft trauend, brach er von einer niedrigen Steineiche einen Ast mit grünem Laub herunter: der Zweig wurde golden! Er hob vom Boden einen Stein auf: auch der Stein glänzte durch Gold! Er berührte gleichfalls eine Erdscholle: durch die machtvolle Berührung wird die Erdscholle ein Goldklumpen. Er pflückte trockene Ähren der Ceres! Die Ernte war golden. Er hält eine vom Baum gepflückte Frucht: Man könnte glauben, die Hesperiden hätten sie geschenkt! Wenn er den hohen Türpfosten die Finger näherte, sah man die Türpfosten erstrahlen. Sobald er auch seine Hände mit Wasser gewaschen hatte, hätte das von den Händen fließende Wasser Danei täuschen können. Kaum begreift er seine Hoffnungen, sich alles golden vorstellend. Die Diener stellten ihm, der sich noch freute, Tische hin, beladen mit Speisen, auf denen sich auch Brot befand. Aber dann, wenn er mit seiner rechten die Gaben der Ceres berührt hatte, wurden die Gaben der Ceres hart. Wenn er sich anschickte die Speisen mit gierigem Zahn zu zerbeißen, dann überzog eine rotgoldene Schicht die Speisen, nachdem er sie mit seinem Zahn berührt hatte. Er hatte Wein mit purem Wasser vermischt, und man hätte flüssiges Gold durch seinen Rachen fließen sehen können. Bestürzt über das noch nie dagewesene Unglück und reich und arm zugleich wünschte er vom Reichtum zu entkommen, und haßte, was er sich vor kurzem gewünscht hatte. Kein Überfluß stillte seinen Hunger, austrocknender Durst verbrannte die Kehle, und wie er es verdient hat, wird er vom verhaßten Gold gequält. Er sagte zum Himmel, die Hände und glänzenden Unterarme erhoben: "Gewähre Verzeihung, Vater Lenaeus! (Wir) Ich habe(n) einen Fehler begangen!. Aber erbarme dich, ich bitte dich, und entreiße mich dem strahlenden Elend!" Gnädig ist das Walten der Götter: Bacchus versetzt ihn, der gesteht gesündigt zu haben, in den früheren Zustand, und nimmt das in treuer Erfüllung des Vertrages gegebene Geschenk von ihm. |
male usurus: der zu seinem Unheil
verwenden sollte contingo3/tigi/tactus: berühren fulvus3: erzfarben, rotgelb adnuo3/nui: zunicken munera solvere: das Geschenk gewähren indolesco3/dolui: bedauern fides polliciti: die Erfüllung des Versprechens vix sibi credens: kaum vertrauend virga fronde virens: ein Zweig mit grünen Blättern ilex/ilicis: Eiche glaeba/ae: Erdscholle, -brocken contactus/us: Berührung potens/ntis: auch: wirksam massa/ae: Masse, hier: Goldklumpen areo2: dürr, reif sein arista/ae: Ähre decerpo3/psi: abpflücken messis/is: Ernte, hier: Getreide demo3/dempsi/demptus: wegnehmen, abpflücken radio1: erstrahlen digitus/i: Zeige-, Finger palma/ae: Hand eludo3/lusi/lusus: täuschen fingo3/finxi/fictus: bilden, vorstellen extrucus3: beladen tosta frux: Brot (geröstetes Getreide) avidus3: gierig rigeo2: starren, hier: zerkleinern daps/dapis: Opfermal, Speise convello3/velli/vulsus: nieder-, los-, zer-., auseinanderbeißen paro1: vor-, zubereiten, im Sinn haben, sich anschicken lammina/ae: dünne Platte, Blech premo3/pressi/pressus: drücken, pressen, überziehen, bedecken misceo2/miscui/mixtum: ver-, mischen, beigesellen rictus/us: Rachen fluito1: fließen fusilis/e: flüssig attonitus3: bestürzt, erschrocken opes effugere: dem Reichtum entfliehen, entkommen novitas/atis: Neuheit, das Ungewöhnliche, das Überraschende voveo2/vovi/votus: geloben, weihen, wünschen, verlangen revelo1: erleichtern guttur/uris: Gurgel, Kehle uro3/ussi/ustus: zum Brennen bringen, verbrennen, austrocknen invisus3: ungesehen, feindlich, verhaßt meritus3: gebührend, mit Recht torqueo2/torsi/tortus: plagen, martern bracchium/i: Unterarm, Äste pecco1: sündigen, Fehler machen precor1: bitten speciosus3: schön, prächtig eripio3M/ripui/reptus: heraus-, fort-, entreißen damnum/i: Geldbuße, Strafe mitis/e: mild, sanft |