
Publius Vergilius Maro
1. Kurzbiographie
70 am 15.Oktober in einem kleinen Dorf beim heutigen Mantua, Andes, als Sohn bescheidener Leute geboren. Der Vater war Töpfer und Bauer, der bis zu seiner Verheiratung bei seinem Schwiegervater, einem reichen Bauern, als Knecht arbeitete und tabellarius, also Briefträger, war. Vergils Mutter ist die einzige römische Dichtermutter, deren Namen wir kennen: Magia Polla. Durch die Sparsamkeit seiner Eltern kann Vergil eine ausgezeichnete Ausbildung genießen, vor allem an den Schulen in Cremona und Mediolanum (Mailand).
2. Werke
2.1. Catalepton
die sogenannten "Kleinigkeiten", frühe Dichtungen Vergils, die noch stark unter dem Einfluß Catulls und der Neoteriker stehen.
2.2. Bucolica (auch: Eclogae)
"Hirtengesänge", in 4 "ausgewählten Gedichten" (Eclogen), die die Friedenssehnsucht seiner Zeit, die Idylle des Landlebens, vor allem aber das Lob des Augustus, der Rom den Frieden gebracht hat, preisen. Entstanden sind diese, im Stile der Alexandriner gehaltenen Gedichte zwischen 42 und 37 v.Chr.
2.3. Georgica
Hier behandelt Vergil in IV libri den Alltag des Landmanns: den Ackerbau, die Viehzucht, den Obstbau und die Bienenzucht. Die Entstehungszeit liegt vermutlich zwischen
37 und 30 v.Chr.
2.4. Aeneidos
Die "Aeneis", entstanden zwischen 29 und 19 v.Chr., d a s römische Nationalepos schlechthin. Beeinflußt durch Homers Ilias und Odyssee deutet diese epische Erzählung die römische Geschichte in einzigartiger Weise. Die libri I bis VI behandeln die Irrfahrten des Aeneas bis zu seiner Landung in Latium (Vorbild: Odyssee), die libri VII bis XII die Erlebnisse nach seiner Ankunft in Italien, seine Kämpfe um die Besiedlung (Vorbild: Ilias, Kämpfe vor Troia).
3. Exkurs: Gliederung der Aeneis
3.1. liber I
1 - 7 Inhalt des Epos
8 - 11 Anrufung der Muse
12 - 33 Gründe für die Feindschaft Iunos gegen die Troianer
Das Epos beginnt, wie Homers Odyssee, mitten in der Irrfahrt des Aeneas:Aeneas hatte nach langer Irrfahrt in Drepanum, an der Westküste Siziliens, bei seinem Landsmann Acestes freundliche Aufnahme gefunden. Nachdem Anchises, der Vater Aeneas´, hier gestorben und auf dem Berg Eryx begraben worden war, sticht Aeneas erneut in See. Als aber Iuno die Troianer von Sizilien Richtung Latium segeln sieht, greift sie wütend die Flotte an. Hiermit beginnt die Erzählung:
34 - 49 Zorn Iunos
3.2. liber II
50 - 80 Iuno und Aeolus
81 - 91 Aeolus läßt alle Winde auf dem Thyrrenischen Meer los.
92 - 101 Klage des Aeneas
102 - 123 Schicksal der Flotte des Aeneas
124 - 141 Neptun greift ein und jagt die Winde nach Hause und
142 - 156 beruhigt das aufgewühlte Meer.
157 - 179 Aeneas landet in einer Bucht Libyens.
180 - 193 Aeneas sieht sich um und erlegt 7 Hirsche.
194 - 209 Aeneas ermahnt die Gefährten zu Standhaftigkeit.
210 - 222 Das Mahl und anschließendes Gedenken an die vermißten Gefährten
223 - 249 Schauplatzwechsel:
Venus beklagt sich bei Iuppiter, daß ihr Sohn Aeneas von Italien ferngehalten wird und erinnert, daß ein viel geringerer Troer schon weit früher in Italien eine neue Heimat gefunden hat.
250 - 296 Venus erinnert Iuppiter an sein Versprechen, dieser tröstet sie durch die Prophezeiung der Größe Roms.
297 - 304 Iuppiter sendet Mercur nach Karthago, um Aeneas bei den Tyriern und deren Königin Dido freundliche Aufnahme zu sichern.
305 - 334 Aeneas geht auf Erkundung aus, Venus erscheint ihm im Wald in Gestalt einer Jägerin, Aeneas bittet um Auskunft über Land und Leute.
335 - 370 Venus erzählt die Geschichte Didos und der neuen Stadt Karthago.
370 - 385 Aeneas erzählt Venus sein Schicksal.
385 - 410 Venus erzählt Aeneas, daß seine vermißten Gefährten gerettet und eben gelandet seien, dann zeigt sie sich ihm in ihrer göttlichen Gestalt.
411 - 440 Venus macht Aeneas und seinen Freund Achates unsichtbar, die beiden gehen nach Karthago und bewundern dort die Bautätigkeit.
441 - 493 Im Iunotempel betrachten die beiden gerührt Bilder mit Szenen aus dem Troianischen Krieg.
494 - 519 Dido kommt in den Tempel. Vor ihr erscheinen die vermißten Gefährten des Aeneas, die eben gelandet sind.
520 - 560 Ilioneus bittet im Namen der Troianer um Schutz und Hilfe.
561 - 632 Dido nimmt die Troianer gastlich auf. Venus macht Aeneas und Achates wieder sichtbar, Aeneas gibt sich zu erkennen und dankt Dido, die auch ihn freundlich aufnimmt.
633 - 756 Aeneas schickt Achates zu den Schiffen, um seinen Sohn Iulus (= Ascanius), sowie Geschenke für Dido holen zu lassen. Venus aber will das Glück ihres Sohnes gegen den unversöhnlichen Haß Iunos sichern und beschließt, Dido leidenschaftliche Liebe zu Aeneas einzuflößen. Sie entrückt Iulus an ihren Lieblingssitz Cypern, an seiner statt erscheint der Gott Amor (= Cupido) in Iulus´ Gestalt. Während des Festmahles faßt Dido über die Zuneigung zum Kind tiefe Leidenschaft für Aeneas. Nachdem ein Sänger mit Erzählungen über die Wunder der Natur die Festgäste unterhalten hat, bittet Dido Aeneas, über den Fall Troias und über seine Abenteurer zu berichten.1 - 13 Aeneas entschließt sich zu einem Bericht über seine Leiden.
3.3. liber III
13 - 20 Täuschende Vorbereitungen der Griechen zur Heimkehr, Bau und Bemannung des hölzernen Pferdes
21 - 39 Die griechische Flotte segelt ab und verbirgt sich hinter der Insel Tenedos. Die Troianer eilen zum verlassenen griechischen Lager und beraten über das hölzerne Pferd.
40 - 56 Der Neptunpriester Laokoon versucht, seine Mitbürger vor der drohenden Gefahr des Pferdes zu warnen.
57 - 200 Sinon, ein Grieche, der freiwillig zurückgeblieben war, um den Lockvogel zu spielen, wird von den Troern gefangen genommen. Er erklärt den Sinn des Pferdes: ein Weihegeschenk für Athene, um glückliche Heimkehr zu erwirken. Die Größe sei Absicht, damit es nicht durch die Stadttore passe, denn innerhalb der Stadtmauern würde es Troia uneinnehmbar machen. Die Troianer glauben ihm und beschließen, das Pferd in die Stadt zu bringen. Nur Laokoon erklärt, alles sei List.
201 - 227 Laokoon und seine beiden Söhne werden von einem Schlangenpaar, das vom Meer kommt, vor den Augen der Troer getötet.
228 - 245 Die Troianer sehen im Tod des Priester seine Bestrafung für die Entweihung des Pferdes, öffnen die Mauern und schaffen in feierlicher Prozession das Pferd in die Stadt.
246 - 485 Kassandra, eine Tochter König Priamos´, die von Apollon die Gabe der Weissagung bekommen hatte, deren Prophezeiungen aber nie jemand glaubte, warnt vergeblich vor der List der Griechen. Als nach der Siegesfeier die Nacht hereinbricht, werden nur wenige Wachen aufgestellt. Auf ein Feuerzeichen von Tenedos her entriegelt Sinon das Pferd, die Griechen stürmen heraus, überwältigen die Wachen und öffnen die Stadttore. Der Geist des toten Hector erscheint Aeneas im Traum und fordert ihn auf, sich und die Penaten Troias zu retten. Aeneas erwacht vom Kampflärm und sieht vom Dach aus alles in Flammen. Er eilt, um den Tod im Kampf zu finden, trifft Panthus, den Apollopriester, und erfährt von ihm den unvermeidlichen Untergang Troias. Dieser Bericht steigert die Kampfeswut des Aeneas. Bald hat sich eine Schar Krieger um ihn versammelt. Als sie eine Gruppe Griechen niedergemacht haben, legen sie deren Rüstungen an und erringen durch diese Kriegslist erste Erfolge. Beim Versuch, Kassandra, die von den Griechen fortgeschleppt wird, zu retten, werden sie zunächst von den eigenen Leuten beschossen, daraufhin aber von den Griechen erkannt und angegriffen. Fast alle Gefährten des Aeneas fallen. Mit nur zwei Begleitern gelangt dieser zum Königspalast, um den wild gekämpft wird. Durch ein Hinterportal gelangt Aeneas aufs Dach und beteiligt sich an der Verteidigung der Burg.
486 - 505 Der letzte Kampf um die Burg
506 - 525 Priamos will kämpfen, wird aber von seiner Gattin Hecuba an den Schutzaltar genötigt.
526 - 558 Der Grieche Pyrrhus tötet Polites, einen Sohn des Priamos, vor den Augen des Vaters. Danach mordet er den König am Altar.
559 - 566 Beim Anblick des toten Priamos gedenkt Aeneas der Seinen.
567 - 587 Aeneas begegnet Helena, um derentwillen der Krieg entbrannt war.
588 - 623 Venus erscheint dem Aeneas und enthüllt ihm den eigentlichen Grund für den Fall Troias. Sie fordert ihn auf, mit den Seinen zu fliehen.
624 - 804 Unter der Führung Venus´ gelangt Aeneas unverletzt durch die Flammen. Als Aeneas mit seiner Familie fliehen will, weigert sich sein greiser Vater Anchises, die Heimat zu verlassen. Erst durch zwei Wunderzeichen wird er umgestimmt (Die Stirn Iulus´ wird von einer Flamme umschlossen, ein Komet erscheint.). Die Flucht beginnt: Anchises, die Penaten Troias in Händen, wird vom Sohn Aeneas getragen, der kleine Iulus an der Hand des Vaters, die Gattin Aeneas´, Creusa, ein Stück weiter zurück. Als Sammelplatz ist der Cerestempel, ein Stück außerhalb der Stadt, ausgemacht. Doch als man dort ankommt, ist Creusa verschwunden. Aeneas eilt zurück, trifft aber nur ihren Geist, der ihm verkündet, daß Iuppiter sie nicht als Begleiterin seiner Flucht wünscht. Sie verheißt ihm eine neue Heimat im Westen am Tiber und eine königliche Gattin. Zurückgekehrt findet Aeneas am Cerestempel eine überraschend große Zahl an Flüchtlingen vor. Mit ihnen sucht er am nächsten Tag im Idagebirge Zuflucht.1 - 587 Am Fuße des Ida bauen die Flüchtlinge eine Flotte. Im nächsten Frühjahr verläßt Aeneas mit zwanzig Schiffen die Heimat. Er gelangt nach Thrakien, wo er eine Stadt (Aeneadae) gründet, wird aber durch ein unglückliches Vorzeichen zur Weiterfahrt getrieben. Auf Delos eröffnet ihm Apollon, daß er das Stammland seines Volkes aufzusuchen hat. Anchises deutet diesen Spruch falsch auf Kreta. Dort angekommen gründen die Troer Pergama, werden aber durch eine Pest darauf hingewiesen, daß auch diese Stadt nicht im Willen des Schicksals liegt. Im Traum künden die Penaten dem Aeneas, daß Apollon Italien gemeint habe. Auf der Weiterfahrt gelangen sie nach einem dreitägigen Sturm zu den Strophaden, den Inseln der Harpyien (Wesen, halb Raubvogel, halb Mädchen, die religiösen Frevlern das Essen rauben oder verekeln). Dort erhalten sie die Weissagung, daß sie nicht eher in der neuen Heimat eine Stadt gründen werden, als bis sie vor Hunger ihre Tische aufgegessen haben. Sie fahren weiter durch das Ionische Meer und landen bei Actium, wo sie Kampfspiele abhalten und den Winter verbringen. Zu Frühlingsbeginn segeln sie weiter und gelangen nach Buthrotum (in Albanien). Aeneas begegnet Andromache, der Witwe Hectors, die dort nach ihrer Freilassung aus der griechischen Kriegsgefangenschaft mit dem Seher Helenus verheiratet ist. Helenus weissagt Aeneas, eine weiße Sau mit dreißig weißen Ferkeln unter einer Eiche werde ihm den Ort der Stadtgründung weisen. Weiters gibt er Verhaltensmaßregeln für die weitere Reise: Aeneas müsse nach Cumae an der Westküste Italiens, um dort die weise Sibylle zu befragen. Reich beschenkt setzen die Troianer ihre Reise fort. Nach einer sternklaren Nacht erblicken sie zum erstenmal die Küste Italiens und landen an der Südspitze Kalabriens um zu opfern. Sie segeln der Ostküste entlang weiter und machen den Umweg um Sizilien, um den Meeresungeheuern Scylla und Charybdis, die die Meerenge von Messina bewachen, zu umgehen. An Siziliens Ostküste, in der Nähe des Aetna, landen sie, um eine Nacht an der Küste zu verbringen.
3.4. liber IV
588 - 611 Am Morgen tritt ein Mann vor sie, Achaemenides, ein Grieche aus Ithaka, der seinerzeit von Odysseus hier im Lande der Cyclopen zurückgelassen worden war.
612 - 654 Achaemenides erzählt über das Cyclopenabenteuer des Odysseus und warnt die Troianer vor der tödlichen Gefahr.
655 - 683 Der blinde Polyphem erscheint und ruft durch sein Geschrei die anderen Cyclopen herbei. Erschreckt fliehen die Troianer.
684 - 718 Die Winde versuchen die Flotte zu Scylla und Charybdis zu treiben, doch wenden sie sich rechtzeitig, und so geht die Fahrt um Sizilien herum, bis Aeneas schließlich in Drepanum, an der NW-Spitze Siziliens, landet. Hier stirbt Anchises und wird auf dem Berg Eryx begraben. Als Aeneas auf der Weiterfahrt von Iuno erspäht wird, verschlägt ihn der Sturm nach Karthago.
Ende der Erzählungen des Aeneas.1 - 89 Aussprache zwischen Dido und ihrer Schwester Anna. Anna beschwichtigt die Sorgen Didos und diese gibt sich nun ganz ihren Gefühlen zu Aeneas hin.
90 - 128 Iuno schlägt der Venus einen Ehebund zwischen Aeneas und Dido vor. Sie will damit das Schicksal (fatum) durchbrechen, indem sie die Weltherrschaft so nach Karthago lenkt. Ihr Plan ist, Dido und Aeneas auf der Jagd während eines von ihr erregten Gewitters in einer Höhle zum Bund zusammenzuführen. Venus stimmt zu.
129 - 150 Auszug zur Jagd
151 - 159 Das Getümmel der Jagd
160 - 172 Das Gewitter und die Vereinigung der beiden in der Höhle.
173 - 295 Die Fama (das Gerücht) berichtet dem Iarbas, einem Sohn des Iuppiter und König der afrikanischen Gaetuler, der einst als Freier von Dido abgelehnt wurde, von dem Liebesbund. Iarbas beschwert sich im Gebet bei seinem Vater Iuppiter; dieser erhört ihn und schickt den Götterboten Mercur zu Aeneas mit der klaren Aufforderung zur Weiterfahrt. Mercur erscheint dem Aeneas, während dieser bereits den Bau einer neuen Stadt in Angriff genommen hat. Aeneas ist von der Botschaft der Götter tief betroffen und sofort entschlossen, nicht ungehorsam zu sein. So befiehlt er den Gefährten, heimlich die Flotte vorzubereiten, er selbst will auf einen günstigen Augenblick warten, um Dido Lebewohl zu sagen.
296 - 330 Dido merkt das Vorhaben und überhäuft Aeneas mit Vorwürfen.
331 - 361 Aeneas beruft sich auf die Schicksalsbestimmung und die Botschaft des Mercur.
362 - 392 Dido hat kein Verständnis, sie wirft Aeneas Härte, Treulosigkeit und Undankbarkeit vor, dann wird sie ohnmächtig, Dienerinnen tragen sie fort.
393 - 449 Aeneas sucht die Flotte auf. Die eifrigen Vorbereitungen der Troer werden mit den Mühen der Ameisen verglichen. Dido macht einen letzten Versuch, Aeneas zurückzuhalten: Ihre Schwester Anna soll vermitteln und Aeneas dazu bewegen, wenigstens noch einen Winter zu bleiben. Doch Aeneas bleibt bei seinem Entschluß.
450 - 468 Dido, erschreckt von bösen Vorzeichen und Träumen, wünscht sich den Tod.
469 - 583 Unter der Vorspiegelung, sie wolle alles, was an Aeneas erinnert, verbrennen, überredet Dido Anna, im Hof des Palastes einen Scheiterhaufen zu errichten. Eine Zauberin weiht diesen in ihrem Beisein ein. In der Nacht festigt Dido in einem Selbstgespräch ihren Entschluß. Auch Mercur erscheint dem Aeneas noch einmal und fordert ihn zur sofortigen Abreise auf. Aeneas segelt noch in der Nacht fort.
584 - 629 Als Dido bei Tagesanbruch die Flotte der Troianer schon auf hoher See sieht, gibt sie rasend den Befehl zu einer sinnlosen Verfolgung und bricht in leidenschaftliche Verwünschungen aus. Ihr Fluch soll ewige Feindschaft zwischen den beiden Völkern stiften.
630 - 665 Dido schickt die Amme zu ihrer Schwester Anna; als diese davoneilt, ersticht sich Dido auf dem Scheiterhaufen mit dem Schwert des Aeneas.
666 - 692 In den Armen der entsetzten Anna stirbt Dido.
693 - 705 Iuno erlöst die sterbende Dido, sie läßt Iris, die Götterbotin, eine Locke vom Haupt der Dido schneiden, um sie in den Orcus (die Unterwelt) zu geleiten.3.5. liber V
1 - 871 Aeneas auf der Fahrt nach Italien. Hinter sich erblickt er den Feuerschein des brennenden Scheiterhaufens und ahnt die Wahrheit. Auf offener See überrascht die Troianer ein Sturm, bei dem der Steuermann Palinurus glaubt, Italien nicht erreichen zu können. So fahren sie mit dem Wind nach Sizilien und landen zum zweitenmal bei Acestes in Drepanum. Da sie am Jahrestag des Todes des Anchises angekommen sind, werden Totenfeiern und Opfer abgehalten. Aeneas lädt auf den 9. Tag zu Wettspielen ein. Troianer und Siziler versammeln sich. Da mischt sich die alte Feindin Iuno ein: Sie schickt Iris zu den Frauen, die fern von den Wettspielen den Anchises betrauern. Diese stachelt die Troerinnen, die der Mühen und Fahrten müde sind, auf, in Sizilien das neue Troia zu gründen und wirft ein Fackel auf ein Schiff. Die Frauen folgen dem Beispiel und zünden die Flotte an. Als Aeneas und Ascanius mit den Männern zum Löschen eilen, reichen ihre Kräfte dazu nicht aus. Aeneas betet zu Iuppiter um Hilfe. Dieser sendet einen Gewitterregen, der den Brand löscht. Nur vier Schiffe sind vernichtet worden. Nautes, der greise Berater des Aeneas, rät, die Alten, Schwachen und Kranken in Sizilien zurückzulassen, damit sie mit den Leuten des Acestes eine Stadt gründen können. In der Nacht erscheint dem Aeneas der Geist seines Vaters im Traum: Anchises heißt den Plan des Nautes gut und fordert Aeneas auf, zu ihm in die Unterwelt zu kommen, um dort zu erfahren, welche Mauern und welches Geschlecht ihm bestimmt sind. So gründen Aeneas und Acestes nun Segeste und das Heiligtum der Venus auf dem Eryx. Mit kriegstüchtiger Mannschaft bricht Aeneas nun auf. Neptun verspricht Venus, den Troianer sichere Fahrt zu gewähren. Nur ein Leben fordert er als Opfer. So wird der Steuermann Palinurus, vom Schlafgott überrumpelt, ins Meer gestürzt. Erst viel später, als man unter Neptuns Schutz bereits an den Felsen der Sirenen (Wesen, halb Vogel-, halb Mädchengestalt, die durch ihren herrlichen Gesang Schiffe auf die gefährlichen Klippen locken, um die Schiffbrüchigen zu verspeisen) vorbeifährt, fällt Aeneas das Fehlen des Palinurus auf. Er setzt sich selbst ans Steuer, tief erschüttert über das Schicksal des Freundes, der unbestattet auf fremder Küste liegen wird.
3.6. liber VI1 - 272 Aeneas landet an der Küste von Cumae. Sogleich steigt er zum Hain und Tempel des Apollon auf der Höhe, neben dem in einer Höhle die Priesterin des Apollon und der Hekate, die Sibylle Deiphobe, haust. Ihrer Aufforderung folgend, betet Aeneas zu Apollon, fleht die anderen Götter um Schonung an und gelobt, Apollon, Hekate und der Sibylle selbst Heiligtümer zu weihen. Die Sibylle weissagt ihm, daß er in "regna Lavini" kommen werde. Zugleich aber kündigt sie ihm harte Kriege in Latium an. Aeneas bittet sie, als Priesterin der Hekate, ihm den Weg zum Vater in die Unterwelt zu weisen. Vom Vater soll er ja durch einen Blick in die Zukunft endgültig über seine Bestimmung aufgeklärt werden. Die Sibylle belehrt ihn, daß erst zwei Bedingungen zu erfüllen sind: er müsse ein Zeichen seiner Berufung erlangen, das Auffinden des goldenen Zweiges, der nur dem Auserwählten willig vom Stamm folgt, und zweitens die Flotte entsühnen, die durch den Tod eines Gefährten befleckt sei, der unbestattet keine Ruhe finde und erst begraben werden müsse. Ratlos steht Aeneas vor unverstandenen und unmöglichen Bedingungen. Auf dem Rückweg zu den Schiffen findet er einen Toten; es ist Misenus, der Trompeter der Aeneas, der im Blasen die Götter herausgefordert hatte, und darum von Triton ertränkt worden war. Sogleich machen sich alle ans Werk, Bäume für den Scheiterhaufen zur Bestattung zu fällen. Dabei bemerkt Aeneas zwei Tauben, die Vögel seiner Mutter Venus. Er folgt ihnen und gelangt zu dem goldenen Zweig, der sich willig ablösen läßt. Misenus wird feierlich bestattet. Vor der Höhle am Avernersee, die in die Unterwelt führt, bringen Aeneas und die Sibylle der Hekate ein Opfer dar. Dann steigen sie in die Unterwelt hinab.
273 - 294 Das Haus des Dis (= Pluton). Im Vorraum lagern die personifizierten todbringenden Gestalten. Aeneas will in plötzlichem Schreck die mythischen Ungeheuer mit dem Schwert bekämpfen, wird aber von der Sibylle aufgeklärt, daß es sich um unkörperliche Wesen handelt.
295 - 332 Nachdem sie die Vorhalle verlassen haben, sehen sie beim Fluß Acheron den Totenfährmann Charon auf seinem Kahn. Ein Gewimmel von Verstorbenen drängt sich um sein Boot, teils werden sie übergesetzt, teils abgewiesen. Die Sibylle belehrt Aeneas, daß die Unbegrabenen diesseits des Flusses bleiben müssen und nicht den Frieden des Todes erlangen.
333 - 383 Unter den Abgewiesenen sieht Aeneas Leucaspis und Orontes, die im Seesturm untergegangen waren (I, 113). Dann begegnet ihnen der Steuermann Palinurus.
384 - 416 Charon verweigert die Überfahrt, erst der goldene Zweig ermöglicht diese.
417 - 425 Cerberos, der Wächter des Schattenreiches, ein dreiköpfiger Hund, wird durch ein Schlafmittel betäubt.
426 - 476 Der Gang durch die Bezirke der unglücklich und vorzeitig Verstorbenen:426 - 429 Die Seelen der unschuldigen, unmündigen Kinder (Säuglinge).
430 - 433 Die Seelen der unschuldig Hingerichteten. Der Totenrichter Minos erforscht Lebenswandel und Schuld und revidiert gegebenenfalls das irdische Urteil.
434 - 439 Die Selbstmörder
440 - 476 Die Trauergefilde: Die Opfer der unglücklichen Liebe. Aeneas begegnet dem Schatten Didos, die aber unversöhnlich bleibt.477 - 547 Berühmte Kriegshelden des Thebanischen und Troischen Krieges.
548 - 627 Der Tartaros:548 - 579 Am Kreuzweg, bei dem der eine Weg nach links zum Tartaros, der andere, rechts, zum Elysium führt, wendet sich die Sibylle zur Linken. Aeneas folgt ihr, schaut sich aber um und sieht tief zu seiner Linken den am Fuß eines Felsenberges liegenden Tartaros. Er ist von einer dreifachen Mauer und einem Feuerstrom (Phlegethon) umgeben.
580 - 607 Die Frevler gegen die Götter .
608 - 615 Frevler, die sich gegen die Familie, Göttliches oder die Gemeinschaft vergangen haben.
616 - 627 Weitere Sünder.
628 - 636 Aeneas befestigt den goldenen Zweig am Tor zum Palast des Herrscherpaares der Unterwelt (Pluton und Persephone).
637 - 678 Das Elysium - die Gefilde der Seligen:
637 - 665 Beschreibung des Elysiums, seiner Bewohner und deren Beschäftigung
666 - 678 Begegnung mit Musaios. Die Sibylle gibt die Führung ab.679 - 751 Aeneas begegnet seinem Vater Anchises und erhält von diesem eine tiefsinnige Belehrung (Seelenlehre).
3.7. liber VII
752 - 887 Anchises zeigt dem Aeneas die künftigen Helden und Schicksale seines Geschlechtes. Die Heldenschau soll ihn zu tapferen Taten ermutigen.
888 - 892 Anchises spricht von den zu führenden Kriegen.
893 - 901 Aeneas und die Sibylle verlassen die Unterwelt durch das elfenbeinerne Tor der Träume. Aeneas kehrt zur Flotte und zu seinen Gefährten zurück. Die Durchwanderung der Unterwelt hat einen Tag gedauert. Aeneas fährt nach Caieta in Latium.1 - 474 Von Caieta aus fährt Aeneas an den Gestaden der Circe (Zauberin) vorbei, läuft in der Tibermündung ein und legt eine Strecke weiter stromaufwärts an. Die Verhältnisse in Latium werden beschrieben: Latinus, der König zu Laurentum, der Herrscher von Latium, hat eine einzige Tochter in heiratsfähigem Alter, Lavinia, die in ganz Italien umworben wird. Turnus, der junge, schöne und tapfere König der Rutuler, einer italischen Völkerschaft in Latium, bewirbt sich auch um Lavinia. Er wird in seiner Bewerbung von Lavinias Mutter, Amata, begünstigt. Wunder und Weissagungen aber geben den Befehl, Lavinia nicht an einen Einheimischen zu geben, sondern an einen Helden, der aus der Fremde kommt. Von den Harpyien war den Troern geweissagt worden, sie würden in der neuen Heimat nicht eher eine Stadt gründen, als bis sie vor Hunger ihre Tische aufgegessen hätten (III, 255-257). Beim ersten Mahl nach der Landung essen sie die Opferkuchen mit, auf die sie die Früchte des Landes gelegt hatten. So erkennen sie die Erfüllung der Prophezeiung, daß sie am Ziel ihrer Fahrten angekommen sind. Während Aeneas die Stadt abzumessen und zu begründen beginnt, begeben sich seine Gesandten zu König Latinus, um um einen Küstenstreifen für Wohnsitze zu bitten. Latinus nimmt sie nicht nur freundlich auf und erfüllt die Bitte, sondern bietet dem Aeneas, in welchem er den schon lange durch Wunder und Weissagungen angekündigten Erben sieht, seine Tochter Lavinia zur Ehe an.
3.8. liber VIII
Iuno sieht am Tiber ein neues Troia entstehen. Da sie das fatum nicht mehr wenden kann, beschließt sie, die friedliche Vereinigung der Völker wenigstens zu verzögern. Sie entsendet eine der Furien (Rachegöttinnen), Allecto, welche zunächst die Königin Amata gegen Aeneas aufhetzt. Amata versucht vergeblich, Latinus umzustimmen. Danach begibt sich die Furie nach Ardea, erregt in Turnus die Eifersucht und stachelt ihn zum Krieg auf.
475 - 495 Die von Iuno gesandte Furie hetzt die Hunde des Ascanius auf die Fährte eines zahmen Hirschen, der dem Oberhirten des Königs Latinus gehört.
496 - 539 Ascanius verwundet diesen Hirsch. Es kommt deshalb zum Kampf zwischen Troern und Latinern. Das erste Blut fließt.
540 - 571 Die Furie Allecto entbietet sich, Iuno noch weitere Dienste zu leisten und die anderen Völker Italiens aufzuwiegeln. Aber Iuno schickt sie in die Unterwelt zurück; sie will selbst letzte Hand anlegen.
572 - 585 Mit den Leichen des Almo und Galaesus drängen sich die Landleute um den König Latinus. Turnus und andere schüren den Krieg.
586 - 600 König Latinus bleibt allem Drängen gegenüber unbewegt. Als er aber sieht, daß die Dinge, wie Iuno es will, laufen, zieht er sich zurück und läßt dem Geschehen seinen Lauf.
601 - 622 Latinus ist als König (wie später der Consul) der einzige, der berechtigt ist, die Tore des Kriegstempels zu öffnen und damit den Troern den Krieg anzusagen. Latinus aber weigert sich. Da greift Iuno persönlich ein: Sie steigt vom Olymp herab und öffnet selbst die Kriegstore.
623 - 640 Die Latiner rüsten zum Krieg.
641 - 817 Aufzählung der Scharen und ihrer Führer, die gegen die Troer ziehen.1 - 731 Der Ausbruch des Krieges wird noch verzögert, weil beide Parteien Bundesgenossen zu gewinnen suchen. Turnus will den alten Troerfeind Diomedes auf seine Seite ziehen, was - wie sich später zeigen wird - fehlschlagen soll. Dem Aeneas erscheint im Traum der Flußgott Tiberinus. Dieser gibt ihm den Rat, den Arkadier Euandros als Bundesgenossen zu gewinnen. Ein Zeichen, das einst Helenos angekündigt hatte (III, 390-393), geht in Erfüllung: eine weiße Sau mit dreißig Ferkeln unter einer Eiche wird gefunden und der Iuno geopfert. Aeneas begibt sich zu Euandros, der auf der noch ländlichen Stätte des späteren Rom wohnt. Euandros, ein Feind des Königs Latinus, schließt mit Aeneas ein Bündnis; er gibt ihm seinen Sohn Pallas und erlesene Reiter mit. Über diese schwache Hilfe hinaus gibt er Aeneas den Rat, sich an die Etrusker zu wenden. Diese hatten nämlich ihren grausamen Herrscher Mezentius verjagt, der von Turnus aufgenommen wurde. Nun haben sie sich zum Krieg gegen Mezentius gerüstet, der Abmarsch aber wird verzögert durch einen Seherspruch, der sie auf einen ausländischen Führer warten läßt. So übernimmt Aeneas die Führung des etruskischen Heeres gegen die gemeinsamen Feinde Mezentius und Turnus. Für den Entscheidungskampf hat Venus ihrem Sohn neue, von ihrem Gatten Vulcanus gefertigte Waffen beschafft. Besonders die Darstellungen auf dem Schild werden beschrieben.
3.9. liber IX1 - 818 Während der Abwesenheit des Aeneas belagert Turnus das Lager der Troer. Diese halten sich - wie ihnen von Aeneas befohlen worden war - im Lager. Zwei Jünglinge, Nisus und Eurylaus, machen sich erbötig, Aeneas zu den bedrängten Troern zurückzurufen. Nachdem sie schon heil durch die Scharen der Feinde gekommen sind, werden sie entdeckt und nach heftigem Kampf getötet. Turnus dringt in das Lager der Troer ein, muß aber schließlich der Übermacht weichen und gelangt glücklich zu den Seinen.
3.10. liber X1 - 908 Aeneas kehrt mit Arkadern und Etruskern zurück. Pallas, der Sohn des Euandros, wird von Turnus im Zweikampf getötet. Aeneas sucht den Turnus, um Rache zu nehmen. Turnus wird aber durch eine List der Iuno dem Aeneas entzogen und von ihr nach Ardea zu seinem Vater Daunus geführt. An Stelle von Turnus führt nun Mezentius die Latiner. Er wird von Aeneas getötet.
3.11. liber XI1 - 915 Waffenruhe zur Bestattung der Toten. Latinus will mit den Troern über Frieden unterhandeln. Turnus ist für die Fortsetzung des Kampfes. Aeneas rückt gegen die Stadt Laurentum heran. Neue Kämpfe.
3.12. liber XII1 - 886 Turnus will durch einen Zweikampf mit Aeneas die Entscheidung herbeiführen, durch Eingreifen der Iuno kommt es aber nicht dazu., sondern zu einem allgemeinen Kampf. Aeneas wird verwundet, aber von Venus geheilt. Iuturna, die göttliche Schwester des Turnus (sie ist eine Flußnymphe), entführt ihren Bruder immer wieder in der Gestalt seines Wagenlenkers dem Kampf und dem Zugriff des Aeneas. Endlich treffen Turnus und Aeneas zusammen. Der Zweikampf wird vorbereitet durch die Versöhnung Iunos und Iuppiters. Iuppiter gewährt ihr, daß Name, Sprache und Sitten der Latiner erhalten bleiben sollen und Troia nicht wieder ersteht. Iuturna muß auf Befehl Iuppiters ihren Bruder verlassen. Nun kommt es zum entscheidenden Endkampf.
886 - 952 Der Zweikampf zwischen Aeneas und Turnus. Turnus wird von Aeneas getötet.
Damit endet das Epos. Mit dem Fall des gefährlichsten Gegners des Aeneas ist das letzte Hindernis beseitigt, das der Niederlassung der Troer und der Ehe des Aeneas mit Lavinia im Wege stand. Wie die Handlung nun äußerlich zu Ende geführt wird, berichtet Vergil nicht.