Titel: Der letzte Funken
Autor: Jerry
Spoiler: ./.
Rating: MSR, PG, Angst, POV Mulder
Disclaimer: Die Figuren gehören nicht mir, sonder CC, FOX, 1013, George Bush oder wem auch immer. Will damit keine Kohle machen, beabsichtige nicht, irgendwelche Copyrights damit zu verletzten.
Short-Cut: Ich muss verrückt gewesen sein...
Autoren-Bemerkung: Diese Geschichte entstand einzig und allein aus Liebeskummer und dem Bedürfnis, das Geschehene in irgendeiner Art und Weise zu verarbeiten.
Feedback: Auf alle Fälle erwünscht und zwar an die bekannte Adresse:

Der letzte Funken

Dana war weg. Zurück nach Quantico. Es ging alles so schnell, ein Schlag ins Gesicht für beide von uns. Ich wurde förmlich mit Ermittlungsfällen überhäuft, welche alle vollkommen belanglos waren und denen ich dennoch nach zu gehen hatte. Skinner meinte, diese Befehle kämen von ganz oben, doch mir war vom ersten Moment an klar, wer dahinter steckte. Dieser qualmende Bastard! Er hatte mich an meiner verwundbarsten Stelle getroffen: Dana.
Wenn ich herausfinde, wie ich ihn finden kann, ich werde ihn ohne zu zögern abknallen, bei Gott das schwöre ich.

Wäre er nicht gewesen, wäre es vielleicht nie soweit gekommen. Es ist nicht gerade einfach für mich, mich an alles, was in den letzten Wochen passiert ist zu erinnern, obgleich ich den ganzen Tag beinahe nichts anderes mehr tue. Dana was für ein wunderschöner Name das doch ist, fällt mir wieder auf

Sie war noch nicht mal eine  Woche lang weg gewesen, als mir bewusst wurde, wie sehr ich diese Frau doch brauchte und auch noch immer brauche. Dana. Ich vermisste unsere gemeinsamen Ermittlungen, unsere intellektuellen Wortgefechte und unsere - zugebenermaßen ziemlich seltenen - privaten Gespräche, wenn es um persönliche Dinge ging.
Ich sehne mich nach meiner besten Freundin, das tue ich noch immer. Immer häufiger dachte ich an sie, an ihre sanften Berührungen, an die Art wie sie sich bewegte, wie sie roch - und an diesem Punkt hatte ich, nach all den Jahren keine andere Wahl mehr, als mir endlich selber einzugestehen, dass ich mich in Dana Scully verliebt hatte. Und mir sofort klar, dass sie nicht nur eine weitere Phoebe oder Diana war, nein sie war mehr. Wir waren für einander geschaffen. damals bei unserer ersten Begegnung im Büro, als unsere Augen das erste Mal trafen, entstand ein Band zwischen uns, ein stilles Abkommen, dass der eine immer für den anderen da sein würde, komme was wolle.
Und nun, voreinigen Wochen... ich wusste, dass ich nicht einfach nur verknallt war; nein, dies war aufrichtige Liebe, die vom ersten Moment an vor vielen Jahren unausgesprochen und somit auch unerwidert geblieben war. Dana. es gab niemanden in meinem Leben, der mir näher stand, dem ich mehr vertraute.

Nach der zweiten Woche beschloss ich, sie anzurufen; es war wundervoll, endlich wieder ihre vertraute Stimme zu hören, ihr Lachen. es schien fast eine Ewigkeit hergewesen zu sein. Wir telefonierten fast jeden Tag stundenlang miteinander, manchmal sogar mehrmals am Tag. Wir plauderten über unsere Arbeit und über Gott und die Welt. Ich hatte meine wahren Gefühle ihr gegenüber fast vergessen, es war beinahe wie früher. hin- und wieder jedoch, machteichein paar eindeutig zweideutige Bemerkungen, wenn sie von ihren männlichen Kollegen an der Akademie erzählte. Die waren ja alle "sooo niedlich" und "irgendwie süß".

Als ich dann eines Tages wieder einmal halb im Scherz zu ihr sagte, sie solle derartige Bemerkungen doch bitte unterlassen, denn ich wäre schon wieder eifersüchtig, stellte sie mich zur Rede, wie ich das denn eigentlich immer meinen würde. Auf einmal wurde mir bewusst, dass ich tatsächlich eifersüchtig war. ich versuchte natürlich, mich heraus zu winden, mit einer lahmen Ausrede oder indem ich das Thema wechselte oder mit irgendwas in der Art ich weiß es nicht mehr im einzelnen.
Da ich aber noch nie ein besonders begabter Lügner gewesen war, ob nun am Telephon oder nicht,  kaufte sie mir meine Story natürlich nicht ab. Ich hätte wissen müssen, dass man diese Frau nicht einfach an ihrer hübschen Nase herum führen kann, dazu ist viel zu gewieft. Als sie einfach nicht locker lassen wollte, stellte ich mir nur eine Frage: sage ich ihr einfach, was ich für sie empfinde? Ich wusste ja nicht, ob sie mir gegenüber genauso empfand und ich hatte einfach Angst davor, dass das was ich ihr etwas erzählen würde, unsere Freundschaft zerstören würde, wen dem nicht so wäre.

Wie auch immer, irgendwie schaffte ich es, den nötigen Mut aufzubringen; ich muss verrückt gewesen sein, anders kann ich es mir heute nicht erklären, denn ich setzte wirklich alles auf eine Karte. und offenbarte mich ihr. Und zu meiner großen Erleichterung reagierte sie darauf so, wie ich es mir in meinen kühnsten Vorstellungen nicht zu hoffen gewagt hätte. Ich weiß es noch wie heute, ich werde es nie vergessen, wie sie sagte: "Das geht runter wie Öl" und das mit einer Stimme, die ihresgleichen sucht. Wir redeten noch sehr lange in dieser nacht, wobei sie mein Geständnis erwiderte und als wir dann auflegen mussten, weil mein Akku energisch zu piepen begann...nun. es ist wohl nicht nötig zu erwähnen, dass ich in jener Nacht kein Auge zu getan habe, nein stattdessen hätte ich alles gegeben, meinem rechten Arm, die X-Akten, einfach alles, um sie in dieser Nacht in meinem Armen halten zu können, ja um sie bei mir zu wissen.

Doch waren wir uns ziemlich sicher, dass unsere Korrespondenz, obwohl wir äußerst vorsichtig gewesen waren, nicht völlig unbemerkt geblieben war und dass sie uns auseinander bringen würden, wenn wir uns ungeachtet der Entfernung die uns von einander trennte wieder regelmäßig sahen.

Ich schrieb ihr einen Liebesbrief, versehen mit dem Duft meines After Shaves, von dem sie mir einmal sagte, dass sie es gern' mochte. Himmel, ich hatte so was vorher noch nie gemacht, ich hätte nie gedacht, das sich so was überhaupt hinbekomme. Doch es schien ihr sehr gefallen zu haben, denn sie erzählte mir bei einem unserer allnächtlichen Marathongespräche, dass sie ihn abkopiert hat um ihn jederzeit lesen zu können und das sie das Original in Folie eingeschweißt hat um den Duft noch möglichst lange zu erhalten. Ich musste unwillkürlich schmunzeln, als ich das hörte, denn ich stellte mir den Vorgang ganz automatisch bildlich vor: Dana Katherine Scully sieht sich verlegen im Büro um, ob die Luft rein ist und kopiert hastig einen in rot geschriebenen, duftenden Brief und versiegelt das Original mit Folie. Oh ja, ich hatte die "Ice-Queen" zum schmelzen gebracht.

Nicht, dass ich sie jemals so gesehen hätte, denn ich war einer von sehr wenigen Menschen, denen sie auch ihre andere Seite offenbarte, die Frau hinter der Agentin nämlich. Und nun hatte sie sich mir endlich gänzlich geöffnet. Diese Zeit war die schönste im Leben, ich ging mit neuem Mut an meine Arbeit heran und immer wenn ich Stress oder Ärger im Bureau hatte, also praktisch jeden Tag, dann dachte ich einfach an Dana und der Ärger verflog augenblicklich. ich schwebt für ein paar Wochen wie es so schön heißt auf Wolke 7 und im Nachhinein betrachtet war diese ohnehin schon kurze Zeit viel zu schnell vergangen.

Und irgendwann hatten wir dann beide Urlaub, wir hatten ihn natürlich aufeinander abgestimmt und wir beschlossen kurzer Hand dass ich zu ihr fliegen würde. Gesagt, getan. Ich hatte mir diese Tage wunderschön ausgemalt, doch bei ihr angekommen, entstand eine merkwürdige Kluft, eine Barriere zwischen uns und zwar von dem Moment an, an dem sie mich vom Flughafen abgeholt hatte. es war alles so unwirklich, so ...verrückt! ich meine, am gottverdammten Telephon quatschten wir ausgelassen und stundenlang, doch nun redeten wir entschieden weniger miteinander und über "uns" unterhielten wir uns schon gar nicht. Wir unternahmen auch nichts zusammen und gingen auch nicht aus.

ich weiß bis heute nicht, was da los war. Zum Teufel, woher auch? Wir müssen uns aufgeführt haben wie zweischüchterne Teenies bei ihren erstem Rendevouz. Schon nach drei Tagen musste ich überraschend zurück nach D.C., jedoch schien keiner von uns beiden so recht enttäuscht gewesen zu sein deswegen. Am Flughafen, wohin sie mich noch begleitete, wollte ich sie dann auch noch behutsam zur Rede stellen, bekam aber kein klare Antwort, sie schien mir noch immer aus zuweichen.

Wieder zu Hause angekommen, müde und erschlagen, nicht so sehr vom Flug, sondern viel mehr von der Grübelei während der Reise, was denn bloß falsch gelaufen sein mochte, wollte ich sie anrufen. Doch ich war schlicht und ergreifend zu feige! Ich weiß, es ist albern, wir sind schließlich beide erwachsene Menschen. Also fasste ich kurzerhand den Entschluss, nach Papier und Stift zu greifen und meine Gedanken in einem anderthalb Seiten umfassenden Brief zusammen zu fassen. Nichts als geistiger Müll, wie z.B.: 2ich habe versucht, die letzten Tage zu vergessen und zwar von dem Moment an, als ich in die Maschine gestiegen bin." und so was. Ja, ich war ehrlich gesagt ziemlich deprimiert und offen gesagt auch ein bisschen stinkig, als ich meinen geistigen Erguss zwei Tage später in den nächstbesten Postkasten warf. Doch schon kurz nach dieser Tat hätte ich mich selber in den Hintern treten können. Gut, ich hatte am Tag zuvor alles noch einmal geschrieben und in der neuen Version fragte ich u.a. ob wir noch einmal ganz von vorn anfangen könnten, so zu sagen bei Null, aber der Rest klang dann doch wieder nach ..."depressiven Geschwafel". Ja das ist der richtige Ausdruck dafür.

Tja, und was soll ich sagen? das ist jetzt zwei Wochen her und ich bin ziemlich am Boden. Noch vor zweieinhalb Wochen verging kein Tag, an dem wir nicht miteinander telefoniert hätten und nun? Kein Anruf, kein Antwortbrief, nichts. Jeden Morgen möchte ich am liebsten den Briefträger verprügeln und abends die Telephongesellschaft verklagen. Schätze, ich bin total beziehungsgeschädigt!

Hätte ich damals am Telephon doch bloß meine große klappe gehalten. denn ich befürchte jetzt geschieht genau das, wovor ich so große Angst hatte, ich fürchte, unser band ist zerrissen. Dana. Sie ist sogar in meinen Träumen, fast jede nacht und ich glaube, ich bin schon nahe dran, sehr nahe meinen Verstand zu verlieren. Dana. Und nun liege ich hier zum ich-weiß-nicht-wievielten Male auf meiner Couch, starre in mein Aquarium und lasse alles, von Anfang an noch einmal Revue passieren

Rufe ich sie heute an? Warum ruft sie mich nicht an? Ich habe es unzählige Male versucht, habe ihre Nummer gewählt und sofort wieder aufgelegt, noch bevor das Rufzeichen überhaupt ertönte. "Vielleicht ist ihre Telephonleitung gestört oder ihr Brief an mich ist aus irgendeinem Grund nicht bei mir angekommen, vielleicht steckt er ja sogar dahinter" höre ich mich laut sagen. Und ich klammere mich an diesen letzten Strohhalm, ich halte ihn ganz fest und denke gar nicht daran,  los zu lassen.

Dana. Ich möchte mir diesen letzten Funken Hoffnung in meinem Herzen bewahren, denn ich könnte keine Zurückweisung ertragen, nicht von ihr. Und so sage ich mir wieder einmal, dass ich sie gleich morgen anrufen werde und gehe zu Bett. Dana. Ich fürchte mich davor, denn ich weiß, dass wenn auch dieser letzte Funken noch verglimmt, dann stirbt auch ein Teil von mir selbst, von meiner Seele...

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