Nick Igel in Gro�britannien
Nick Ben
Wie kann man nur so degenerieren? Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Briten noch eine Weltmacht! Man kontrollierte Indien, Australien, Neuseeland, S�dafrika, gewann Weltkriege und Nobelpreise, war Seriensieger bei den Olympischen Wettbewerben im Kampftrinken und stolz auf fremdgehende Kronprinzen, die schnell mal ein paar Antilleninseln beim Pferderennen verzockten.

Und heute? Muss man das auf �bersichtliche Gr��e herunterreduzierte Inselreich fast schon als Entwicklungsland betrachten. Das fing schon in den Achtzigern an. Der aktuelle Kronprinz setzte in guter alter Familientradition erst auf das falsche Pferd � Camilla � und dann auf die kuh�ugige Kinderg�rtnerin, die das Land gleich nach der Heirat mit ihrem Chuck auf Jahrzehnte in eine koma�hnliche Duldungsstarre verfallen lie�. Schon 1982, also im Jahr eins der Diana-Zeitrechnung, hatten die Briten gr��te Schwierigkeiten ein paar schimmlige Halligen wie die Falklands gegen die argentinischen Hobbymilit�rs zu verteidigen. Im selben Jahr war bei der Fu�ball-Weltmeisterschaft schon in der zweiten Runde gegen Deutschland und Spanien Schluss, nicht einmal gegen die Derwall-Elf konnten die Briten noch siegen. 1986 und 1990 ging es kaum besser, 1994 langte es nicht einmal mehr zur WM-Qualifikation. Auch die 1997 vermutlich vom britischen Geheimdienst und dem britischen Fu�ballbund veranlasste artgerechte Entsorgung der Prinzessin an einem Pariser Betonpfeiler und die alsbaldige Verehelichung des Kronprinzen mit seinem Lieblingspferd �nderte nichts. Gro�britannien verkam, verdreckte und verschluderte. Das Land blieb geistig, kulturell und wirtschaftlich weit hinter seinen europ�ischen Nachbarl�ndern zur�ck. Heute scheitert das Verunreinigte K�nigreich bereits an der Qualifikation zur Fu�ball-Europameisterschaft. Es reicht bestenfalls noch dazu, in den NATO-Scharaden um ABC-Waffen im Irak den Hilfskellner f�r George Dabbeljuh zu spielen. Peinlich.

Wie konnte es so weit kommen? Nick Igel w�re nicht Nick Igel, schreckte er vor einer Feldstudie im �Reich des Besen� (Camilla) zur�ck. Gl�cklicherweise hatte der Flughafen Heathrow gerade sein ultramodernes Terminal 5 er�ffnet, da ist die An- und Abreise doch das reine Vergn�gen, oder?

Na ja, das meint jedenfalls die in Heathrow verteilte Hochglanzbrosch�re. Die auch die sensationellen Gep�ckb�nder lobt. 30.000 Gep�ckst�cke k�nnen die am Tag bef�rdern, mit 30 Meilen Geschwindigkeit. Wie viele davon unterwegs verloren gehen, war nicht in der Brosch�re zu lesen. Aber ein gutes Drittel d�rfte noch vorsichtig gesch�tzt sein. Nach ein paar Tagen waren es an die 30.000 Gep�ckst�cke, die nicht auf die f�r sie bestimmten Flieger gebracht werden konnten und sich deshalb im Terminal stapelten. Weshalb man dann die 30.000 Koffer zum Sortieren nach Mailand transportierte. Allerdings nicht mit dem Flugzeug, das hatte British Airways schon aufgegeben. Angeblich h�tte es auch zu lange gedauert, noch einmal jeden Koffer auf Sprengstoff zu durchleuchten. Also nahm man einige LKW. Das geht ja auch schneller als die Fliegerei. Au�erdem kann man einen im Kanaltunnel in die Luft geflogenen LKW sicher besser verkraften als einen explodierten Lastenflieger.

Und was f�r eine k�nigliche Idee, die Koffer zum Sortieren nach Mailand zu bringen. Wer dort schon einmal abgeflogen oder gelandet ist, wei� � auf keinem Flughafen der Welt werden mehr Koffer geklaut als in Mailand. Auch so kann man das Zustellproblem nat�rlich l�sen. Da es in Mailand keinen ausreichend gro�en Hangar f�r die vielen Koffer gab, stellte man sie erst einmal auf eine alte Rollbahn. In den Regen. Eine Woche lang. Kaum eine weitere Woche darauf wurden die ersten Gep�ckst�cke schon ihren britischen Eigent�mern zugestellt. Mit verschimmeltem Inhalt.

Im hochmodernen Terminal 5 hatte man inzwischen zun�chst die Bef�rderung von Gep�ckst�cken aufgegeben � �Sie k�nnen wir gerne mitnehmen, Herr Igel, Ihren Koffer aber nicht�� �Macht nix, ich kann ihn auch mit der Post nach Mailand schicken, wenn Ihnen das lieber ist��

Auch die Bef�rderung von Passagieren reduzierte man auf das N�tigste. Sechshundert Fl�ge wurden ersatzlos gestrichen, die Passagiere nicht einmal entsch�digt. Ach doch, einen Sondertarif f�r das Flughafenhotel bot man den liegen gebliebenen Flugg�sten an. 280 statt 300 Euro die Nacht. Super!

Nur Friedensnobelpreistr�ger verzichteten an dieser Stelle noch auf T�tlichkeiten gegen die Mitarbeiter von British Airways und der Flughafenverwaltung. Lieber Terminator als Terminaltor. Obwohl � man muss da vorsichtig sein. In Heathrow werden an den Sicherheitschecks vorzugsweise Leute besch�ftigt, die im Dritten Reich sogar noch durch das Assessment Center f�r die Gewinnung von KZ-Aufsehern gerasselt w�ren. Wegen zu gro�er Brutalit�t.

Ich habe mich beim Sicherheitscheck mal ganz dumm gestellt und so getan, als k�nne ich kein Englisch. Und die Aufforderung ignoriert, meine Schuhe auszuziehen. Das mit den Schuhen ist sowieso so eine Sache in London. Mal muss man sie ausziehen, drei Wochen sp�ter dann wieder nicht, vier Wochen danach dann doch wieder. Wahrscheinlich kann man in den Schuhen nur zu bestimmten Jahreszeiten gef�hrliche Waffen verstecken. Und so eine Jahreszeit hatte ich diesmal wohl erwischt. So entspann sich ein freundlicher Dialog:

Nick Igel (fr�hlich): �Guten Tag!�

Ekel: Take your shoes off!

Nick Igel (bedauernd): �Zorry, kein Inklisch

Ekel: �Take your shoes off!!!!!�

Nick Igel (geduldig): �Bitte, ich verstehe kein Englisch! Es tut mir Leid.

Ekel: TAKE YOUR SHOES OFF!�

Nick Igel (verwundert): �Langsam, langsam, nur die Ruhe � parlez vous Francais? Espanol? Portuges? Italiano?

Ekel:TAKE!!! YOUR!!! SHOES!!! OFF!!!

Nick Igel (vers�hnlich): �Entschuldigung, ich wei� wirklich nicht was Sie von mir wollen. K�nnen Sie vielleicht einen �bersetzer holen?

Ekel: �Stop insulting me! I don�t have to tolerate insults! (zu einem Kollegen:) This guy is insulting me, call the supervisor! (zum herbeigeeilten Supervisor:) This guy speaks a foreign language. I think he is insulting me.

Nick Igel (fast schon herzlich zum Supervisor): �Guten Tag! Bei einem Mann Ihrer Stellung darf ich sicher Deutschkenntnisse voraussetzen?

Supervisor:Stop insulting my colleague!

Nick Igel (bedauernd): �h���? Sorry, kein Inklisch! Francais? Espanol? Portuges? Italiano? Neerlands? Russki? Mandarin? �brigens ist Ihre Kollegin sehr laut und unfreundlich.

Supervisor (demonstriert das Schuheausziehen): �UNDERSTAND!!!?

Nick Igel (erleichtert): �Aaaaaah, na sagen Sie das doch gleich!

Supervisor:You have insulted my colleague, I will call Airport Security!

Nick gel (herzlich): �Auch Ihnen einen sch�nen Tag und danke f�r Ihre Hilfe!

Herr� von der Airport Security: �Whatssupp?

Supervisor: This guy probably has insulted my colleague. He only speaks no English (sic!)

Securitymann: �So how you knowe, he wasse insulting?

Nick Igel (erfreut): �Freut mich Sie kennen zu lernen Herr Polizist! Bei Ihnen f�hle ich mich endlich in Sicherheit. Als Garant unser aller Sicherheit sprechen Sie sicher Deutsch? Francais? Espanol? Portuges? Italiano? Neerlands? Russki? Madarin? Svenske? Letzeburgisch?

Securitymann: (Sch�ttelt zehnmal den Kopf)

Nick Igel (hilfreich): ��brigens, der Herr Chef hier hat mir sehr geholfen. Beim Schuheausziehen und so. Seine Kollegin ist aber sehr laut und unfreundlich.

Securitymann:H����??�

Nick Igel (verst�ndnisvoll): �Ja, das sage ich auch immer! Einen sch�nen Tag noch.

Securitymann:Fuck! I donne unnestand a word!

Ich w�rde sage, das war knapp am Knast vorbei � The Igel has landed! W�re auch einmal eine Erfahrung gewesen, durch Inhaftierung am Flughafen zum Konsularfall f�r die deutsche Botschaft zu werden. Vielleicht h�tte ich in der Zelle Naomi Campbell getroffen. Die eingesperrt worden ist, nachdem sie im Flugzeug das Personal beleidigt hatte. Vielleicht hatte sie nach �hors d�oeuvre� gefragt? Oder nach �Linguini�? Das sind ja bekanntlich schlimme Schimpfw�rter. Oder sie ist wirklich ausfallend geworden, nachdem man ihr mitgeteilt hatte, ihr bereits widerspruchslos vom Bodenpersonal am Schalter eingecheckter Koffer werde nun doch nicht mitgenommen, da er zu schwer sei.

Klar geworden ist mir jedenfalls eines: Die Briten teilen sich etwa im Verh�ltnis ein F�nftel zu vier F�nfteln in �Schwulis� und �Hoolies� auf. Die Schwulies sind nicht zwangsl�ufig homosexuell, wirken aber garantiert so. Sie hocken den ganzen Tag halb indigniert, halb blasiert mit ihren gestreiften Krawatten in ihren Clubs herum, freuen sich an ihrem Oxford-Abschluss, fangen fast jeden Satz mit einem n�selnden �Indeed� an und beenden ihn mit einem kaum weniger affektierten �isn�t it?�. Die Schwulies kriegen nicht viel auf die Reihe, auch weil sie die ganze Zeit damit besch�ftigt sind, in Ascot als Hutst�nder abzuh�ngen oder an irgendwelchen Bushaltestellen brav Schlange zu stehen. Den Schwulies verdanken wir technische Meisterleistungen wie das britische Bahnsystem und Terminal 5.

Die Hoolies hingegen haben die wikingeresken Verw�stungsfeldz�ge, mit denen sie in den Siebzigern und Achtzigern noch als Anh�nger von Arsenal oder Tottenham durch Kontinentaleuropa unterwegs waren, nach dem kleinen Zwischenfall im Heyselstadion aufgeben m�ssen und arbeiten seitdem in Berufen, die ihrem Intellekt angemessen sind und bei denen sie ihre Minderwertigkeitskomplexe an Ausl�ndern abarbeiten k�nnen. Zum Beispiel als Securitynazi im Terminal 5.

Beide Gattungen gehen eine nahezu perfekte Symbiose ein. Denn wenn die Schwulies wieder einmal etwas verbockt haben und die Leidtragenden sich dar�ber aufregen, k�nnen die Hoolies eingreifen und die Leidtragenden wegen ungeb�hrlichen Benehmens zusammenschlagen.

Ich habe daraufhin beschlossen, das Land der Inselaffen gar nicht erst zu betreten, sondern gleich wieder zur�ck zu fliegen. Dabei durfte ich dann noch lernen, dass es gar nicht alle Hoolies bis zum hohen Amt des Securitynazis oder bis in vergleichbare Berufe bringen. Einige d�rfen ihre Aggressionen nur an Gegenst�nden auslassen. Das sind zum Beispiel jene, die am Terminal 5 daf�r zust�ndig sind, die Koffer der Reisenden in die Flieger zu wuchten. Damit diese Jungs ordentlich zu tun bekommen, hatte Heathrow eine neue Politik beschlossen: Wer nicht bis sp�testens 35 Minuten vor Abflug am Gate ist, darf nicht mitfliegen. Damit die Maschine p�nktlich loskommt. Klingt in der Theorie toll. In der Praxis sieht das oft anders aus. Dem 34 Minuten vor Abflug vom versp�tet eingetroffenen Anschlussflug heraneilenden Passagier wird die T�r vor der Nase zugeknallt. Sein Gep�ck hatte es allerdings noch in den Laderaum geschafft und muss nat�rlich vor Abflug noch �schnell� entladen werden. Und genau hier kommen die Kofferkulis, ���h, Kofferhoolies zum Einsatz. Es ist ein anr�hrendes Bild, aus dem Steuerbordfenster beobachten zu d�rfen, wie vier ganzk�rperbeschriftete Cockney-Glatzk�pfe die Hartschalenkoffer aus zehn Metern H�he aus dem Jumbo auf den Asphalt knallen lassen. Offenbar im Wettbewerb, wer weiter werfen kann und wer mehr Hartschalen zum Platzen bringt. Nach kaum einer Stunde ist der Koffer des Zusp�tkommers gefunden und kann der Rest des Gep�cks � also die nicht geplatzten Hartschalenkoffer und die Reste der geplatzten Koffer sowie die daraus �ber den Asphalt verstreuten Kleidungsst�cke wieder in die Maschine geworfen werden. Mit nur neunzig Minuten Versp�tung erfolgt dann auch schon der Abflug. Gut, dass wir nicht noch die eine Minute auf den Zusp�tkommer gewartet haben!
... London bridge is falling down ...
Von Hoolies uns Schwulies
Nick Igel bei den Inselaffen
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