Nick Igel in Polen
Obwohl ich eigentlich keine Zeit hatte, musste ich mich einfach f�r ein paar Tage nach Polen davonstehlen. Die Europawahl beobachten und mich dem polnischen Kulturgut n�hern, dass die stolzen Polen ja mit Z�hnen und vor allem Klauen verteidigen. Selbst einfache Leute k�nnen das kaum verhehlen. Viele bezeichnen Polen ja als die Osterinsel der EU. Keine Kunst, bei so viel Ste(h)len. Die Aufnahme von Polen in den europ�ischen Markt hat dem Land ungeahnte wirtschaftliche M�glichkeiten er�ffnet, allein dass jetzt der zollfreie Reimport von PKW m�glich geworden ist wird nach Sch�tzungen des IWF eine Verbesserung der Au�enhandelsbilanz um etliche Prozentpunkte bringen. Eine spezielle Form von Aufklau/Ost. Aber das nur am Rande.

Gleich bei der Ankunft am Flughafen habe ich mit diebischer Freude feststellen k�nnen, dass auch dort in den Duty-Free-Shops die gleiche Pr�ferenzbehandlung gew�hrt wird wie in Slowenien. So kann man die zwei, drei Stunden, die es dauert, bis die mit einem halben Dutzend Sicherheitsschl�ssern versehenen Koffer auf dem Laufband angefahren kommen, noch zu einem kleinen Einkaufsbummel nutzen. Oder man isst eine Kleinigkeit. Eine der polnischen Spezialit�ten. Wie zum Beispiel Pizza. Die hier, anders als in Italien, ohne Tomatensauce hergestellt wird. Daf�r gibt es nach dem Aufw�rmen in der Mikrowelle noch einen guten Schuss kalte Currysauce oben auf die Esspappe, das w�re was f�r den Herrn Popolek in Alfredissimo! Hmmmm, grooooo�aaaatich!!! In der Trendsportart Biolecken gibt das die H�chstpunktzahl. Richtig punkten kann Polen auch im Bereich Kultur. Nicht nur, dass in der Oper ein digitales Laufband den gerade gesungenen Text ausstrahlt, f�r Geh�r- oder Gedankenlose offenbar, die mit verstohlenem Blick dort verfolgen k�nnen, was sie life nicht begreifen. Nein, das polnische Kulturleben gl�nzt durch seine schillernde Vielzahl von kleineren Events und Aktionen, die, h�ufig in Privatinitiative, in oft unscheinbarem Rahmen zu bewundern sind. Darauf war ich bereits vorbereitet, denn ich hatte bei Camus gelesen: �Der sogenannte sozialistische Realismus ist also gerade durch die Logik seines Nihilismus dazu ausersehen, die Vorz�ge des Erbauungsromans und der Propagandaliteratur zu vereinen. Besonders hervorzuheben ist, dass die Ank�ndigungen einzelner literarischer Events �ber Handzettel erfolgen, die zu zehntausenden hinter die Scheibenwischer der in Warschau abgestellten Autos geklemmt werden.
Im Studio Selena zum Beispiel, wohl einer Art Literatencafe, werden offenbar im kleinen Kreis interessante Darbietungen gebracht, wobei das Publikum, ganz im Stile des Aktionstheaters, einbezogen wird. Zur Zeit l�uft wohl das St�ck �nimfomanka�. Im Aisha-Club dagegen werden interessante Ausstellungen gezeigt, Aktionskunst sozusagen. Das Ganze l�uft allerdings ekskluzywny, d.h., wie der Name �Club� schon sagt, nur auf Mitgliedschaftsbasis. Vielleicht deswegen habe ich leider nicht miterleben d�rfen, was genau die Ausstellung �striptize� dem Betrachter an Erkenntnissen bringt. Ebenfalls sehr interessant: Die polnische Haute Couture. So veranstaltet der �Club 3� an Plac Konstytucji regelm��ig Modenschauen. Der Schwerpunkt des innovativen Sortiments liegt offenbar auf Brautmoden und Damen-Unterbekleidung.

Ach ja, eine kurze Meldung noch, die das Bild dann doch deutlich tr�bt: Sechs polnische Priester aus Rzeszop, unmittelbar an der deutschen Grenze, sollen unl�ngst 40 Autos aus Deutschland gestohlen und illegal in Polen verkauft haben. So viel kriminelle Energie in einem kulturell so hochstehenden Land, das h�tte ich mir nie vorstellen k�nnen!
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