| Nick Igel in Nepal |
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| Als Vielflieger fliegt man nicht nur viel, man macht auch eine Menge mit. Irgendwann platzt dann einfach der Igelkragen. Diesen Punkt habe ich in diesem August auf meinem Flug nach Nepal erreicht. Es reicht, k�nftig werde ich mich wehren! Deswegen hier jetzt als letzte Warnung ein offener Brief an alle Airlines:
1. Ja ich wei�, dass es in den letzten Jahren verschiedene Versuche gegeben hat, Terroranschl�ge auf Flugzeuge zu unternehmen. Trotzdem zweifle ich, ob das Personal solcher Verkehrsknotenpunkte wie der Flugh�fen Kathmandu oder Thessaloniki mich so intensiv abtasten muss, als wollten sie auf dem Wege herausfinden, ob ich Jude bin. In Thailand gibt so etwas nur im Rotlichtviertel und dort kostet das richtig Geld. Allerdings wird man dort auch von Frauen massiert, oder zumindest von solchen, die wie Frauen aussehen. 2. Weiterhin zweifle ich, ob diese Abtastaktion gleich dreimal an drei verschiedenen Stellen auf dem Weg zu ein und demselben Abflug erfolgen muss. Beim n�chsten Mal werde ich behaupten, schwul zu sein, und verlangen, von einer Frau abgetastet zu werden. 3. Ich bin nicht sonderlich gebrechlich. Es ist von daher nicht notwendig, mich mit einem Bus zu einem Flugzeug zu karren, das nur 50 Meter Luftlinie vom Terminal entfernt steht. Ich kann laufen. 4. Zudem ist diese Busfahrerei auch nicht zeiteffizient, wenn der Bus f�r die Strecke von 50 Metern Luftlinie zwei Kilometer Umwege f�hrt und insgesamt f�nf Minuten braucht. 5. Unverst�ndlich ist auch, warum die Flugg�ste schon in den Bus gepfercht und der Bus schon vor das Flugzeug gefahren wird, wenn der Flieger noch nicht zum Einsteigen hergerichtet ist. Nein, ich bin kein Freund von Dampfsaunen und finde es seltsamerweise nicht erbaulich, vor dem Flug noch zehn Minuten in einem nicht klimatisierten Bus auf dem Rollfeld des Flughafens von, zum Beispiel, Doha bei einer Temperatur von, zum Beispiel, 45 Grad im nicht vorhandenen Schatten zu stehen. Es w�re �brigens relativ leicht, per Telefon herauszufinden, wann die Saftschubsen und die schwulen Purser in der Maschine ihre Vorbereitungsarbeiten abge-schlossen haben, und den Bus erst dann loszuschicken. 6. Man glaubt es kaum aber ich kann lesen. Insbesondere bin ich in der Lage, die Sitznummer auf meiner Bordkarte richtig zu erfassen und den Sitz im Flugzeug eigenst�ndig zu finden. Das mag damit zusammenh�ngen, dass die Reihen fortlaufend nummeriert sind, vielleicht auch damit, dass die Einzelsitze stets von rechts nach links mit alphabetisch fortlaufenden Buchstabenkennungen bezeichnet sind. Oder vielleicht bin ich auch nur ein Orientierungsgenie, wer wei�. Ich verzichte jedenfalls hiermit feierlich und auf alle Zeit darauf, dass das Bordpersonal darauf besteht, meine irgendwo in der Hosentasche verkramte Bordkarte in Augenschein zu nehmen, um mir �berfl�ssige Ratschl�ge zum Auffinden meines Sitzes zu geben. 7. Welche Freude, zum vieltausendsten Mal mehrsprachig die Sicherheitshinweise vorgetragen zu bekommen, die sich ohnehin noch einmal in Comicversion auf einer Karte in der Tasche an der R�ckseite des Sitzes vor mir befinden. Auch der arabischen Variante lausche ich immer wieder gerne. Zumal sie, zum Beispiel, bei Qatar Air nur mit wenig mehr Dezibel vorgetragen wird als ein auf H�chstdrehzahl laufender Presslufthammer emittiert. Ist doch allemal besser, als mich auf die Lekt�re mitgebrachter B�cher oder Akten konzentrieren zu k�nnen. Wichtig ist auch, und gerade bei Fl�gen zum Beispiel von Hannover nach Wien, darauf hinzuweisen, wie man sich bei Notwasserungen zu verhalten hat. Die Donau kann im Hochsommer zum rei�enden Strom werden. 8. Ich leide nicht an Alzheimer. Nach ein paar tausend Fl�gen wei� ich, dass beim Start die R�ckenlehne senkrecht zu stellen ist und der Tisch an der R�ckseite des Sitzes vor mir oder in der Armlehne neben nach oben bzw. in die Lehne zu klappen ist. Die Betonung liegt aber auf den zwei Worten beim Start. Ich bin in der Lage eigenst�ndig zu erkennen, wann dieses Ereignis stattzufinden im Begriff ist. Mann erkennt das in der Regel ganz gut daran, dass die Maschine beginnt, sich auf die Rollbahn zuzubewegen. Es ist von daher nicht erforderlich, mich bereits vor Beendigung des Boardings vorwurfsvoll darauf hinzuweisen, dass mit Blick auf den in ferner, oft unsicherer Zukunft irgendwann vielleicht einmal anstehenden Start sofort die R�ckenlehne senkrecht zu stellen sei. Und wenn ich Lust habe, das Tischchen vor mir stehen zu lassen, auf die Gefahr hin, dass es sich mir bei einer Bruchlandung zwischen den sechsten und den siebten Rippenbogen bohrt, warum darf ich das dann nicht. Wem, au�er mir selbst, k�nnte ich auf diese Weise Schaden zuf�gen? 9. Ich gebe zu, der Umstand, dass ich mich immer wieder in eine viel zu enge Metallr�hre quetschen lasse, die von der M�blierung her fatal an die Inneneinrichtung schottischer Spezialit�tenrestaurants der Marke McDonalds erinnert, und dass ich mir dort von stets aufgedonnerten, �berschminkten und �berkandidelten, in einigen F�llen sogar uns�glich pampigen (Weltranglistenerste unter den Airlines in dieser Hinsicht Qatar Air) Stewardessen Vortr�ge dr�ber anh�re, wie ich mich zu verhalten habe, mag auf einen v�lligen Verlust von Ratio und gutem Geschmack hindeuten. Dennoch ist es vorschnell, daraus die Folgerung zu ziehen, dass ich die mir regelm��ig vorgesetzte Nahrungsparodie als essbar oder gar wohlschmeckend zu betrachten geneigt sein werde. Und mein Magen wird dies schon gar nicht tun. Ich sch�tze es nicht, wenn man sich in dieser Weise �ber meinen Gaumen lustig macht. Gleiches gilt f�r den angebotenen Wein. Und zwar in dritter Potenz. 10. Nach einigen tausend Fl�gen hat es sich mir aus zahllosen Durchsagen von Flugkapit�nen oder Sie, liebe Flugg�ste heute nach Hodenkirchen am Schanker fliegenden ersten Offizieren ziemlich eingepr�gt, dass es in einer H�he von mehr als zehntausend Metern s�uisch kalt ist. Ob es heute minus 43 Grad oder minus 55 Grad sind, ist mir aber relativ egal, da ich nicht auszusteigen beabsichtige. Und gegebenenfalls ohnehin von einer der pampigen Stewardessen daran gehindert w�rde, die mir nicht einmal erlauben, �ber das Tischchen vor mir frei zu entscheiden. Auch ist es aus dem gleichen Grund relativ irrelevant, ob wir auf dem Flug von Bonn nach Berlin heute �ber Paderborn, �ber Osnabr�ck oder gar �ber noch belanglosere St�dte hinweg fliegen. Wie gesagt, ich f�hre keinen Fallschirm mit mir und beabsichtige nicht auszusteigen, in oder �ber Paderborn schon gar nicht. Von daher k�nnte man diese wichtigtuerischen Durchsagen ohne verwertbaren Informationsgehalt durchaus unterlassen, zumal sie mich regelm��ig aus dem Schlaf rei�en. K�nnen wir uns vielleicht darauf verst�ndigen, dass die Relevanzschwelle, ab derer die Passagiere bel�stigt werden, vielleicht etwas heraufgesetzt wird? So etwa ab dem Verlust eines Triebwerkes oder gar einer Tragfl�che aufw�rts w�rde ich dann wieder neugierig, wie es weiter geht. Auch die Au�entemperatur k�nnte dann kurzzeitig relevant werden. 11. Wie gesagt, ich leide nicht unter Alzheimer. Ich wei�, dass man beim Landeanflug angeschnallt auf seinem Sitz zu verharren hat. So richtig glaubw�rdig sind die entsprechenden Vorschriften aber nicht, wenn die Stewardessen und die schwulen Purser noch mindestens zehn Minuten in den G�ngen herumlaufen bzw. in letzterem Fall herumt�nzeln d�rfen. Sind die irgendwie gegen das Unheil gefeit, das mir armem Normalsterblichen im Aufstehensfalle drohte? Haben die gar ein knallhartes �berlebenstraining hinter sich? Vielleicht machen wir uns alle mal locker und fangen wir die Anschnallerei k�nftig erst an, wenn es wirklich in Richtung Landung geht? Und dann f�r alle gleichzeitig. 12. Vielleicht hatte ich erw�hnt, dass ich nicht unter Alzheimer leide? Ich wei� es nicht mehr! Jedenfalls aber bin ich, man glaubt es kaum, nach einer Durchsage, die Maschine befinde sich im Landeanflug und die Passagiere h�tten bis zur Landung angeschnallt sitzen zu bleiben, in der Lage, mir den Inhalt dieser Durchsage bis zum Vollzug der Landung zu merken. Zumal die entsprechenden Symbole in der Leiste �ber den K�pfen der Passagiere mich ja in trefflicher Weise immer wieder an das Anschnallgebot erinnern. Es ist daher nicht unbedingt erforderlich, dass die Stewardessen und die schwulen Purser bei jedem einzelnen Passagier noch einmal kontrollieren, ob er dem Gebot auch Folge geleistet hat. Zumal ein Anschnallanarchist in erster Linie sich selbst gef�hrdet, da er bei einer Bruchlandung mit dem Sch�del schlimmstenfalls in den Sitz vor sich oder in die Deckenverkleidung donnern w�rde. 13. Nein, ich leide nicht unter Kleptomanie. Auch erscheint es mir nicht logisch, wenn mir implizit unterstellt wird, dass ich mir zwar 4.500 Euro f�r einen Business-Class-Flug nach S�dasien leisten kann, andererseits aber so bed�rftig bin, dass man mir die auf dem Flug verteilten Kopfh�rer im Gegenwert weniger Cents schon lange vor der Landung wegnehmen muss, um zu verhindern, dass ich sie stehle. Zumal die Dinger ohnehin mit jedem Audiosystem, das ich zuhause haben k�nnte, inkompatibel sind. Auch die verteilten Decken sind regelm��ig nicht gerade aus Kaschmir-Wolle und k�nnten den Flugg�sten ohne gro�es Diebstahlrisiko bis zur Landung belassen werden, da die meisten zuhause bereits �ber Decken verf�gen. Allerdings gebe ich gerne zu, dass mich das rigide und fast schon beleidigende Einsammeln ein wenig dazu anstachelt, mir den einen oder anderen Kopfh�rer und die eine oder andere Decke zu� leihen. Nur so aus Prinzip. 14. Wozu dienen eigentlich diese ausfahrbaren Stahlarme an den Terminals? Ich war immer der Meinung, daran k�nnte man Flugzeuge andocken, um deren Passagieren einen schnellen Eintritt in das Terminal zu erm�glichen. In letzter Zeit stelle ich aber immer �fter fest, dass etliche Stahlarme am Terminal meines Vertrauens nicht von Flugzeugen belegt sind und das meinige trotzdem irgendwo auf dem Rollfeld parkt. Wahrscheinlich um mich in den Genuss einer ausf�hrlichen Busfahrt �ber das gesamte Flughafengel�nde zu bringen, ehe ich Stunden sp�ter am kaum f�nfzig Meter vom Parkplatz meines Fliegers entfernten Eingang des Terminals abgesetzt werde. Wahrscheinlich ist man stolz darauf, einen so sch�nen Flughafen gebaut zu haben, und m�chte diesen den Flugg�sten von allen Seiten zeigen. Daf�r ein ganz herzliches Dankesch�n. Jetzt aber zu Nepal: Nepal ist ein armes Land. Das mag damit zu tun haben, dass sich maoistische Freisch�rler, ein korrupter K�nig und eine kaum steuerbare Armee �ber viele Jahre energisch und mit Waffengewalt bek�mpft haben, um herauszufinden, wer am Ende die Armut verwalten darf. Gut, man h�tte in der Zwischenzeit auch schon einmal anfangen k�nnen, das Land aufzubauen, aber das w�re wohl zu einfach gewesen. Nepal ist ein armes Land. Das mag auch damit zu tun haben, dass man den knappen Staatshaushalt dort nicht mit Mineral�lsteuereinnahmen aufbessert, sondern stattdessen den Kraftstoff staatliche subventioniert. Mit l�ssigen 110 Mio. Euro im Jahr. Bei einem Staatshaushalt von j�hrlich rund 400 Mio. Euro schl�gt das schon ganz sch�n zu Buche. Nepal ist ein armes Land. Das mag auch damit zu tun haben, dass die Leute nicht zum Arbeiten kommen. Was wiederum daran liegt, dass sie im Stau stehen. Was wiederum daran liegt, dass das Benzin billig ist und es kaum Stra�en gibt. Was wiederum daran liegt, dass die Regierung keine Stra�en bauen kann, weil sie ja alles Geld f�r die Subventionierung des Benzins ausgibt. Also irgendwie sind die Leute damit weg von der Stra�e indem man sie auf der Stra�e besch�ftigt h�lt. Ein typischer Ausspruch in Kathmandu k�nnte lauten: Nehmen wir den Wagen? Oder eilt es, dann gehen wir lieber zu Fu�. Werfen wir noch einen Blick auf die Fauna des Landes. Zu nennen ist da vor allem die in Nepal stark vertretene Yak-Kuh. Ein regelm��ig heftig stinkendes Wesen, das hinter den sieben Bergen, um nicht zu sagen hinter dem Mond lebt und vor allem K�se produziert. Soweit ist das wohl auch in Deutschland bekannt. Neu war mir allerdings, dass die Yak-Kuh im lokalen Idiom Zoni genannt wird. Irgendwie passt das ja, denn auch bei uns geben die Zonis ja vor allem K�se von sich und leben sie hinter dem Mond. Und der Gebrauch von Deodorants ist im Osten auch noch keineswegs Allgemeingut. |
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