Willi Igel an der Loire
2006 stand f�r mich sp�testens nach dem WM-Halbfinale gegen die Italiener fest, dass es auch in diesem Sommer wieder nicht nach Italien gehen w�rde. Auch wenn die da im Fu�ball ein tolles System haben, das in diesen Tagen so viel diskutierte Doping zu verhindern: Man steigt gar nicht erst in den sportlichen Wettstreit ein, sondern kl�rt vorher, wie die Spiele ausgehen werden. Keiner muss sich mehr zu arg anstrengen, Doping wird obsolet, sehr schlau!

Costa Rica, Polen, Equador, Schweden und Argentinien schieden als Reiseziele ebenfalls aus. Man wei� dort zwar, wie man sich einem WM-Gastgeber gegen�ber zu verhalten hat, aber leider w�chst dort entweder kein ordentlicher Wein oder es ist gar nicht Sommer oder beides. Also zum Leidensgenossen, zu den Franzosen. Die das Finale ebenso zu Unrecht verloren hatten, wie wir im Halbfinale. Offenbar sind die bis heute nicht dr�ber weg, lassen sich noch immer jeden Abend voll laufen. Und dann fangen sie an, die Werbeflyer ihrer Loireschl�sser in verschiedene Fremdsprachen zu �bersetzen. Zum Beispiel die Brosch�re des Chateau de Luynes. Deren deutsche Fassung beachtlich ist: Luynes, ein Schloss der mehrfachen Facetten. Von seiner mittelalterlichen Vergangenheit markiert, bleibt das Schloss von Luynes ein gro�es, bewohntes, herzliches und reich m�bliertes Eigentum an diesem Tag. Dieser alte Schlossstarke (12. Jahrhundert) hat die Jahrhunderte dank grosser Namen durchquert: Maille, Laval und Luynes, drei Familien, die gewusst haben durch ihre Treue an der Krone von Frankreich, K�nige anzuziehen - solcher Louis XI und Louis XII-  in diesem wildreichen Sektor vom Touraine. Die majest�tischen R�ume vom Unterkunfts-K�rper erinnern an Jagden und Empf�nge. Ihrerseits ein Denkmal zu entdecken, wo sich grossartig verbindet: Architektur, Mobiliar; Malereien, Wandteppiche und Kunst der G�rten.

Meinerseits ein Denkmal zu entdecken? Meinerseits, mich erst einmal auf das Niveau herunterzutrinken, auf dem man das versteht.

Wenn es in Frankreich richtig hei� ist, spricht der Franzose von Canicule, Hundshitze. Und so eine Canicule, von der gallischen Himmelsg�ttin Rosmerta zu verantworten, wenn ich das richtig sehe, die treibt die Menschen tags�ber in die H�user und abends auf die Strassen und Pl�tze.
Oha, da isses mir wieder passiert. Die "Menschen auf den Strassen und Pl�tzen". Das rutscht mir alle paar Monate mal raus. Ist so eine stehende Redewendung des Oggerheimers gewesen, wenn er von seinem Wahlkampf berichtet hat. Die sechzehn Jahre mit dem dicken Helmut stecken mir wohl noch in den Knochen. Na ja, Kohl ist eben schwer verdaulich.

Wo war ich, ach ja, die Menschen drau�en. In der Canicule ist ja viel Volk unterwegs, vor allem auch junge Leute. Ich frage mich nur, warum die M�dels eigentlich alle permanent an ihren Handys herumdr�cken m�ssen. Irgendwie scheint das genetisch bedingt zu sein. Mit dem langsamen aber sicheren Dahinsterben des Berufsbilds der Sekret�rin muss sich der irgendwo auf dem zweiten X-Chromosom angesiedelte Drang zum Tippen dann ganz offenbar anderweitig Bahn brechen. Simsen als �bersprungshandlung, habt Ihr da schon mal dr�ber nachgedacht? Als Hobbyethologe habe ich festgestellt, dass die betroffenen Populationen zumeist mehrere Mitglieder im Alter zwischen 12 und 22 Jahren z�hlen. Und genau da komme ich nicht mehr mit. Dass ich herumsimse, wenn ich allein irgendwo sitze, mich lieber mit dem Handy besch�ftige als mit dem Glas Wein vor mir, leuchtet schon kaum ein. Aber wenn ich mit einem Freund oder einer Freundin am Tisch sitze und eigentlich die Chance zu live-Kommunikation best�nde, muss ich doch nicht dauernd Kurznachrichten an Dritte in die Welt blasen bis der hornh�utige Daumen qualmt, oder? Irgendwie kommt mir das hochgradig unh�flich vor, so mitten im Gespr�ch mal wieder die Aufmerksamkeit vom Gegen�ber ab- und dem Appar�tchen zuzuwenden und daran herumzudr�cken wie an Pubert�tspickeln. Wahrscheinlich werde ich alt. Zu meiner Zeit...


"La France profonde", das ist outre Rhin so ein Politikschlagwort wie einst bei uns "die Menschen drau�en im Lande". Gemeint ist mit dem profunden Frankreich, der l�ndliche, der urt�mliche Teil Galliens, wo noch "der kleine Mann" wohnt, wo die Welt noch in Ordnung ist, wo man noch tapfer den R�merlagern und dem neumodischen Unsinn aus Lutetia Widerstand leistet. Wo die Frauen noch auf der Schreibmaschine tippen und nicht auf dem Handy. Wo es noch echte Kreuzungen gibt, ohne die in den letzten Jahren inflationsartig �ber das Land wuchernden Kreisverkehre.

F�r diese Kreisverkehre muss es in Frankreich eine eigene Beh�rde geben. Die wahrscheinlich so ein sozialistisches Plansoll vorgegeben bekommt, pro Jahr mindestens soundsoviel Tausend "carrefours giratoires" einzurichten. Und die nicht fragt, ob es bei Labertache sur la Plauze an der Kreuzung einer autobahn�hnlichen Nationalstrasse mit einem wenig befahrenen Feldweg wirklich einen Kreisverkehr braucht, um potenzielle Vorfahrtskonflikte unfallfrei zu l�sen. Sondern einfach einen baut. Also jetzt keinen Unfall, sondern einen Kreisverkehr. Ich kenne das so �hnlich aus Deutschland, wo ein Studienkollege von mir sich Geld dazuverdiente, indem er regelm��ig Ampeln aufstellen ging. In seiner Firma nannte man das "Ampeln setzen", als w�ren es zarte Setzlinge, die wachsen und gedeihen und sich fruchtbar vermehren k�nnten. Zumindest letzteres ist in den zwanzig Jahren seitdem allerdings tats�chlich eingetreten. Aus Setzlingen wurden Ampelw�lder, um die selbst das Waldsterben einen ver�chtlichen Bogen schl�gt.

Wer sich auch mit den Kreisverkehren herumschlagen muss, dass sind ja unsere Tour de France-Helden. Nachdem der Herr Ullrich sich wieder einmal erwischen lassen hat, durfte zuletzt zweimal ein anderes Weichei aus der Zone die Tour verlieren. Denn zum Gl�ck haben wir ja noch den Herrn Kl�den. Der pflichtschludrigst Zweiter wurde, ganz wie das Vorbild. Wahrscheinlich ist der sogar zum Dopen noch zu d�mlich. Auch wenn ich es wenig fein finde, dass dem Herrn Watterott schon 2006 irgendwann herausrutschte, Floyd Landis fahre an �der Spritze des Feldes�.

Inzwischen schl�gt die Franz�sische �Nationale Front zur Befreiung der Gartenzwerge� wieder zu. Die entf�hren regelm��ig Gartenzwerge aus jenem Vorgartenhabitat, an dass sich die Zwerge trotz jahrzehntelanger Domestizierung noch immer nicht gew�hnt zu haben scheinen. Anschlie�end werden die Wichte dann im nat�rlichen Habitat, irgendwo im Wald "freigelassen", regelm��ig in solcher N�he zu den Waldwegen, dass sie von den Ordnungsbeh�rden schnell aufgefunden werden k�nnen. Was leider allzu oft zu einer R�ckverbringung ins Vorgartenhabitat f�hrt, so dass der Prozess von vorne beginnen muss. Inzwischen, so ist zu h�ren, gibt es in Deutschland Nachahmer - oder vielleicht eine nationale Unterorganisation des franz�sischen Mutterhauses, das dann allerdings konsequent in "Europ�ische Front zur Befreiung der Gartenzwerge" umgetauft werden m�sste. Auch in der Zwergenbefreiung schl�gt die Globalisierung offenbar erbarmungslos zu. Noch nicht bekannt ist, ob multilaterale Organisationen wie das Zwergenhilfswerk der Vereinten Nationen und die Weltbank F�rderpro-gramme f�r die Auswilderung der in Entwicklungsl�ndern beheimateten Zwerge zu unterst�tzen bereit w�ren.

Zur�ck in Deutschland lese ich allzu wahre S�tze: Der K�lner Ring ist schon wieder bev�lkert mit Kaugummi kauenden Prolls, die irgendeine Schei�e in ihre geklauten Fotohandys labern. Es ist eine unglaubliche Mischung aus grenzdebilen Oliver-Geissen-G�sten und verfehlter Asylpolitik.

Und zum Parkplatznotstand hei�t es weiter: Es ist eine Sauerei, was die Stadt K�ln hier mit ihren B�rgern veranstaltet! Wenn ich der Stadt schon den Gefallen tue, im unmittelbaren Zentrum zu wohnen, dann m�sste sie wenigstens f�r einen Parkplatz sorgen. Aber nein, die shoppinggeilen R�benstecher aus der Umgebung wollen ihren lehmverschmierten Passat am Samstag ja auch mal vor eine Edelboutique stellen. Statt neben einen Acker. (�) Um gr��eren �rger zu vermeiden, parke ich grunds�tzlich nur Holl�nder zu. Schlie�lich ist kein Mensch schwerer zu verstehen als ein w�tender Holl�nder.

Bingo! So ist das Leben in der K�lner Bucht. Ehrenoskar f�r Tommy Jaud, dem wir diese plastische Beschreibung verdanken. Ich will zur�ck nach Frankreich!
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