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Nick Igel in Brasilien |
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Hei�e Samba unter dem Zuckerhut, kaum ein Fetzen Stoff auf den kaffeebraunen sich unter der ewigen Tropensonne von Ipanema beim Beachvolleyball pr�sentierenden Luxusk�rpern, permanente Party und allzeit willige Sch�nheiten mindestens dreierlei Geschlechts an allen Stra�enecken. So stellt uns das ehrw�rdige deutsche Privatfernsehen Brasilien gerne dar. Ich wollte es genauer wissen und habe unter Hinanstellung aller fiskalischen Bedenken meiner Hausbank weder Reisekosten noch M�hen gescheut und einige Wochen vor Ort den ultimativen Brasilientest durchgef�hrt. Hier die wichtigsten Ergebnisse:
Anreise und Ankunft: Wer der Einfachheit halber gleich in Rio landet und es geschafft hat den Ann�herungsversuchen der auffallend zahlreichen Air Swiss-Stewards zu widerstehen, freut sich, dass einem die Schlange am Schalter f�r die Passkontrolle einige Stunden Zeit gibt, sich intensiver mit den Details von Architektur und Innenausstattung des Flughafengeb�udes auseinanderzusetzen. Wichtigste Erkenntnis: Die Klimaanlage funktioniert nicht. Nat�rlich ist die liebevolle Dekoration der R�umlichkeiten mit denkmalgesch�tzten K�hlapparaten und der ausgezeichnete Service, ein Schalter f�r 290 Ank�mmlinge, nicht umsonst zu haben, bei der Abreise werden wir 35 US-Dollar Flughafengeb�hr pro Person bezahlen d�rfen.
Essen und Trinken: Die brasilianische K�che ist f�r ihren Abwechslungsreichtum ber�hmt! Es gibt gegrilltes Fleisch, Fleisch vom Grill, Fleisch vom Rost und Grillfleisch. Zur freien Auswahl! Am Meer au�erdem noch gegrillten Fisch, Fisch vom Grill, Fisch vom Rost und Grillfisch. Dazu werden in besseren Lokalen die besten Weine des Landes angeboten. Darunter f�llt vor allem die Liebfraumilch, die trotz der schwarz-rot-goldenen Fahne auf dem Etikett und dem deutschen Namen in Brasilien und aus brasilianischen Trauben hergestellt wird. Das Etikett verr�t gleich, was drin ist: Vergorener Traubensaft, Zucker und Konservierungsstoff. Der Geschmack hat mich unwillk�rlich an die �� 233 ff Strafgesetzbuch erinnert, in denen bekanntlich die Tatbest�nde der schweren K�rperverletzung, der K�rperverletzung mit einer gef�hrlichen Waffe und der Vergiftung sowie der K�rperverletzung mit Todesfolge abgehandelt werden.
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Nick Igel going bananas |
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Hygiene und Umweltbewusstsein: Brasilien ist ein sehr sauberes Land und legt gro�en Wert auf Recycling. Wahrscheinlich deswegen verzichtet der Brasilianer von Welt darauf, das Toilettenpapier zusammen mit dem Darm- bzw. Blaseninhalt in die Toilettensch�ssel zu verf�gen und es sodann per Kanalisation in den Amazonas zu sp�len. Vielmehr wird das benutzte Papier in eigens neben dem Thron aufgestellten Eimern entsorgt und dann nach einer mehr oder weniger langen Lagerung in diesen Eimern einer, trotz allen investigativjournalistischen Talents ohne weiteres nicht zu eruierenden, Zweitverwendung zugef�hrt. Dieses Verfahren muss auch mit der sprichw�rtlichen Tierfreundlichkeit der, auf eine lange Tradition im Farmwesen zur�ckblickenden, Einheimischen zusammenh�ngen. Kakerlaken wollen schlie�lich auch leben und d�rften sich freuen, eine so deutliche Einladung zum Hausbesuch zu bekommen.
Organisationstalent und t�gliches Leben: Man sagt den Brasilianern wie den meisten Latinos einen gro�en Hang zum laissez faire und ein noch gr��eres Organisationstalent zur Behebung oder Kaschierung der daraus resultierenden Probleme nach. Laissez faire ist in jedem Fall richtig und kann ganz w�rtlich mit �machen lassen� aus dem Franz�sischen �bersetzt werden: Der halbwegs etablierte Brasilianer von heute stellt sich zum Monatslohn von 180 bis 250 Reales (90 bis 125 Euro) ein paar Hausangestellte ein und verzichtet f�rderhin auf alle k�rperlichen Anstrengungen oder Arbeiten. Man �l�sst� putzen, kochen, aufr�umen, sich den Arsch abwischen und sodann denselben auf H�nden hinterher tragen; �l�sst� die Kinder erziehen und betreuen; �l�sst� Eink�ufe t�tigen und in die Wohnung bringen, eine wirklich arbeitsteilige Gesellschaft. Das geht allerdings nicht immer gut, denn die zu diesem Lohn schuftenden, mit dem blo�en Auge kaum von Sklaven zu unterscheidenden Angestellten scheinen sich in vielen F�llen kaum mit ihrer Arbeit zu identifizieren und erzielen immer �fter betriebswirtschaftlich suboptimale Ergebnisse. Und nun kommt das Problem: Mit dem Organisieren ist es leider nicht so weit her, wie es das Klischee gerne verbreitet. Im Gegenteil, jede kleine Aktion zur Verbesserung der suboptimalen Arbeitsergebnisse braucht einen ewigen Organisationsvorlauf. Telefonat hin, Gegentelefonat her, ein drittes Telefonat zur�ck, was sollte ich noch einmal tun? Ach so? Und wie wars noch einmal gemeint? Aha, das geht leider nicht aber, aber vielleicht gehts anders, ich muss nur mal eben den Schwager des Bruders der Fu�pflegerin meines Postboten anrufen und melde mich dann gleich wieder. Am besten �l�sst� man auch gleich organisieren.
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Samba do Bresi-ge-l, the boy from I-gel-panema |
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Fortbewegung und Reisen: Diese Mentalit�t hat sich auch die kleinste der drei brasilianischen Fluggesellschaften, die VASP, zu Eigen gemacht. Mit ihr zu fliegen, kann nur Abenteuertouristen empfohlen werden, die zudem nicht auf das Erreichen von Anschlussfl�gen angewiesen sind. Auf die Frage, welcher karnevalistischen Tradition man eigentlich folge, indem man die permanente zweist�ndige Versp�tung aller Fl�ge nicht gleich in den Flugplan aufnehme, antwortete ein Steward, dass eine solche Ma�nahme sinnlos sei, da alle Crews derartig auf die Versp�tungen eingestellt seien, dass man bei offizieller Integration der zwei Stunden in den Flugplan sofort mit zwei weiteren Stunden Versp�tung zu rechnen habe. Dies sei schon deshalb unerl�sslich, da die an die Versp�tungen gew�hnten Reisenden eine fahrplanm��ig abfliegende Maschine gar nicht erreichen w�rden.
Es muss aber dennoch nicht in allen F�llen bei lediglich zwei Stunden bleiben, das w�re zu einfach! Wer einmal beobachtet hat, mit welcher Liebe zum Detail die VASP-Mitarbeiter �ber vier Stunden hinweg und ohne jedes Ger�t von h�herem technischen Standard als dem mit wachsender Begeisterung verwendeten Kreuzschl�ssel einen einzigen Reifen an einer Boeing 737 wechseln, wird sich hernach an Board so sicher wie auf Abrahams Schleudersitz f�hlen.
Umgang mit den Eingeborenen: Brasilianer sind h�fliche Menschen. Sie l�cheln fast immer und werden einem keinen Wunsch abschlagen (�klar bringe ich Dich morgen sicher von Deinem Hotel durch die Favella zum Flughafen�). Dass sie einem den Wunsch doch nicht erf�llen, wenn sie erst einmal �ber alle Berge sind und einem dies nicht mehr ins Gesicht sagen m�ssen, steht auf einem anderen Blatt. A propos ins Gesicht sagen: Der Brasilianer von heute wird dies vor allem in flie�endem Portugiesisch tun. Andere Sprachen zu beherrschen, f�llt ihm nicht ein, die kann man eben so schlecht lernen �lassen�. Auch in Hotels der Luxusklasse wird einem der Kellner daher nicht wirklich erkl�ren k�nnen, dass sich hinter den vielen verschiedenen Positionen der Speisekarte letztlich doch immer gebratenes Fleisch verbirgt. |
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