Es war einmal... eine Gedenkst�tte

                              �ber das Leben des Wiener Psychoanalytikers Karl von Motesiczky

                                                     und den Umgang mit seiner Geschichte

von Christiane Rothl�nder

Immer wieder wurde mir w�hrend meiner Interviews mit Menschen, die Karl von Motesiczky - zumindest �ber eine gewisse Zeitspanne hinweg - gekannt hatten, die erstaunte Frage gestellt, was denn an ihm so interessant w�re, dass jemand eine Biographie �ber sein Leben schreibt. Ein Leben, von dem selbst die wenigen noch lebenden Verwandten und Freunde immer nur Ausschnitte zu erz�hlen wissen. Genau dies stellte jedoch auch das Reizvolle an meiner Arbeit dar. Die oft detektivisch anmutende Rekonstruktion der Biographie einer Per-son, die nicht nur in g�ngigen historischen Darstellungen keine Er-w�hnung findet, sondern sogar in Autobiographien von Menschen, die viele Jahre eng mit ihr zusammengearbeitet hatten, nicht vorkommt. Der Ort, an dem er lebte und wo eine Gedenkst�tte an ihn erinnern sollte, an der jedoch auch die dort wohnenden Menschen seit Jahr-zehnten vorbeigehen, ohne sie je wahrgenommen zu haben. Mein Anliegen ist es, dem Menschen Karl von Motesiczky und seinem Werk jene Anerkennung zuteil werden zu lassen, die ihm Zeit seines Lebens und v. a. danach verwehrt geblieben war. Ein anderer, f�r mich besonders interessanter Aspekt an der biographischen Arbeit er-gibt sich aus dem Umstand, dass sich die Geschichte der Familie Karl von Motesiczkys von Beginn an in der Geschichte der Psychoanalyse widerspiegelt - eine gemeinsame Geschichte, die w�hrend der national-sozialistischen Herrschaft in �sterreich ihr Ende fand.

Diese Geschichte m�chte ich im folgenden nachzeichnen. Sie beginnt drei�ig Jahre vor Karl von Motesiczkys Geburt, als Sigmund Freud, ein 18j�hriger Student, im Wintersemester 1874/75 eine Vorlesung bei Franz von Brentano an der Universit�t Wien inskribierte. Brentano war 1864 zum katholischen Priester geweiht worden, erhielt 1869 den Auftrag eine "Denkschrift der deutschen Bisch�fe gegen das Un-fehlbarkeitsdogma" des Papstes auszuarbeiten (Brauns 1989, S. 42). 1872 wurde er zum au�erordentlichen Professor in W�rzburg ernannt und trat 1873 von dieser Professur zur�ck. Er legte sein Priesteramt nieder und trat ein Jahr sp�ter aus der Katholischen Kirche aus. 1874 folgte er einem Ruf als Ordinarius f�r Philosophie nach Wien, wo er mit der Absicht, Ida von Lieben, die Tochter einer der reichsten und vornehmsten j�dischen Familien der Stadt, die Schwester Karl von Motesiczkys Gro�vater Leopold, zu ehelichen, einen gesellschaft-lichen Skandal verursachte. Da nach herrschender �sterreichischer Rechtssprechung die Heirat eines ehemaligen Priesters als unm�glich galt, trat Brentano von seiner Professur zur�ck, erwarb die s�chsische Staatsb�rgerschaft und verm�hlte sich am 16. 9. 1880 mit Ida von Lieben in Leipzig. Nach seiner R�ckkehr lehrte er dann bis 1895 als Privatdozent an der Universit�t Wien (Bernfeld 1949, S. 145f.). In seinen Jugendbriefen an Eduard Silberstein berichtete Sigmund Freud, dass er die Vorlesungen Brentanos besuche und wie sehr er von ihm beeindruckt war (Freud 1989).

Als Theodor Gomperz, ein an der Universit�t Wien lehrender Philo-soph und Historiker, 1878 f�r die Herausgabe von John Stuart Mills "Gesammelten Werken" einen �bersetzer f�r den zw�lften Band suchte (Kann 1974, S. 106), stellte sich erneut eine Verbindung zwischen Sigmund Freud und der Familie Motesiczkys her: Theodor Gomperz war der j�ngste Bruder Sofie von Todescos, Karl von Motesiczkys Urgro�mutter. Franz von Brentano schlug ihm Gomperz als �bersetzer vor (Bernfeld 1949, S. 143).

Neun Jahre sp�ter kam Freud wiederum in Kontakt mit der Familie, diesmal jedoch unter ganz anderen Voraussetzungen. Vom Studenten und Mitarbeiter war er zum Arzt Anna von Liebens, Karl von Motesiczkys Gro�mutter, avanciert - eine Patientin, die nachmals unter dem Pseudonym C�cilie M. in den "Studien �ber Hysterie" Ber�hmtheit erlangen sollte. Noch Jahre nach dem Ende der Behandlung Anna von Liebens schrieb Freud an seinen Freund Wilhelm Flie�: "Wenn Du C�cilie M. kenntest, w�rdest Du keinen

Moment zweifeln, da� nur dieses Weib meine Lehrmeisterin gewesen sein kann." (Freud 1986, S. 243)

Anna von Lieben wurde 1847 als viertes von acht Kindern Eduard und Sofie von Todescos in Wien geboren. Ihr Vater leitete seit 1848 ein unter dem Namen "Hermann Todesco�s S�hne" bestehendes Gro�handelshaus als Privatbank und z�hlte zu den Spitzenrepr�sen-tanten der damaligen Finanz- und Bankenwelt. Die Familie war in erster Linie darauf bedacht, nach au�en hin ihren Repr�sentations-pflichten nachzukommen. Auf Sehns�chte und W�nsche der einzelnen Familienmitglieder wurde wenig R�cksicht genommen, wie Anna von Lieben es in ihren Gedichten beschrieb (Lieben 1901, S. 86). 1866 floh sie im Alter von 18 Jahren zu ihrer Schwester Fanny nach England in der Hoffnung, ihrem Schicksal - mit einem reichen, ange-sehenen, aber ungeliebten Mann verheiratet zu werden - entkommen zu k�nnen. Sie blieb zwei Jahre in England, wo sie psychisch schwer erkrankte. 1868 gab Anna von Lieben schlie�lich dem Dr�ngen ihrer Eltern nach (ebd. S. 23) und kehrte nach Wien zur�ck. Drei Jahre sp�ter heiratete sie den wohlhabenden j�dischen Bankier Leopold von Lieben. In den folgenden Jahren brachte sie f�nf Kinder zur Welt. 1882 wurde ihre j�ngste Tochter, Henriette - Karl von Motesiczkys Mutter - geboren.

Anna von Liebens psychischer Zustand hatte sich von 1874 an wieder zu verschlechtern begonnen. Nur w�hrend ihrer Schwangerschaften ging es ihr besser. Von 1887/1888 an �bernahm ein junger Arzt die Behandlung Anna von Liebens (Swales 1986, S. 50): Sigmund Freud, stellte in den "Studien �ber Hysterie" C�cilie M. als jene Patientin vor, die er weitaus "gr�ndlicher als jede andere" der in den Studien erw�hnten Frauen kennengelernt habe. Aus "pers�nlichen Gr�nden" jedoch w�re er verhindert gewesen, die Krankengeschichte seiner "Lehrmeisterin" - wie Freud sie nannte - "ausf�hrlich mitzuteilen" (Breuer/Freud 1997, S. 88).

Die Behandlung war zun�chst auf Hypnose und Suggestion gest�tzt. Im Herbst 1889 begann Freud gemeinsam mit seiner Patientin, M�glichkeiten und Grenzen der karthartischen Methode auszuloten. R�ckblickend schrieb er dann sogar die Einf�hrung der Methode der freien Assoziation seiner Behandlung Anna von Liebens zu (Swales 1986, S. 31). Als sich deren Familie 1893 gegen eine Fortsetzung der Therapie stellte, bedauerte Freud dies zutiefst (Freud 1986, S. 55). Anna von Liebens Zustand verschlechterte sich danach zunehmend. Sie starb am 31. 10. 1900 im Alter von 53 Jahren an Herzversagen. Die Geburt ihres Enkels Karl von Motesiczky erlebte sie nicht mehr.

Ein Jahr vor dem Abbruch der Behandlung Anna von Liebens wurde Sigmund Freud der Arzt eines weiteren Mitglieds der Familie. Elise Gomperz, die Frau von Theodor Gomperz, litt unter starken Gesichts-neuralgien, Schlaflosigkeit und hysterischen Zust�nden. Etwa acht Jahre nach Beginn wurde auch diese Therapie abgebrochen (1). Freuds Kontakt zur Familie fand durch die Zusammenarbeit mit dem Sohn des Ehepaars, Heinrich Gomperz, eine Fortsetzung. Heinrich Gomperz zeigte sich von der gerade erschienenen "Traumdeutung" beeindruckt und stellte sich als Versuchsperson zur Verf�gung (Freud 1986, S. 425ff.).

Wenige Monate nach Anna von Liebens Tod lernte ihre j�ngste, damals 18-J�hrige Tochter Henriette den um 16 Jahre �lteren tsche-chischen Adeligen und Protestanten Edmund Graf Motesiczky-Keseleok� kennen. Bereits bei ihrem zweiten Zusammentreffen be-schlossen die beiden, sich zu verloben. Henriette von Liebens Vater reagierte zun�chst wenig erfreut. Er warf Motesiczky offenbar vor, dass dieser sich ganz der Musik (2) - er spielte ausgezeichnet Cello (3) verschrieben h�tte. Schlie�lich stimmte er einer Verm�hlung doch zu. Am 10. 8. 1903 fand die Hochzeit in der Villa Todesco, dem Anwesen der Familie Lieben in der Hinterbr�hl, statt. Neun Monate nach ihrer Verm�hlung - am 25. 5. 1904 - kam Karl Wolfgang Franz Graf Motesiczky zur Welt. 1906 wurde das zweite Kind, Marie-Louise, geboren.

Sechs Jahre nach seiner Heirat nahm Edmund von Motesiczky in der Slowakei an einer Jagd teil, wo er an einer Darmverschlingung erkrankte, infolge der er am 12. 12. 1909 verstarb. Marie-Louise von Motesiczky glaubte, dass der fr�he Tod des Vaters "die Ursache daf�r war, da� der hochbegabte und eigensinnige Bruder sp�ter mit gro�en Problemen zu k�mpfen hatte, einerseits wurde ihm, gemessen am Vater, beinahe jede Anerkennung verweigert, andererseits fehlte ihm die beratende m�nnliche Bezugsperson" (Gaisbauer 1986, S. IV). Sie

beschrieb ihn als begabten und unruhigen Menschen (M.-L. Motesiczky 1986). Auch das Verh�ltnis zur Mutter war "f�r den vergr�belten Sohn eher belastet" (Gaisbauer 1986, S. IV). Nach dem Ende seiner Schulzeit im Realgymnasium I. in Wien besuchte Karl von Motesiczky anfangs die Staatsakademie f�r Musik und darstellende Kunst. Wie sein Vater war auch Karl von Motesiczky ein sehr talentierter Cellist. Im Sommersemester 1924 wechselte er dann auf die juridische Fakult�t der Universit�t Wien. In diese Zeit fiel auch seine erste Begegnung mit dem acht Jahre �lteren Schriftsteller Heimito von Doderer. "Einen jungen Mann von 19 Jahren lernte ich auf einem Hausball kennen, einen in mancher Hinsicht anziehenden Menschen", schrieb Doderer Mitte Februar 1925 in sein Tagebuch (Doderer 1996, S. 175). Kurz darauf schlossen die beiden Freund-schaft. Doderer wurde zu Motesiczky v�terlicher Identifikationsfigur und - den Eintragungen in Doderers Tageb�chern zufolge - wohl auch zu seinem Ratgeber in sexuellen Fragen (ebd., S. 223f.). Der wohlhabende "Mote" - so sein Spitzname - geh�rte sofort zum engsten Kreis der Vertrauten Doderers und nahm an dessen schriftstellerischen T�tigkeit regen Anteil. Doderer andererseits setzte seiner Freundschaft zu Mote ein Denkmal. "Er widmete ihm sein zweites Divertimento" (Fleischer 1996, S. 165). Am 26. 3. 1926 organisierte Motesiczky den ersten Auftritt Doderers in Wien. Er selbst hielt einen einleitenden Vortrag "�ber Lesen und H�ren", in dem er die Thesen des Freundes erl�uterte. Doderers zweiter Auftritt ein Jahr sp�ter war ein derart gro�er Erfolg � "herbeigef�hrt durch ein geschicktes Arrangement meines Freundes und `Impresario�s� Karl M." (Doderer 1996, S. 351), dass ihm die Einnahmen viele Monate finanzieller Unabh�ngigkeit sicherten.

Im Oktober 1928 verlie� Motesiczky Wien, um in Heidelberg Philo-sophie zu studieren. 1930 ging er nach Marburg, wo er mit dem Studium der Theologie begann. Wie schon zuvor in Heidelberg engagierte er sich auch in Marburg in der Studentenbewegung, schrieb Artikel in Zeitungen und hielt Vortr�ge in der sozialistischen Studentengruppe, wo es zu "gro�er Diskussion mit den Haken- kreuzlern" kam (4). Die Briefe Motesiczkys aus dieser Zeit belegen die ersten Kontakte mit dem Kommunismus. Im April 1931 zog er nach Berlin, wo er sein Theologiestudium fortsetzte. Er wohnte zu-n�chst in der Bauhofstrasse 1, in Britz gegen�ber der Museumsinsel, im Zentrum der Stadt. Einige Monate sp�ter �bersiedelte er in die Jahnstrasse 69, in den Arbeiterbezirk Neuk�lln, einen der Hauptagi-tationsorte des Kommunisten und Psychoanalytikers Wilhelm Reich. W�hrend Motesiczkys erster Wohnort v�llig dem Milieu entsprach, in dem er aufgewachsen war, stellten die Verh�ltnisse in Neuk�lln einen entscheidenden Bruch mit seiner gewohnten Lebensweise dar.

Reich war Ende September 1930 nach Berlin gekommen, wo er hoffte, mit seiner gesellschaftspolitischen Arbeit auf fruchtbaren Boden zu sto�en. Als Instrument daf�r sollte die Sexpol-Bewegung dienen, die auch Motesiczkys weiteres Leben stark beeinflusste. Die Anf�nge der Sexpol-Bewegung gehen zur�ck auf Reichs Wiener Jahre und den Aufbau der "Sozialistischen Gesellschaft f�r Sexualberatung und Sexualforschung". Nach seinem Ausschluss aus der Sozialdemo-kratischen Partei hatte er sich der KP� angeschlossen. Seinen letzten �ffentlichen Auftritt in Wien bestritt Reich im September 1930 auf dem IV. Kongress der Weltliga f�r Sexualreform (Fallend 1988, S. 209f.). Seiner eigenen Darstellung nach wurde Reich vom Komitee der Weltliga gebeten, f�r "sie eine sexualpolitische Plattform auszu-arbeiten", die jedoch "im Beisein Leunbachs und M. Ks. als kommu-nistisch abgelehnt" wurde (5) (ZPPS 1934, S. 263). Reichs Plan war es gewesen, die "etwa 80, gesondert gef�hrten und gegeneinander oft feindlichen sexualpolitischen Organisationen (...) in einen Massenver-band auf kommunistischer Basis" (ebd. S 263) zusammenzufassen. W�hrend die KP-Funktion�re noch �ber die F�hrerschaft in einem erst zu schaffenden Einheitsverband diskutierten (Rackelmann 1992, S. 48), war in D�sseldorf am 2. 5. 1931 mit Reichs Unterst�tzung die Gr�ndung eines solchen "Einheitsverbandes f�r proletarische Sexual-reform und Mutterschutz (EV) auf Bezirksebene beschlossen worden" (ebd. S. 49). Der Deutsche Reichsverband f�r proletarische Sexual-politik (RV) - wie Reich selbst den EV nannte - setzte sich zum Ziel, "die deutsche Sexualreformbewegung, die bisher zersplittert und unpolitisch war, unter einheitlicher F�hrung zusammenzufassen, um sie mit klassenm��igem, revolution�rem Inhalt zu erf�llen und auf eine zielbewu�te sexualpolitische Plattform zu stellen" (ZPPS 1934, S. 263). Die Kampfforderungen des RV gingen "weit �ber die KPD Richtlinien hinaus" (Rackelmann 1992, S. 171).

Unter welchen Umst�nden Karl von Motesiczky mit Reich in Ver-bindung kam, ist ungewiss. M�glichkeiten dazu bestanden bei den Massenversammlungen, welche die sozialistischen und kommunisti-schen Studentenorganisationen veranstalteten und zu denen Reich als Redner eingeladen war oder an der Marxistischen Arbeiterhochschule im Rahmen von Kursen, die Reich ab dem Sommersemester 1931 �ber "Marxismus und Psychologie" und "Sexuologie" hielt (Reich 1995, S. 152f.) und aus denen er "die besten Kr�fte herausholte und sie in den Organisationen verteilte" (ebd. S. 167). Motesiczky war seit September 1932 bei Reich in Analyse (6). Aus seinen sp�teren Schriften geht deutlich hervor, dass er in der sexualpolitischen und psychoanalytischen Arbeit ge�bt, ein Sch�ler Reichs und einer der Studenten war, die in den Sexualberatungsstellen des RV t�tig wurden.

Aufgrund seiner Arbeit mit Jugendlichen geriet Reich schnell in Konflikt mit der KPD, die ihm vorwarf, er wolle die Wirtschafts-politik durch Sexualpolitik ersetzen (ebd. S. 190ff.). Bei einer Ver-bandskonferenz des EV im Februar 1933 wurde schlie�lich "eine gegen Reichs Arbeit gefasste Resolution" angenommen (Rackelmann 1992, S. 66). Damit endete Reichs sexualpolitisches Engagement innerhalb der KPD. Nach der Macht�bernahme der Nazis in Deutsch-land fl�chtete er �ber Wien nach Kopenhagen. "Zwei Berliner Sch�ler kamen nach. Auch in Kopenhagen meldeten sich mehrere" (Reich 1995, S. 206). Einer dieser Sch�ler, die Reich ins Exil folgten, war Karl von Motesiczky. Am 17. 4. 1933 ersuchte die Bundespolizei-direktion Wien die Gestapo in Berlin "um �bersendung eines Ver-zeichnisses der wegen kommunistischer Umtriebe aus Deutschland ausgewiesenen �sterreichischen Staatsangeh�rigen" (7). Die Antwort erfolgte am 5. 5. 1933: "Anbei �bersende ich ein Verzeichnis der bis-her aus dem Freistaat Preussen ausgewiesenen �sterreichischen Staatsb�rger. Die Ausweisung ist wegen ihrer Bet�tigung in der kommunistischen Bewegung erfolgt. Bei weiteren Ausweisungen erfolgt Nachricht. Die in der Liste angef�hrten Personen sind bereits von selbst abgereist. Der Ort ihres Reisezieles ist hier nicht bekannt." Die 13 Personen umfassende Liste nennt an 12. Stelle Wilhelm Reich, an 13. Karl von Motesiczky (8).

Reich, der nach Aufenthalten in Kopenhagen und Malm� im Sp�t-herbst 1934 in Oslo (Reich 1995, S. 265) angekommen war, setzte in Norwegen seine sexualpolitische Arbeit fort. Er gr�ndete die "Zeit-schrift f�r Politische Psychologie und Sexual�konomie" (ZPPS), zu deren Mitarbeitern und Geldgebern Karl von Motesiczky z�hlte. Motesiczky publizierte zwischen 1934 und 1938 unter verschiedenen Pseudonymen, v. a. unter dem Namen Karl Teschitz (9), eine Vielzahl von Rezensionen und Artikel in der ZPPS (10) und wurde so zum "politischen Sprecher der Reich-Gruppe" (Dahmer 1982, S. 353). In seiner "Kritik zur kommunistischen Politik in Deutschland" (Teschitz 1934) warf er der KPD und KI vor, "in den letzten Jahren schwere Fehler begangen" und damit "die Niederlage des deutschen Prole-tariats mitverschuldet (zu) haben" (ebd. S. 107). Diese Fehler sah er vorwiegend in "der Beurteilung der SPD und des Faschismus, in der Einheitsfronttaktik, der Gewerkschaftspolitik und (...) in der Anschau-ung �ber die Lage in Deutschland" (S. 107).

1935 erschien - wieder unter dem Pseudonym Karl Teschitz - im Sexpol Verlag Motesiczkys Werk "Religionsstreit in Deutschland", das in seiner Argumentation ganz der Reichschen Sexual�konomie verpflichtet war. Otto Fenichel fand diese Arbeit in seinem Rundbrief XXI (31. 12. 1935) "h�chst beachtens- und diskussionswert" und bestimmte sie "zum Thema eines Referatenabends der Prager ana-lytischen Gruppe" (Fenichel 1998, S. 302f.). In der Einleitung zum Buch kritisierte Motesiczky die Psychoanalyse, die ihren "eigenen revolution�ren Grunds�tzen untreu geworden und verb�rgerlicht (sei)" (Teschitz 1935, S. 6). Heftig polemisierte er gegen den Typus des "unpolitischen Wissenschafters": Dieser werde seine Schrift zwar "mit einigem Interesse lesen, aber den politischen Zusammenhang, in dem alles gebracht ist, zum Teufel W�nschen. Ihm sei gesagt, dass gerade sein Unpolitischsein mit Schuld daran war, dass z. B. in Deutschland in aller Ruhe hinter seinem R�cken das Fundament untergraben wurde, auf dem er sich friedlich theoretisierend sicher w�hnte. Im dritten Reich wird er, der immer unpolitische Wissen-schaft machen wollte, gezwungen, entweder politische Unwissenschaft zu machen oder in die vom Naziregime immer enger gesteckte Grenze v�lliger Lebensferne zu fl�chten. Endlich bleibt unserm Wissen-schaftler die M�glichkeit, zu schweigen bzw. zu emigrieren" (S. 8). Motesiczky versuchte im ersten Teil seiner Arbeit, die revolution�ren und reaktion�ren Aspekte des Christentums und des Faschismus herauszuarbeiten und einander gegen�berzustellen. In einem mit "Religion als psychische Struktur" �berschriebenen Abschnitt f�hrte er dann aus, wie die Kirche durch ihre S�ndenlehre die Gl�ubigen durch die unerf�llbare Forderung nach sexueller Enthaltsamkeit in Spannung halte. Der daraus resultierende Leidensdruck f�hre die Betroffenen eben wieder dazu, bei der Kirche Trost und Beruhigung zu suchen, wodurch ihre Bindung an die Kirche erhalten und gest�rkt werde (S. 71). Er zog Vergleiche zwischen der religi�sen Ekstase und der Reichschen Orgasmuslehre und lie� hier bereits Aspekte der Vegetotherapie einflie�en (S. 74ff.). In seinem Schlusskapitel warnte er davor, den Kampf gegen die Religion mit einer "abstrakt ideo-logischen Propaganda" zu f�hren, weil Aufkl�rung immer nur in Verbindung mit der Praxis sinnvoll sei (S. 101).

Neben seiner publizistischen Arbeit und seiner psychoanalytischen Schulung bei Reich in Oslo - unter dessen Supervision begann er Patienten zu behandeln - beteiligte sich Motesiczky auch an den ab Februar 1935 von Reich durchgef�hrten bio-elektrischen Experimen-ten �ber Sexualit�t und Angst (Reich 1996, S. 99), die sich �ber fast 2 Jahre hinzogen (Boadella 1998, S. 173).

Als Reich begann, seine Emigration nach Amerika vorzubereiten, kehrte Motesiczky im Winter 1937/38 nach �sterreich zur�ck. F�r seine Entscheidung, als sgn. "Mischling I. Grades" nach dem Ein-marsch der Nationalsozialisten im M�rz 1938 in �sterreich zu verbleiben (11), spielten vermutlich verschiedene Motive eine Rolle. So war Motesiczky daran gelegen, sein gro�es Anwesen am Kr�pfelsteig 42 in der Hinterbr�hl vor den Nazis zu retten. Ein anderes Motiv f�r seinen Verbleib in �sterreich war, dass Karl von Motesiczky Widerstand leisten wollte (Gaisbauer 1986, S. IV). Vornehmlich an den Wochenenden traf an seinem Wohnsitz in der Hinterbr�hl eine gro�e Zahl antifaschistischer und j�discher Freunde zusammen. Unter ihnen waren auch Franz und Annie Urbach. Annie, die Schwester Ernst Federns, berichtete �ber diese Zeit: "Vor allem war er (Karl v. Motesiczky, CR) unglaublich gut und hilfsbereit gegen seine j�dischen und Anti-Nazi Freunde. Wir verbrachten den ganzen Sommer �38 bei ihm mit unserem damals vierj�hrigen Sohn. (Lebensrettend)"(12). Im Herbst 1939 beschlossen Motesiczky und seine Freunde Kurt Lingens und Robert Lammer, eine Wider-standsgruppe zu bilden, der auch Ella Lingens und Hilde Lammer sowie das Ehepaar Zeiss und Heinrich von Lieben angeh�rten. Jeden Mittwoch traf sich die Gruppe in der Wohnung des Ehepaares Lin-gens, um BBC-Sendungen zu h�ren, �ber Politik zu diskutieren und Widerstandsaktionen zu planen. So wurde das Drucken von Flug-bl�ttern, die in Telefonzellen deponiert werden sollten, als eine M�-glichkeit des Widerstandes (13) angesehen.

Karl von Motesiczky setzte in Wien sein bereits in Oslo begonnenes Medizinstudium fort. Gleichzeitig ging er bei dem in �sterreich gebliebenen Psychoanalytiker August Aichhorn in Analyse. Motesiczky schlug Aichhorn vor - inzwischen war er in inhaltlicher Distanz zur Reich-Gruppe getreten - ein Einf�hrungsseminar in die Psychoanalyse abzuhalten, das dann auch ab Herbst 1940 (14) einmal w�chentlich stattfand. Aichhorn setzte sich bereits vor Beginn des Seminars bei Matthias Heinrich G�ring, dem Leiter des "Deutschen Instituts f�r psychologische Forschung und Psychotherapie" in Berlin f�r Mote-siczky ein, damit dieser als Kandidat f�r die Ausbildung zum Psycho-therapeuten angenommen werden konnte. Die Antwort G�rings war eindeutig: "F�r Mischlinge ersten Grades besteht kaum die M�glich-keit, die Approbation zu erlangen" (15).

Als ein ehemaliger Studienfreund, Alex Wei�berg-Cybulski, Ella Lingens von Krakau aus bat, ihn in die Schweiz zu bringen, ent-schlossen sich das Ehepaar Lingens und Karl von Motesiczky ihm zu helfen. Im Juli 1942 schickte Wei�berg-Cybulski die Br�der Jakob und Bernhard Goldstein mit ihren Ehefrauen nach Wien, die sich �ber die Lage informieren sollten. Das Ehepaar Lingens und Motesiczky glaubten, dass sie den Fluchtweg ausprobieren wollten. Der Plan sah vor, die Goldsteins �ber Vorarlberg in die Schweiz zu schmuggeln, jedoch wurde die Gruppe von einem Gestapospitzel verraten (16). Am 13. 10. 1942 erfolgte ihre Verhaftung (17). Motesiczky und Ella Lingens wurden vier Monate im Gestapohauptquartier auf dem Morzinplatz interniert (18). Am 16. 2. 1943 um 4 Uhr morgens verlie�en sie mit einem Gruppentransport den Nordwestbahnhof, der in der Nacht vom 19. auf den 20. 2. 1943 im Konzentrationslager Auschwitz eintraf (Lingens 1966, S. 14). Ella Lingens konnte als Nichtj�din und �rztin den Holocaust �berleben. Karl von Motesiczky lie� eine letzte Nachricht aus Auschwitz seinem Jugendfreund Frie-drich Wildgans zukommen, den er in einem Brief bat, ihm sein Cello zu schicken, um in der H�ftlingskapelle spielen zu k�nnen (19). Er starb am 25. 6. 1943 im Block 19, einem H�ftlingskrankenbau, an Typhus.

W�hrend der Arbeit an der Biographie Karl von Motesiczkys wurde mir immer deutlicher die Mauer des Schweigens bewusst, die sich in den fast 60 Jahren seit seiner Ermordung in Auschwitz um seine Per-son aufgebaut hat. In den wenigen Darstellungen �ber die �sterreichi-sche Psychoanalyse im Nationalsozialismus findet sein Name - wenn �berhaupt - meist nur am Rande Erw�hnung. Erst bei Soms-R�del-heim (1976) und in Wolfgang Hubers umfassender Darstellung �ber die "Psychoanalyse in �sterreich seit 1933" wird auf ihn hingewiesen (Huber 1977, S. 65) (20). In Wilhelm Reichs Schriften finden sich nur zwei Belege (Reich 1996, S. 99, S. 157) f�r die jahrelange Zu-sammenarbeit mit Karl von Motesiczky. In seiner Selbstdarstellung "�ber mein Leben" schrieb Lambert Bolterauer (1992, S. 69) - ein Teilnehmer an August Aichhorns Seminar - �ber die damaligen Ereig-nisse: "Wir (die Teilnehmer am Seminar, CR) erlitten einen Schock, als wir erfuhren, da� Frau Dr. Lingens nicht mehr teilnehmen konnte wegen Verhaftung durch die Gestapo." Karl von Motesiczky wird mit keinem Wort erw�hnt. Auch August Aichhorn nahm in seiner Gedenkschrift vom 10. 4. 1946 zu Motesiczky lediglich in einem einzigen Satz Stellung: "Einer der Freunde Graf Karl von Motesiczky, der viel zur Bildung der Gruppe beitrug, wurde sp�ter von der Gestapo verhaftet und kam im Konzentrationslager um" (21). Diese Gedenkschrift ist nicht identisch mit Aichhorns Vortrag "Die zu-k�nftige Arbeit der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung", den er anl��lich der Wiederer�ffnung der WPV ebenfalls am 10. 4. 1946 (Steinlechner 1980, S. 213ff.) hielt und in dem er auf die national-sozialistischen Verbrechen, denen das Ehepaar Lingens und Karl von Motesiczky zum Opfer gefallen waren, nicht einging. Heimito von Doderer, "der so etwas wie der Staatsautor der Zweiten Republik wurde, weil er willens und f�hig war, die politischen Feinde von gestern gleicherma�en zu repr�sentieren" (Gau� 1998, S. 12) und schon 1946 �ber das Schicksal seines Freundes wusste (22), traf 1966 anl�sslich ihrer ersten Ausstellung in �sterreich auf Motesiczkys im englischen Exil lebende Schwester Marie-Louise. Obwohl sie nicht sicher war, ob Doderer "bez�glich seiner Abkehr von den Nazis nicht blo� gelogen h�tte", akzeptierte Marie-Louise von Motesiczky seinen Vorschlag, die Er�ffnungsrede zu halten, in der er sich als einen "Freund ihres gro�en Elternhauses" bezeichnete. Seinen Freund Karl von Motesiczky erw�hnte er mit keinem Wort (Fleischer 1996, S. 528).

Das Anwesen in der Hinterbr�hl am Kr�pfelsteig 42 befindet sich heute im Besitz des SOS-Kinderdorfes. Vor dem Haupthaus steht eine �berlebensgro�e B�ste Hermann Gmeiners. Ein Hinweis auf die Ereignisse w�hrend des Nationalsozialismus ist aufs erste nicht zu finden. In der N�he des Spielplatzes jedoch, ganz abseits der Stra�e zwischen drei Nadelb�umen versteckt, ist eine kleine schwarze Pyramide aufgestellt. Karls Mutter und seine Schwester Marie-Louise von Motesiczky lie�en sie 1961 errichten. Darauf sind die Worte eingraviert:

Karl von Motesiczky

geb. 1904 gest. 1943

F�r die selbstlose Hilfe,

die er schuldlos Verfolgten gew�hrte,

erlitt er den Tod.

Nach fast einem Jahr Abwesenheit besuchte ich am 27. Juli 2000 zusammen mit einer Freundin wieder Karl von Motesiczkys Gedenk-st�tte in der Hinterbr�hl. Sie war wenige Tage zuvor zerst�rt und mit Hakenkreuzen gesch�ndet worden. Laut Bericht des Innenministeri-ums sind die rechtsradikalen �bergriffe in �sterreich in den letzten 18 Monaten um 103% gestiegen.

Anmerkungen:

1) Elise Gomperz blieb Freud weiterhin verbunden und versuchte ihm, bei der Verleihung des Professorentitels zu helfen (vgl. Freud 1980).

2) Edmund Graf Motesiczky hatte sein Doktorat in Chemie gemacht. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass er diesen Beruf auch tats�chlich ausge�bt h�tte. Obwohl er nicht Berufsmusiker war, �bte er t�glich mehrere Stunden und musizierte mit Brahms und dem Rose�-Quartett.

3) Dieses besondere Talent und die beiden kostbaren Stradivari und Guerneri Celli wird Edmund sp�ter seinem Sohn weitergeben.

4) Brief Karl v. Motesiczkys an seine Schwester Marie-Louise vom 30.11.1930, Motesiczky-Archiv, London.

5) Au�er Karl von Motesiczky ist keine andere Person aus dem Sex-pol-Kreis mit den Initialen K. M. bekannt. In Reichs Autobiographie "Menschen im Staat", die er 1953 in Amerika publizierte, fehlt dieser Hinweis. Er f�hrte nur noch Leunbach als Teilnehmer der oben zi-tierten Sitzung an, den er auch als einen "der f�hrenden Vork�mpfer der Sexpol" (Reich 1995, S. 162) bezeichnete.

6) Ella Lingens (1983, S. 12) schreibt, dass Motesiczky Reich "nach Berlin (...) gefolgt ist". Die beiden k�nnten sich demnach auch schon in Wien begegnet sein.

7) Schreiben der Bundespolizeidirektion Wien an das Geheime Staats-polizeiamt in Berlin vom 17. 4. 1933, D�W 17.005.

8) Schreiben der Geheimen Staatspolizei Berlin an die Bundespolizei-direktion Wien vom 5. 5. 1933, D�W 17.005.

9) Wird der Name Motesiczky nach der Aussprache geschrieben und streicht man die ersten und letzten beiden Silben, so erh�lt man den Karl Mo(teschitz)ky. Am 31. 12. 1935 nannte Otto Fenichel in seinem XXI. Rundbrief das gerade erschienene Buch von Karl Teschitz. In Klammer schrieb Fenichel neben dem Namen Karl Teschitz Mote- siczkys Spitznamen - Motte. F�r diesen Hinweis danke ich Dr. Karl Fallend. Weitere Pseudonyme, die aufgrund der inhaltlichen und sprachlichen �bereinstimmungen mit gro�er Wahrscheinlichkeit Motesiczky zuzuordnen sind, lauten Karl Muster und die Abk�r-zungen K. M., K. T., C. T., Mo. und M. Auffallend ist, dass Mote-siczky seine politischen Artikel immer unter dem Pseudonym Te-schitz, der m�glicherweise auch als Partei- oder Deckname diente, ver�ffentlichte, w�hrend er Arbeiten �ber die Psychoanalyse stets mit den Abk�rzungen Mo., K. M. und M. versah.

10) Leider war es mir bisher nicht m�glich, eine vollst�ndige Ausgabe der ZPPS aufzufinden. Die fehlenden Hefte umfassen die Nummern 10-14 aus den Jahren 1936/37 und die Hefte ab Nummer 15 (1938). F�r Hinweise w�re ich dankbar.

11) Seine Schwester Marie-Louise fl�chtete einen Tag nach Hitlers Einmarsch gemeinsam mit der Mutter zun�chst nach Holland. Auf Karl von Motesiczkys Rat hin - er meinte, dass sie dort nicht sicher genug w�ren - emigrierten sie schlie�lich nach London, wo Marie-Louise, eine Sch�lerin Max Beckmanns, eine bekannte Malerin und die langj�hrige Lebensgef�hrtin Elias Canettis wurde.

12) Brief von Annie Urbach an das D�W o. D. (vermutlich 1971/72), D�W 7245a.

13) Pers�nliche Mitteilung von DDr. Ella Lingens. Die Frage, wie man Widerstand leisten k�nnte, besch�ftigte Motesiczky auch, wenn er mit seinem Jugendfreund Friedrich Wildgans, dem Sohn des be-kannten �sterreichischen Dichters Anton Wildgans, in der Hinterbr�hl zusammenkam. Wildgans war aufgrund der Verleumdung eines Nazispitzels 16 Monate in einer "konzentrationslager�hnlichen Straf- anstalt" interniert gewesen. In der Zeit nach seiner Verhaftung be-suchte er h�ufig seinen Freund Karl von Motesiczky und geh�rte auch dem Musikerkreis an, der sich v. a. aus �lteren j�dischen Musikern zusammensetzte, die bei Motesiczky Unterschlupf gefunden hatten. Pers�nliche Mitteilung von Ing. Gottfried Wildgans.

14) Laut DDr. Ella Lingens fand der erste Kurs erst ab Herbst 1940 statt. Aichhorn bekam im Herbst 1941 die Erlaubnis, Kandidaten auszubilden. Nach Wolfgang Huber (1977, S. 242f.), der sich auf Aichhorns T�tigkeitsbericht aus dem Jahr 1944 bezieht, begann Aichhorn bereits im Herbst 1938 mit einem Kurs, der "zumindest ab 1939 (...) offiziellen Charakter" hatte. Aichhorn selbst schrieb in einem Brief an Felix Schottl�nder, dass er "schon 1938 einen kleinen Kreis von jungen �rzten und Psychologen" um sich "sammelte" (zit. n. WPV 1976, S. 115).

15) Brief von M. H. G�ring an A. Aichhorn vom 28. 6. 1940, zit. n. Lingens (1983); Lockot (1985) f�hrt einige Mitglieder des Deutschen Psychologischen Instituts an, die "Mischlinge I. Grades" oder Juden waren, S. 172ff.

16) Bericht von DDr. Ella Lingens an das D�W 7245b.

17) Tagesbericht Gestapo Wien Nr. 5 vom 13. 10. 1942, D�W 5733f

18) Motescizky soll sich dem Vernehmen nach beim Verh�r durch die Gestapo ungeschickt verhalten haben, da er nach anf�nglichem Leugnen alles zugab, nachdem man ihn damit konfrontierte, dass Klinger schon alles gestanden h�tte. Bericht von DDr. Ella Lingens, D�W 7245f.

19) Pers�nliche Mitteilung von Ing. Gottfried Wildgans

20) Alle weiteren Artikel zum Thema "Psychoanalyse und National-sozialismus" folgen der Darstellung Hubers (1977); vgl. dazu Brai-nin/Kaminer (1982); Leupold-L�wenthal (1982) und (1987).

21) A. Aichhorn, Gedenkschrift 1946, unver�ffentl. Manuskript, zi-tiert nach Solms-R�delheim (1976) S. 1181. Das Originalmanuskript konnte bis jetzt nicht aufgefunden werden. Auch eine Nachfrage bei der Sigmund Freud Gesellschaft blieb ergebnislos.

22) Brief von Heimito von Doderer an Gaby Murad vom 22. 3. 1946, in: Wolff (1996, S. 143).

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