EINE THERAPEUTENEHE...
oder "DAS SEMMELTRAUMA"
von Dario Lindes
ER: (kommt zur T�re herein) Hallo Schatz, du entschuldige, ich habe die Semmeln vergessen. SIE: (�rgerlich) ... die Semmeln vergessen - weil...? ER : (beleidigt) Was macht das mit dir? SIE: Ich sp�re �rger. ER: �rger -... weil...? SIE: Was macht das mit dir, wenn du etwas vergisst und ich �rgerlich bin? ER: Wahrscheinlich sp�rte ich schon beim Heimgehen aus meiner Praxis deine negative �bertragung und m�glicherweise habe ich deshalb auf den Erwerb der Semmeln vergessen. SIE: Na, na, na ... (verwendet jetzt ihre empathischste Therapeutenstimme) Atme ganz tief und schlie�e deine Augen. ER: (f�gt sich in die Klientenrolle) Ja...! Die letzte Klientin hatte semmelblondes Haar ... Hm... Semmel... irgendwie auch ein Sexual-Symbol. Hm... SIE: (empathisch aber auch ein wenig spitz) Sehe ich das richtig, da� du die Semmelblonde und ihre Sexualit�t verdr�ngen wolltest? ER: (beschwichtigend) Sie ist eher eine alte Semmel... ich meine sie ist keine knackige, keine frische Semmel. SIE: Eine alte unknackige Semmel..., schau ob dazu ein inneres Bild kommt. ER: Oh ja! Fr�hst�ck...- ich bin so klein (er zeigt mit der Hand die Gr��e eines ca. f�nfj�hrigen Kindes) Ich bin hungrig, heute ist ein wundersch�ner Tag... es ist mein Geburtstag! Mama bringt den Kakao, sie tr�gt ihr Blumenkleid, es ist rot und gelb auf wei�em Grund. Es ist aus Seide, weisser Seide, das Kleid flattert so lustig beim Gehen... Und dann kommt der Onkel Karl... er hat f�r uns Semmeln mitgebracht und er schenkt mir ein rotes kleines Auto... er k�sst Mama auf den Mund, und Papa ist auf Gesch�ftsreise und nicht da... Die Semmeln von Onkel Karl sind alt und weich, ich muss weinen. SIE: Hm, da mu�t du weinen, da bist du ganz traurig... ER: Mama zwingt mich eine alte Semmel zu essen, damit Onkel Karl nicht b�se ist. SIE: (mitf�hlend) Mhm... ER: Mutti schickt mich dann spielen, weil sie Onkel Karl im Schlafzimmer etwas ganz Wichtiges zeigen muss, und wo ich nicht st�ren darf... ich bin so traurig, f�hle mich ganz verlassen... SIE: (mit bebender Stimme) F�hlst dich ganz verlassen... ER: Ja! Und ich spreche einen heiligen Eid aus, ja, ich will bis zum Ende meiner Tag alle Semmeln dieser Welt aus ganzem Herzen hassen! Der etwa f�nfj�hrige Sohn der Familie betritt im Laufschritt den Raum KIND: Papi, schau, ist das Auto nicht urgeil? ER: Mhm, ja das ist ein sch�nes rotes Auto, woher hast du das denn? KIND: Wei�t du, das hat mir der Onkel Karl geschenkt, vorgestern als du am Kongress warst. Er hat mit uns gefr�hst�ckt, der alte Knacker... und Semmeln hat der mitgebracht! Schweinealt waren die!