Wie weit hat Reich Marx verstanden?
Das Werk von Marx (und des im allgemeinen Bewu�tsein viel zu sehr in dessen Schatten stehenden Engels, �hnlich wie Tinbergen viel zu wenig neben Lorenz gew�rdigt wird) ist umfangreicher, heterogener und voraussetzungsvoller als dasjenige Freuds. W�hrend die Psychoanalyse ihren experimentellen Hauptgegenstand sozusagen �berall zur Verf�gung hat (n�mlich das eigene Subjekt, das es mit einer besonderen, grunds�tzlich einfachen Methode zu objektivieren gilt), ist der Gegenstand der �koanalyse, wie wir die Lehre von Marx und Engels nennen sollten, weil sie den Ausdruck �Marxismus� nicht mochten, der direkten, gar experimentellen Beobachtung nicht zug�nglich, sondern erschlie�t sich nur durch die Bearbeitung einer erheblichen externen Datenmenge; diese Marx/Engels�sche �koanalyse erfordert also neben der Kenntnis �konomischer Daten und Abl�ufe vor allem ein erhebliches historisches Wissen, ohne welches sie so wenig �berpr�fbar und anschaulich bzw. pers�nlich einleuchtend sein kann wie die Lehre von der Artentstehung bzw. Organismenevolution ohne erhebliche positive Kenntnisse in Spezieller Biologie und verwandten Disziplinen oder die Psychoanalyse ohne Verarbeitung eines satten Quantums eigener und zur Kontrolle auch fremder freien Assoziationen und damit exemplarischer objektiver Individualgeschichte und deren subjektiver Besetzung. W�hrend Reich letzteres zweifellos so gr�ndlich und engagiert geleistet hat wie jeder ernstzunehmende Vertreter der Psychoanalyse, brachte er zu ersterem aus seiner pers�nlichen Vergangenheit weder nennenswerte Voraussetzungen mit noch hatte er sp�ter gen�gend Zeit, sie sich anzueignen; die etwa zwei Jahre (1927�1929), die er daf�r angibt und nach welchen wir ihn auch als bekennenden Marxisten erleben, reichen daf�r einfach nicht aus, auch nicht f�r ein �Genie�.
Wie fast alle Menschen, bei denen dies eintritt, lernte Reich die Lehre von Marx und Engels durch politische Aktivisten (oder Sympathisanten von deren Politik) kennen, welche behaupteten, diese Lehre ihrer Aktivit�t zugrundezulegen; das ist nahezu unvermeidlich, denn die staatlich unterhaltene Wissenschaft wollte damals wie zuvor und bis heute von der �koanalyse freiwillig nichts wissen, und man lernte sie daher von ihr entweder gar nicht oder nur in polemischer Brechung kennen. Wenn aber ein System sachlicher Behauptungen � und keine Wissenschaft kann etwas anderes sein � nur oder haupts�chlich �ber eine um den Sieg k�mpfende und zugleich von Verfolgung bedrohte Partei wahrgenommen werden kann, bevor man sich � wenn es �berhaupt noch dazu kommt � mit den Originalen besch�ftigt, so kann es leicht sein, da� diese von vornherein mit normativen Ans�tzen belastet sind und diese dadurch � verh�ngnisvollerweise, wird man sagen d�rfen � als deren Bestandteil aufgefa�t werden und dadurch Parteinahme und Aussagen�berpr�fung vermengen. Wir wissen sp�testens aus Reichs fr�hen Tageb�chern, da� er den �Marxismus� nicht nur von vornherein mit dieser Belastung kennenlernte, sondern da� diese auch noch dadurch erschwert wurde, da� mindestens ein redegewandtes Individuum, das sich zum Wortf�hrer der Marx/Engels�schen Positionen aufschwang und von seinen Zuh�rern einschlie�lich Reich zun�chst auch so empfunden werden mu�te, der sp�tere Springer-Kolumnist (d.h. Pro-US-Propagandist) William Schlamm, diese Verquickung ausgerechnet mit solchen moralischen Positionen vornahm, die denjenigen von Marx und Engels ganz zuwiderliefen und stattdessen am ehesten denjenigen des Faschismus entsprachen (also Mussolinis und Hitlers sowie deren ideologischen Vorl�ufern). Reich brauchte eine gewisse Zeit, um diese Entstellung zu durchschauen, und die Heftigkeit seiner Betonung des Individuums als letzten moralischen Bezugspunkt, wie ihn Schlamm und gewi� nicht wenige seiner damaligen, irregeleiteten Gesinnungsgenossen im Gegensatz zu Marx und Engels offen geleugnet hatte, mag hier ihre unmittelbare Wurzel haben.
Nun mag es mancher ungerecht finden, die Vermengung des wertenden und des sachlichen Aspekts nur bei den erkl�rten Anh�ngern von Marx und Engels getadelt zu finden, unabh�ngig davon, wie die Wertung erfolgt, da ja auch das ber�hmte Duo in dieser Hinsicht keine Zweifel offen l��t � die Emanzipation des Individuums, die volle Entfaltung seines humanen Potentials l��t sie die von ihnen beschriebenen oder behaupteten Zusammenh�nge immer wieder gem�� dieser Zielsetzung bewerten, unabh�ngig davon, da� sie diese Emanzipation in nennenswertem Ausma� und in leidlicher Stabilit�t nur auf gesellschaftlicher und daher kollektiver Grundlage f�r m�glich hielten. Freilich unterscheidet diese stattgehabte Wertung bzw. permanente Wertungsm�glichkeit die �koanalyse grunds�tzlich von keiner anderen angewandten oder anwendbaren Wissenschaft wie z.B. der Medizin: da� Tausende von Frauen aus Bequemlichkeit und, wie heute manches �hnliche in unseren Kliniken unter dem Vorwand der �M�llvermeidung�, Kostenersparnis qualvoll zu Tode gebracht wurden, machte Semmelweis im buchst�blichen Sinne l�ngst nicht so verr�ckt wie die in diesem Zusammenhang entstandene und festgehaltene Leugnung der von ihm entdeckten Infektionswege durch die �rztliche Sanit�tsb�rokratie. Da� man Patienten nicht aus Kostengr�nden und Liebe zur bequemen Gewohnheit Qual und Tod ausliefern soll, ist eine moralische Forderung und keine wissenschaftliche Aussage; bringen wir jedoch eine neugewonnene wissenschaftliche Aussage, z.B. �ber die Folgen gewisser sparsamer bzw. �umweltfreundlicher� Klinikhygiene, mit jener aus den menschlichen W�nschen abgeleiteten moralischen Forderung zusammen, so ergibt sich daraus eine zwingende Handlungsanweisung. Dennoch hat diese Moral oder irgendeine andere dabei niemals einen Bestandteil der Medizin bzw. Wissenschaft �berhaupt gebildet, so wenig wie die f�r Marx und Engels typische Forderung nach allseitiger menschlicher Emanzipation einen solchen ihrer �koanalyse.
Es ist leicht zu erkennen, da� ein solcher Einbau moralischer und daher subjektiver Postulate in den �Marxismus�, egal mit welch fanatischem Bekenntnis zu diesem er vorgetragen werden mag, oder in die Psychoanalyse, die Medizin oder irgendeine sonstige Wissenschaft, dieser jede Seriosit�t raubt und daher gr�ndlicher als alles denkbare andere schadet; so w�nschen sich eine Lehre immer nur deren Feinde. Da� aus einem Sein kein Sollen abgeleitet werden kann (d.h. da� daraus, da� etwas so ist, z.B. die Menschen sterblich oder die Primatenfortpflanzung sexuell, keineswegs abzuleiten ist, da� es auch so sein soll), hat Reich zwar aus anderen Gr�nden heraus immer wieder betont, jenen n�mlich, die Marx das Wort �Fetischisierung� pr�gen lie�en, aber es pa�t auch zu unserem Zusammenhang: jede Wissenschaft erschlie�t uns � bei erfolgreicher Forschung � nur das Sein, egal welchen Gegenstandes, das Sollen aber ist letztlich nur aus unseren W�nschen ableitbar, ob das dem Gepfaff und seinen s�kularen Nachgeburten nun pa�t oder nicht.
So weit d�rfte Reichs Position mit derjenigen von Marx und Engels zusammenfallen und ihn entsprechend von jeder Art Gepfaff abgrenzen; aber so grundlegend diese Voraussetzung der Wissenschaft ist, so pauschal ist sie auch. Die Erkenntnistheorie bannt wohl viele Irrt�mer, bewirkt aber noch keine Erkenntnis; die Festlegung der Rahmenbedingungen f�r Wissenschaft steht noch vor der Aus�bung derselben. Hat also Reich die �koanalyse von Marx und Engels vollst�ndig verstanden � oder nicht? Diese Frage ist davon zu trennen, wie weit seine Versuche, sie anzuwenden, im Einzelfall zu treffenden oder zu fehlerhaften Resultaten gef�hrt haben; denn da� etwa seine Rekonstruktion, wie das Inzesttabu entstanden sein soll, am Ende seines Trobrianderbuchs gr�ndlich mi�gl�ckt ist, wird wohl niemand bestreiten � diese entgleiste pr�historische Phantasie liest sich wie eine Engelsparodie und liegt in ihrem Wahrheitsgehalt weit unter Freuds analogem �wissenschaftlichen Mythos� vom Urvatermord, der als h�ufiges Ph�nomen in der menschlichen Fr�hgeschichte, nat�rlich jenseits von allem lamarckistischen Gallimatias, von der neueren Primatologie/Anthropologie viele St�tzen erh�lt. Aber sie wirkt nicht wie ein Mi�verst�ndnis der �koanalytischen Klassentheorie der gesellschaftlichen Einrichtungen und deren standardisierten Rationalisierungen (�Ideologien�); Reichs Fehler besteht vielmehr darin, da� er seine theoretisch ben�tigten Gesellschaftsklassen aus grauer Vorzeit allzu abenteuerlich und empirielos zusammenphantasiert, und wohl auch aus diesem Grund, d.h. weil er es selber merkte, ist er sp�ter nie wieder auf diese seine ungl�ckliche pr�historische Theorie zur�ckgekommen.
Dagegen hat er ansonsten, d.h. bez�glich der unmittelbar beobachtbaren Ph�nomene seiner Zeit, die Klassengrundlage der Ideologien, Gesetze und politischen Einstellungen sogar meisterhaft erkannt und auch im Detail und selbst�ndig nachgewiesen, wie seine �Massenpsychologie des Faschismus� beweist; seine Analyse der drei Schwerpunkte der Klassengrundlagen des Faschismus (b�uerliche und kleinb�rgerliche Familienbetriebe sowie das wachsende Heer der Staatsangestellten und �konomisch-juristisch �hnlicher Formationen) hebt sich, besonders durch seine originelle und erhellende, ohne die Psychoanalyse in ihrer Bedeutung nicht angemessen durchf�hrbare Analyse der jeweils spezifischen Familienstruktur, nicht nur sehr vorteilhaft von den thematisch zugeh�rigen �u�erungen anderer Freudsch�ler (und Freuds �u�erst kargen und beil�ufigen eigenen), sondern auch der erdr�ckenden Masse aller heutigen egal welcher Provenienz ab, was freilich aus politischen Gr�nden kein Wunder ist.
Aber wenn Reich auch Marx�/Engels� Klassentheorie der Ideologie, vielleicht sogar die umfassende Basis-�berbau-Theorie richtig erfa�t hat, was wiederum der KPD, die sich von ihr zugunsten Stalins entfernte, gar nicht pa�te (da sie sie andernfalls auch auf die Sowjetunion h�tte anwenden m�ssen, wie das vor allem Trotzki in seiner �Verratenen Revolution� so einleuchtend vorgef�hrt hat), so erlag er doch bei dem Herzst�ck der �koanalyse, n�mlich der Werttheorie, seinem Hang zu vitalistischer Mystik. �Gesetzt, ein solcher ostasiatischer Brotschneider [d.h. ein Malaie, der seinen Nahrungsbedarf von wilden Sagopalmen decken kann] brauche 12 Arbeitsstunden zur Befriedigung aller seiner Bed�rfnisse. Was ihm die Gunst der Natur unmittelbar gibt, ist viel Mu�ezeit. Damit er diese f�r sich selbst verwende, ist eine ganze Reihe geschichtlicher Umst�nde, damit er sie als Mehrarbeit f�r fremde Personen verausgabe, ist �u�erer Zwang erheischt. W�rde kapitalistische Produktion eingef�hrt, so m��te der Brave vielleicht 6 Tage in der Woche arbeiten, um sich selbst das Produkt eines Arbeitstags anzueignen. Die Gunst der Natur erkl�rt nicht, warum er jetzt 6 Tage in der Woche arbeitet oder warum er 5 Tage Mehrarbeit liefert. Sie erkl�rt nur, warum seine notwendige Arbeitszeit auf einen Tag in der Woche beschr�nkt ist. In keinem Fall aber entspr�nge sein Mehrprodukt aus einer der menschlichen Arbeit angebornen okkulten Qualit�t.�
Genau eine solche okkulte Qualit�t schreibt Reich ihr aber in seiner Selbstdarstellung �Menschen im Staat� zu, wo wir die Ergebnisse seiner Besch�ftigung mit Marx kennenlernen: �Der Tauschwert und der Gebrauchswert einer toten Ware sind identisch. (...) Dagegen verh�lt sich die einzige lebendige Ware, die �Ware Arbeitskraft�, anders, gerade weil sie lebende Kraft ist. Bei ihr sind Tauschwert und Gebrauchswert nicht identisch. Bei ihr ist der Gebrauchswert weit h�her als der Tauschwert� (p. 47 der Nexus-Ausgabe). Das ist er nun so wenig wie die Arbeitskraft die einzige lebende Ware (welch letzteres schon jeder Viehtransport zeigt, auch jeder Hefew�rfel im Supermarkt); da der Gebrauchswert niemals quantifizierbar ist, kann er auch nicht h�her als irgendein anderer Wert sein. Was Reich meint, ist, da� die durch die Nutzung (den Gebrauch) der Arbeitskraft durch ihren K�ufer erzeugten Gegenst�nde mehr wert sind als die Arbeitskraft selbst, da der Wert beider in den zu ihrer Erzeugung n�tigen Arbeitsstunden liegt. Genau dieser Wert erzeugt ihren Preis auf dem Markt, wenn Angebot und Nachfrage ausgeglichen sind; f�r den Preisausgleich bei der Ware Arbeitskraft sorgen die Streikbrecher aus der �industriellen Reservearmee�, heute vor allem die sogenannten Ausl�nder, d.h. die zustr�menden B�rger jener und nur jener Staaten, in denen entweder keine Arbeiterbewegung eine Wertsteigerung der Arbeitskraft (i.S. von MEW XVI 148; s.a. MEW XXIII 185) hatte bewirken k�nnen oder aber milit�rischer Druck �berlegener Feinde das allgemeine Lebensniveau niedrig gehalten hatte.
Nun wollen wir nicht so beckmesserisch sein; Reich �meint� ja etwas Richtiges, auch wenn er mit Marx� Terminologie nicht ganz zurechtkommt. (Ungl�cklich ist auch, da� er dessen Originalit�t an der falschen Stelle w�rdigt [siehe p. 45]; die Wertlehre, die Marx verwendet, geht bekanntlich und auch bei Marx zu lesen auf Ricardo und Adam Smith und nicht ihn selbst zur�ck. Erst als Marx sie mit allen Konsequenzen auch auf den �Arbeitsmarkt� anwendete, lie� die b�rgerliche �konomie sie wie eine hei�e Kartoffel fallen und regredierte auf den von Reich ihrer vormarx�schen Epoche zugeschriebenen Unverstand, den sie seither immer verzwickter mathematisiert, aber unwandelbar beibeh�lt, und so mu� sie sowohl Reich wie uns auch in Schule und Literatur begegnet sein.) Was aber sollen wir von S�tzen wie diesem halten? �: �Bei Marx ruht die gesamte sozial�konomische Konzeption auf dem lebendigen Wesen der menschlichen Arbeit. Arbeit ist eine grunds�tzliche biologische T�tigkeit, die schon primitiven Lebewesen eigen ist. Der Mensch unterscheidet sich in seinen Arbeitsfunktionen von anderen niederen Tieren nicht durch die Tatsache, da� er arbeitet; das tun alle Lebewesen, sonst k�nnten sie nicht existieren� (p. 61; die �Erfindung von Werkzeugen� soll dagegen das spezifisch menschliche an der Arbeit sein). M�ssen wir Reich hier noch einmal durch Marx� Gleichnis von der �besten Biene und dem schlechtesten Architekten� korrigieren (MEW XXIII 193), mit dem Marx auf die Zielvorstellung als dem Wesen menschlicher Arbeit hinweist?! Gewi� haben Schimpansen manchmal auch schon eine, das zeigten K�hlers Experimente auf Teneriffa, und von Goodall wissen wir inzwischen, da� sie auch sehr rohe Werkzeuge herstellen, aber sie halten nicht lange durch, und gerade dieses Ertragen einer M�he � nichts anderes, au�er �Unannehmlichkeit� im weitesten Sinne, ist die urspr�ngliche Bedeutung des mittelhochdeutschen Wortes � um eines Zieles willen hei�t Arbeit (labor, work) im Neuhochdeutschen, und in diesem Sinne tritt sie nur beim Menschen auf, ist also, seit es nur noch eine Menschenspezies gibt, spezifisch menschlich. Reich dagegen will sie, genau wie die tats�chlich schon vor der Vielzelligkeit (�crossing over�), aber lange nach den ersten Lebewesen, entstandene Sexualit�t, noch auf der gleichen Seite seines Buches zu einer von zwei �objektiven Grundfunktionen des Lebendigen� machen; das hat weder mit Marx noch der Biologie etwas zu tun � Stoffwechsel, die wirkliche Grundfunktion des Lebendigen, ist keine Arbeit � wohl aber mit Mystik.
Offensichtlich ist Reich, dessen vitalistische Tendenz hier die n�tige N�chternheit st�rt, auf das von Marx und Engels so oft verwendete Stichwort von der �lebendigen Arbeit� vs. der �toten Arbeit� �angesprungen�. Dabei ist der metaphorische Charakter dieser Ausdrucksweise �u�erst einfach zu erfassen: so wie das Leben keine Substanz, sondern ein Proze� ist � n�mlich die Aufrechterhaltung einer Hom�ostase mit chemischen Mitteln, weswegen es keineswegs Energie produziert oder enth�lt, sondern vielmehr dauernd verschlingt, um sein inh�rentes Defizit auszugleichen �, ebenso ist die Arbeit ein Proze� (Ablauf) und keine Substanz, weswegen man sie w�hrend ihres Ablaufs als �lebendig�, die Spuren ihres Ablaufs, nachdem dieser vorbei ist, als �tot� bezeichnen kann (die Spur ihres vergangenen Ablaufs ist das Produkt, in welchem sie sich mit den Worten von Marx �vergegenst�ndlicht� hat, nicht anders als sich ein gewisser Teil der Lebensprozesse in dem Leichnam vergegenst�ndlicht; der Rest derselben vergegenst�ndlicht sich w�hrend seines Ablaufs in den k�rpereigenen Stoffen und Ausscheidungen, besonders anschaulich in Adenosintriphosphat und Kohlendioxyd). Sapienti sat; die Suche nach einem vitalistischen Mysterium endet immer in einem Holzweg, es gibt nun einmal keines, und seit W�hlers Harnstoffsynthese weicht es vor den Erkenntnisfortschritten der Menschheit so kontinuierlich zur�ck wie der liebe Gott.
Es er�brigt sich festzustellen, da� Reich nach dieser Unklarheit im Fundament kein angemessenes Verst�ndnis der darauf aufbauenden, sehr komplexen �konomischen Analyse von Marx entwickeln konnte, egal, welche M�ngel diese haben mag oder nicht, und es finden sich folgerichtig auch keine Spuren davon in seinem Werk. Ebenso zeigte er auch keinen Ansatz zur politischen Analyse, soweit diese nicht psychologisch, sondern spieltheoretisch zu leisten war. Eine Art mathematischer Spieltheorie ohne jeden subjektiven Aspekt ist es aber, die auch das Verst�ndnis �konomischer wie biologischer Vorg�nge entscheidend erm�glicht; sie war Reichs Sache nicht, Marx und Engels jedoch gewohnte Denkweise, so ernst sie das Subjekt stets nahmen, wo es hingeh�rt.
Schlie�lich ist noch Reichs Loyalit�t zu jener praktischen Politik zu w�rdigen, die er mit Recht als Resultat der Marx-Engels�schen Erkenntnisse ansah, wenn man diese in der Nachfolge ihrer Gr�nder mit humanistischer Zielsetzung verbindet, also der kommunistischen. Es ist Reichs Tragik, seine im Ausf�hrungsfall mit Sicherheit n�tzlichen Hinweise zur Verbesserung der KPD-Aktivit�t ebenso wie seine dabei einsatzf�higen Brosch�ren (v.a. �Der sexuelle Kampf der Jugend�) gerade zu einem Zeitpunkt beigesteuert zu haben, wo die dazugeh�rige Organisation das Ziel des politischen Siegs nicht mehr verfolgte (falls sie das nach der Ermordung Levin�s in M�nchen �berhaupt noch einmal so ernsthaft fertigbrachte wie Lenin und Trotzki in Ru�land), da sie subjektiv wie materiell von ihrer sowjetrussischen Mutterpartei abhing, deren fest im Sattel sitzende F�hrung ihre Territorialherrschaft nicht mehr durch ausl�ndische �Abenteuer�, d.h. Siege riskieren wollte, welche die zu ihrem vor�bergehenden Gl�ck noch uneinigen herrschenden Klassen der kapitalistischen L�nder zu einem koordinierten Milit�r�berfall h�tten reizen k�nnen, welchen in einen innerimperialistischen B�rgerkrieg umzuwandeln Stalin weder Lust noch moralische Kraft hatte; wie f�r einen Schachspieler, der ausschlie�lich defensiv spielt, die Niederlage feststeht, so war damit f�r die Sowjetunion der Weg zu Gorbatschow vorgezeichnet. F�r die zielbewu�te K�hnheit eines Reich, die nur noch mit der unbedingten Solidarit�tsbereitschaft eines Lenin zu allen Gegnern und Opfern des Zarismus einschlie�lich der religi�sen Sekten und nationalen Separatisten zu vergleichen ist, ohne welche seine Partei nicht h�tte siegen k�nnen, war da kein Platz � dies h�tte einen Siegeswillen vorausgesetzt, wie ihn die Masse der KPD-Mitglieder gewi� substanziell mitbrachte, aber gegen eine F�hrung, welche entgegengesetzten Absichten dienstbar war, nicht entfalten konnte. (Dieses Verh�ltnis spiegelt sich beispielsweise im �Brosch�renkampf� der Sexpol.) Es ist �u�erst unwahrscheinlich, da� Reich, der in diesem Zusammenhang die kindlich-individualistische Ebene unheimlicher �Modjus� nicht ernsthaft �berschreiten konnte, dieser milit�risch-politische Hintergrund klar war; auf dem entgegengesetzten, wie er noch wenige Jahre vorher zumindest teilweise bestand, h�tte er pers�nlich geschichtswirksam werden k�nnen. (Dieser ungl�ckliche Hintergrund erkl�rt auch, warum die KPD � die KP� war zur Geschichtswirksamkeit immer zu klein geblieben, �sterreich hatte von innen her keine Chance � niemals eine �Anti-Kornilow-Taktik� hatte entwickeln k�nnen, wodurch als Folge dieses Mangels die SPD Hitler den Weg zur Macht ebenso unaufhaltsam bahnte, wie dies andernfalls Kerenski mit Hitlers oder Pinochets russischem M�chtegern-Vorl�ufer getan h�tte, wenn der Siegeswille der Bolschewiki diesen nicht jenen dem KPD-�Ungeschick� diametral entgegengesetzten Ausweg gewiesen h�tte.) Ein kommunistischer F�hrer h�tte Reich aufgrund der beschriebenen M�ngel niemals werden k�nnen; aber eine bedingungslos zum Sieg strebende kommunistische F�hrung h�tte, als makrohistorisch dessen Chance f�r kurze Zeit bestand, sie durch Nutzung seiner Beitr�ge und Erkenntnisse erheblich vergr��ert. Schade.