Es geziemt sich wohl auch, einiges über Handwerk und Gewerbe in unserm Dorf zu berichten. Leider sind etliche, früher aus einem Dorf nicht wegzudenkende Berufe bei uns gänzlich verschwunden. So gibt es wohl noch eine halbzerfallene Hafnerhütte, aber keinen Hafner mehr. Im Ortsmuseum aber liegt eine alte Ofenkachel von 1834, auf welcher der Name eines Jakob Liebert, �Haffner zu Wayach� eingeritzt ist. Und am alten Stubenofen selbst finden wir zweimal den Namen von �Conrath Guth, Hafner zu Weyach A. 1827�. Noch anfangs unseres Jahrhunderts lebte im Winkel (heutige Metzgerei Baumgartner) ein Hafner Sigrist, von welchem ebenfalls ein Musterstück im Ortsmuseum zu sehen ist. Von der anfangs des 19. Jahrhunderts erwähnten �Ziegelhütte zu Weyach� ist ebenfalls nichts mehr zu finden. Sie soll um die Mitte des letzten Jahrhunderts abgebrochen und in Eglisau wieder aufgerichtet worden sein. Der Weiacher Ziegler musste einstmals vertragsmässig zuerst den Bedarf der Schlossherren der Weiss- und Rotwasserstelz (heute Schloss Röteln genannt) sowie von �Schultheiss, Rath und Burgerschaft der Stadt Kaiserstuhl� decken, ehe er seine Produkte weiter verkaufen durfte. Dies ist aus verschiedenen Dokumenten ersichtlich, die im Aargauer Urkundenbuch nachgedruckt sind. So lese ich in einem solchen vom 5. Oktober 1421 : �sunnentag nach sant Michelstag ... kauft Haini Kessler ... von Bärschy Friess die ziegelhütten ze Wyach im dorff gelegen ... er übernimmt die Verpflichtung, das er seinem hern von Costentz und der statt Keiserstuel geben sölt ain tusend ziegel umb 36 schilling und ain fueder kalchs umb 10 schilling haller.�
Oftmals entstanden über die Verpflichtungen und Preise Uneinigkeiten, so dass die amtierenden Vögte diese zu schlichten hatten, was einmal 1568 und dann wieder 1597 unterm 6. November [recte: 1597 IX 6., also September] geschah. Dazumal klagten Schultheiss und Rat zu Kaiserstuhl, dass der Weiacher Ziegler Felix Leemann seine Verpflichtungen nicht befriedigend einhalte. Der Ziegler seinerseits erklärte dazu, dass er �das holtz je länger je theurer kouffen, die stein aber mit schweren kosten zur hütten füeren lassen müesse, allso das ime ettwas schwers fallen will, den kallh und ziegel in alltem kauff hinzugeben.�
Unter dem Vorsitz des �hochfürstlichen, cardinalischen, constanzischen Vogtes Andreas Zweyer� und des �Daniel Vischlin, landtspergischer Vogte uff Weissen Wassersteltzen� kam dann ein Vergleich zustande. Ich entnehme diesem ziemlich langatmig geratenen Dokument nur den uns interessierenden Abschnitt:
�Erstlich das wihr beide vögt im Namen beider Gerichtsherren, innhaltz eines briefs vom 7. X. 1568 die ziegelhütten fürderlich ettwas wider erbauwen lassen wellen; am andern solle der ziegler wie von alltem haro von einem jeden brandt ... 100 ziegel in das schloss Rötteln und 100 in das schloss Weissen Wassersteltzen in seinem costen liffern; zum dritten: iren vögten wie auch schultheiss und rath vor allen andren und umb hienach volgendt gelt geben; ... Die Gerichtsherren und Schultheiss und Rat bezahlen für jedes fueder kallh 15 batzen und für 100 flah ziegel 6 bazen; die Bürgerschaft der Stadt für jedes fueder 18 batzen und für das 100 flah ziegel, darunter die besetz blatten, 1/2 GI., die fürstziegel sollen wie von alltem haro 3 creüzer gelten.�
Im Ortsmuseum liegen überdies eine ganze Anzahl alter Ziegel, die ohne Zweifel aus unserer einstigen Ziegelhütte stammen, tragen sie doch, neben eingeritzten Zeichnungen, fast durchwegs den Weiacher Wappenstern. Die ältesten, zwei Firstziegel, tragen zudem die Jahrzahl 1688.
Sogar die beiden für ein Dorf doch unentbehrlich scheinenden Berufe des Schusters und des Bäckers existieren seit 1958 bei uns nicht mehr, obwohl in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg gar drei Bäckereien vorhanden waren (Funk, Griesser, Stüssi). Brot und weiteres Gebäck muss man seither im Laden der Landwirtschaftlichen Genossenschaft holen, oder beides wird durch einen Bäcker aus Kaiserstuhl zweimal wöchentlich per Auto im Dorf verführt. Auch die Schäftenäherei, eine Filiale der Schuhfabrik Walder, Brüttisellen, die um 1920 erbaut wurde, ist vor 6 Jahren wieder geschlossen worden.
Somit können als heute noch bestehende Handwerks- und Gewerbebetriebe die folgenden aufgeführt werden:
das Baugeschäft Gottlieb Griesser-Oeschger,
die Schlosserei Ernst Wolf-Schneider,
die Schmiede und Tankstelle Albert Willi-Jost,
die Bahnhofgarage Albert Weibel-Sasso,
die Autoreparaturwerkstätten von F. Schwab und Albert Meier-Hirt, Chälen,
die Schreinerwerkstätte Paul und Walter Schmid,
die Wagnerei und Schreinerei Albert Erb-Saller,
das Säge- und Spaltwerk Heinrich Benz,
die Kleinsägerei Ernst Schär,
die Metzgerei Hans Baumgartner-Candusso,
die Mühle im Oberdorf, früherer Besitzer Eugen Funk.
Endlich muss auch etwas über die Läden gesagt werden. Noch im ersten Drittel unseres Jahrhunderts bestanden deren drei: die Handlung von Frau Anna Meierhofer-Griesser (Drehers), unterhalb der alten Post, der Laden von Frau Glutz-Trüllinger an der Bergstrasse, und die Landwirtschaftliche Genossenschaft, Depot im Hause von Familie Arnold Nauer in der untern Chälen.
1935 wurde für diese letztere an der Hauptstrasse im Unterdorf ein mächtiger Neubau, zusammen mit der Milchgenossenschaft, erstellt. Er weist neben Ladenlokal und Magazin auch ein Büro für den Verwalter und darüber zwei Wohnungen für die Verwalterfamilie und das Verkäuferehepaar auf. Die beiden erwähnten Kleinverkaufsläden sind mit der Zeit eingegangen, so dass der Laden der Landwirtschaftlichen Genossenschaft allein, also ohne Konkurrenz, dasteht. Er ist selbstverständlich dem Verband ostschweizerischer landwirtschaftlicher Genossenschaften (Volg) angeschlossen.