Von Bahn und Post

Mit der Eröffnung der Bahnlinie Winterthur-Koblenz, am 1. Juli [richtig: Aug] 1876, treten wir nun rasch in die neue Zeit hinüber. Eine Eisenbahnlinie Wallisellen-Weiach war bereits 1857 projektiert worden, kam aber leider nicht zustande. Die alte Postkutschenromantik - das gab es nämlich auch durch unser Dorf - nahm damit ein Ende. Dem Jahrheft Nr. 9 des Unterländer Museumsvereins entnehme ich einige Angaben hierüber: Bereits um 1800 hatte Weiach seine Stadtboten, die vor allem die amtliche Post für den Staat und das Militärwesen zu vermitteln hatten. Anno 1835 stellte Weiach dann einen eigenen Zürcher Freitagsboten in Jakob Meyer, der im einstigen Winzelnhof wohnte. Dieser führte auch private Aufträge nach und von der Stadt aus. Bei starkem Verkehr bewilligte man ihm ein Pferd. Später war es ein weiterer Gemeindebürger namens Griesser, der jetzt schon zweimal wöchentlich und per Fuhrwerk zur Stadt fuhr. Als dann 1847/50 die Strasse Stadel-Niederglatt-Rümlang ausgebaut war, kam ab 1. Juni 1852 sogar ein Postwagenkurs von Kaiserstuhl bis Zürich zustande.

Abb.: Verschiedene alte Gebäude in Weiach

[Postkarte "Gruss aus Weiach, Ct.Zürich" mit Photographien von: Kirche, Wirtschaft zur Linde, Schulhaus, Landw. Genossenschafts-Depot, Mühle, Pfarrhaus, Gasthof zum Sternen, Post-Bureau]

Damit wurde der Bote überflüssig. Diese einspännig geführte, zweiplätzige Postkutsche übernahm nun dessen Funktionen. Mit dem Bau der Bahnlinie Zürich-Bülach im Jahre 1865 wurde der Postwagenkurs nurmehr bis Niederglatt (zum Bahnanschluss) geführt. Er verkehrte nach folgendem Fahrplan:

Kaiserstuhl ab 5.10 Uhr morgens
Niederglatt an 6.20 Uhr morgens
Niederglatt ab 7.40 Uhr abends
Kaiserstuhl an 8.50 Uhr abends

Die Passagiertaxe betrug pro Fahrt 1 Franken 35 Rappen. Die Eröffnung der Bahnlinie Winterthur-Koblenz 1876 bedeutete, wie oben bereits erwähnt, die gänzliche Einstellung des Postkutschenbetriebes ab Kaiserstuhl, wogegen die Verbindung Stadel-Niederglatt weiterhin bestehen blieb.

Und da wir schon beim Thema Post stehen: das Datum der Einrichtung einer ersten Postablage in Weiach ist leider nicht genau bekannt; es soll zwischen 1835 und 1842 unter einem J. Baumgartner geschehen sein. Später aber, bis auf den heutigen Tag, lag und liegt die Besorgung der Poststelle Weiach in den Händen derselben Familie. Der erste Posthalter ab 1852 war Gemeindeschreiber Rudolf Meierhofer; der gegenwärtige Inhaber der Poststelle ist Walter Meierhofer, geboren 1929. Er amtet nun in dem Anno 1954 neu errichteten Post- und Wohngebäude gegenüber der Gastwirtschaft �Zur Linde�.

 

Hosted by www.Geocities.ws

1