Ausklang

In den vorstehenden Kapiteln haben wir verfolgen können, wie bescheiden unsere Vorfahren lebten, wie sie jahrhundertelang von Obrigkeiten, Vögten, Zehntenherrschaften usw. abhängig blieben, deshalb oftmals unter diesen unerfreulichen Verhältnissen ächzten. Wir haben auch erfahren, wie, namentlich das 19. Jahrhundert, nach und nach durch weitsichtige Ortsbürger und Pfarrherren gefördert, allerhand Verbesserungen in Haus und Hof, in Gemeinde und Schule und damit langsam wachsenden bescheidenen Wohlstand, aber auch Befreiung vom alten Untertanenjoch und ein geordnetes Staatswesen brachte. Schon vor dem Ersten Weltkrieg, aber namentlich nach dem Zweiten Weltkrieg steigerte der technische, wissenschaftliche und kulturelle Fortschritt das Selbstvertrauen und den Stolz auch der Landbevölkerung in die neuen Errungenschaften ganz gewaltig. Wissenschaft, Forschung und Technik bieten uns heute wirklich Grosses; sie werden sich dank intensiver Forschungsarbeit auch in nächster Zukunft noch wesentlich weiterentwickeln. Sie werden bestimmt, ja sie haben es zum Teil schon getan, die Bevölkerungsstruktur und die Mentalität derselben auch auf der Landschaft verändern.

Ist wohl eine solche Entwicklung für uns alle zum Guten? Wenn wir uns heute recht umschauen und besinnen, will mir scheinen, dass dem nicht durchwegs so ist. Die heranwachsende Generation wird der heimatlichen Scholle immer mehr entfremdet. Sie bleibt nicht mehr, wie unsere Vorfahren, mit dem väterlichen Grund und Boden verwachsen. Die Mechanisierung hat sie bald alle, wir begreifen dies zwar wohl, in ihren Bann gezogen. Alfred Huggenberger, der bekannte Bauerndichter unseres Jahrhunderts, drückte es vor vielen Jahren schon trefflich aus in den nachstehenden Versen:

�Vordem ward dem Mäder sein Recht; keck schritt einher der letzte Knecht! Jetzo muss er sich weidlich schicken, muss hasten und laufen, muss flicken und zwicken!�

Unzufriedenheit mit dem vermeintlich härteren Los des Bauernstandes greift deshalb oftmals um sich. Vor allem glaubt sich die Jungmannschaft zurückgesetzt und wendet sich vom angestammten Beruf weg. Überhaupt übt die heutige junge Generation - allerdings nicht nur bei der Landwirtschaft, sondern durchwegs - recht starke Kritik an all den überlieferten beruflichen, erzieherischen und politischen Einrichtungen. Konstruktive Kritik wäre zwar willkommen; sie bezeugt wenigstens, dass ein Interesse vorhanden ist und dass nach Neuem, Besserem gesucht wird. Leider aber hat diese Suche bis heute noch zu keinem Ziel geführt, weshalb eben Unsicherheit, Unruhe und die bereits erwähnte Unzufriedenheit vorherrschen.

Aber besser, wirklich lebenswerter, kann es freilich nur werden, wenn jung und alt, statt übereinander zu kritisieren, versuchen, miteinander zu reden, um so in echt demokratischer Art ein erfreuliches künftiges Zusammenleben in Familie und Dorfgemeinschaft zu gestalten.

Abb.: Dorfansicht Richtung Osten, 1964. Photo Werner Friedli, Brüttisellen

 

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